Lesbischer Vampirismus ist ein narratives Motiv in Literatur und Film seit der viktorianischen Schauerliteratur. Ursprünge des Motivs Einen der Ursprünge für das Motiv des lesbischen Vampirs stellt die Gräfin Elisabeth Báthory, eine ungarische Adlige des 16. Jahrhunderts, dar, die angeblich 650 Jungfrauen gefoltert und ermordet und in deren Blut gebadet haben soll, um ihre Jugend zu bewahren.

Der Mythos des lesbischen Vampirs findet sich weiter in „Carmilla“ von Sheridan LeFanu. Die Geschichte handelt von der Protagonistin Laura, welche alleine mit ihrem Vater in einem abgeschotteten Schloss wohnt, bis sie die mysteriös auftauchende Carmilla als Gast willkommen heißen. Daraufhin entwickeln die beiden jungen Frauen eine tiefe Verbindung, die mehr und mehr homoerotische und -romantische Züge annimmt. Es stellt sich heraus, dass Carmilla tatsächlich die verstorbene Gräfin Millarca Karnstein ist, welche hundertfünfzig Jahre nach ihrem Tod als Vampirin wieder auftaucht. Als Vampirin entwickelt sie romantische Gefühle für ihre weiblichen Opfer, wie auch Laura. “I have been in love with no one, and never shall," she whispered, "unless it should be with you." Einordnung des Motivs (Queerness und Horror) Queeres Begehren entsprach nicht den im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert etablierten Normen und wurde folglich tabuisiert und verschwiegen. Das Thema der Homosexualität lag dadurch für das generelle Verständnis der Öffentlichkeit im Unbekannten und Unheimlichen. So stellen sich sowohl queere Menschen als auch fiktive Vampire der Herausforderung, ihre wahre Identität verstecken zu müssen. Während die bluttrinkende Gestalt des Vampirs nicht im Sonnenlicht existieren kann, war und ist das Ausleben von Homosexualität im Licht der Öffentlichkeit für viele nicht möglich. Das Motiv des Vampirs bot somit die Möglichkeit, tabuisierte Thematiken unter dem Deckmantel von Fantasie und Fiktion zu vermitteln.

Im viktorianischen Zeitalter wurde von Frauen erwartet, gehorsam, moralisch rein und fromm zu sein, sowie die Rollen der Mutter und Ehefrau zu erfüllen. Größtenteils wurde ihnen der Zugang zu beruflicher Bildung und politischer Teilhabe verwehrt, was ihren Einfluss und ihre Autonomie immens einschränkte. Frauen waren somit in allen Lebensbereichen abhängig von Männern. So stellte die männerausschließende lesbische Sexualität eine Bedrohung für die Relevanz der sonst bestimmenden Männer und somit der männlichen Überordnung dar. Infolgedessen wurde die Liebe zwischen Frauen oft dämonisiert. Das Motiv des lesbischen Vampirs diente in der viktorianischen Zeit als Projektionsfläche für die Angst vor der Emanzipation der Frau, welche sich „durch die Möglichkeit, sich durch homosexuelles und transgressives Verhalten aus der passiven Rolle zu befreien und auf sexueller und romantischer Ebene Männern vorbehaltene Positionen einzunehmen“ fundierte. Adaptionen des Mythos (Auswahl) Frei adaptiert wurde der Klassiker „Carmilla“ (1870) von Carl Theodor Dreyer in „Vampyr“ (1932), in dem alle Anspielungen auf lesbische Sexualität entfernt wurden.

"Draculas Tochter" (1936) enthält eine zurückhaltende lesbische Begegnung zwischen einer Vampirin und einer Dienstmagd, was auf eine wichtige Klassendynamik im Mythos der lesbischen Vampire hindeutet. Wenn die Rolle der/des Verführenden statt von einem Mann von einer Frau übernommen wird, bezieht sie ihre Macht eher aus ihrer Klassenposition als aus ihrem Geschlecht. "Blood Of Dracula" (American International, 1957) kombiniert dieses Klassenelement mit dem klassischen Stereotyp der lesbischen Beziehung zwischen Schülerin und Lehrerin. Die sozial dominante Lehrerin (die selbst keine Vampirin ist) verwandelt ihre machtlose Schülerin durch wissenschaftliche Experimente in ein blutsaugendes Monster.

Die Filme "Danza macabra" (1963), "La maschera del demonio" ("Die Stunde, wenn Dracula kommt", 1960) und "I vampiri" (1957) zeigen ebenfalls weibliche Vampire, die mehr oder weniger Interesse an ihrem eigenen Geschlecht zeigen.

"The Velvet Vampire" (1971) weist eine gewisse Sympathie für die lesbische Orientierung auf und fügt auch eine gewisse feministische Wendung hinzu, indem die Vampirin ihre Jagd auf das weibliche Opfer unterbricht, um einen Vergewaltiger anzugreifen. Jean Rollins "Le Frisson des vampires" (1970) zeigt eine Verkörperung der Vorstellung einer maskulinen Lesbe, dargestellt mit Metallketten und schwarzen Lederstiefeln.

Siehe auch

Vampirismus

Einzelnachweise

Kategorie:LGBT Kategorie:Horrorliteratur