miniatur|Aufnahme um 1927 von Rudolf Koppitz Emil Adolf Victor Ertl (* 11. März 1860 Wien (Zieglergasse 33); † 8. Mai 1935 Graz) war ein österreichischer Dichter und Schriftsteller. Leben
Emil Ertl entstammte einer Seidenweber-Familie und wuchs am Schottenfeld, im 7. Wiener Gemeindebezirk, auf. Sein Bruder war der spätere Ackerbauminister Moritz Ertl. Bis 1873 besuchte er das Marianische Gymnasium in der Amerlingstraße, danach übersiedelte die Familie nach der Wiederverheiratung der verwitweten Mutter nach Meran. Nach dem frühen Tod des Vaters erhielt er den Architekten und Baurat Friedrich von Stach (1830–1906) zum Stiefvater, der eine wichtige Rolle in seiner Erziehung einnahm. Ertl studierte bis zur ersten Staatsprüfung Rechtswissenschaften an der Wien, wechselte aber, nach kunstgeschichtlichen Bildungsreisen nach Paris, London und Venedig zum Studium der Philosophie in Graz; 1886 wurde er im Wege der Arbeit Utilitarismus und Positivismus – eine Untersuchung im Anschluss an Bentham, Mill, Darwin, Spencer und Comte zum Dr. phil. promoviert.OBV. Ab 1889 war Ertl Bibliotheksbeamter, später Bibliotheksdirektor an der Technischen Hochschule Graz (Technische Universität Graz) und zuletzt in dieser Funktion in Wien.
Bekannt wurde Ertl vor allem als Schriftsteller. Zwischen den beiden Weltkriegen war er ein viel gelesener österreichischer Autor. Ertl gilt als einer der führenden Vertreter des österreichischen Heimat- und Geschichtsromans. Mit Peter Rosegger, der für ihn als Dichter ein Vorbild war, war er befreundet. Ertl war Kopf der literarischen Südmarkrunde, der unter anderem Viktor Geramb, Hans Kloepfer, Franz Nabl und Josef Papesch angehörten. Dieser Grazer Literatenkreis gilt als deutschnational gesinnt und als Wegbereiter der NS-Ideologie im steirischen Literaturbetrieb., Graz 2017, S. 70
Emil Ertl starb am 8. Mai 1935 im Alter von 75 Jahren in Wien und wurde auf dem Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf (Gruft 155) beigesetzt.
Sein Nachlass befindet sich im Bezirksmuseum Neubau. Nach dem Dichter sind Gassen und Wege in einigen österreichischen Städten, wie Wien, Wiener Neustadt, Bad Aussee und Graz, benannt.
Auszeichnungen
1930 Bürger der Stadt Wien (14. März 1930) 1932 Grillparzer-Preis Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Zieglergasse 33
Werke mini|Emil Ertl, Porträtrelief am Geburtshaus Abdêwa. Ein Märchen. 1884 Liebesmärchen. 1886 online Die Perlenschnur. Eine Renaissance-Novelle. 1894 online Opfer der Zeit. Zwei Novellen aus dem Wiener Leben. 1895 Miss Grant und andere Novellen. 1896 Mistral. Novellen. 1901 Feuertaufe. Neues Novellenbuch. 1905 Opfer der Zeit. 2. verm. Auflage. 1905 Gesprengte Ketten. Novellen. 1909 online Freiheit, die ich meine. Roman aus dem Sturmjahr. 1909 online. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0990-4; Neuedition 2026: https://doi.org/10.5281/zenodo.22281596 Der tote Punkt und anderes. Erzählungen. 1910 Auf der Wegwacht. Roman. 1911 online. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0742-9. Ausgewählte Novellen. 1911 online Die Leute vom blauen Guguckshaus. 1911. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0988-1. Der Salto mortale und andere Geschichten. 1911 Nachdenkliches Bilderbuch. Ernste und heitere Geschichten. 1911–1913 Drei Novellen. 1913 online Der Neuhäuselhof. Roman. 1913 online Christl. 1913 Walpurga. Novelle. 1914 online Aus der Bienengasse und andere Geschichten. 1914 Das Lächeln Ginevras. 1915 online Der Antlaßstein. Roman. 1917 online Das Trauderl. Aus den Papieren eines österreichischen Reserveoffiziers. Novelle. 1918 online Auf der Bergwacht. Roman. 1918 Der Handschuh. Novelle. 1922 Der Berg der Läuterung. 1922 online Peter Rosegger. Wie ich ihn kannte und liebte. Ein Buch der Erinnerung. 1923 online Sternschnuppen. Novelle. 1923 online Der Halbscheid. Erzählung. 1924 online Karthago. Kampf und Untergang. Roman. 1924 online Der hänfene Strick und andere Erzählungen. 1924 online Irrgarten des Lebens. Novellen. 1926 online – Österreichische Bücherei 4/2A Teufelchen Kupido. Lachende Liebes- und Ehegeschichten. 1925 online Im Haus zum Seidenbaum. Roman. 1926 online. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0992-8. Leidenschaft. Zwei Novellen. 1927 online Die Maturafeier. Sieben kleine Novellen. 1927 online Geschichten aus meiner Jugend. 1927 (Mit der darin enthaltenen Kurzgeschichte Der Kilometerfresser setzte er dem Mechaniker Siegfried Marcus ein literarisches Denkmal.) online Das Lattacherkind. Ein Roman aus der Bergwelt. 1929 online Meisternovellen. 1930. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0762-7. Emil Ertl zum 70. Geburtstag. Eine Festschrift. 1930 Eingeschneit auf Korneliagrube. Roman. 1931 online Lebensfrühling. Erinnerungen aus dem lieben alten Wien meiner Jugend. 1932 online Mutter-Almanach der Dichter Österreichs. 1933 Symphonie. Gedichte in Vers und Prosa. Zum 75. Geburtstag des Dichters, 11. März 1935. 1935 online Menschenschicksale. Geschichten aus dem alten Österreich. 1948
Literatur
Elfriede Ladich: Die Auffassung der Geschichte Österreichs in den Romanen Emil Ertls. Dissertation. Universität Wien, Wien 1949, OBV. Mirella Kuchling: Schriftstellernamen in Grazer Straßenbezeichnungen. Eine illustrierte Dokumentation. Dissertation. Universität Graz 1999. Edith Seemann: Emil Ertl als Novellist. Dissertation. Universität Wien, Wien 1937, OBV. Alfred Walheim: Emil Ertl. Sein Leben und seine Werke. Eine Studie. Staackmann, Leipzig 1912, OBV.
Einzelnachweise
Weblinks
Emil Ertl in der Datenbank Literatur- und kulturgeschichtliches Handbuch der Steiermark im 19. Jahrhundert online Emil Ertl In: Projekt Historischer Roman. Datenbank. Universität Innsbruck.
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Erzählung Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Historischer Roman Kategorie:Ehrenbürger von Graz Kategorie:Schriftsteller (Wien) Kategorie:Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1860 Kategorie:Gestorben 1935 Kategorie:Mann