Ferdinand Daurach (* 3. September 1912 in Wien; † 25. November 1997 ebd.) war ein Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien.

Leben Ferdinand Daurach wuchs im 5. Wiener Gemeindebezirk als Sohn eines Polizeibeamten auf. Der Vater verstarb 1917, die Mutter blieb mit zwei Kleinkindern zurück. Als Schüler war Daurach Mitglied des katholischen Reichsbundes, der zu den wichtigsten katholischen Jugendbewegungen zählte. Nach Absolvierung einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete er in einem Textilwarengeschäft, das 1930 Konkurs ging. Mehrere Jahre der Arbeitslosigkeit folgten.

1936 trat Daurach in die SS-Standarte 89 ein. Von März 1937 bis zum „Anschluss Österreichs“ an NS-Deutschland im März 1938 war er im SS-Nachrichtendienst als Bezirksleiter in Margareten tätig. Danach wechselte Daurach zum Sicherheitsdienst der SS (SD). Im Sommer 1938 begann er bei der AEG-Union in Stadlau zu arbeiten. Anfang 1939 absolvierte er eine Ausbildung zum MG-Schützen bei der Wehrmacht.

Aufgrund seiner SS-Zugehörigkeit gelang es Daurach im Oktober 1939, eine Stelle in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien zu erhalten. Sein erster Einsatz führte ihn in die schlesische Hauptstadt Kattowitz im besetzten Polen, wo er an ersten Deportationen in das Lager Nisko mitwirkte. In die Wiener Zentralstelle zurückgekehrt, war Daurach mit Buchhaltung und Verwaltungsarbeiten beschäftigt. Als Kassier nahm er auch an „Kommissionierungen“ in Sammellagern teil, bei denen entschieden wurde, wer deportiert und wer „zurückgestellt“ wurde. Dabei wurden jeweils Transporte von 1.000 Menschen zusammengestellt, die anschließend in die Ghettos und Konzentrationslager in Osteuropa verschleppt wurden.

Daurach beantragte am 23. Oktober 1940 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1941 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.465.352).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/5850577 Er war bis zu deren Auflösung 1943 in der Zentralstelle tätig, zuletzt als Verwaltungsführer. Anschließend wurde er in Prag in der Verwaltungsstelle des Auswanderungsfonds für Böhmen und Mähren eingesetzt. Anfang 1944 rückte Daurach bei der Waffen-SS ein, zunächst in Arolsen und Dachau. Danach war er mit der 16. SS-Panzergrenadierdivision in Italien und Ungarn stationiert. Diese Einheit mit dem Beinamen „Reichsführer SS“ war überproportional häufig an Massakern an der Zivilbevölkerung beteiligt.

Nach Kriegsende 1945 geriet Daurach in britische Kriegsgefangenschaft. Infolge seiner Überstellung nach Wien erhob das Volksgericht Anfang 1946 Anklage wegen Hochverrats. Daurach bestritt seine Beschäftigung in der Zentralstelle. Das Gericht verurteilte ihn lediglich zu einem Jahr schweren Kerkers. Unter Anrechnung der Untersuchungshaft kam er bereits nach fünf Wochen frei. Nach seiner Entlassung arbeitete Daurach vorübergehend als Hilfsarbeiter bei einem Wiener Bauunternehmen, wurde dann aber arbeitslos. Später war er viele Jahre als Buchhalter tätig. 1954 heiratete Daurach Helene Baumgruber. Drei Jahre später wurde Daurachs Verurteilung im Rahmen der NS-Amnestie getilgt, durch die ca. 500.000 Personen österreichweit amnestiert wurden. Die noch nicht bezahlten Kosten des Strafverfahrens wurden ihm nachgelassen.

Literatur Hans Safrian: Eichmann und seine Gehilfen. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12076-4. Florian Wenninger, Sophie-Marie Egyed (Hrsg.): Schaltstelle des Terrors. Geschichte und Personal der Zentralstelle für jüdische Auswanderung Wien 1938–1943. Böhlau, Wien/Berlin 2025, ISBN 978-3-205-22381-8.

Einzelnachweise

Kategorie:Verurteilte Person (NS-Kriegsverbrechen) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Person (deutsche Besetzung Polens 1939–1945) Kategorie:Person des Nationalsozialismus (Österreich) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1997 Kategorie:Mann Kategorie:Angehöriger des Eichmannreferats