Das Bildnis des Don Baldassare di Antonio di Angelo (it. Ritratto di don Baldassarre di Antonio di Angelo) ist ein kleinformatiges Gemälde in Öl auf Holzpaneel von Pietro Perugino (* um 1450; † 1523), entstanden 1500 und heute im Bestand der Galleria degli Uffizi, der Gemäldesammlung der Uffizien in Florenz.

Am gleichen Ort befindet sich das Bildnis des Don Biagio Milanesi (it. Ritratto di don Biagio Milanesi), ebenfalls von Perugino, das zusammen mit dem Bildnis des Don Baldassare entstanden ist und ein nahezu gleiches Format hat.

Kritiker zollen den beiden kleinen Porträts durchweg höchstes Lob.

Historie und Provenienz Am 17. Dezember 1497 beurkundete der Notar Simone di Dino einen Vertrag zwischen zwei Bevollmächtigten der Abtei von Vallombrosa (Gemeinde Reggello bei Florenz) einerseits und Pietro Perugino andererseits über die Anfertigung eines Altarbildes, die später so bezeichnete Pala di Vallombrosa, für den Hochaltar der zum Kloster gehörenden Kirche. Die Haupttafel sollte drei Register (horizontale Gliederung eines Bildes) enthalten, oben in der Lünette (halbkreisförmiges Bildfeld) Gottvater, im mittleren Register die Himmelfahrt Mariens und im unteren Register vier Heilige, unter ihnen den Ordensgründer, den hl. Johannes Gualbertus. Für die Predella (Sockel unter dem Altaraufsatz) war eine Reihe von fünf Gemälden vorgesehen, drei Tafeln mit Wundern aus dem Leben des Johannes Gualbertus in der Mitte und zwei Bildnisse „nach der Natur“ des Generalabtes der Vallombrosaner Don Biagio Milanesi und „eines anderen Mönchs“ („quidam alius monacus“) an den Seiten.

Während die Auswahl des Don Biagio Milanesi für das Porträt auf der linken Seite naheliegend war, sind die Gründe für die Entscheidung, Don Baldassare zu porträtieren, nicht vollständig gesichert. Nicoletta Baldini verweist auf eine Arbeit Alessandro Cecchis aus dem Jahr 1999, der auf der Grundlage eines Zahlungspostens für das Altarbild in den Büchern des Klosters eine direkte Beteiligung Don Baldassares an den Kosten für das Altarbild annimmt. Sie führt jedoch weiter aus, dass diese Hypothese durch den Tenor des Briefes, in dem die Zahlung erwähnt wird, nicht ausreichend gestützt zu sein scheine. Als Grund für die Porträtierung Don Baldassares vermutet sie vielmehr die in seinem Bildnis erkennbare Persönlichkeit des Mönchs, die ihn per se dazu qualifiziere, die Mönchsgemeinschaft zu repräsentieren.

In einem weiteren Vertrag vom 4. August 1498 wurde die Lieferung des Altarbildes auf den 15. Juli 1499 festgelegt. Tatsächlich wurde es erst 1500 fertiggestellt, wie aus Peruginos Signatur („Pietro Perugino hat [dies] gemalt im Jahre des Herrn 1500“) am unteren Rand der Tafel hervorgeht. Man wird daher auch den Zeitpunkt der Fertigstellung der beiden Porträts auf spätestens dieses Jahr festlegen dürfen.

Vermutlich im 18. Jahrhundert wurde das Altarbild zerlegt. Im Jahr 1810 beschlagnahmte die napoleonische Regierung die Himmelfahrt und brachte sie nach Frankreich, während die beiden Porträts in die Accademia di Belle Arti in Florenz gelangten (die drei übrigen Tafeln der Predella waren zwischenzeitlich verlorengegangen). Die Himmelfahrt kehrte 1817 nach Italien zurück und kam ebenfalls in die Accademia. Im Jahr 1919 schließlich wurden die beiden Porträts an die Uffizien abgegeben.

Bildbeschreibung Bildnis des Don Baldassare Vor dunkelgrauem Hintergrund zeigt Perugino den Kopf des Don Baldassare im Vollprofil. Er war Dekan unter Don Biagio und zur Zeit der Porträtierung offenbar ein Mann im mittleren Alter. Die wesentlichen Merkmale seiner Physiognomie sind deutlich herausgearbeitet. Die Tonsur unterstreicht noch die markanten Gesichtszüge mit der scharfgeschnittenen Nase, den schmalen Lippen und dem glattrasierten energischen Kinn. Durch den emporgerichteten Blick sind die Augenbrauen nach oben gezogen und die Stirn gerunzelt. Vergegenwärtigt man sich die ursprüngliche Position dieses Porträts rechts unterhalb der Haupttafel, scheint es, als ob der Mönch zur Himmelfahrt Mariens aufblicke, eine beabsichtigte Wirkung.

Zur Maltechnik bemerkt Andreas Schumacher, dass in vielen Bereichen noch „dicht an dicht gesetzte[…] feine[…] Pinselstriche“ unterscheidbar seien; die rasierten behaarten Bereiche sind durch auffällige dunkle Schraffen wiedergegeben. Schuhmacher sieht für Perugino keinen Anlass, die Oberfläche des Bildnisses auf Hochglanz zu polieren; als Bestandteil der Predella war es nicht für eine Besichtigung aus der Nähe angelegt.

George Charles Williamson hebt die technischen Schwierigkeiten hervor, denen sich Perugino gegenübersah: Außer wenigen Zentimetern der braunen Mönchskutte ist keinerlei Accessoire abgebildet, keine Mütze oder Kapuze, nicht einmal Haare, unter denen der Maler Ungenauigkeiten seiner Darstellung hätte verbergen können.

Am oberen und am rechten Bildrand ist eine Inschrift in lateinischer Sprache:

Nach dem Motiv der Haupttafel dürfte diese Bitte an die Jungfrau Maria gerichtet sein.

Bildnis des Don Biagio Im Wesentlichen trifft die obige Beschreibung auch für das Bildnis des Don Biagio zu. Sein Geburtsdatum wird mit 1445 angegeben († 1523), so dass er zum Zeitpunkt seiner Porträtierung 55 Jahre oder knapp darunter gewesen sein muss. Er war von 1480 bis 1514 Generalabt des Ordens. Wegen der Position des Porträts links unterhalb der Haupttafel ist sein Blick nach rechts oben gerichtet. Seine Gesichtszüge sind weicher als die seines Gegenübers; der über der Stirn des Don Baldassare deutlich erkennbare Haarkranz fehlt hier.

Auch hier ist am oberen und am rechten Bildrand eine Inschrift angebracht, die nach oben allerdings halb abgeschnitten ist. Sie lautet

Rezeption

Die beiden Porträtbilder galten lange als Jugendwerke Raffaels (* 1483, † 1520). Perugino hatte allerdings bereits zuvor Porträts angefertigt, das bekannteste mag das Bildnis des Francesco delle Opere aus dem Jahr 1494 sein (jetzt gleichfalls in den Uffizien in Florenz). Auch dieses Porträt war zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch Raffael zugeschrieben worden, später wurde es für ein Selbstbildnis Peruginos gehalten.

Die Mönchsporträts wurden von der Kritik durchgängig hoch gelobt.

Laut Williamson bewies Perugino damit „triumphierend“ sein Recht, sich einen großartigen Porträtmaler nennen zu lassen. Selbst wenn alle anderen Werke Peruginos verlorengegangen wären, so würden sie alleine sein Genie in höchstem Maße zeigen.

Fritz Knapp schreibt, dass die Bildnisse „voll Ausdruck und feiner Charakteristik“ seien. Hier zeige sich „der Quattrocentist […], der sorgsam beobachtet und Gesicht, Profil, Ohr, Schädelform und selbst die Modellierung des Fleisches individuell […] bildet“. Knapp bedauert, „daß Perugino nicht mehr Porträts gemalt hat, sondern daß er in den schematischen […] Wiederholungen seiner Altarbilder so viel Kraft verschwendete“.

Edward Hutton meint, Perugino habe in den zwei Porträts sehr erfolgreich an die Wirklichkeit gerührt; möglicherweise halte sie mancher für Peruginos beste Werke.

Baldini schreibt, dass die Kraft und die subtile psychologische Annäherung, die in den Porträts erkennbar sei, auf Perugino als den alleinigen Schöpfer der Bildnisse schließen lasse.

Schumacher bezeichnet das Bildnis des Don Baldassare als „faszinierend lebensnah[…]“, „ein außergewöhnliches Zeugnis von Peruginos Talent als Porträtist“.

Einzelnachweise Nicoletta Baldini: Ritratto di don Baldassarre di Antonio di Angelo. In: Vittoria Garibaldi, Francesco Federico Mancini (Hrsg.): Perugino – il divin pittore. Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Galleria Nazionale dell'Umbria vom 28. Februar bis 18. Juli 2004. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2004, ISBN 88-8215-683-4. S. 254. Nicoletta Baldini: Ritratto di don Biagio Milanesi. In: Vittoria Garibaldi, Francesco Federico Mancini (Hrsg.): Perugino – il divin pittore. Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Galleria Nazionale dell'Umbria vom 28. Februar bis 18. Juli 2004. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo 2004, ISBN 88-8215-683-4. S. 252. Jacob Burckhardt: Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens. II. Mittelalter und neuere Zeit. III. Abschnitt: Malerei. 8. Auflage. Bearbeitet von Wilhelm Bode et al. Verlag von E. A. Seemann, Leipzig und Berlin 1901. S. 681 f. Alessandro Cecchi: La pittura a Vallombrosa dal Quattrocento all'Ottocento. In: R. P. Ciardi (Hrsg.): Vallombrosa. Santo e meraviglioso luogo. Pisa 1999. S. 111–120. Edward Hutton: Perugino. Reihe: The Popular Library of Art. Duckworth & Co., London 1910. S. 131. Fritz Knapp: Perugino. Reihe: Künstler-Monographien, Hermann Knackfuß (Hrsg.) Bd. LXXXVII. Verlag von Velhagen und Klasing, Bielefeld/Leipzig 1907. S. 103. Andreas Schumacher: Bildnis des Don Baldassare di Antonio d'Angelo (aus der Pala di Vallombrosa). In: Andreas Schumacher (Hrsg.): Perugino – Raffaels Meister. Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Alten Pinakothek München vom 13. Oktober 2011 bis 15. Januar 2012. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-9814578-1-0. S. 256. Andreas Schumacher: Bildnis des Francesco delle Opere. In: Andreas Schumacher (Hrsg.): Perugino – Raffaels Meister. Publikation anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Alten Pinakothek München vom 13. Oktober 2011 bis 15. Januar 2012. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-9814578-1-0. Webseite des Dizionario Biografico degli Italiani, abgerufen am 15. Februar 2026. George Charles Williamson: Pietro Vannucci Called Perugino. George Bells & Sons, London 1900.

Kategorie:Gemälde (15. Jahrhundert) Kategorie:Italienische Renaissance (Malerei) Kategorie:Kunstwerk der Renaissance Kategorie:Gemälde von Perugino Kategorie:Werk der Porträtmalerei Kategorie:Uffizien