Diese Chronik von Einzelereignissen während der Operation Metro Surge im US-Bundesstaat Minnesota dokumentiert den Ablauf der Ereignisse in den Straßen der Twin Cities sowie herausragende Entscheidungen der Verantwortlichen Akteure der US-Bundesregierung, wie dem US-Heimatschutzministerium (DHS), US-Zoll- und grenzschutzbehörde Customs and Border Protection (CBP) und United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) sowie der lokalen Regierungsvertreter in Minnesota im Vorlauf des Einsatzes, ab dem Beginn der Operation im Dezember 2025 bis zum offiziell erklärten Abschluss im Februar 2026.

Start der Operation im Dezember 2025 Am 4. Dezember 2025 starteten die Einsatzoperationen unter dem Namen Operation Metro Surge.

Am 6. Dezember 2025 drangen ein Dutzend Bundesbeamte in ein Wohnhaus in Burnsville ein und nahmen vier Personen fest, darunter die Eltern eines siebenjährigen Jungen. Sie wurden in Abschiebegefängnisse außerhalb des Bundesstaates Minnesota gebracht. Am 9. Dezember 2025 wurde eine 55-jährige Einwohnerin von US-Bürgerin aus Minneapolis von US-Bundesbeamten festgenommen, während sie eine ICE-Maßnahme auf einer öffentlichen Straße im Norden von Minneapolis beobachtete. Laut Berichten lokaler Medien, Aussagen von Bürgerrechtsorganisationen und Gerichtsunterlagen war die Frau nach Hinweisen auf laufende Bundesaktivitäten zum Einsatzort gefahren und stand auf einem Gehweg in der Nähe. Sekunden nachdem sie einen Polizisten mit den Worten „Sind sie ICE?“ angesprochen hatte, sei sie zu Boden gerissen, gefesselt und in Gewahrsam genommen worden. Berichten zufolge wurde sie in das Whipple Federal Building in Fort Snelling gebracht, dort angekettet und etwa vier bis fünf Stunden in einer Zelle festgehalten, bevor sie ohne Anklage freigelassen wurde. Während der Inhaftierung seien Teile ihrer Kleidung sowie ihr Ehering entfernt worden. In der Beschwerde der American Civil Liberties Union (ACLU) wird ausgeführt, dass sich die Frau auf öffentlichem Gelände befand, die US-Bundesbeamten nicht behinderte und die Festnahme Teil eines größeren Musters von Konfrontationen zwischen ICE-Polizisten und Personen gewesen sei, die föderale Einsätze dokumentierten.

Am 10. Dezember 2025 wurde 20-jähriger US-Bürger während seiner Mittagspause im Stadtteil Cedar-Riverside in Minneapolis von nicht gekennzeichneten ICE-Polizisten unrechtmäßig festgenommen. Der Mann wurde zu Boden gebracht, in einen Würgegriff genommen und in einem Fahrzeug zum Whipple Federal Building gebracht, obwohl er den Polizisten zurief: “I'm a citizen. I'm a citizen.” („Ich bin Staatsbürger. Ich bin Staatsbürger.“) und anbot, seinen Pass vorzuzeigen. Erst Stunden später durfte er seinen Pass zeigen und wurde daraufhin freigelassen. Die Polizisten weigerten sich ihn zurückzubringen mit den Worten „Nein, du musst zu Fuß durch den Schnee gehen.“ Polizei und Politiker aus Minneapolis und dem Bundesstaat Minnesota verurteilten die Festnahme als rechtswidrig und verfassungswidrig.

Am 11. Dezember 2025 blockierten schwer bewaffnete ICE-Agenten im Viertel Cedar-Riverside in Minneapolis einen Schulbus voller Kinder, um Aufnahmen für ein behördliches Werbevideo zu erstellen. Die Kinder im Bus mussten über einen längeren Zeitraum warten und zusehen, wie sich die maskierten Agenten für eine vermeintliche „Operation“ in Pose setzten. Dieser Vorfall wurde durch Peter Wagenius, einen ehemaligen Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Minneapolis, öffentlich dokumentiert, da sich seine eigene Tochter unter den betroffenen Kindern im Bus befand. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der 15th Avenue, einem Bereich mit einer hohen Dichte an somalisch-amerikanischen Familien. Laut der Klageschrift Tincher v. Noem (Fall-Nr. 0:25-cv-04669) diente die Blockade keinem tatsächlichen polizeilichen Zugriff, sondern ausschließlich der Inszenierung heroischer Szenen für die Medienarbeit der Trump-Administration.

Im Nachhinein wurde in der New York Times über eine interne E-Mail vom 12. Dezember 2025 berichtet, die von Marcos Charles, dem Leiter der Abteilung für Vollzugs- und Abschiebungsmaßnahmen (ERO) innerhalb der ICE-Behörde, an das gesamte ICE-Personal gesendet worden war. In dieser Nachricht wurden die im Feld eingesetzten US-Bundesbeamten vor einer Zunahme von Protestaktivitäten und Drohungen gegen Beamte gewarnt. Charles wies sein Team an, eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Umgebung beizubehalten und forderte sie explizit dazu auf, darauf vorbereitet zu sein, angemessene und entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, sollten sie mit einer unmittelbaren Bedrohung konfrontiert werden (aus dem englischen Original: „Maintain a heightened sense of awareness of your surroundings. I have full faith and confidence that each of you possess the training and knowledge to exercise the appropriate response. Be prepared to take appropriate and decisive action should you be faced with an imminent threat.“). Diese E-Mail wird heute als das Dokument angesehen, das die psychologische Grundlage für die tödliche Gewalt im Januar 2026 legte, da sie den Agenten suggerierte, dass harter Widerstand gegen Zivilisten eine angemessene Diensthandlung sei.

In einem Interview am 14. Dezember 2025 erklärte die ursprünglich aus Somalia stammende US-Kongressabgeordnete Ilhan Omar, dass ihr Sohn von ICE-Polizisten angehalten worden sei. Er konnte seinen Pass vorzeigen und wurde nicht festgenommen. Am 15. Dezember 2025 versuchten ICE-Polizisten in Minneapolis eine Frau festzunehmen, der sie vorwarfen, ihr Einsatzfahrzeug beschädigen zu wollen. Der Einsatz von Gewalt bei der Festnahme wurde anschließend vom Polizeichef Brian O’Hara kritisiert und führte vor Ort zu spontanen Gegenreaktionen von Passanten, die die Beamten umringten und Schneebälle auf sie warfen, bis diese den Festnahmeversuch abbrachen.

Am 17. Dezember 2025 reichte die ACLU gemeinsam mit mehreren Anwaltskanzleien stellvertretend für sechs Klägerinnen aus Minnesota im US-Bundesbezirksgericht in Minnesota (United States District Court for the District of Minnesota) eine Sammelklage ein (Tincher et al. v. Noem et al. Docket Nr. 0:25-cv-04669). In diesem Verfahren wird der Vorwurf erhoben, dass die Kläger im Rahmen der Operation Metro Surge von der Immigration and Customs Enforcement Behörde (ICE) und anderen US-Bundespolizisten in ihren verfassungsmäßigen Rechten verletzt wurden. Die Klage bezieht sich auf eine Reihe von Ereignissen im Dezember 2025, bei denen Personen, die friedlich auf öffentlichen Straßen ICE-Einsätze beobachten, dokumentieren oder gegen sie protestieren wollten, laut Beschwerde von Beamten eingeschüchtert, körperlich angegriffen, mit Reizstoffen wie Pfefferspray konfrontiert oder ohne richterlichen Haftbefehl festgenommen wurden. Die Klägerinnen beschuldigen die Behörden, damit systematisch Verstöße gegen den 1. Verfassungszusatz (freie Rede, Versammlungs- und Pressefreiheit) begangen zu haben, indem friedliche Beobachterinnen und Protestierende an der Ausübung dieser geschützten Aktivitäten gehindert worden seien. Außerdem beschuldigten sie die Behörden Verstöße gegen den 4. Verfassungszusatz (Schutz vor unangemessenen Durchsuchungen, Festnahmen und übermäßiger Gewalt) begangen zu haben, indem Festnahmen ohne Tatverdacht (probable cause) und mit übermäßigem Zwang durchgeführt wurden. Ziel der Klage ist es, diese Praktiken zu stoppen und verfassungsrechtlichen Schutz für Personen zu erzwingen, die öffentliche ICE-Einsätze beobachten oder dokumentieren wollen.

Am 22. Dezember 2025 eröffneten ICE-Polizisten in Saint Paul das Feuer auf einen kubanischen Migranten, dem sie vorwarfen, bei dem Versuch, sich einer Festnahme zu entziehen, mit einem SUV auf sie zugefahren zu sein.

Zuspitzung der Operation im Januar 2026 Am 6. Januar 2026 wurden die Maßnahmen ausgeweitet, die am 7. Januar 2026 zur Tötung von Renée Nicole Good durch Schusswaffengebrauch der Einsatzkräfte führten. Am 13. Januar 2026 wurde eine gehbehinderte US-Bürgerin auf dem Weg zu einem Arzttermin von US-Bundesagenten aus ihrem Fahrzeug herausgerissen.

Am 13. Januar 2026 traten sechs Bundesstaatsanwälte in Minnesota und mindestens weitere vier Staatsanwälte aus der Civil Rights Division des US-Justizministeriums in Washington D.C. zurück, nachdem es Streit über den Umgang des US-Justizministeriums mit der Untersuchung eines tödlichen ICE-Schusses in Minneapolis gegeben hatte. Weitere Bundesstaatsanwälte hatten ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Dienst angekündigt. Der Konflikt entstand durch die Festlegung des Ermittlungsfokus, den die Behördenspitze nicht auf eine Prüfung der tödlichen Schüsse durch den ICE-Agenten richtete, sondern auf Ermittlungen gegen die Witwe von Renée Nicole Good. Damit verschob die Behördenleitung aus Sicht der zurücktretenden Staatsanwälte die rechtlichen und moralischen Prioritäten der Bundesanwaltschaft erheblich und entfernte sich von den üblichen Prozeduren und Standards in derartigen Fällen.

Am 14. Januar 2026 verstarb der durch die US-Bundesbeamten inhaftierte 36-jährige Victor Manuel Diaz aus Nicaragua in dem Detention Center Camp East Montana, El Paso in Texas, nachdem er am 6. Januar 2026 aus Minneapolis nach Texas ausgeflogen wurde. Die US-Bundesbehörden behaupteten, es handele sich um einen Suizid, was die Familie des Verstorbenen bestritt. Es handelte sich bereits um den dritten Todesfall in dem Detention Center in El Paso.

Am Abend des 14. Januar 2026 wurde Julio Cesar Sosa-Celis, ein 24-jähriger venezolanischer Staatsbürger gegen 18:51 Uhr in der 24th Avenue North nahe North 6th Street in North Minneapolis durch ICE-Beamte durch eine Tür hindurch ins Bein geschossen. Er überlebte den Vorfall, verblieb jedoch in Haft. In Hinblick auf die ursächlichen Ereignisse für die vorausgehende Verfolgungsfahrt gibt es unterschiedliche Darstellungen. Laut DHS floh er mit dem Auto, prallte gegen ein geparktes Fahrzeug, rannte zu Fuß weiter, hätte er sich gegen die Festnahme gewehrt. Zudem seien die Beamten von ihm und zwei weiteren Venezolanern, Aljorna und Gabriel Alejandro Hernandez-Ledezma, mit Schaufel und Besenstäben attackiert worden. Später wurden jedoch Videoaufnahmen bekannt, die zu der Darstellung der ICE-Behörde im Widerspruch stehen. Sosa-Celis und Aljorna wurden wegen Angriffs auf einen Bundesagenten angeklagt, aber im Februar 2026 fielen die Anklagen aufgrund der neu entdeckten Beweise und inkonsistenter Aussagen der ICE-Agenten, gegen die wegen Falschaussagen ermittelt werde.

Am 20. Januar 2026 nahmen US-Bundesbeamte in Columbia Heights bei Minneapolis den 5-jährigen Liam Conejo Ramos und seinen Vater Adrian Alexander Conejo Arias fest, als sie vom Kindergarten heimkehrten. Der 5-jährige Liam trug dabei seinen markanten Spiderman-Rucksack, auf den sich im Anschluss zahlreiche Politiker und Kommentatoren bezogen. Es kam der Vorwurf auf, die US-Bundesbeamten hätten Liam vor der Haustür des Vaters als „Köder“ eingesetzt, um Bewohner herauszulocken, während DHS betonte, der Vater habe ihn fluchtartig verlassen und die Mutter habe die Übernahme verweigert. Die Familie mit soll sich in einem regulären und noch laufendem Asylverfahren befinden, in dem sie allen Regeln gefolgt wären. Die Familie wurde nach in ein Abschiebelager nach Texas gebracht, wo Liam erkrankte. Ein Richter ordnete am 31. Januar 2026 ihre Freilassung an. In den frühen Morgenstunden des 18. Januar 2026 wurde ein 56-jähriger nicht vorbestrafter US-Bürger aus seinem Haus durch die US-Bundesbehörden verhaftet und trotz des kalten Wetters nur leicht bekleidet zu den Fahrzeugen abgeführt.