Das unter der Bezeichnung Venus und Mars bekannte Werk ist ein mythologisches Gemälde des Barockmalers Carlo Saraceni, das in Öl auf Kupfer ausgeführt wurde. Eine genaue Datierung liegt nicht vor, aufgrund stilistischer Merkmale lässt sich das Gemälde jedoch in die frühe römische Schaffensphase des Künstlers zu Beginn des 17. Jahrhunderts einordnen. Es befindet sich heute in der Sammlung des Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid. Das Gemälde zeigt die Liebesgöttin Venus und den Kriegsgott Mars in einer intimen Szene und greift damit ein in der Kunst der Renaissance und des Barocks verbreitetes Motiv auf.

Bildbeschreibung Das Gemälde zeigt die römische Liebesgöttin Venus und den Kriegsgott Mars in einem architektonisch ausgestalteten Innenraum. Die Szene ist innerhalb einer Loggia angeordnet, deren Hintergrund durch eine Reihe von Säulen gegliedert ist. Im linken Teil des Hintergrundes erstreckt sich eine Kolonnade, in der Statuen positioniert sind. Am Ende des Gangs wird ein Raum mit Geräten dargestellt, der einer Schmiede ähnelt.

Im Mittelpunkt des Gemäldes befindet sich auf der rechten Seite ein prunkvoll dekoriertes Bett, auf dem Venus und Mars liegen. Die Figuren sind einander eng zugewandt. Obwohl das Bett mit voluminösen Stoffen bedeckt ist, sind die beiden Körper nackt zu sehen. Venus liegt vor Mars und verdeckt ihn dadurch teilweise, während sie völlig entblößt zu sehen ist.

Um das Bett herum sind fünf Putten zu sehen, die spielerisch von der Szene ablenken. Zwei von ihnen befinden sich unmittelbar am Bettrand und beschäftigen sich mit den dekorativen Stoffen. Drei weitere sind am linken Bildrand positioniert und spielen mit abgelegten Rüstungsteilen auf dem Boden. Einer von ihnen ist dabei dargestellt, wie er auf einen Helm uriniert, während er sich gleichzeitig in der Spiegelung eines Schildes betrachtet. Dieses Detail verleiht der Szene eine humorvolle Note. Zwischen den spielenden Putten liegt außerdem ein rotes Schwert auf dem Boden.

Der architektonische Hintergrund ist detailreich ausgearbeitet. Über dem Bett, am rechten Bildrand, befindet sich eine bestickte rote Draperie, die verschiedene Figuren zeigt. Außerdem schmücken Reliefs mit figürlichen Darstellungen sowie Skulpturen in den Nischen der Loggia den Bildraum. Die Architektur ist hierdurch illusionistisch gestaltet und trägt wesentlich zur räumlichen Inszenierung bei.

Mythologischer Hintergrund Die Darstellung bezieht sich auf die Liebesbeziehung zwischen Venus und Mars, die unter anderem in einem Kapitel der Metamorphosen des römischen Dichters Ovid beschrieben wird. Darin wird die heimliche Affäre zwischen der Liebesgöttin Venus und dem Kriegsgott Mars geschildert. Venus ist in der römischen Mythologie mit dem Schmiedegott Vulkan verheiratet, der in den Metamorphosen von der Untreue seiner Frau erfährt. Vulkan schmiedet daraufhin ein unsichtbares Netz aus Metall, mit dem er die Liebenden während eines heimlichen Treffens in ihrem Bett einfängt. Dies greift Saraceni in seinem Gemälde ebenfalls auf. Während Venus und Mars gemeinsam in einem Bett liegen, befindet sich auf der anderen Seite der Inszenierung, am Ende der Kolonnade, die Werkstatt Vulkans.

In der Kunst der Renaissance und des Barocks wurde dieses Bildthema häufig genutzt, um das enge Spannungsverhältnis zwischen Liebe und Krieg darzustellen. In Saracenis Version erscheint Mars zwar weiterhin mit seinen Waffen und seiner Rüstung, doch sind diese lose auf dem Boden verteilt und werden von den Putten spielerisch genutzt. Dadurch verlieren sie ihre ursprüngliche, kriegerische Bedeutung. Die Szene kann somit als bildliche Allegorie auf den Sieg der Liebe über die Gewalt des Krieges verstanden werden. Die humorvolle Darstellung der spielenden Putten, insbesondere der urinierende Putto mit dem Helm des Mars, unterstreicht den allegorischen Charakter des Gemäldes und relativiert die heroische Bedeutung des Kriegsgottes.

Technik und Stil Das Gemälde ist in Öl auf Kupfer ausgeführt. Der glatte Metallträger ermöglicht eine besonders feine Ausarbeitung von Details sowie eine intensive Wiedergabe von Oberflächen und Farben. Dadurch werden insbesondere die Körper der Figuren und die metallischen Rüstungsteile wie das Schild hervorgehoben. Das Gemälde gehört zu den früheren Werken Saracenis und entstand vermutlich kurz nach seiner Ankunft in Rom nach 1600. Saraceni wird häufig den Caravaggisten zugeordnet, einer Gruppe von Künstlern, die sich vor allem eines naturalistischen Stils und des Chiaroscuros bedienten. Seine stärkere Rezeption des Caravaggismus setzte allerdings erst nach einigen Jahren in Rom ein, etwa nach 1606.

Das Gemälde mit der Darstellung von Venus und Mars zeichnet sich durch eine Mischung verschiedener Stile aus. In diesem Werk greift Saraceni auch auf Elemente der venezianischen Maltradition, die unter anderem für eine weiche Farbigkeit bekannt ist, zurück. Die geschmeidigen Übergänge der Körpermodellierung und die Verwendung von warmen Rottönen verbinden Saracenis Herkunft aus der venezianischen Schule mit den künstlerischen Strömungen des römischen Manierismus um 1600. Die komplexe architektonische Ausarbeitung und illusionistische Inszenierungen machen Saracenis Auseinandersetzung mit dekorativen Bildlösungen deutlich. Diese finden sich auch in anderen Werken seiner frühen römischen Schaffensphase wieder.

Einordnung in Saracenis Werk Saraceni widmet sich in seinen Gemälden deutlich häufiger religiösen Themen, wobei seine mythologischen Werke eine ebenso bedeutende Rolle einnehmen. Auch das spezifische Thema der Liebe zwischen Venus und Mars wird nicht nur in dem vorliegenden Gemälde thematisiert. In den Jahren von circa 1600 bis 1605 schuf Saraceni vier Werke, die dieses mythologische Thema aufgreifen. Ähnliche Kompositionen sind in den Werken Bathing Venus and Mars, in Minneapolis, und Venus and Mars with a Circle of Cupids and Landscape im Museu de Arte in Sao Paulo zu finden. Diese Werke verdeutlichen die Auseinandersetzung des Künstlers mit mythologischen Inszenierungen. Da solche Arbeiten Saracenis oft für private Sammler bestimmt waren, boten sie dem Künstler größere Freiheiten in der Darstellung des menschlichen Körpers sowie in der Gestaltung der Komposition. Damit nehmen sie in seinem Œuvre eine den religiösen Darstellungen vergleichbare Stellung ein.

Provenienz und Objektgeschichte Das Gemälde Saracenis befindet sich heute in der Sammlung des Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid. Es gehört zur Sammlung Carmen Thyssen-Bornemisza und gelangte im Zuge der Integration der privaten Sammlung der Familie Thyssen in den Museumsbestand.

Die frühe Provenienz des Gemäldes ist in der Forschung nicht vollständig geklärt. Aufgrund seines mythologischen Themas ist jedoch anzunehmen, dass das Gemälde nicht für einen kirchlichen Kontext vorgesehen war, sondern für einen privaten Sammler. Das vergleichsweise kleine Format sowie Kupfer als Bildträger sprechen ebenfalls dafür.

Literatur Anna Ottani Cavina: Carlo Saraceni. Mailand 1968. Chiara Marin: Carlo Saraceni. Venedig 2013. Dissertation, Università Ca’Foscari Venedig. Roberto Contini: Seventeenth and eighteenth century Italian painting. London 2002.

Einzelnachweise

Kategorie:Barockgemälde Kategorie:Venus (Bildende Kunst) Kategorie:Museo Thyssen-Bornemisza