Rudolf Viktor Knüpffer (seit etwa 1934 Rudolf von Knüpffer; * in Kolomna, Gouvernement Moskau, Russisches Kaiserreich; † 1986 oder 1987) war ein baltendeutscher Jurist, Unternehmer und leitender Verwaltungsbeamter in der NS-Zeit.
Leben und Wirken Ausbildungen und Berufstätigkeiten in Estland 1901–1933 Rudolf Knüpffer stammte aus baltendeutschen Familien aus Estland. Sein Vater Adam Knüpffer (1864–1946) war Arzt in verschiedenen russischen Städten, seine Mutter war Eugenie, geborene Moritz (1864–1960).Deutsches Geschlechterbuch, Band 79, 1933, S. 243, auch Rudolf Viktor Knüpffer BBLD Er besuchte das Gouvernementsgymnasium in Reval (Tallinn) und nahm ab 1918 am estnischen Unabhängigkeitskrieg mit der Baltischen Landwehr teil.Rudolf Knüpffer Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien, mit vielen biographischen Informationen 1920 setzte er seinen Gymnasiumsbesuch im nun unabhängigen Estland fort, den er im folgenden Jahr mit dem Abitur abschloss.
Ab 1921 studierte Rudolf Knüpffer Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in Dorpat (Tartu), danach in München. 1926 war er Stipendiat am Institut für Grenz- und Auslandsstudien in Berlin. Im selben Jahr begann er eine Rechtsanwaltstätigkeit in Wesenberg (Rakvere) und 1930 in Reval (Tallinn), wo sein Vater als Arzt tätig war.Album Academicum Universitatis Tartuensis 1918–1944, II, Tartu 1994, S. 161 Nr. 2376 (kurzer Auszug), (estnisch), mit den Ausbildungs- und Berufsstationen in Estland bis 1933 (saksa/sks = deutsch, Tln = Tallinn, adv = Advokat/Rechtsanwalt) Er war in dieser Zeit auch Mitglied der Deutsch-Baltischen Partei und mehrerer regionaler Vereine.
Berlin 1933–1945 Etwa 1933 zog er nach Berlin, wo er als Makler, später auch als Versicherungsinspektor tätig war., auch spätere Jahre, noch nicht 1934 und 1935 Seit dieser Zeit nannte er sich Rudolf von Knüpffer. 1937 wurde er zunächst bibliothekarische Hilfskraft am neu gegründeten Institut für russische Nationenkunde von Gerhard von Mende an der Auslandshochschule Berlin.Hans Burkert, Die Ostwissenschaften im Dritten Reich, Band 1, 2000, S. 212 (Auszug) Von 1938 bis 1939 studierte er noch einmal Rechtswissenschaften in Berlin. 1940 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Auslandswissenschaftlichen Institut (DAWI) der Universität Berlin und promovierte dort 1941 zum Dr. sc. pol.
1941 wurde Rudolf von Knüpffer Referatsleiter im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete von Alfred Rosenberg für die Abteilung Moskowien (Zentralrussland) und war auch Leiter der Abteilung Verbände und Kriegsgefangene, Sport- und Wehrfragen (I-1f).Erling von Mende, Bergljot von Mende Østring: Gerhard von Mende (1904–1963). Ein Bürokrat der mittleren Ebene. Der Versuch einer Quellenkritik, 2016. mit einigen Erwähnungen Andreas Zellhuber, Unsere Verwaltung treibt auf eine Katastrophe zu... Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, 2006, S. 112 (kurzer Auszug); auch in Deutsche Außenpolitik, 1967, S. 215 (Auszüge), kurze Erwähnungen Alexander Dallin, Deutsche Herrschaft in Russland 1941–1945, 1958, S. 97, 524 (kurze Auszüge), mit allen Abteilungen; weitere wichtige Personen waren dort der Leiter Georg Leibbrandt, sowie Gerhard von Mende und Otto Bräutigam Zu deren Aufgaben gehörte die Gewinnung von russischen Kriegsgefangenen für deutsche Aktivitäten. Seit Oktober 1943 war er auch Lehrbeauftragter für Volks- und Landeskunde der Sowjetunion an der Berliner Universität.Johannes Asen, Gesamtverzeichnis des Lehrkörpers der Universität Berlin. Band 1. 1810–1945, Harrassowitz, Wiesbaden 1955, S. 99 (Auszug), ab 30. Oktober 1943 Bei einem Bombenangriff verloren er und seine Frau Dora einen großen Teil ihres Besitzes, auch ihre beiden Kinder starben in der folgenden Zeit.Horst-Dieter Benkmann, Vertriebene und Flüchtlinge in Detmold. In einer neuen Heimat oder auf Zwischenstation?, in Wolfgang Müller, Hermann Niebuhr, Erhard Wiersing (Hrsg.), Detmold in der Nachkriegszeit. Dokumentation eines stadtgeschichtlichen Projekts, Bielefeld 1994, S. 213–249, hier S. 238 (Auszug)
Detmold und Düsseldorf 1945–1986 1945 zogen sie nach Detmold, wo er als Handelsvertreter und Versicherungsmakler tätig war. Am 29. Juli 1946 wurde er durch den Entnazifizierungs-Unterausschuss Detmold als politisch nicht tragbar eingestuft. Rudolf von Knüpffer und besonders seine Frau Dora engagierten sich in regionalen Flüchtlings- und Vertriebenenorganisationen.Benkmann, 1994, S. 236–238 (kurze Auszüge); erwähnt auch in Anke Hufschmidt, “… Und dann blieben wir doch”. Flüchtlinge und Vertriebene in Lippe 1945–1953, Detmold 1994, S. 114 1949 wurde er unabhängiger Kandidat für den Wahlkreis Detmold für die erste Bundestagswahl, bei der er 7060 Stimmen erhielt.Claus A. Fischer (Hrsg.), Wahlhandbuch für die Bundesrepublik Deutschland, Teilband 2, 1990, S. 802 (Auszug), mit dem Ergebnis von 7060 Stimmen; auch in Benkmann, 1994, S. 236, erwähnt, dass er für die Flüchtlinge antrat Ab 1949 unterrichtete er auch an der Volkshochschule Detmold.
Seit etwa 1950 lebten Rudolf und Dora von Knüpffer in Düsseldorf.Gesellschaft für sozialen Fortschritt (Hrsg.), Soziale Autonomie und Staat, 1951, S. 61–67 (kurze Auszüge), mit einer Rede von Rudolf von Knüpffer aus Düsseldorf als Gast der Gesellschaft Adreßbuch für die Landeshauptstadt Düsseldorf, 1964/1965, S. 562, Rudolf und Dora von Knüpffer in der Schumannstraße, beide auch 1972 eingetragen Seit diesem Jahr war er Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP).Eduard Gaugler, Partnerschaft in Wirtschaft und Betrieb. Sechzig Jahre AGP (= FBS-Schriftenreihe, Bd. 67), Mannheim 2011 Ab 1969 war er auch Geschäftsführer der neu gegründeten Gesellschaft für innerbetriebliche Zusammenarbeit (GiZ).40 Jahre GiZ – Wir gratulieren!, in AGP Mitteilungen. Newsletter, 4/2009, Nr. 345, S. 9f (PDF) 1971 endeten diese Tätigkeiten. Rudolf von Knüpffer war auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde. Er starb zwischen Oktober 1986 und Oktober 1987.Osteuropa, 1988, S. 78, Bericht über die Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, die auch an ihre verstorbenen Mitglieder zwischen Oktober 1986 und Oktober 1987 gedachte
Literatur Who's Who in Germany. Oldenbourg, 1972. S. 780 (Auszug), mit einigen biographischen Angaben
Weblinks Rudolf Knüpffer Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien, mit detaillierten biographischen Angaben Rudolf Viktor Knüpffer BBLD
Einzelnachweise
Kategorie:Jurist Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Beamter (NS-Staat) Kategorie:Person der deutschen Besetzung der Sowjetunion 1941–1945 Kategorie:Person im Estnischen Freiheitskrieg Kategorie:Person (Baltische Landeswehr)
Kategorie:Estnischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Deutsch-Balte Kategorie:Russlanddeutscher Kategorie:Person (Tallinn) Kategorie:Geboren 1901 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann