Die russische Finetee und die russische Galethee ist ein Märchen (AaTh 1525). Es steht in Ulrich Jahns Volksmärchen aus Pommern und Rügen an Stelle 52. Paul Zaunert übernahm es im ersten Band von Deutsche Märchen seit Grimm 1912 an Stelle 61.

Inhalt Ein Herzog in Pommern verabredet mit dem russischen Kaiser, sein Sohn Friedrich soll dessen Tochter Finetee und Karl die Galethee bekommen, schreibt aber betrunken ins Testament, er soll sich den russischen Galgen verdienen. Karl reitet also und verirrt sich im Sumpf. Ein schwarzer Mann hilft ihm zweimal für die Hälfte seines Goldes zurück auf den Weg. Er gibt ihm eine Kugel, wenn er die in den Mund nimmt, ist er unsichtbar, und eine Rute, von der sich alles öffnet und alles ihm Antwort gibt. Ein Wirt in der Stadt will ihn als Schwiegersohn. Er nimmt die drei Töchter nacheinander ins Bett, schlägt ihren Mund mit der Rute und eine verrät mehr frühere Liebhaber als die andere. Der Wirt stellt ihn vor Gericht, aber er wiederholt das Stück mit der Rute, die Töchter überführen sich selbst. Karl kommt im Wald in ein Räuberhaus, gibt sich dem Räubervater als Überlebender der Bande des schwarzen Karl aus und soll ein Probestück machen. Ein Schlachter führt zwei Ochsen. Karl wirft ihm erst eine Säbelscheide, dann den Säbel auf den Weg und nimmt die Ochsen, während der andere zurückläuft. Er kauft Tuch im Laden, will später zahlen und gibt dem Kaufmann eine Kiste in Verwahrung, die wie Geld klimpert, aber nur Kies und Scherben enthält. Mit seinen Räubern plündert er des Königs Schatzkammer, die Rute öffnet die Wand. Die Räuber wollen unbedingt wieder hin und werden gefangen, nur Karl macht seine Kugel unsichtbar. Der König will, dass sie ihn verraten. Karl lässt sich in der Stadt die Schuhe machen, spendiert dem Schuster mit dessen Frau teures Essen und nimmt ihn mit in des Königs Schatzkammer. Seiner Warnung zum Trotz will der Schuster wieder hin. Vier Wachen ziehen an seinen Beinen, Karl am Kopf, den schneidet er ihm ab. Der Räubervater rät dem König, die Leiche durch die Stadt fahren zu lassen und wer dann schreit, ist ein Verwandter. Die Schustersfrau schreit wirklich auf. Flink haut Karl sich das Schustereisen ins Knie und stellt so die Henkersknechte zufrieden. Um den König zu ärgern, ändert er dessen Siegelbriefe, worauf die Soldaten mehr Fleisch von ihren Bürgern erwarten, die ihnen aber nur Kartoffeln vorsetzen. Der Räubervater lässt den König alle jungen Leute zu einem Fest laden, und wer nachts die Prinzessin Galethee stört, dem malt sie einen Strich auf die Backe. Das ist natürlich Karl, aber er malt allen jungen Männern auch einen. Der König verspricht dem, der den Spaß gemacht hat, seine Tochter Galethee. Da meldet sich Karl, der sie ja längst hätte bekommen sollen.

Herkunft Jahn gibt an: „Mündlich aus Petznick, Kreis Pyritz.“ Er gibt zur Wunschrute ein Märchen aus „Quatzow, Kreis Schlawe“ in Schwänke und Schnurren aus Bauernmund, „S. 19–33“ wieder: Hans als jüngster dreier Bauernsöhne teilt als einziger im Wald mit einem alten Männchen, das ihm dafür einen Jägeranzug und das Versprechen gibt, dass er Hofjäger wird, dazu ein Stöckchen. Was er damit schlägt, sagt die Wahrheit. So verraten die Töchter von Kaufmann, Amtmann, Edelmann im Schlaf ihre Schande. Vor Gericht hat eine sich Semmeln in den Mund gesteckt, er fragt die Nase, warum der Mund nicht redet. Der König probiert das Stöckchen an seiner Tochter und sie verrät, dass sie nur Hans den Hofjäger will.Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen. Hofenberg / Contumax. Berlin 2014, ISBN 978-3-8430-7238-0 (Erstdruck: Diedr. Soltau’s Verlag, Norden/Leipzig 1891), S. 418–419. Der Name „Finetee“ ist vielleicht aus französischen Märchen wie Finette, „Galethee“ aus der Operette Die schöne Galathée. Friedrich und Karl sind deutsche Herrschernamen, auch in Jahns Nr. 15 Glück und Verstand. Schustereisen heißt der Amboss zum Beschlagen der Schuhe. Wie in manchen Räubermärchen ist der Held der Dreizehnte (vgl. Corvetto). In Jahns Sammlung folgt als Nr. 53 Der Meisterdieb. Vgl. Wolfs Vom Räuberhauptmann Hans Kühstock.

Paul Zaunert nennt es ein weit gewandertes, altes Märchen, das Herodot schon aus dem alten Ägypten gekannt habe.Paul Zaunert: Deutsche Märchen seit Grimm. Diederichs, Jena 1919, S. XIII (= Die Märchen der Weltliteratur Nr. 5). Auch Elfriede Moser-Rath spricht von einer alten, literarisch und mündlich weitverbreiteten Diebsgeschichte mit Motiven von Herodots Geschichte vom Schatzhaus des ägyptischen Königs Rhampsinit (AaTh 950), zur Rute AaTh 1391, sonst Motive vom Meisterdieb (AaTh 1525).Paul Zaunert, Elfriede Moser-Rath: Deutsche Märchen seit Grimm. Diederichs, Düsseldorf / Köln 1964, S. 348–349 (= Die Märchen der Weltliteratur Nr. 63). Hedwig von Beit vergleicht andere Märchen vom Trickster.Hedwig von Beit: Gegensatz und Erneuerung im Märchen. Zweiter Band von «Symbolik des Märchens». A. Francke, Bern 1956, S. 508.

Literatur Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen. Hofenberg / Contumax. Berlin 2014, ISBN 978-3-8430-7238-0 (Erstdruck: Diedr. Soltau’s Verlag, Norden/Leipzig 1891), S. 297–308, 418–419. Paul Zaunert: Deutsche Märchen seit Grimm. Diederichs, Jena 1919, S. 216–229 (= Die Märchen der Weltliteratur Nr. 5). Paul Zaunert, Elfriede Moser-Rath: Deutsche Märchen seit Grimm. Diederichs, Düsseldorf / Köln 1964, S. 129–144, 348–349 (= Die Märchen der Weltliteratur Nr. 63).

Weblinks Zeno.org: Jahns Die russische Finetee und die russische Galethee märchentruhe.de: Die russische Finetee und die russische Galethee, gelesen von Henning Vieser (mp3): Teil 1 (5:51), Teil 2 (6:18), Teil 3 (15:22), Teil 4 (17:04)

Einzelnachweise

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