Herbert Oskar Karl Knüpffer (* in Reval, Gouvernement Estland; Russisches Kaiserreich; † 4. Februar 1972 in Schweinfurt, Bayern) war ein baltendeutscher Gynäkologe, der Frauenkliniken in Reval, Posen und Schweinfurt leitete. In Schweinfurt wurde eine Straße nach ihm benannt.
Leben und Wirken Herbert Knüpffer stammte aus weitverzweigten deutschbaltischen Pfarrer- und Gelehrtenfamilien im russischen Gouvernement Estland. Sein Vater Wilhelm Knüpffer (1864–1903) leitete eine Frauenklinik in Reval, seine Mutter Ellinor von Gernet (1868–1964) war eine Schwester des Historikers Axel von Gernet.Deutsches Geschlechterbuch, Band 79, 1933, S. 245; auch Herbert Knüpffer BBLD; und geni.com, mit mehreren estnischen Links und Fotos Herbert Knüpffer besuchte die Domschule in Reval und studierte seit 1915 Medizin in Dorpat.Paul Blosfeld, Geschichte der Domschule zu Reval 1909–1922, Reval 1923, S. 89; auch Album Academicum Universitatis Tartuensis , III, Tartu 1994, S. 515 (kurzer Auszug), mit detaillierten biographischen Angaben (estnisch) Margarete Anders, Balten in Bayern und Bayern im Baltikum, 1988, S. 104 (kurzer Auszug), mit detaillierten biographischen Angaben 1918 wurde er wegen seiner baltendeutschen Herkunft nach Krasnojarsk in Sibirien gebracht.Dorpater Zeitung vom 18. März 1918, S. 2 (zweite Spalte), Baltische Chronik. Liste der aus Dorpat verschleppten Deutschen; auch Ernst Seraphim, Nach Sibirien verschleppt. Persönliche Erinnerungen eines aus Dorpat Fortgeführten, Riga 1918, Neudruck 2016, S. 109, mit den Namen von baltendeutschen Verschleppten nach Sibirien
Noch im selben Jahr konnte Herbert Knüpffer sein Studium in Heidelberg fortsetzen, und ab 1919 in Greifswald, wo er 1921 promoviert wurde. Dort war er zwei Jahre Assistent bei Dr. Morawitz. 1924 kehrte er in die Frauenklinik seines verstorbenen Vaters nach Tallinn (Reval) im neu gegründeten unabhängigen Estland zurück, deren Leitung er übernahm. 1939 zog die Familie vor der sowjetischen Übernahme des Baltikums nach Posen im deutsch besetzten Polen, wo Herbert Knüpffer wieder die Leitung einer Frauenklinik übernahm.Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, 26, 1942, S. XXIV; Mitgliederliste, Nr. 370 Knüpffer, Herbert, Posen 1945 zog er nach Schweinfurt und arbeitete als Gynäkologe. 1954 gründete er dort die Privat-Frauenklinik Dr. Knüpffer, die er bis zu seinem Tod 1972 führte.
Familie und weiteres Dr. Herbert Knüpffer veröffentlichte einige medizinische Fachtexte.Deutscher Gynäkologen-Kalender, 1928, S. 146, mit vollständigem Verzeichnis seiner Veröffentlichungen und biographischen Angaben Er war mit der Pfarrerstochter Benita Brasche (1903–1983) seit 1926 verheiratet.Christfried Brasche EELK (estnisch), über ihren Vater, vorletzter Absatz Nr. 1, Benita Knüpffer; auch Deutsches Geschlechterbuch, Band 104, 1939, S. 65 Sie hatten vier Kinder, darunter
Ilse Dorothee Knüpffer (* 1927), medizinisch-technische AssistentinDeutsches Geschlechterbuch, Band 179, 1979, S. 97, mit Angaben zu ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung
Georg Knüpffer (1935–2025), Dr. med., übernahm 1972 die Leitung der Frauenklinik in SchweinfurtSusanne Wiedemann, Nachruf für Georg Knüpffer (90), in Mainpost vom 11. Juli 2025 (Artikelanfang), mit Informationen über dessen Leben; auch Genealogisches Handbuch des Adels, Band 127, 2002, S. 550 (kurzer Auszug), mit genauem Geburtsdatum
Die Frauenklinik in der Neutorstraße wurde 2001 von Dr. Georg Knüpffer an den Orden der Erlöserschwestern übergeben, die dort eine Palliativstation einrichteten. Dieser Standort wurde 2025 geschlossen. Um 2005 wurde in Schweinfurt eine Herbert-Knüpffer-Straße eingeweiht.
Literatur Margarete Anders: Balten in Bayern und Bayern im Baltikum. Ludwig, 1988. S. 104, mit vielen biographischen Informationen
Weblinks Herbert Knüpffer Baltisches Biographisches Lexikon digital
Einzelnachweise
Kategorie:Gynäkologe, Geburtshelfer Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Schweinfurt) Kategorie:Person (Tallinn) Kategorie:Deutsch-Balte Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1972 Kategorie:Mann