Der Hümmling (Homelinghen, von hömil = kleiner Stein) ist eine bis zu hohe Grundmoränenlandschaft (Geest) des Norddeutschen Tieflandes. Er liegt im Nordwesten Niedersachsens im Landkreis Emsland sowie zu kleinen Teilen im Landkreis Cloppenburg. Seit 2015 ist ein großer Teil als Naturpark Hümmling ausgewiesen und bietet mit zahlreichen Rad- und Wanderwegen sowie mit einer Naturpark-Station und unterschiedlichen Info-Punkten gute Möglichkeiten für Natur-Entdeckungen. Der Hümmling ist zudem Teil des Nationalen Geoparks Emsland.
Der Hümmling ist seit 2007 eine anerkannte LEADER-Region und erhält auch in der aktuellen Förderperiode bis 2027 EU-Mittel, mit denen innovative und nachhaltige Projekte unterstützt werden. Ziel ist die Stärkung der eigenständigen Entwicklung des ländlichen Raumes.
Darüber hinaus haben sich vier Samtgemeinden im Hümmling zur Energieregion Hümmling zusammengeschlossen und wollen gemeinsam bis 2040 Klimaneutralität erreichen.
Geografie Lage mini|Großsteingrab in Groß Berßen mini|Großsteingrab Düvelskuhlen I mini|Großsteingrab „Bruneforths Esch“ in Stavern
Der Hümmling liegt im Nordwesten Niedersachsens. Sein Höhenzug ist knapp 10 km vom Lauf der Ems entfernt. Seine Ausdehnung beträgt in Nordsüdrichtung etwa 28 km, in Ostwestrichtung etwa 14 km. Vom Nordende sind es knapp 30 km bis nach Leer in Ostfriesland. Das Südende liegt bei Stavern. Die höchste Erhebung, genannt Windberg, liegt zwischen Sögel (22 km nordöstlich von Meppen) und Börger wenig östlich von Werpeloh.
Die größten am Hümmling entspringenden Fließgewässer sind die Ohe, die nach Norden zur Sater Ems fließt, und die Nordradde, die bei Meppen in die Ems mündet. Die dem Hümmling nur noch bedingt zuzurechnende Südradde mündet in die Hase.
Nach Norden sticht der Hümmling scharf gegen das Moorgebiet um Sater Ems und Leda ab, südlich läuft er sanft zum Hasetal aus. Östlich schließen sich Geestbereiche geringerer Höhe an bis zur Thülsfelder Talsperre. Der Landschaftsrahmenplan des Landkreises Emsland rechnet sie bis zur Kreisgrenze an Marka und Mittelradde dem Hümmling mit zu. Dazu gehören der fast vollständig landwirtschaftlich genutzte Glümmel und östlich davon das Waldgebiet aus Quäkenberg, Langenberg, Eleonorenwald und Herzogsbusch, sowie südlich davon die Wehmer Heide und die Lahner Heide.
Der Hümmling wird heute zum Emsland gerechnet, hauptsächlich aufgrund seiner 1977 entstandenen politischen Zuordnung zu dem gleichnamigen Landkreis. Er ist im Wesentlichen auf drei Samtgemeinden verteilt. Der größte Teil gehört zur Samtgemeinde Sögel, der Nordrand zur Samtgemeinde Nordhümmling, der Norden um die Gemeinde Lorup zur Samtgemeinde Werlte. Die im Süden der Naturraumeinheit Sögeler Geest (Hümmling) liegende Gemeinde Lähden ist Teil der Samtgemeinde Herzlake, das zu Löningen gehörende Wachtum liegt im Südosten dieser Naturraumeinheit. Die Dörfer Neubörger und Wippingen, die zur Samtgemeinde Dörpen zählen, liegen nordwestlich außerhalb des Hümmlings, sowie die Friesoyther Stadtteile Gehlenberg und Neuvrees nördlich außerhalb.
Naturräumliche Zuordnung Der Hümmling gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Ems-Hunte-Geest (Nr. 59), in der Haupteinheit Sögeler Geest (Hümmling) (592) und in der Untereinheit Nord-Hümmling (592.1) zu den Naturräumen Börger Sand-Geest (592.11) und Loruper Geestrücken (592.12) sowie in der Untereinheit Süd-Hümmling (592.2) zum Naturraum Sögel-Linderner Geest (592.20).
Erhebungen Zu den Erhebungen und Flurstücken im Hümmling und seiner nahen Umgebung gehören – mit Höhen in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN): Windberg (73 m) – östlich von Werpeloh Lüttker Sand (71,6 m) – nordöstlich von Werpeloh Sunderberg (Hümmling) (66,0 m) – südsüdwestlich von Börger Kreuzberg (52 m) – nördlich von Groß Stavern Windelberg (49,2 m) – nordwestlich von Börger Harrenstätter Sand (ca. 48 m) – zwischen Lorup und Spahnharrenstätte Wahner Tannen (46,0 m) – westlich von Werpeloh Buschhöhe (ca. 44 m) – nördlich von Lorup Hohenklinken (43,5 m) – westnordwestlich von Werpeloh Buschhöhe (ca. 42 m) – nördlich von Lorup Kavenberg (ca. 42 m) – südwestlich von Lorup Wohldhöhe (ca. 45 m) – westlich von Sögel Hamberg (ca. 40 m) – zwischen Lathen und Sögel Varel (ca. 39 m) – südwestlich von Vrees Eleonorenhöhe (38,5 m) – zwischen Vrees und Neuvrees im Eleonorenwald Großer Westerberg (ca. 39 m) – zwischen Börger und Neubörger Galenberg (ca. 38 m) – bei Klein Stavern Große Düne (34,2 m) – zwischen Lathen und Sögel Wattberg (ca. 35 m) – zwischen Börgerwald und Neubörger Große Düne (30,5 m) – zwischen Meppen und Stavern Schlopenberg (ca. 30 m) – nordwestlich von Börger
Fließgewässer Zu den Fließgewässern, die im Hümmling oder in seiner Nähe entspringen, gehören: Loruper Beeke, entspringt im Hümmling, südöstlicher Zufluss der Ohe Marka, entspringt im Hümmling, östlich von Bockholte, rechter Quellbach der Sagter Ems, die in die Leda mündet Mittelradde, entspringt am Ostrand des Hümmlings nahe Bockholte, passiert ihn südöstlich, nördlicher Nebenfluss der Hase Nordradde, entspringt in der Mitte des Hümmlings, beim Theikenmeer, nordöstlicher Nebenfluss der Ems Ohe, entspringt im Mittelteil des Hümmlings, verlässt ihn in nördlicher Richtung, linker Quellbach der Sagter Ems Sagter Ems, entsteht durch den Zusammenfluss von Marka und Ohe nördlich von Friesoythe-Neuscharrel Südradde, entspringt östlich des Hümmlings, nördlicher Nebenfluss der Hase
Gemeinden Zu den Gemeinden unter anderem mit Ortsteilen im und am Hümmling gehören hinsichtlich seiner naturräumlichen Zuordnung:
Schutzgebiete Bis in die Südwestausläufer des Hümmling reichen Teile des Naturschutzgebiets (NSG) Tinner Dose-Sprakeler Heide (CDDA-Nr. 30115; 2012 ausgewiesen; 39,55 km² groß) mit dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Tinner Dose-Sprakeler Heide (FFH-Nr. 3110-301; 39,55 km²) und dem Vogelschutzgebiet (VSG) Tinner Dose-Sprakeler Heide (VSG-Nr. 3110-301; 39,55 km²). Bis an die Nordausläufer der Landschaft reichen jeweils Teile des NSG Leegmoor (CDDA-Nr. 82082; 2009; 4,5 km²) mit dem FFH-Gebiet Leegmoor (FFH-Nr. 2911-301; 4,6 km²) sowie solche des NSG Melmmoor/Kuhdammoor (CDDA-Nr. 102318; 1992; 1,28 km²) und des VSG Esterweger Dose (VSG-Nr. 2911-401; 64,41 km²). In der Landschaft liegen unter anderem das NSG Oberlauf der Ohe (CDDA-Nr. 164897; 1990; 2,23 km²), das NSG Schaapmoor (CDDA-Nr. 319053; 1999; 2,1 km²) und das NSG Theikenmeer (CDDA-Nr. 82708; 1983; 2,5 km²), in dem sich das Moorgebiet Dose und darin der 4 ha große See Theikenmeer befinden. Im Hümmling liegt auch das Landschaftsschutzgebiet Schloß und Waldanlagen Clemenswerth (CDDA-Nr. 324187; 1969; 66,4 ha).
Geologie und Landschaftsbild Wie für Geestlandschaften üblich besteht der Hümmling überwiegend aus unfruchtbaren Sandböden. Die am stärksten gewellten Bereiche sind fast ganz mit Wald bedeckt. Dazwischen gab es auch Heideflächen, die aber heute weitgehend dem intensiven Ackerbau gewichen sind. In den flacheren östlichen und südlichen Teilen des Gebietes überwiegt landwirtschaftliche Nutzung bei auch hier nicht geringem Waldanteil. Auf der Südseite gibt es kleine, von Geest umschlossene, vermoorte Senken, die so genannten Dosen. Dazu zählt die Bockholter Dose, ein kleiner, weitgehend naturnaher Hochmoorkomplex.
Geschichte mini|Der Findling von Hüven auf dem Hümmling Der Hümmling entstand durch die vom Inlandeis mittransportierten Geröll- und Sandmassen während der vorletzten Eiszeit vor rund 200.000 bis 250.000 Jahren, der Saalekaltzeit. Dabei kamen auch Findlinge aus Skandinavien, wie der Findling von Hüven. Beim Abschmelzen des Eises blieb die Hügellandschaft des Hümmlings zurück. Während der Jungsteinzeit nutzten die Menschen das herantransportierte Gesteinsmaterial zum Bau von Hünengräbern in der Gegend.
1252 kam der Hümmling als Teil des Amtes Meppen durch Verkauf von Jutta von Ravensberg an das Hochstift Münster und wurde somit Teil des dadurch begründeten Niederstift Münster. Die Besonderheit des Niederstiftes, welches mit dem Oberstift zusammen das Hochstift Münster bildete, war die weltliche Jurisdiktion zu Münster, die kirchliche allerdings zu Osnabrück.
Durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 wurden im Heiligen Römischen Reich (HRR) die geistlichen Territorien aufgelöst, und das Amt Meppen fiel mit dem Hümmling als Entschädigung an das Herzogtum Arenberg, das territoriale Verluste durch das Französische Kaiserreich im linksrheinischen Raum hinnehmen musste. Dadurch begründete sich das neue Herzogtum Arenberg-Meppen.
1810 wurde der Hümmling Teil des Kaiserreichs Frankreich (Département de l’Ems-Supérieur), bis der Wiener Kongress 1814 zahlreiche neue Grenzen in Europa festlegte und neue Staaten definierte. Der Hümmling kam somit an das Königreich Hannover und bildete mit Sitz in Sögel das Amt Hümmling. Nach dem Deutschen Krieg 1866 fiel durch die Annexion Hannovers der Hümmling mit diesem an das Königreich Preußen, aus dem Amt Hümmling wurde der Landkreis Hümmling, der bis zur Fusion mit dem Kreis Aschendorf zum Landkreis Aschendorf-Hümmling 1932 bestand.
Da sich der Hümmling dadurch auszeichnete, dass die Bauern der Region sämtlich frei waren, wurde er auch der Freie Hümmling genannt.
Als Zeugnis geistlicher Territorialherrschaft befindet sich auf dem Hümmling bei Sögel mit dem Jagdschloss Clemenswerth eines der bedeutendsten Werke von Johann Conrad Schlaun aus der Zeit des westfälischen Barock. Die Geschehnisse im Hümmling und auf dem barocken Jagdschloss Clemenswerth in der Zeit des Kurfürsten Clemens August stehen im Mittelpunkt der Heimatnovelle Clemenswerth des in Lahn geborenen Priesters und Schriftstellers Bernhard Köster.
Das NS-Regime richtete nördlich des Hümmlings, beiderseits des 1921 bis 1935 angelegten Küstenkanals, 1933 das Konzentrationslager Esterwegen (südlich) und das Konzentrationslager Börgermoor (nördlich) ein.
Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Clemenswerth Im Hümmling gibt es zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Großsteingräber und mehrere Gräberfelder, die überwiegend in die Straße der Megalithkultur eingebunden sind. Das größte und berühmteste Großsteingrab des Hümmlings, De Hoogen Stainer liegt in der Gemarkung der Hümmlinggemeinde Werlte, zwischen Lorup und Werlte.
Das Jagdschloss Clemenswerth mit seinem Park liegt am östlichen Ortsrand von Sögel. Von dem 32 m hohen Aussichtsturm im Erholungsgebiet Surwolds WaldSurwolds Wald auf der Website der Gemeinde Surwold in Surwold-Börgerwald hat man südwärts Blick auf den Hümmling, nordwärts auf die endlosen Weiten der Papenburger Moore. Zehn Kilometer südöstlich des Hümmlings, an der Mittelradde bei Hüven, befindet sich die Hüvener Mühle, die einzige noch komplett erhaltene kombinierte Wind- und Wassermühle. Zwischen Hümmling und Ems steht die Transrapid-Versuchsanlage Emsland.
Freizeitaktivitäten Der Hümmling ist eingebunden in das gut ausgebaute Fahrradknotenpunktnetz des Landkreises Emsland und wird seit der Ausweisung als Naturpark durch mehr als ein Dutzend Rundwanderwege, die „Hümmling-Pfade“, erschlossen. Sie verknüpfen landschaftliche und natürliche Besonderheiten des Naturparks und steuern reizvolle Orte und kulturhistorische Sehenswürdigkeiten an. An vielen dieser Stellen finden sich Info-Punkte mit QR-Codes, die zu den Geschichten einzelner Gewässer, Moore oder historischer Orte führen.
Die Natur- und Geoparkstation des Naturparks Hümmling liegt am Theikenmeer, einem der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Sie bietet in ihrer barrierefreien Dauerausstellung „Natur-Zeit-Mensch“ Info zu den Naturräumen des Parks und zu den Geotopen des Emslands, das als Nationaler Geopark auch vielfältige Einblicke in die Erdgeschichte ermöglicht.
Kulturlandschaftsraum