Die Écurie Bleue war ein französisches Motorsportteam, das von 1936 bis 1940 erfolgreich an Grand-Prix- und Sportwagenrennen teilnahm. Es gewann 1937 den „Millionen-Franc-Preis“ für Delahaye und 1938 den Grand Prix de Pau. Als treibende Kraft des Teams galt die US-amerikanische Automobilrenn- und Rallyefahrerin Lucy O’Reilly Schell.
Geschichte Nachdem Delahaye Mitte der 1930er-Jahre seine Rennabteilung geschlossen hatte, wurde das Team Écurie Bleue („blauer Rennstall“) des Ehepaars Lucy O’Reilly Schell und Laury Schell Aushängeschild des Delahaye-Werks. Beide wollten in Frankreich ein mit der Scuderia Ferrari vergleichbares Rennteam aufbauen. Die Rennwagen waren hellblau lackiert, hatten aber einen etwas anderen Farbton als das Hellblau der Konkurrenten Bugatti und Talbot.
Lucy O’Reilly Schell galt als treibende Kraft des Unternehmens und finanzierte mit ihrem Vermögen die Entwicklung von Delahaye-Rennwagen des Typs 135. Über Rennkollegen sicherte sie den Verkauf von insgesamt 15 Fahrzeugen.Delahaye 145: La course au million de 1937! In retromotiv.com. Französisch, abgerufen am 8. Februar 2026.
Der Delahaye Type 135 Compétition Spéciale mit kurzem Radstand, 3557 cm³ Hubraum, drei Vergasern und 160 PS galt als ideal für die französische Rennsaison 1936. Der Motor des 135 CS verfügte über zusätzliche Kühlkanäle, eine leichtere und besser ausbalancierte Kurbelwelle, ein Verdichtungsverhältnis von 8,4:1, einen modifizierten Ventiltrieb und eine Nockenwelle mit großem Hub. Die leichte Zweisitzer-Karosserie hatte abnehmbare tropfenförmige Kotflügeln ausgestattet und konnte so sowohl im Sportwagen- als auch im Grand-Prix-Rennsport eingesetzt werden. Sie war funktional, elegant und aerodynamisch gestaltet.1936 Delahaye Type 135 Special. In sportscarmarket.com. Englisch, abgerufen am 8. Februar 2026.
Laury Schell und René Carrière erreichten dritte Plätze beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps 1936 und bei der Mille Miglia 1937; beim Großen Preis von Frankreich kamen sie 1936 auf den vierten Platz. Sie schieden beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1937 nach 193 Runden aus und wurden an 18. Stelle gewertet, während mit René Dreyfus und Henri Stoffel zwei weitere Teammitglieder auf den dritten Platz kamen.
mini|Dreyfus beim „Millionen-Franc-Preis“ 1937 Als ihr Vater 1937 starb, erbte O’Reilly Schell das millionenschwere Familienvermögen und unterstützte die Entwicklung des Rennwagens Type 145 mit 4,5-Liter-V12-Motor. Er gewann im selben Jahr den „Millionen-Franc-Preis“ für Delahaye. Die französische Regierung hatte 400.000 Francs ausgesetzt, um ein Grand-Prix-Fahrzeug zu entwickeln, das Caracciolas Durchschnittsgeschwindigkeit von 146,508 km/h über 200 Kilometer in Montlhéry übertreffen sollte. Mehrere französische Industrielle erhöhten die Summe auf über eine Million Francs. Das junge Unternehmen Talbot-Lago zog sich aus dem Wettbewerb zurück und entwickelte den siegreichen Rennwagen für die RAC Tourist Trophy 1937. Bugatti gelang es mit dem Kompressormodell Type 59 nicht, die Marke zu erreichen. Am 27. August 1937 setzte Dreyfus mit dem Delahaye 145 die Rekordmarke auf 146,6 km/h. Vier Tage später fuhren er und Jean-Pierre Wimille auf einem Bugatti 59/50B mit einem 4,5-Liter-Saugmotor am letzten Tag der Herausforderung ein Rennen gegeneinander. Letzterer schied mit einem gebrochenen Kolbenring aus.
Vom Preisgeld erhielt Delahaye eine Hälfte, die Écurie Bleue die andere. O’Reilly Schell gab von dieser die Hälfte an Dreyfus und ließ drei weitere Delahaye 145 bauen. Zur blauen Lackierung wurde ein rot-weißer Streifen in V-Form hinzugefügt. Beim Grand Prix de Pau 1938 siegte Dreyfus vor dem „Silberpfeil“ von Caracciola/Lang, der Italienerer Gianfranco Comotti erreichte auch den dritten Platz für die Écurie Bleue. Zwei Wochen später gewann Dreyfus auch den Großen Preis von Cork in Irland. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die 145er zerlegt und in Teilen versteckt.
Nach einem schweren PKW-Unfall Laury Schells sagte das Team 1938 die Teilnahme am Großen Preis von Donington ab. Als Fahrer waren Schell selbst, Dreyfus und „Raph“ vorgesehen. Investiert wurden auch Gelder in die Entwicklung des Typs 155, trotzdem ging das Rennteam bei einer erneuten Ausschüttung von Staatsgeldern leer aus. Beim Großen Preis von Frankreich 1938 zog es die drei gemeldeten Fahrzeuge zurück. Die Écurie Bleue trat fortan unter monegassischer Lizenz als Écurie Schell bzw. nach Laury Schells Tod als Écurie Lucy O’Reilly Schell an.
O’Reilly Schell kaufte zwei Maserati 8CTF mit denen ihre Fahrer Dreyfus und Le Bègue 1940 beim Indianapolis 500 teilnahmen. Nach Verständnisproblemen über die anderen Rennregeln teilten sich beide einen Startplatz und erreichten den zehnten Platz. Schell half dem Juden Dreyfus, die US-amerikanische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Sie kehrte mit Le Bègue 1941 ins besetzte Frankreich zurück.
Erfolge des Rennteams mini|hochkant|René Dreyfus, 1938 Das Team setzte die Fahrer Laury Schell, René Carrière, Gianfranco Comotti, René Dreyfus, Joseph Paul, „Raph“ und René Le Bègue ein.
1936 Critérium Paris–Nice: Schell (1.), Carrière (2.) Bergrennen am Mont Ventoux: Carrière (1.) Bergrennen Nizza–La Turbie: Schell (1.) Grand Prix de Marseille: Schell (1.) 1937 Critérium Paris–Nice: Paul (1.) Bergrennen Nizza–La Turbie: Schell (1.) 1937 Coupe du Prince Rainier in Monaco: Schell (1., Sportwagen) 1937 Coupe de Printemps 1937: Paul (1.) 1938 Bergrennen Nizza–La Turbie: Dreyfus (1., Sportwagen)
Delahaye 135 mini|Delahaye Type 135 (Sportwagen) 1936 24 Stunden von Spa-Francorchamps: Schell/Carrière (3.) 1936 Großer Preis von Frankreich: Schell/Carrière (4.) 1937 24 Stunden von Le Mans: Dreyfus/Stoffel (3.); Schell/Carrière (18./Ausfall) 1937 Mille Miglia: Schell/Carrière (3.) 1937 Großer Preis von Frankreich: Carrière (4.) 1937 Großer Preis von Tunesien: Schell/Carrière (4.) 1937 Großer Preis von Algerien: Carrière (4.) 1937 Grand Prix de Marseille: Carrière (4.) 1937 Grand Prix de Pau: Carrière (6.) 1938 Mille Miglia: Dreyfus/Varet (4.) 1939 Rallye Monte-Carlo (135 M): Paul/Contet (1.)
Delahaye 145 mini|Delahaye Type 145 (Sportwagen) 1938 Grand Prix de Pau: Dreyfus (1.), Comotti (3.) 1938 Grand Prix von Cork: Dreyfus (1.) 1938 Großer Preis von Deutschland: Dreyfus (5.) 1938 Großer Preis der Schweiz: Dreyfus (8.), Raph (11.)
Écurie Schell/Écurie Lucy O’Reilly Schell, Monaco 1939 Großer Preis von Deutschland: Dreyfus (4.), Raph (5.) 1939 Großer Preis von Frankreich: Dreyfus (7.), Raph (9.)
Maserati 8CTF 1940 Indianapolis 500: Dreyfus/Le Bègue (10.)
Talbot-Lago T26C (Écurie Bleue) 1950 Großer Preis der Schweiz: Harry Schell (8.)
Weblinks
Über die Ecurie Bleue
Einzelnachweise
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