Richard Taylor Rives (* 15. Januar 1895 in Montgomery; † 27. Oktober 1982 ebenda) war ein US-amerikanischer Anwalt und Richter. Seine Urteile in Fällen wie Browder v. Gayle waren maßgeblich für die Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung.
Leben Richard T. Rives war eines von sechs Kindern von William Henry Rives und Alice Bloodworth Taylor. Er war Stufenbester seiner High School und besuchte die Tulane University als Stipendiat, brach sein Studium allerdings nach einem Jahr wegen Geldproblemen ab. Stattdessen ging er beim Anwalt Wiley Hill in die Lehre und legte 1914 erfolgreich sein Juristisches Staatsexamen ab. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Offizier in der US-Armee. Er verließ das Militär 1919 und heiratete kurz darauf Jessie H. Daugherty, mit der er vier Kinder hatte, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichten. Nach ihrem Tod 1973 heiratete er 1976 Martha Blake Thigpen Frazer.
Rives zählte zu einem der bekanntesten und angesehensten Anwälte Alabamas. Er diente als Vorsitzender der Rechtsanwaltskammer des Bundesstaates und trat 1951 vor dem Obersten Gerichtshof auf. Zu seinen persönlichen Freunden zählten einflussreiche Juristen und Politiker wie die beiden Senatoren John Sparkman und Lister Hill sowie Hugo Black, ein Richter am Obersten Gerichtshof. Er wurde auch politisch aktiv und war Wahlkampfleiter von Bibb Graves bei den Gouverneurswahlen 1942. Wie fast alle Südstaatler war er Mitglied der Demokratischen Partei (vgl. Solid South). Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen stand er der Jim-Crow-Rassentrennung und damit der systematischen Unterdrückung der Afroamerikaner kritisch gegenüber. Grund hierfür waren die Erfahrungen seines Sohnes Richard T. Rives, Jr. der im Zweiten Weltkrieg an der Seite einiger Afroamerikaner gedient hatte und so zur Überzeugung gekommen war, dass Schwarze die gleichen Rechte wie Weiße verdienten. Er überzeugte seinen Vater, An American Dilemma zu lesen, eine Studie des schwedischen Wirtschaftswissenschaftlers Gunnar Myrdal zur Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. Myrdal kommt darin zum Schluss, dass Demokratie und Rassentrennung miteinander unvereinbar seien und die Unterdrückung der Afroamerikaner daher enden müsse. Richard T. Rives, Jr. verstarb 1949 bei einem Autounfall. Der Tod des Sohnes war ein prägendes Ereignis im Leben des Vaters.
Richard T. Rives, Sr. wurde 1951 von Präsident Harry Truman als Nachfolger von Leon McCord zum Bundesrichter für den fünften Bezirk des United States Court of Appeals ernannt, der zu diesem Zeitpunkt für die sechs Südstaaten Alabama, Florida, Georgia, Louisiana, Mississippi, und Texas zuständig war. 1959 bis 1960 diente er als chief judge. Gemeinsam mit den drei republikanischen Richtern Elbert P. Tuttle, John Minor Wisdom und John R. Brown, die von Präsident Dwight D. Eisenhower ebenfalls zum fünften Bezirk ernannt wurden, ging er in den folgenden Jahren gegen die Rassentrennung vor. Sein erstes wichtiges Urteil bezüglich der Rassentrennung traf er 1956 in einem Sondergericht im Fall Browder v. Gayle im Zuge des Busboykotts von Montgomery. Er und Frank Minis Johnson entschieden, dass gemäß der equal protection clause des 14. Verfassungszusatzes die Rassentrennung im Öffentlichen Personennahverkehr verfassungswidrig sei. Später ordnete er im Fall Lee v. Macon County Board of Education den Bundesstaat Alabama dazu an, gemäß der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall Brown v. Board of Education die Rassentrennung an öffentlichen Schulen abzuschaffen. In weiteren Fällen erklärte er die Rassentrennung in öffentlichen Parks und an Universitäten für verfassungswidrig und ermöglichte Afroamerikanern den Dienst auf einer Jury. Auch auf das Wahlrecht übte Rives durch seine Richtsprüche einen großen Einfluss aus: Im Fall Reynolds v. Sims entschied er, dass Wahlkreise in etwa die gleiche Bevölkerungsanzahl haben müssen, um die Wahlgleichheit sicherzustellen. Rives wurde für seine Urteile wiederholt angefeindet. Unter anderem wurde das Grab von Rives’ Sohn geschändet.
1981 wurden die Bundesstaaten Alabama, Florida und Georgia aus dem fünften Bezirk ausgegliedert, um einen elften Bezirk zu bilden. Rives wurde einer der neuen Richter für den elften Bezirk. Er verstarb ein Jahr später am 27. Oktober 1982.
Literatur Jack Bass: Unlikely Heroes. University of Alabama Press, Tuscaloosa, Ala. 1981.
Pat Arneson: Ushering Civil Rights into Law: Judge Richard T. Rives and Desegregation in the Public Sphere University of Alabama Press, 2026
Weblinks
Richard T. Rives auf der Website des Federal Judicial Center
Kategorie:Richter (United States Court of Appeals) Kategorie:Rechtsanwalt (Vereinigte Staaten) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1895 Kategorie:Gestorben 1982 Kategorie:Mann