SAP Cloud Infrastructure ist eine von SAP SE betriebene Infrastructure as a Service (IaaS)-Cloudplattform, die für SAPs Cloudlösungen sowie Kunden für Deployments von SAP-Workloads und third-party (non-SAP) Workloads bereitgestellt wird.
Sie wird innerhalb von SAPs Rechenzentrumsnetzwerk mit Open-Source-Technologien entwickelt und betrieben, basiert auf OpenStack und Kubernetes und unterstützt unter anderem SAP S/4HANA sowie weitere Standardanwendungen. Für SAP-Kunden stellt die SAP Cloud Infrastructure Compute-, Storage- und Platformservices bereit.
Geschichte Im Jahr 2012 bewarb SAP erstmalig Cloud-Computing-Lösungen. Im Oktober 2012 kündigte SAP daraufhin ein Platform-as-a-Service-Angebot (PaaS) unter dem Namen SAP Cloud Platform an. Im Mai 2013 wurde ein darauf aufbauendes Managed-Private-Cloud-Angebot unter dem Namen S/4HANA Enterprise Cloud angekündigt.
Im Januar 2015 wurde die SAP Converged Cloud angekündigt. Sie wurde ursprünglich als SAPs internes, standardisiertes Infrastructure as a Service (IaaS)-Angebot entwickelt, um SAPs Cloud-Lösungen zu betreiben. Ausgehend von SAP Converged Cloud wurde SAP Cloud Infrastructure entwickelt und als SAPs Cloud-Computing-Angebot angekündigt, das sowohl für SAP- als auch für Kunden-Workloads bereitgestellt wird. Im Jahr 2025 umfasste die SAP Cloud Infrastructure weltweit 15 Regionen und 29 Rechenzentren sowie mehr als 200.000 aktive VMs und über 6.000 Hypervisoren.
Im September 2025 kündigte SAP den Einsatz der SAP Cloud Infrastructure (neben SAP Sovereign Cloud On-Site) für sein europäisches „SAP Sovereign Cloud“-Portfolios an, das auf besondere Anforderungen des öffentlichen Sektors und der regulierte Privatwirtschaft ausgerichtet ist.
Im April 2026 schloss SAP für die physische Infrastruktur der SAP-eigenen Rechenzentren in Deutschland (Walldorf/St. Leon-Rot) die Zertifizierung nach ISO/IEC 27001 auf Basis von IT-Grundschutz ab. Damit wurde bestätigt, dass die physischen Schutzmaßnahmen, Umgebungssicherungen und betrieblichen Prozesse auf Anlagenebene den Vorgaben des BSI entsprechen.
Im Juni 2026 erteilte das BSI der SAP für die SAP Cloud Infrastructure in Walldorf/St. Leon-Rot die Einsatzerlaubnis zur Verarbeitung von Verschlusssachen des Geheimhaltungsgrads Verschlusssache — Nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD) im Rahmen einer Komponentenzulassung. Der Evaluierungsprozess dauerte rund zwölf Monate. SAP positioniert die Einsatzerlaubnis als Zwischenschritt und Grundlage für eine anschließende vollständige BSI-Zulassung einschließlich der Rezertifizierung der SAP Cloud Infrastructure nach ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz.
Dienste und Funktionen Die SAP Cloud Infrastructure ist ein Infrastructure-as-a-Service (IaaS)-Angebot von SAP. Die SAP Cloud Infrastructure wird positioniert als hochverfügbares, hochsicheres, hochskalierbares und innovatives Cloudangebot. Sie stellt virtuelle Compute-, Storage- und Networking-Services sowie Dienste für Identity, Key Management und den Betrieb bereit. SAP Cloud Infrastructure folgt einem Self-Service-Modell und wird über APIs und eine webbasierte Benutzeroberfläche verwaltet.
Compute SAP Cloud Infrastructure stellt Virtual-Machine-Instanzen bereit, die aus Betriebssystem-Images provisioniert und in vordefinierten Größen (flavors) ausgewählt werden können. Unterstützt werden Operationen über den Lebenszyklus (Anlegen, Ändern, Resizing, Löschen), das Steuern des Betriebszustands (z. B. Start/Stopp) sowie Snapshots. Instanzen können zu Servergruppen zusammengefasst werden, um Platzierungsregeln zu beeinflussen.
Storage SAP Cloud Infrastructure stellt persistente Storage-Services bereit, darunter: Block Storage (virtuelle Volumes) mit Attach/Detach an Instanzen, Online-Erweiterung, Klonen und Snapshots sowie der Bereitstellung von Volumes aus Images oder Snapshots. Object Storage (Container und Objekte), verwaltet über API/CLI, mit Access Control Lists (ACLs) und konfigurierbaren Redundanzoptionen. File Storage (Shared File Systems) mit Zugriffskontrollen, Online-Resizing, Snapshot/Restore und Replikation über Availability Zones hinweg.
Networking SAP Cloud Infrastructure bietet Software-defined Networking (SDN) für Mandanten-Netzwerke (Networks, Subnets, Router) sowie Konnektivitätsfunktionen wie Floating IPs für öffentliche Erreichbarkeit. Zur Netzwerkabsicherung dienen Security Groups und Firewall-Regeln; als Konnektivitätsoption ist unter anderem BGP-basiertes VPN-Networking dokumentiert.
Load Balancing und DNS Die SAP Cloud Infrastructure stellt einen Managed-Load-Balancing-Dienst zur Verteilung von Datenverkehr auf Backend-Instanzen sowie einen autoritativen DNS-Service (DNSaaS) bereit. DNS-Zonen und -Records werden API-basiert verwaltet; dokumentiert sind unter anderem Optionen zum Teilen bzw. Transfer von Zonen zwischen Projekten/Tenants sowie Integrationen zur automatisierten Record-Erstellung.
Identity, Access und Key Management Die SAP Cloud Infrastructure beinhaltet Identity and Access Management (IAM) für Authentifizierung/Autorisierung in Projekten/Tenants (z. B. Token-Handling, Rollenvergabe und Credential-Management). Zusätzlich stellt die Plattform Key- und Secrets-Management für die Ablage und Zugriffskontrolle von Geheimnissen (z. B. Keys und Zertifikate) bereit; je nach Konfiguration können unterschiedliche Backends genutzt werden.
Cloud-native Services Die SAP Cloud Infrastructure bietet eine Container Image Registry (Image Push/Pull, Access Policies und Lifecycle Controls) sowie eine Auto-scaling-Funktion für File Shares auf Basis konfigurierbarer Regeln.
Observability und Audit Die SAP Cloud Infrastructure stellt Metriken und Audit-Logs für das operative Monitoring bereit; Audit-relevante Ereignisse können serviceübergreifend gelistet und gefiltert werden.
Verfügbarkeit und Service Levels Die Dokumentation der SAP Cloud Infrastructure nennt verfügbarkeitsbezogene Funktionen wie Load Balancing, Storage-Redundanzoptionen und die Replikation von File Shares über Availability Zones hinweg. SAP-Cloud-Services werden vertraglich über Service-level agreements (SLA) geregelt; für SAP Cloud Infrastructure ist ein SLA-Zusatz mit infrastrukturspezifischen Begriffen vorgesehen, sofern er in Bestellformularen referenziert wird.
SAP-Cloud-Services SAP-Cloud-Services werden je nach Produkt auf unterschiedlichen zugrunde liegenden Infrastrukturen betrieben; neben Hyperscalern ist auch SAP Cloud Infrastructure als Basis vorgesehen. Die Dokumentation zu SAP HANA Cloud nennt SAP Cloud Infrastructure als eine der unterstützten Infrastrukturen neben Hyperscalern. Zu den Kategorien von SAP-Cloud-Lösungen, die auf SAP Cloud Infrastructure verfügbar sind, zählen SAP Cloud ERP, SAP HCM, SAP-Lösungen für Spend Management, Supply Chain Management, Business Transformation Management sowie die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) einschließlich zugehöriger Analytics- und Business-Data-Lösungen.
Nachhaltigkeit Für den Rechenzentrumsbetrieb nennt SAP unter anderem energieeffiziente Infrastruktur (z. B. fortgeschrittene Kühlsysteme und Power Management), den Einsatz erneuerbarer Elektrizität, soweit umsetzbar, sowie betriebliche Maßnahmen wie Recycling von Elektronikschrott und die Reduktion des Wasserverbrauchs. Als relevante Standards werden ISO 14001 und ISO 50001 für Umwelt- bzw. Energiemanagement angeführt.
SAP verweist darauf, dass SAP-eigene Rechenzentren mit 100 % erneuerbarer Elektrizität betrieben werden und dass erneuerbare Elektrizität seit 2014 zur Versorgung von SAP-Einrichtungen einschließlich eigener Rechenzentren und Co-Locations eingesetzt wird.
SAP Cloud Infrastructure im Kontext von SAP Sovereign Cloud SAP Sovereign Cloud ist ein Portfolio von SAP-Lösungen, das es Organisationen ermöglicht, Cloud-Anwendungen zu nutzen und dabei die Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Compliance gemäß lokalen Gesetzen und Vorschriften zu behalten. Wie im Abschnitt SAP-Cloud-Services dargestellt, umfasst das Portfolio unter anderem SAP Cloud ERP und weitere typische SAP-Cloud-Lösungen. Zielgruppe sind Kunden die besondere Anforderungen an digitale Souveränität, insbesondere in Bezug auf Datenresidenz, Betriebszugriffe oder Sicherheit haben. Vorrangige Nutzergruppen sind somit Einrichtungen des öffentlichen Sektors und die regulierte Privatwirtschaft. Zu den Bereitstellungsoptionen gehören die SAP Cloud Infrastructure sowie die SAP Sovereign Cloud On-Site (SCOS), eine lokale Private-Cloud-Variante der SCI für den Betrieb im eigenen oder in Third-Party-Rechenzentren. Darüber hinaus umfasst das Portfolio die Delos Cloud sowie unterschiedliche Hyperscaler-basierte Bereitstellungsoptionen (z. B. via AWS European Sovereign Cloud).
In der Europäischen Union bietet die SAP Cloud Infrastructure eine souveräne Betriebsvariante für sicherheitssensitive und regulierte Einsatzszenarien der SAP Sovereign Cloud. Sie ist Open-Source-basiert und ohne technische Abhängigkeit zu Hyperscaler-Technologien für sicherheitssensitive und regulierte Einsatzszenarien: Daten werden in lokalen Rechenzentren oder in zugelassenen Ländern gespeichert (Datensouveränität), Betrieb und Wartung erfolgen lokal durch autorisiertes Personal (betriebliche Souveränität), Steuerungsebenen werden lokal gehostet und technisch strikt getrennt (z. B. durch Verschlüsselung oder dedizierte Infrastruktur) (technische Souveränität), und die Ausgestaltung orientiert sich an lokalen rechtlichen Vorgaben sowie der Begrenzung externer Einflussnahme (rechtliche Souveränität).
Standort und Verfügbarkeitszonen (Availability Zones) Rechenzentren in Deutschland im Betrieb und Eigentum der SAP Drei Verfügbarkeitszonen in drei räumlich getrennten Rechenzentren in Walldorf/St. Leon-Rot, verbunden über SAP-eigene Glasfaserinfrastruktur
Rechenzentrumsstandards, Compliance und Zertifizierungen Die Rechenzentren der SAP Cloud Infrastructure erfüllen hohe regulatorische Anforderungen, einschließlich Vorgaben für kritische Infrastrukturen. Dies wird über Zertifizierungen, Prüfberichte und Anforderungskataloge nachgewiesen, darunter beispielsweise
Informationssicherheits- und Cloud-Audits BSI C5 Prüfbericht (Typ 2 / „C5 Typ II“) ISO/IEC 27001 ISO/IEC 27001 auf Basis von IT-Grundschutz („ISO 27001 nach IT-Grundschutz“) für die physische Infrastruktur der SAP-eigenen Rechenzentren in Deutschland
Rechenzentrumsnormen und physische Infrastruktur DIN EN 50600 / ISO/IEC 22237 (Verfügbarkeitsklasse VK3) TSI.STANDARD (Trusted Site Infrastructure; Level 3+ / „TSI Level 3+“) hoher Schutzbedarf (Schutzziel „HOCH“)
Bundes-/BSI-Anforderungskataloge für Verfügbarkeit und Standort HV-Benchmark kompakt („HVB-kompakt“)
Bauliche Maßnahmen Rechenzentren des Bundes Standortkriterien Rechenzentren des Bundes
Plattformmerkmale für souveräne Nutzungsszenarien Entwicklung und Betrieb durch SAP in Deutschland Einsatz von Open-Source-Technologien (u. a. OpenStack) sowie Container-Orchestrierung mit Kubernetes Bereitstellung und Verwaltung von Ressourcen über Programmierschnittstellen (API) sowie über ein Self-Service-Portal Unterstützung von SAP- und Nicht-SAP-Workloads (Drittanwendungen) Auslegung für hochskalierbare Workloads und sicherheitssensitive Einsatzszenarien VS-NfD-Einsatzerlaubnis (Komponentenzulassung): Vom BSI im Juni 2026 erteilte Einsatzerlaubnis zur Verarbeitung von Verschlusssachen des Geheimhaltungsgrads VS-NfD auf der SAP Cloud Infrastructure in Walldorf/St. Leon-Rot, im Rahmen einer Komponentenzulassung; Grundlage für die anschließende vollständige BSI-Zulassung. C3A-Selbstbewertung: Selbstbewertung der SAP Cloud Infrastructure gegen den BSI-Kriterienkatalog C3A (Criteria enabling Cloud Computing Autonomy); SAP gibt an, dass damit alle Anforderungen an digitale Souveränität erfüllt seien.