mini|Cäsarius zu Füßen des heiligen Benedikt, Handschrift C 27 der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf mini|Caesarius-Bronzedenkmal von Ernemann Sander in Königswinter-Oberdollendorf mini|Gedenkstein auf dem Gelände der Abtei Heisterbach

Caesarius von Heisterbach (* um 1180Caesarius berichtet im Dialogus miraculorum IV. Cap. 79, dass er „abhuc puer“ („noch Knabe“) war, als er den Kardinalbischof Heinrich von Albano in der St. Peterskirche von Köln den Kreuzzug gegen Saladin predigen hörte. Dies war im Jahre 1188. Daraus lässt sich Caesarius’ Geburtsdatum um das Jahr 1180 ableiten. in oder in der Nähe von Köln; † nach 1240 in Heisterbach) war ein gebildeter Zisterziensermönch und Novizenmeister im Zisterzienserkloster Heisterbach bei Königswinter.

Als berühmter Kölner Chronist, Verfasser kirchlicher Schriften und Erzähler sammelte er im Dialogus miraculorum (1219–1223) Geschichten von den Wundern und Gesichten seiner Zeit, wie ein weiterer Titel dieses Werkes besagt: De miraculis et visionibus sui temporis. Auch seine zweite Exemplasammlung VIII libri miraculorum („Acht Bücher von Wundern“) enthält für die Sitten- und Kulturgeschichte wertvolle Erzählungen. Seine Engelbert-Biographie Vita, passio et miracula beati Engelberti Coloniensis archiepiscopi ist die Chronik über das Leben und Sterben des ermordeten Kölner Erzbischofs Engelbert I. von Köln. Außerdem schrieb er die Vita s. Elisabeth (1236–1237) über die heilige Elisabeth von Thüringen.

Leben Für die Jahre 1188 bis 1198 ist Caesarius von Heisterbach in Köln bezeugt. Er besuchte die Schule des St. Andreasstifts, die unter der Oberaufsicht von Dekan Ensfried stand, dem Caesarius ein langes Kapitel in seinem Dialogus miraculorum einräumt. Er bezeichnet ihn dort als „Mann von weitem Ruf“ („vir magni nominis“) und schildert ihn als mildtätigen, fromm-naiven, wackeren Mann.Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum, VI, 5.

In dieser Zeit, Caesarius war noch ein kleiner Schüler („adhuc scholaris parvulus“), befiel ihn eine schwere Krankheit, die durch ein Schwitzbad geheilt wurde.Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum, X Cap. 44.

Nach seiner Zeit am St. Andreasstift besuchte Caesarius die Domschule, wo er bei dem berühmten Domscholasticus Rudolf, der zuvor in Paris gelehrt hatte, seine theologische Ausbildung erhielt.

Caesarius hat später zahlreiche „Predigtmärlein“ verfasst, die häufig in Köln spielen. Diese lassen Details seines Aufenthalts in Köln erkennen. So lief er als Schüler mit seinen Kameraden auf die Richtstätte vor den Toren der Stadt. Die Messe hörte er in der Michaels-Basilika. Er hielt sich oft auf der Hoch- und Schmalgasse („Strata Alta et Angusta“) auf, außerdem erlebte er das Wunder am Kreuz in der St. Georgskirche. An einem Nachmittag des Jahres 1198 weilte er zusammen mit anderen in dem erzbischöflichen Palast, um das strahlende Sternenwunder zu sehen.

Im Oktober 1198 wanderte Caesarius zusammen mit Gevard, dem zweiten Abt der Zisterzienserabtei Heisterbach, die nahe Bonn im Siebengebirge liegt, vom Kloster in Walberberg nach Köln. Gevard versuchte ihn zu überreden, seinem Orden beizutreten, doch erklärte sich Caesarius erst damit einverstanden, als sein Reisegefährte ihm von einem Wunder erzählte, das sich dort angeblich an den Mönchen bei der Ernte vollzogen hatte. Caesarius erfüllte zunächst sein Gelübde und begab sich auf die Wallfahrt zur heiligen Maria von Rocamadour bei Cahors. Diese dauerte fünf Monate.

Anfang 1199 trat Caesarius dann in das Heisterbacher Kloster einDialogus miraculorum II Cap. 10. und hielt sich von nun an bis an sein Lebensende vorwiegend in Heisterbach auf. Im Kloster wurde Caesarius bald Novizenmeister, später Prior. Hier schrieb er auch seine zahlreichen Werke. Durch seine Tätigkeit als Novizenmeister ließ er sich zu einer ganzen Reihe von Schriften anregen. Als Prior begleitete er den Abt auf seinen Visitationsreisen. Dadurch erhielt er einen besseren Eindruck davon, was im umliegenden Land geschah. Zu den besuchten Orten gehören der Salvatorberg bei Aachen, Hadamar in Nassau, Friesland, Hessen, der Rheingau, die Eifel und die Mosel.

Caesarius’ Hauptwerk, der Dialog über die Wunder und Gesichten seiner Zeit, stellt eine für die Novizen bestimmte „geistliche Anekdotensammlung“ dar. Das einem langen Katechismus gleichkommende Werk ist vom kirchlichen Standpunkt seiner Zeit aus verfasst und führt insbesondere durch die Gesprächsform (Dialog) dem modernen Leser alle damals herrschenden Vorstellungen und Meinungen in sonst nur selten erreichter Anschaulichkeit vor Augen.

Todesjahr Sein Todesjahr ist unbekannt. Der Autor hat einen Katalog hinterlassen, in dem er seine 36 eigenen Werke in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt hat.Brief an Prior Petrus von Marienstatt, den Caesarius zu einer Sammlung von Tractatus minocres schrieb. Epistola Cesarii ad dominum Petrum priorem de Loco sancte Marie in diversa eius opulescula, herausgegeben von A. Hilka: Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach I (1933), S. 2 ff. Das 32. und das 34. entfallen dabei auf das Jahr 1237. Nr. 36, das letzte also, ist ein umfangreicher Bibelkommentar von insgesamt neun Büchern. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Caesarius den Katalog, in dem er alles aufführte, was er „mit Gottes Hilfe verfasste“, gegen 1240 aufgestellt hat. Danach muss er dann noch mindestens zwei Schriften vollendet haben.

Nicht eindeutig geklärt ist dies beim Katalog der Kölner Erzbischöfe. Caesarius betreute den Abschnitt von 1167 bis 1238 und muss diesen 1238 oder kurz danach abgefasst haben. Konrad von Hochstaden, der 50. Kölner Erzbischof und Nachfolger des Heinrich von Molenark ab 1238, wird nämlich nur noch namentlich erwähnt. Es könnte auch sein, dass Caesarius diesen Katalog bereits vor seinem Schriftenverzeichnis anfertigte und ihn dort nicht aufführte, weil er ihm zu unbedeutend erschien. Caesarius hat dort auch seine ersten Predigten nicht mit aufgenommen.Im Schriftenverzeichnis sagt Caesarius: „Primo omnium in adolescencia mea paucis admodum semonibus prelibatis... scripsi ...“

Die acht Predigten über die Marienfeste (De sollemnitatibus beate Mariae virginis octo sermonesA. Hilka: Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach I (1933), S. 31 ff.) allerdings hätte Caesarius in der Liste erwähnen müssen. Ebenso die Omelias de sanctis, die „Dominus ac salvator noster Jesus“ beginnen und bisher noch nicht nachgewiesen sind.A. Hilka: Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach I (1933), S. 60. Die sonstigen Werke, die Caesarius zugeschrieben werden, passen allerdings eher nicht in den Kontext der besagten Liste.A. Hilka: Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach I (1933), S. 33f.

Der Dialogus inter capitulum, monachum et novicium ist vermutlich mit dem Dialogus miraculorum identisch. Die Questiones quodlibetice Cesarii stammen nicht von Caesarius von Heisterbach. In eum locum: In omnibus requiem quesivi ist mit den acht Marienpredigten identisch. Wenn man die Zeit bedenkt, die Caesarius’ Werke nach 1237 noch benötigt haben werden, kann man schlussfolgern, dass Caesarius bis in die 1240er Jahre gelebt haben muss.

Schriften Predigten Mit seiner kontemplativen Schreibweise, die auf die Einsamkeit des Klosters abstellt, setzt sich Caesarius in bewussten Gegensatz zu den Bettelmönchen, die zu seinen Lebzeiten durch die Lande zogen, aus dem Volk stammten und für das Volk predigten.

Die ersten Schriften des Caesarius waren Predigten, die er der eigenen Übung wegen niederschrieb. Seinen ersten schriftstellerischen Gehversuchen billigte er später keine Aufnahme in seinen eigenen Katalog zu. Doch dauerte es nicht lange, bis seine Mitbrüder an ihn herantraten, ihm Anregungen gaben und ihn in seinen Plänen bestärkten. So ist seine neunte Schrift entstanden, weil ihn seine Mitbrüder Gottschalk und Gerhard um eine einfache und klar verständliche Erklärung der Mariensequenz „Ave preclara maris stella“ baten. Auch die weiteren Schriften sind zumeist auf Anfrage hin entstanden. Caesarius klagt in seinem Schriftenverzeichnis darüber, dass ihm seine Schriften unvollendet und unkorrigiert aus der Hand genommen würden. Sie würden hinter seinem Rücken abgeschrieben, und das nicht einmal mit der notwendigen Sorgfalt. Auf diese Weise entstünden sinnentstellende Fehler, die man dann ihm als Autor anlasten würde. Die Zahl der erhaltenen Abschriften belegt, dass Caesarius’ Schriften bekannt und beliebt waren. Vom Dialogus miraculorum existieren sechzig bekannte Abschriften allein aus der Zeit vor Erscheinen der kritischen Ausgabe.P. E. Hübinger. In: A. Hilka: Die Wundergeschichten des Caesarius von Heisterbach II.

32 der 36 Werke des Katalogs sind rein theologischer Natur. Es handelt sich überwiegend um Predigten, wobei die Sermone gegenüber den Homilien deutlich überwiegen. Darüber hinaus finden sich auch zwei Streitschriften gegen die Häretiker und Gebete zu den kanonischen Tageszeiten.

In den Sermonen behandelt Caesarius Bibelstellen, wobei er sechs Mal ganze Psalmen oder Teile von ihnen untersucht. Außerdem beleuchtet er das Verhältnis der Himmelskörper zu den Schicksalen der Menschen.

Die Homilien hingegen befassen sich mit den Evangelientexten der Sonn- und Festtage durch das ganze Kirchenjahr. So widmen sich die zweibändigen Homilie dominicales mit den Sonntagsperikopen, die 33 Homilie festive hingegen mit den Perikopen der Hauptfeste unter besonderer Berücksichtigung der zisterziensischen Bedürfnisse. Beide Werke vereinigte Caesarius zu einem Sammelwerk, die er mit einer Epistel an den Leser und einem Widmungsschreiben an seinen Abt versah. Die Homilien sind dabei eher als theologische Traktate und Meditationen zu betrachten denn als Predigten und Reden. Sie richten sich nicht an Laien, sondern an Mitglieder des Zisterzienserordens, Mönche und Novizen. Die Auslegungen beschäftigen sich häufig mit dem Mönchs- und Ordensleben. Caesarius hält seine Stücke mystisch und scholastischgelehrt; einige Stücke erreichen dabei einen Umfang, der sich für die praktische Seelsorge unbrauchbar macht. Als seine Klosterbrüder Caesarius auf diesen Umstand hinwiesen, versuchte er sich im zweiten Teil der Homile dominicales kürzer zu fassen und einen einfacheren Stil zu pflegen („stilo breviori atque planiori“). Zugleich vergrößerte er aber den Umfang der Homilie festive, obwohl er sie nach dem Vorbild der bereits fertiggestellten anlegte und keine Predigtmärlein aufnahm.

Die Homilien behandeln nicht nur die Perikope, sondern enthalten auch Belehrungen über die Kanzelberedsamkeit. Caesarius spricht über die Entstehung der Predigt, ihren Charakter und den des Predigers. Seine Schriften entfalten große Bedeutung für die mittelalterliche Homiletik. Wie das Vorwort zum ersten Band des Homilienwerkes zu erkennen gibt, fügte Caesarius jeweils Beispiele ein, „damit ich auch durch Exempla das bestätige, was ich aus den Worten der Heiligen Schrift beweisen konnte“ („ut, quod probare poteram ex divine scripture sentenciis, hoc eciam firmarem exemplis“). Die Beispiele wurden jedoch von Zeitgenossen kritisiert, so dass er bei den Homilie festive davon Abstand nahm. In seine Predigten fügte Caesarius sie später aber wieder ein.