Gerhard Müller (* 25. November 1899 in Perleberg, Brandenburg; † 4. November 1987 in Berlin) war ein deutscher Ingenieur, Chemiker, Erfinder des Simon-Müller-Ofens, langjähriger Technischer Direktor der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin sowie Leiter der Deutschen Keramischen Gesellschaft (DKG).
Leben
Kindheit und Studium Müller wurde als viertes Kind des Veterinärrates O. Müller und dessen Ehefrau Anna (geb. Wichmann) geboren. Er besuchte ab 1906 das Realgymnasium in Perleberg und nach Umzug der Familie das Gymnasium in Wittenberge, welches er 1919 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Seine Schulzeit wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dem er als Soldat in Frankreich 1918 schwer verwundet wurde.
1919 schrieb er sich an der Technischen Hochschule Charlottenburg in Berlin für ein Studium der Chemie ein, welches er 1923 als Dipl.-Ing. abschloss. Mit dem Beginn seines Chemiestudiums wurde Müller Mitglied des Corps Baltia Berlin (heute: Corps Silingia Breslau zu Köln) und später 1933 ebenfalls Mitglied des Corps Teutonia.Verzeichnis der alten Rudolstädter Corpsstudenten. (AH Liste des RSC). 1928, ZDB-ID 1350548-8. Nr. 3257
Beruflicher Werdegang Mit Abschluss seines Studiums 1923 nahm Müller die Stelle als technischer Assistent des Direktors der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) an. Während dieser Zeit entwickelte Müller zusammen mit Arthur Simon den Simon-Müller-Ofen zum Ausglühen von Tiegeln und Schalen. Von 1927 bis 1930 promovierte er unter Reinhold Rieke zum Dr.-Ing. und kehrte zur KPM als Betriebsingenieur zurück bei gleichzeitiger Wiederaufnahme seiner Assistententätigkeit.
Es folgten verschiedene berufliche Stationen in der Porzellanindustrie. Von 1934 bis 1937 arbeitete er an der Entwicklung von Gleichrichtern im Unternehmen Hochohm in Berlin mit, bevor Müller 1938 die Leitung der keramischen Fabrik von Dr. P. Kauffmann in Niedersedlitz bei Dresden übernahm. Anschließend war er bis 1945 als Betriebsingenieur erneut für die KPM als Leiter auf dem Gebiet der neuen technischen Keramik für Wissenschaft und Industrie in Berlin tätig.
Nach dem Krieg arbeitete Müller kurzzeitig bis 1950 für Villeroy und Boch in Mettlach und wirkte dort am Aufbau der keramischen Versuchsanstalt mit. Ab 1950 wurde er Stellvertreter des Technischen Direktors bei KPM in SelbGlas-Email-Keramo-Technik (1961). Band 12. Brunke Garrles, S. 29 und beteiligte sich am Wiederaufbau des durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Werks in Berlin. 1953 stieg er zum Technischen Direktor der KPM auf und hatte diese Position bis 1966 inne.Die Bundesrepublik Deutschland. Teilausgabe Bund (1964). Carl Heymanns Verlag. S. 39
Müller engagierte sich neben seiner Tätigkeit bei KPM seit 1951 als Leiter der Deutschen Keramischen Gesellschaft (DKG) und blieb dies bis 1959.
Die Erfindung des Simon-Müller-Ofens Gemeinsam mit dem Chemiker Arthur Simon, entwickelte Müller 1925 den patentierten Simon-Müller-Ofen, um hohe Temperaturen über einen längeren Zeitraum konstant zu halten. Der Ofen bestand aus einem speziellen tiegelförmigen Heizkörper aus Hartporzellan, der von Schamotte umgeben ist. Die im Ofen eingesetzten Platin-, Wolfram- oder Molybdändrähte führen dazu, dass der Simon-Müller-Ofen Temperaturen bis zu 1900 °C erreichen kann. Aufgrund seiner Bauweise, die sowohl leicht (bezogen auf das Gewicht) als auch kostengünstig ist, setzte sich der Simon-Müller-Ofen bald als wichtiger Ofen durch, der noch heute zum Ausglühen verschiedener Gegenstände in der Porzellanherstellung genutzt wird.
Darüber hinaus hielt Müller viele weitere Patente.vgl. bspw. Angewandte Chemie (1927), Band 40, Verlag Chemie, S. 869 oder Official Gazette of the United States Patent Office (1929), S. 170.
Auszeichnungen Sein langjähriges ehrenamtliches Engagement als Leiter der DKG würdigte ebendiese 1969 mit der Verleihung des Rieke-Rings.
Werke Auszug der Werke von Müller sortiert nach Erscheinungsjahr (absteigend):
Müller, G. (1964). Technisches Porzellan. In: Berichte der Deutschen Keramischen Gesellschaft, Band 41. Simon A. &, Müller, G. (1926). Über einen selbst zu wickelnden, schnell auswechselbaren, elektrischen Tiegel-Widerstandsofen. Zeitschrift für Angewandte Chemie, Band 39, Nr. 45, 1377–1380. wiley
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Einzelnachweise
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