mini|Demonstranten in Washington, D.C. fordern im Oktober 2025 die Veröffentlichung der Epstein-Akten

Die Epstein-Akten () sind eine Sammlung von mehreren Millionen Dokumenten, Bildern und Videos, welche ursprünglich der Strafverfolgung des mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein sowie weiterer Personen aus seinem sozialen Umfeld dienten. Durch ihre teilweise Veröffentlichung Ende 2025 und Anfang 2026 bestätigten sich jahrelang diskutierte Vermutungen, dass Epstein zentraler Akteur eines großen Netzwerks war, das Frauen und minderjährige Mädchen systematisch vergewaltigte und sexuell missbrauchte. Viele der Opfer wurden dafür verschleppt, unter anderem auf Epsteins Insel Little Saint James in der Karibik.

Öffentliches Aufsehen erregte der Umstand, dass viele prominente und mächtige Personen aus Politik und Wirtschaft in engem Kontakt mit Epstein standen und in den Akten häufig auftauchen, darunter US-Präsident Donald Trump. Die unvollständige Veröffentlichung der Akten wurde häufig als Zensur kritisiert. Ebenfalls kritisiert wurde, dass in den USA bisher gegen keine der in den Akten auftauchenden Prominenten Strafermittlungen aufgenommen wurden. Strafermittlungen gegen Prominente erfolgten lediglich in Europa: in Norwegen gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland und im Vereinigten Königreich gegen den damaligen Prinzen Andrew sowie den damaligen Botschafter Peter Mandelson.

Inhalt und Bedeutung Die Epstein-Akten enthalten Beweismittel, die in den Strafverfahren gegen Jeffrey Epstein und seine Komplizen gesammelt wurden. Sie umfassen über 300 Gigabyte an Daten sowie weitere Mediendateien und sind im Sentinel-Fallmanagementsystem des FBI gespeichert. Dazu gehören auch Prozessabsprachen mit der Staatsanwaltschaft und den Geschädigten, sein Adressbuch, Flugprotokolle seiner Flugzeuge und Gerichtsakten, wobei einige in geschwärzter Form veröffentlicht wurden. Ebenso wurde Epsteins E-Mail-Verkehr veröffentlicht. So finden sich beispielsweise in Gerichtsakten und Flugprotokollen Hinweise darauf, dass verschiedene prominente Persönlichkeiten mit Epstein gereist oder mit ihm in Kontakt gestanden haben.

Gerichtsakten Die Akten enthalten insbesondere Protokolle der Grand Jury aus den Gerichtsverfahren gegen Epstein in Florida und New York, Akten aus dem Strafverfahren gegen Ghislaine Maxwell in New York, Akten zur Untersuchung von Epsteins Tod in seiner New Yorker Zelle sowie Ermittlungsakten aus einem Verfahren gegen einen ehemaligen Butler Epsteins.

Gerichtsverfahren 2007 in Florida mini|Epstein Non-Prosecution Agreement and Addendum 2007

Gegen Jeffrey Epstein ermittelte das FBI in Florida wegen des vielfachen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in seiner Villa in Palm Beach zwischen 2001 und 2007. Der komplette Entwurf einer Anklage wurde mit den Akten 2026 erstmals veröffentlicht. Epstein erzielte jedoch im September 2007 eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft (engl. plea bargaining), ausgehandelt zwischen dem damaligen Staatsanwalt Alexander Acosta und Epsteins Verteidiger Alan M. Dershowitz. In einem Non-Prosecution Agreement bekannte sich Epstein schuldig wegen Anstiftung zur Prostitution und wurde zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt. Nachdem er 12 Monate weitgehend im offenen Vollzug verbüßt hatte, wurde er auf Bewährung entlassen. Von einer weiteren Strafverfolgung wurde abgesehen.

Ermittlungsverfahren 2019 in New York Am 6. Juli 2019 wurde er in New York wegen Menschenhandel und Zwangsprostitution Minderjähriger (im US-Strafrecht sog. Sex trafficking Conspiracy) in seinen Anwesen in Florida und an der Upper East Side zwischen 2002 und 2005 verhaftet und angeklagt,United Stares of America v. Jeffrey Epstein United States District Court, Southern District of New York: Unsealed Indictment (englisch). starb jedoch am 10. August 2019 in Untersuchungshaft. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt.United States v. Jeffrey Epstein, 19 Cr. 490 (RMB). United States Attorney, Southern District of New York, 4. September 2019 (englisch). Als Teil der Akten wurde 2026 justizinterner E-Mail-Verkehr aus dem Ermittlungsverfahren 2019 veröffentlicht. Dieser zeigt u. a., dass das FBI nach Epsteins Verhaftung zehn vermutete Mittäter vor eine Grand Jury laden wollten.

Vermeintlicher Inhalt „Kundenliste“ Nach Epsteins Tod wurden Spekulationen und Theorien befeuert, wonach er eine Liste von Personen geführt habe, an die er junge Frauen vermittelt haben soll. Mit den von diesen Treffen heimlich gefertigten Filmaufnahmen soll er seine „Kunden“ erpresst haben, weswegen er ermordet worden sei. Diese Theorien wurden nach seinem Tod 2019 weit verbreitet, unter anderem vom damaligen Präsidenten Donald Trump, und erneut 2025.

Behauptungen über die Existenz einer Kundenliste tauchten schon vor Veröffentlichung der Epstein-Akten auf und erlangten 2025 größere Bedeutung durch einen mittlerweile gelöschten Tweet des ehemaligen Beraters des Weißen Hauses und Mitarbeiters des Department of Government Efficiency, Elon Musk, der behauptete, US-Präsident Donald Trump sei „in den Epstein-Akten“ verzeichnet. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten (DOJ) der Trump-Regierung veröffentlichte am 7. Juli 2025 ein Memorandum, in dem es hieß, die Liste existiere nicht und es würden „keine glaubwürdigen Beweise dafür gefunden, dass Epstein im Rahmen seiner Aktivitäten prominente Persönlichkeiten erpresst hat.“ Das Memo stieß bei politischen Kommentatoren aus dem gesamten politischen Spektrum, wie etwa Alex Jones und John Oliver, auf Skepsis.

Adressbuch Neben dem Memorandum existiert „Epsteins kleines schwarzes Buch“ (englisch: Jeffrey Epstein's "little black book"), ein 97-seitiges Verzeichnis mit Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Privatadressen, das ein ehemaliger Angestellter 2005 aus Epsteins Haus entwendete und 2009 an das FBI verkaufte.Sara Cook: Video shows Epstein's butler selling "little black book" to undercover FBI agent in 2009 sting operation (englisch) am 7. Februar 2026 auf cbsnews.com, abgerufen am 11. März 2026 Gawker veröffentlichte 2015 eine geschwärzte Version, und eine ungeschwärzte Version davon erschien 2019 auf 8chan; diese wurde 2025 auch auf Wikimedia Commons veröffentlicht.Jeffrey Epstein Little Black Book unredacted.pdf (PDF) am 20. September 2025 auf Wikimedia Commons, abgerufen am 11. März 2026

Ein zweites Adressbuch, bezeichnet als „Epsteins anderes kleines Schwarzes Buch“, wurde 2021 von Business Insider veröffentlicht und ist auf Oktober 1997 datiert. Laut der Investigativjournalistin Julie K. Brown erstellte Epsteins damalige Freundin Ghislaine Maxwell dieses Verzeichnis, das neben Prominenten auch Epsteins Gärtner, Friseur, Barbier und Elektriker enthielt. Brown sagte, die sogenannte Liste sei eine falsche Fährte, und jedes Mal, wenn Epstein oder Maxwell wichtige Persönlichkeiten trafen, notierten sie sich deren Kontaktdaten und trugen sie in diese Akte ein. Dabei wurde deutlich, dass es sich eigentlich nicht um ein Adressbuch handelte, in dem alle seine Klienten aufgeführt waren, sondern lediglich um ein Telefonverzeichnis.

Gesetz zur Freigabe der Akten mini|hochkant|Ro Khanna (2016) mini|hochkant|Thomas Massie (2025)

Während seines Präsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2024 versprach Donald Trump, die Epstein-Akten vollständig offenzulegen, obwohl er später behauptete, dass die Akten verfälschte Behauptungen von Mitgliedern der Demokratischen Partei seien.

2024 kamen bereits einige Dokumente an die Öffentlichkeit: Die New Yorker Richterin Loretta Preska sorgte im Januar 2024 für die Veröffentlichung von Dokumenten in einem Verleumdungsprozess gegen Ghislaine Maxwell aus dem Jahr 2015.

Am 18. November 2025 verabschiedete das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten den von Ro Khanna und Thomas Massie eingebrachten Gesetzesvorschlag Epstein Files Transparency Act mit 427 Ja- zu einer Nein-Stimme, um die Veröffentlichung der im Besitz des US-Justizministeriums, des FBI und der United States Attorneys befindlichen Akten durch den Justizminister gesetzlich zu regeln.Epstein-Akten: Senat leitet Gesetz zur Freigabe an Trump. beck-aktuell, 19. November 2025. Darauf billigte der Senat der Vereinigten Staaten den Vorschlag am 19. November einstimmig. Am 19. November unterzeichnete Trump das Gesetz.

Die Dokumente sollten binnen 30 Tagen ab Inkrafttreten veröffentlicht werden, sofern sie nicht den im Gesetz genannten Geheimhaltungsgründen unterliegen, etwa dem Opferschutz oder laufende Ermittlungen und die nationale Sicherheit gefährden würden. Der Justizminister soll nach Abschluss der Veröffentlichung sowohl dem United States Senate Committee on the Judiciary (Justizausschuss des Senats) als auch dem United States House Committee on the Judiciary (Justizausschuss des Repräsentantenhauses) eine vollständige Liste sämtlicher Dokumente vorlegen, einschließlich der nicht veröffentlichten. Bei Schwärzungen soll die Rechtsgrundlage angegeben werden. Anzugeben sind auch die in den Akten enthaltenen Namen von Regierungsbeamten und politisch exponierten Personen. Insoweit dient das Gesetz auch der Kontrolle des Regierungshandelns durch den Kongress.

Da es bis zu Epsteins Tod im August 2019 kein öffentliches Hauptverfahren mit Beweisaufnahme gegen ihn gab, soll nunmehr die Veröffentlichung der Akten die Aufklärung strafbarer Handlungen ermöglichen.

Das Justizministerium der Vereinigten Staaten veröffentlichte nur einen relativ geringen Teil der Epstein-Akten, was zu parteiübergreifender Kritik führte. Am 30. Januar 2026 wurden zusätzliche drei Millionen Seiten an Dokumenten sowie über 2000 Videos und 180.000 Bilder veröffentlicht. Das Justizministerium erklärte, dass die Veröffentlichung der Akten am 30. Januar die letzte und es damit nun seiner Verpflichtung nachgekommen sei, obwohl es einräumte, dass insgesamt sechs Millionen Seiten als Akten gelten könnten, die gemäß dem Epstein Files Transparency Act freigegeben werden müssten. In den freigegebenen Akten werden auch zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens genannt, was insbesondere für sie zu einer verstärkten öffentlichen Beobachtung führte.

Ende Februar 2026 berichteten mehrere Medien, dass ein veröffentlichtes Indexdokument mehrere FBI-Memos referenziere, diese jedoch nicht veröffentlicht wurden. Am 6. März veröffentlichte das Justizministerium auch diese Memos, die Donald Trump belastende Vernehmungen beinhalten, und gab an, die Memos seien ursprünglich "fälschlicherweise als doppelt codiert" markiert und daher nicht veröffentlicht worden.

Folgen der Veröffentlichung Vereinigte Staaten Das United States House Committee on Oversight and Accountability (House Oversight Committee), ein ständiger Ausschuss des Repräsentantenhauses, leitete eine Untersuchung ein. Unter anderen wurden Ghislaine Maxwell,Epstein-Komplizin Maxwell verweigert Aussage. Tagesschau (ARD), 10. Februar 2026. Justizministerin Pam BondiOskar Schulz: Epstein-Akten: US-Justizministerin Bondi wird bei Anhörung ausfällig. Berliner Morgenpost, 12. Februar 2026. sowie Bill und Hillary ClintonBill und Hillary Clinton sagen über ihre Verbindungen zu Epstein aus. Süddeutsche Zeitung, 3. Februar 2026. vor den Ausschuss geladen. US-Handelsminister Howard Lutnick sagte bei einer Anhörung vor dem US-Senat aus, er habe zwischen 2005 und 2019 keinerlei Beziehung zu Epstein gehabt; gab aber gleichzeitig zu, 2012 Epsteins private Karibikinsel Little St. James besucht und mit ihm zu Mittag gegessen zu haben. Abgeordnete forderten Lutnick zum Rücktritt auf, die US-Regierung stellte sich jedoch hinter den Minister.