Die Moto Guzzi Sessantacinque GT (italienisch für „65 GT“) bzw. das Schwestermodell Trentacinque GT (italienisch für „35 GT“) sind unverkleidete Straßen-Motorräder des italienischen Herstellers Moto Guzzi, die von 1988 bis 1992 bzw. 1995 in Mandello del Lario gebaut wurden. Beide Modelle sind äußerlich kaum zu unterscheiden und ähneln dem ein Jahr zuvor eingeführten, relativ erfolgreichen größeren Modell Mille GT (1987–1991), das allerdings vom sogenannten „Big-Block“-Aggregat angetrieben wird und eine stark unterschiedliche Grundkonstruktion hat.
Die Sessantacinque GT wurde im Modelljahr 1993 durch die Strada 750 ersetzt. Die in Deutschland nicht verkaufte Trentacinque GT wurde bis 1995 gebaut und hatte kein Nachfolgemodell. Zeitgleich wurde auch die Nevada 350 eingestellt, so dass Moto Guzzi seitdem kein Modell mit einem Hubraum < 700 cm³ mehr im Angebot hat – mit kurzzeitiger Ausnahme der Nevada 350 Club (1998–1999).
Geschichte Im Jahr 1987 hatte das Unternehmen SEIMM Moto Guzzi S.p.A. wieder große finanzielle Schwierigkeiten. Die Gesamtproduktion war unter 6000 Einheiten gefallen. Der damalige Inhaber Alejandro de Tomaso, der dringend Kapital unter anderem für den Abschluss der von ihm persönlich verfolgten Entwicklung eines rennfähigen Motorrads (sogenanntes „Daytona-Projekt“) brauchte, beschloss die Veräußerung von 70 % der Anteile an Benelli – seit 1971 ebenfalls Eigentum von De Tomaso Industries (DTI) – und die Schließung eines Werks des 1975 ebenfalls von DTI übernommenen Autoherstellers Innocenti. Um auch die Verkaufszahlen möglichst zu erhöhen, wurden für das Modelljahr 1988 das Angebot angepasst und mehrere Baureihen etwas modernisiert. Die neuen Modelle Le Mans 1000 CI, California III und 1000 SP III kamen auf den Markt.
1988 wurde die SEIMM Moto Guzzi S.p.A. mit Benelli fusioniert und unter der Firmierung GBM S.p.A. (Guzzi Benelli Motori) weitergeführt.
Da sich in der Oberklasse die im Herbst 1987 auf Anregung des deutschen Moto-Guzzi-Importeurs Deutsche Motobécane GmbH (DMB) eingeführte Mille GT deutlich besser als geplant verkaufte, wurden in der Mittelklasse mit gleichem Design zwei für den Bedarf des italienischen Heimmarktes mit kleineren Motoren angetriebenen Motorräder im Frühjahr 1988 vorgestellt: die Sessantacinque GT mit 650-cm³-Motor, basierend auf dem Sporttourer V75, jedoch nicht mit dessen 4-Ventil-Motor, sondern mit dem Motor der ersetzten V65 und ohne Cockpitverkleidung, und die Trentacinque GT mit 350-cm³-Motor, im Grunde eine V35 III mit dem gleichen relativ langhubigen Motor, jedoch ohne Frontverkleidung.
Bei allen drei Modellen der „GT“-Serie sind Scheinwerfer, Instrumente, Bedienelemente, Blinker, die etwas klobigen runden Kunststoffspiegel usw. gleich. „65 GT“ und „35 GT“ waren zuerst nur in Schwarz erhältlich, später wie die Mille GT auch in Feuerrot mit rotem Rahmen.
Konstruktion Antrieb Der längs eingebaute, fahrtwindgekühlte Viertakt-Zweizylinder-V-Motor hat, wie alle V-Motoren von Moto Guzzi seit 1967, einen Zylinderwinkel von 90 Grad. Pro Zylinder werden je ein Ein- und ein Auslassventil von einer untenliegenden Nockenwelle über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel gesteuert. Der Motor basiert auf dem ab 1977 in den unterschiedlichen V35-, V50- und V65-Modellen verwendeten Aggregat, das international „Small Block“ genannt wird.
Das Gemisch bilden zwei Vergaser von Dell’Orto. Die elektronische Zündung lieferte der spanische Zulieferer Motoplat. Am vorderen Ende der Kurbelwelle wird die Lichtmaschine direkt angetrieben. Der Kraftstofftank fasst 17 Liter.
Beide Schwestermodelle haben eine mechanisch mit Seilzug betätigte Einscheiben-Trockenkupplung und ein Fünfganggetriebe. Ein Kardanantrieb überträgt die Kraft an das Hinterrad.
Rahmen und Fahrwerk Die Sessantacinque GT und die die Sessantacinque GT haben den gleichen Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geschraubten Unterzügen. Das Vorderrad wird von einer nicht einstellbaren Guzzi-Teleskopgabel mit 38 mm Standrohrdurchmesser und 125 mm Federweg geführt. Die Gabel der „65 GT“ wurde von der V75 übernommen und ist etwas länger.
Am Hinterrad ist es eine Zweiarmschwinge aus Aluminium mit Marzocchi-Federbeinen. Bei der „65 GT“ wurde nicht die längere Schwinge der V75, sondern die kürzere der V65 übernommen. Der Federweg beträgt 68 mm, die Federvorspannung ist in 5 Stufen einstellbar. Die Kardanwelle ist im rechten Schwingarm integriert. Wie bei allen Guzzi-Modellen mit der „Small-Block“-Antriebskonstruktion ist die Schwinge drehbar gelagert direkt am Getriebegehäuse angeschraubt.
„65 GT“ und „35 GT“ unterscheiden sich in Radgrößen und Reifendimensionen, siehe Datentabelle unten.
Bremsanlage Das Integralbremssystem hat hydraulisch betätigte Scheibenbremsen: am Vorderrad zwei schwimmend gelagerte Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 260 mm und axial geschraubten Doppelkolben-Festsätteln von Brembo; am Hinterrad eine schwimmend gelagerte Bremsscheibe mit 235 mm Durchmesser und einen Brembo-Doppelkolben-Festsattel. Alle Bremskolben haben einen Durchmesser von 32 mm.
Technische Daten Typ Trentacinque GT Sessantacinque GT Bauzeitraum 1988–1995 1988–1992 Hubraum 346,2 cm³ 643,4 cm³ Bohrung × Hub 66 mm × 50,6 mm 80 mm × 64 mm Verdichtung 10,5 : 1 10,0 : 1 Vergaser (Dell’Orto) VHBZ 26 F (Ø26 mm) PHBH 30 B (Ø30 mm) Nennleistung 33,5 PS (24,5 kW) 52 PS (38 kW) – bei Drehzahl 8200/min 7050/min Radgröße vorn 16″ × 2,15″ 18″ × 1,85″ Reifen vorn 100/90-16″ 100/90-18″ Radgröße hinten 18″ × 2,50″ 18″ × 2,15″ Reifen hinten 110/80-18″ 110/90-18″ Höchstgeschwindigkeit ca. 150 km/h ca. 170 km/h Verbrauch nach CUNA ca. 4,0 l / 100 km ca. 5,5 l / 100 km Theoretische Reichweite (ca.) 420 km 310 km Quellen:
Weblinks Bildersammlung zur Sessantacinque GT auf der frz. Website guzzitek.org Bildersammlung zur Trentacinque GT auf der frz. Website guzzitek.org
Einzelnachweise
Kategorie:Motorradmodell Sessantacinque GT