Włodzisław (deutsch Baumgarten) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Przybiernów (Gemeinde Pribbernow) im Powiat Goleniowski.
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, etwa 23 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Kamień Pomorski (Cammin in Pommern) und 5,5 Kilometer südwestlich der Ortschaft Golczewo (Gülzow).
Geschichte Der Ort wurde 1438 erstmals urkundlich erwähnt und 1440 als Flemmingsches Lehen bezeichnet.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 120. 1628 waren die Flemminge laut den Hufenmatrikeln von Pommern-Stettin in Baumgarten unter anderem mit acht Hakenhufen begütert, die Caspar Flemming der Ältere besaß, mit 2,5 Hakenhufen, die Ewaldt Flemming gehörten, und mit acht Hakenhufen, die Hasso Adam und Ewaldt Jochim Flemming als Lehnsfolger des Churt Flemming zu Böck in Besitz hatten.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 236–238 (Google Books). 1756 besaß der Vasallen-Tabelle zufolge der 82 Jahre alte ehemalige Kapitän Caspar Sigmund v. Flemming zu Böck einen Anteil an Baumgarten.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 369 (Google Books). Um 1782 befand sich Julius Friedrich Wilhelm von Flemming im Besitz des Vorwerks Baumgarten nebst vier dazugehörigen Bauernhöfen, der auch noch in der Vasallentabelle von 1804 als Besitzer genannt wird, als er 53 Jahre alt war.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 464 (Google Books). Nachdem das Gut Baumgarten 1840 an den Major a. D. Julius v. Flemming, wohnhaft in Cammin, gekommen war und dessen Vermögen in Konkurs ging, musste das Gut 1846 öffentlich versteigert werden. Für das Meistgebot erwarb es Christian Friedrich Hasse, der die Allodifikation bewirkte. Er verkaufte das Gut noch im selben Jahr an Joachim Friedrich Tiedke, der es von einem Pächter bewirtschaften ließ.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 357–358 (Google Books).
In den Verzeichnissen der Pommerschen Ritterschaft vom 1. Januar 1862 ist Joachim Friedrich Tiedke als Gutsbesitzer genannt.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 576 (Google Books). Im Jahr 1884 gehörte das Rittergut Baumgarten einem Gutsbesitzer Struck, der es von einem Gutsverwalter bewirtschaften ließ,P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich, Teil I: Das Königreich Preußen, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai, Berlin 1884, S. 104–105 (Google Books). 1892 befand es sich im Besitz des Paul von Ploetz auf Groß Weckow, Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 8–9 (Google Books). der auch noch um 1900 als Besitzer genannt wird.F. Sendke: Verzeichniss der evangelischen Pfarrstellen, Kirchen und Kapellen, der Kirchenpatrone, sowie der der im Amt befindlichen evangelischen Geistlichen, Druck von F. Hessenland, Settin 1900, S. 64–65, Ziffer 2 (Google Books).
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 308,6 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Baumgarten 22 viehhaltende Haushaltungen gezählt und auf dem 355,4 Hektar umfassenden Gutsbezirk Baumgarten 18 viehhaltende Haushaltungen gezählt.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Stettin, 12. Kreis Cammin, S. 50–51, Ziffer 11 (Google Books), und S. 54–55, Ziffer 159 (Google Books).
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Baumgarten eine Fläche von 355 Hektar und 42 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 120 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 393, 2. Kreis Cammin, Ziffer 3 (Google Books). Kurz nach 1927 wurde der Gutsbezirk Baumgarten in die Landgemeinde Baumgarten eingegliedert.Amtsbezirk Baumgarten (Territorial.de)
Die Gemarkung der Landgemeinde Baumgarten hatte Anfang der 1930er Jahre eine Fläche von 6,6 km². Im Gemeindegebiet, wo Baumgarten der einzige Wohnplatz war, standen dreißig bewohnte Wohnhäuser. Um 1935 hatte Baumgarten u. a. einen Gemischtwarenladen und eine Schmiede.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 990 (Google Books). Das Rittergut befand sich um 1939 im Besitz von Dr. Reinhard Leistikow.
Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Baumgarten zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Baumgarten war Sitz des Amtsbezirks Baumgarten.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Infolge des Krieges wurde der Ort Teil Polens und in Włodzisław umbenannt. Von 1975 bis 1998 gehörte der Ort zu Woiwodschaft Stettin.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – Gut, mit 25 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer Mutterkirche, im Besitz des Julius Friedrich Wilhelm von FlemmingLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 1. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 31, Ziffer 3 (Google Books). 1818 137 Dorf, mit einer Mutterkirche und einem Ackerwerk, adlige BesitzungAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 71, Ziffer (Google Books).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 163, Ziffer 3 (Google Books). 1832 215 Dorf und Gut, mit 25 Häusern, einer Mutterkirche und einem Patrimonialgericht, adlige BesitzungGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 158 (Google Books). 1852 244 DorfKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 29 (Google Books). 1864 258 am 3. Dezember, Gutsbezirk und Gemeindebezirk zusammenKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 5. Kreis Kammin. Berlin 1866, S. 2–9, Ziffer 11–12 (Google Books). 1867 246 am 3. Dezember, davon 163 in der Landgemeinde und 83 im Gutsbezirk 1871 237 am 1. Dezember, davon 226 in der Landgemeinde (sämtlich Evangelische) und elf im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 60–61, Ziffer 7 (Google Books), und S. 64–65, Ziffer 123 (Google Books). 1885 235 am 1. Dezember, davon 139 in der Landgemeinde (sämtlich Evangelische) und 96 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern. Berlin 1888, S. 68–69, Ziffer 11 (Google Books), und S. 74–75, Ziffer 114 (Google Books). 1890 271 am 1. Dezember, davon 153 in der Landgemeinde und 118 im GutsbezirkKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895. I. Regierungsbezirk Stettin. 11. Kreis Kammin, S. 28, Ziffer 11 (Google Books), und S. 30, Ziffer 112 (Google Books). 1895 269 am 2. Dezember, davon 141 im Gemeindebezirk (sämtlich Evangelische) und 128 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, IV. Provinz Pommern, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, S. 70–71, Ziffer 11 (Google Books), und S. 76–77, Ziffer 110 (Google Books). 1910 283 am 1. Dezember, Dorf und Rittergut, mit evangelischer Pfarrkirche, davon 150 in der Landgemeinde und 133 im GutsbezirkBaumgarten, Dorf und Rittergut, Kreis Cammin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Baumgarten (meyersgaz.org). – U. Schubert (2022) 1925 248 darunter 217 Evangelische und 15 KatholikenDie Gemeinde Baumgarten im ehemaligen Kreis Cammin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). 1933 240 1939 225 2011 118 Główny Urząd Statystyczny, Ludność - struktura według ekonomicznych grup wieku Stand vom 31. März 2011, abgerufen am 11. Dezember 2025
Kirche Dorfkirche mini|Dorfkirche (Aufnahme 2014) Im Jahr 1491 wird eine Pfarrer in Baumgarten erwähnt, 1595 ein Kirchturm. 1693/94 wurde der vorhandene kleine Findlingssteinbau mit hölzernem Westturm nach Westen hin im Fachwerk-Baustil verlängert. Dazu wurde der Holzturm auf Walzen verschoben und erneuert. Das Kirchengebäude ruht zum Teil auf dem Feldsteinunterbau des alten Kirchenschiffs. Eine letzte durchgreifene Renovierung war im Jahr 1876 durchgeführt worden. Der Kirchturm hat einen sich zur Turmspitze hin konkav verjüngenden Helm, der mit Blechplatten verschalt ist.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 253. Das Kirchenpatronatsrecht stand dem Gutsbesitzer zu und wurde bei Besitzerwechseln mitübertragen. Kirchenpatron um 1939 war der Gutsbesitzer Dr. Reinhard Leistikow.
Das Kirchengebäude wurde nach 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
Kirchspiel bis 1945 Die bis 1945 anwesenden Einwohner der Landgemeinde Baumgarten waren mit seltenen Ausnahmen evangelischer Konfession und gehörten zum Kirchspiel Baumgarten mit den Flilialkirchen in Böck und Moratz. Eingepfarrt waren außerdem Holzhagen, Klötzin, Rönz und Zarnglaff. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1705 zurück.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 217 (Google Books).Ernst Matthias von Köller: Kirchenbuch-Auszüge aus den Kirchenbüchern des Kreises Cammin i. Pommern und einiger benachbarter Parochien (bis zum Jahre 1888), in: Vierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie (Vierteljahresschrift für Wappen-, Siegel- u. Familienkunde), Jahrgang 38, Berlin 1910, S. 329–392, insbsondere S. 329 (Google Books).
Pfarrer von der Reformation bis 1945
Das katholische Kirchspiel war in Cammin i. Pom. Das Standesamt befand sich in Baumgarten.
Weblinks
Amtsbezirk Baumgarten (Territorial.de) Die Gemeinde Baumgarten im ehemaligen Kreis Cammin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). Włodzisław (bis 1945 Baumgarten) (historia-zachodniopomorskie.pl) (polnisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Westpommern Kategorie:Ort in Pommern Kategorie:Gmina Przybiernów