Das Trøndelag Teater in Trondheim ist Norwegens größtes Regionaltheater. Die Theatergesellschaft wurde 1937 von Henry Gleditsch gegründet und ist seit 1973 im öffentlichen Eigentum. Auf fünf Bühnen mit maximal 1154 Sitzplätzen wurden 2024 insgesamt 429 Vorstellungen gegeben, die von 81.796 Zuschauern besucht wurden. Das Ensemble umfasst 34 Schauspieler. Insgesamt beschäftigt die Theatergesellschaft Personal im Umfang von 140 Vollzeitäquivalenten.
Der älteste Teil des Theatergebäudes wurde bereits 1816 errichtet. Die seit 1969 denkmalgeschützte Gamle Scene (Alte Bühne) ist daher das älteste erhaltene Theatergebäude und zugleich das älteste noch immer bespielte Theater in Norwegen. Bis 1937 wurde die Bühne fast immer nur von Amateurgruppen oder auswärtigen Tournee-Ensembles genutzt.
1997 wurde die Gamle Scene (320 Plätze) in einen Neubau integriert, der weitere Bühnen hinzufügte: Hauptbühne (524 Plätze), Studiobühne (150 Plätze), Theaterkeller (60 Plätze), Theatercafé (100 Plätze).
Theaterbetrieb mini|Trøndelag Teater, Südwestecke mit dem Haupteingang (Foto 2006)
Bühnen Die Vielzahl der Bühnen ermöglicht eine optimale Auswahl des Auftrittsorts je nach Art der Aufführung und der erwarteten Besucherzahl:
Hauptbühne (Hovedscenen) Eine große Bühne mit der technischen Ausrüstung, um alle Sparten (Schauspiel, Musical, Operette, Tanz) zu bespielen. Von den 524 in Form eines Amphitheaters angeordneten Plätzen sind 504 fest montierte Stühle und 20 befinden sich in Logen. Seit der Eröffnung 1997 sind bereits 16 Stühle verloren gegangen. Der Zuschauerraum bietet Platz für 6 Rollstühle. Der Bühnenraum ist 18 m breit, 16 m tief und 22 m hoch. Der Orchestergraben kann 15 Musiker aufnehmen; er kann bei Bedarf mit Elektromotoren auf die Höhe der Vorbühne gehoben und als solche benutzt werden. Backstage befinden sich 22 Garderoben für insgesamt 44 Schauspieler.
Alte Bühne (Gamle Scene) Die 1816 errichtete Bühne in dem seit 1969 denkmalgeschützten Gebäude ist auf den Stand der modernen Theatertechnik gebracht worden. Sie ist ein „small and intimate space“ für ein Repertoire, das zur Umgebung, „the old-fashioned red velvet interior“, passt: Theater des 18. und 19. Jahrhunderts, Revuen, Kammerspiele. Von den 320 Sitzen befinden sich 200 auf Ebene 1 und 120 auf den Ebenen 2 und 3. Für 2 Rollstühle ist Platz vorhanden. Der Bühnenraum hat die Ausmaße 9 m (Breite) × 8 m (Tiefe) × 4 m (Höhe) und einen geneigten Boden 0,7 m über dem Zuschauerraum. Der Orchestergraben ist 8 m breit und bis zu 2,5 m tief. Die Schauspieler verwenden die Garderoben der Hauptbühne.
Studiobühne (Studioscenen) Sie ist als Black Box gestaltet (ein rechteckiger Raum mit schwarzem Boden und schwarzen Wänden) und wird für zeitgenössisches und experimentelles Theater genutzt. Der Zuschauerraum bietet Platz für 150 bewegliche Stühle und einen Rollstuhl. Die Größe des Bühnenraums ist veränderbar auf maximal 13 m × 16 m × 7 m, beträgt aber im Normalfall 12 m × 7 m × 4 m (Breite × Tiefe × Höhe). Die seit 1997 bestehende Bühne wurde zeitweise an das Teaterhuset Avant Garden vermietet.
Theatercafé (Theatercaféen) Ein 1858 errichteter Anbau an das alte Theater wurde zunächst als Foyer und Konzertsaal verwendet und seit 1948 als Bar und Restaurant. Der Raum ist im Jugendstil der 1900er Jahre gestaltet und eignet sich für Aufführungen von Cabarets, Konzerten, Talkshows, Lesungen, Diskussionen usw. Für diesen Zweck kann er mit 100 Stühlen gefüllt werden. Der variable Bühnenraum wird für gewöhnlich auf 9 m Breite und 4 m Tiefe eingestellt.
Theaterkeller (Teaterkjelleren) Die 1997 eingerichtete „intimate black-box“, „where the actor and the text is the only focus“, wird für spezielle Aufführungen für elitäres Publikum genutzt, für das 60 (entfernbare) Sitze ausreichen müssen. Der Raum wird oft auch für Proben verwendet und gelegentlich an Avant Garden vermietet. Die flexible Bühne wird meist auf 8 m × 6 m × 4 m eingestellt, kann aber bis auf 8 m × 13 m × 4 m erweitert werden (Breite × Tiefe × Höhe). Es gibt auch einen eigentlichen Probenraum im Ausmaß von 12 m × 14 m.
Wirtschaftsbetrieb mini|Eingang zum Trøndelag Teater
Personal 2021 wurden 148 Mitarbeiter/-innen beschäftigt, die 131 Vollzeitstellen entsprachen. 2019, vor dem durch Covid bedingten Geschäftsrückgang, waren es noch 170 Mitarbeiter/-innen gewesen. Seit 2022 werden im Jahresbericht keine Mitarbeiterzahlen mehr veröffentlicht, sondern nur mehr die Vollzeitäquivalente: 2024 waren das 140 Stellen.
Ende Januar 2026 bestand das Ensemble aus 34 Schauspielern (die nicht unbedingt fest angestellt sein müssen). Nach einer älteren Aufstellung verteilen sich die übrigen Mitarbeiter auf fünf Bereiche mit jeweils grob 10 Personen (Verwaltung, Verkauf/Marketing, Inspizienten/Souffleure/Garderobiere, Kartenverkauf/Gästebetreuung, Betrieb/Reinigung) und die zwei großen Bereiche Bühnentechnik (circa 20) und Werkstätten (circa 30 Personen).
Eigentümer Das Theater der Aktiengesellschaft Det Trondhjemske Theaterinteressentskab war schon länger staatlich gefördert worden, als es 1973 mit der Gewährung einer dauerhaften öffentlichen Förderung in staatliche Hand überging: Die Eigentümer der Trøndelag Teater AS sind der Staat (vertreten durch das Kulturdepartementet) mit 66,7 %, die Region (Fylke) Trøndelag mit 16,67 % und die Gemeinde Trondheim mit ebenfalls 16,67 %.
Während das Kulturdepartementet (zugleich größter Anteilseigner und größter Subventionsgeber) die Aktiengesellschaft als Beteiligung auf der Regierungswebsite listet, ist die Trøndelag fylkeskommune der Ansprechpartner für die staatliche Kulturgüterverwaltung Riksantikvaren.
Organisation mini|Organigramm des Trøndelag Teaters (2024) Das im Jahresbericht veröffentlichte Organigramm veranschaulicht die gemeinsame Leitung des Unternehmens durch den Aufsichtsrat (Styret), den Intendanten (Teatersjef) und den Direktor (Direktør). Der Intendant leitet die künstlerischen Aktivitäten im engeren Sinne, die Schauspieler, Dramaturgen, Musik- und Lichtdesigner. Dem Direktor sind alle anderen Bereiche unterstellt, sowohl die Bühnentechnik und Werkstätten als auch die kaufmännischen (Ticketverkäufe, Marketing, Buchhaltung, Ressourcenplanung). Angesichts dieser Aufgabenverteilung überrascht es nicht, dass das Gehalt des Direktors nur 7,1 % unter dem des Intendanten liegt (2024).
Geschäftsergebnis 2019 bzw. 2023 wurden die 484 bzw. 452 Vorstellungen von jeweils fast 100.000 Zuschauern besucht. In den Jahren dazwischen bewirkte Covid einen starken Rückgang, wobei der Tiefpunkt 2021 mit 270 Vorstellungen und 22.000 Zuschauern erreicht wurde. Bis einschließlich 2022 veröffentlichten die Jahresberichte detaillierte Angaben zur Auslastung jeder einzelnen Inszenierung; 2021/2022 lag diese durchschnittlich bei knapp 60 Prozent. (Im Jahresbericht wird die Auslastung definiert als Anzahl der verkauften Eintrittskarten durch die Anzahl der aufgelegten Eintrittskarten. Letztere hängt von der für die Vorführung ausgewählten Bühne ab.)
Zwischen 1937 und 2015 wurden allein auf der Gamle Scene über 500 verschiedene Stücke in etwa 18.000 Vorstellungen gezeigt, die von etwa fünf Millionen Zuschauern gesehen wurden.
Obwohl die Ticketeinnahmen in guten Jahren bei über zwei Millionen Euro lagen, sind sie nicht die essentielle Einnahmequelle. Aktuell (2024) decken die eigenen Einnahmen etwa ein Sechstel der Ausgaben ab. Den Rest decken die drei Eigentümer durch jährliche Subventionen ab, wobei das Ministerium mehr beisteuert, als seinem Geschäftsanteil entsprechen würde.
Statistik mini|Aufführung von George Bernard Shaws Pygmalion am 5. November 1941 im Trøndelag Teater (Regie Halfdan Christensen) + Vorstellungen, Zuschauer, Tickets Jahr Vorstellungen Zuschauer Auslastung TicketverkäufeMill. NOK ≈ Mill. EUR 2018 431 83.266 68,3 % 16,9 1,5 2019 484 97.278 81,0 % 25,2 2,2 2020 288 43.992 93,7 % 11,5 1,0 2021 270 22.198 58,9 % 5,3 0,5 2022 445 68.031 57,3 % 13,3 1,2 2023 452 98.956 28,3 2,5 2024 429 81.796 20,9 1,8
+ Einnahmen und Ausgaben (in Mill. NOK)Jahr Eigene Subvention durch Eigentümer Einnahmen Ausgaben +Überschuss Mitarbeiter Einnahmen Ministerium Fylke Gemeinde Insgesamt Insgesamt −Defizit Köpfe FTE 2018 20,1 72,4 15,5 15,6 123,7 127,5 −3,9 168 2019 29,9 74,1 15,9 16,0 135,9 135,8 +0,1 170 2020 13,1 76,1 16,3 16,3 125,9 127,8 −1,9 150 2021 7,4 86,2 16,8 16,8 127,2 121,8 +5,4 148 131 2022 15,5 83,6 17,1 17,1 133,7 139,0 −5,3 135 2023 31,0 84,1 17,9 18,1 151,5 144,2 +7,3 135 2024 21,7 87,1 18,5 18,7 146,2 133,1 +13,1 140
Theatergebäude mini|300px|Trøndelag teater: 1 Haupteingang, 2 Foyer, 3 Hauptbühne, 4 Bühnenboden, 5 Backstage (Garderoben), 6 Studiobühne, 7 Rezeption, 8 Alte Bühne, 9 Montagehalle, 10 Altes Foyer, 11 Theatercafé, 12 Küche, 13 Billetverkauf, 14 Kantine, 15 Aufenthaltsraum, 16 Lieferanteneingang, 17 Malersaal, 18 Tischlerwerkstatt, 19 Schmiede. Rote Linie: Altbestand vor 1997.
Baubeschreibung Das Theater ist ein Eckgebäude an der Kreuzung der Prinsensgate im Osten mit der Erling Skakkes gate im Süden. Der ursprüngliche Bau von 1816 lag an der Prinsengate und hatte eine Fassadenlänge von 32 Meter und eine Tiefe von 17 Meter. Noch im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude um 20 Meter nach Süden bis zur Erling Skakkes gate verlängert. Ein Umbau von 1997 vergrößerte die Grundfläche auf das Fünffache: Westlich des Altbaus wurden entlang der Erling Skakkes gate zwei neue Bühnen errichtet; nördlich des Altbaus die dazugehörigen Werkstätten. Seitdem ist die Ostfassade an der Prinsengate 67 Meter lang und die Südfassade an der Erling Skakkes gate 90 Meter. Im Westen wird der Komplex durch eine verkehrsberuhigte Nebenstraße namens Leuthenhaven begrenzt.
Der Altbau an der Prinsengate im Stil der Neoklassik (oder auch Neorenaissance) weist einen gelblichen Wandbereich auf und hat zu den Rändern eine weiß verputzte Oberfläche mit ausgearbeiteten Stuck- und Putzprofilen. Ein aus zwei Doppeltüren bestehender Eingangsbereich ist über einen rustikalen Treppenaufgang mit Brüstung erreichbar und weist ein metallisches Vordach mit verziertem Tragwerk aus schmiedeeisernen Streben auf. Rechts davon sind vier nischenartige Rundbogenfelder, die mit je einem figurativen Bildwerk geschmückt sind (es handelt sich um Musen), sowie anschließend eine unauffällige Tür (der ehemalige Bühneneingang). Links davon zur Straßenkreuzung hin gibt es drei in Rundbogennischen eingelassene Fenster; ein weiteres gleichartiges folgt nach der Straßenkreuzung.
Die zweistöckige Höhe des Altbaus wird auf der Südfassade von 1997 beibehalten, und auch farblich harmoniert der neue mit dem alten Baubestand. Die Mauern sind aus ockerfarbigem Backstein, während die vorgelagerte langgestreckte Eingangshalle großflächig verglast ist und mit einem durch runde Säulen gestützten Flachdach abgedeckt wird. An der Südwestecke des Gebäudes befindet sich der (neue) Haupteingang. Er wird optisch hervorgehoben durch ein sich über beide Stockwerke erstreckendes Schmuckelement mit symbolischen Darstellungen aus der Theaterwelt.
Die Westfassade ist (wie der gesamte Anbau von 1997) aus ockerfarbigem Backstein, allerdings dreistöckig (was optisch nicht sehr von der zweistöckigen Süd- und Ostfassade abweicht.) Alle drei Etagen sind dicht mit Fenstern besetzt, wobei die oberste Etage durchgängig verglast ist.
Dahinter und im Zentrum der Gesamtanlage befindet sich die Hauptbühne, doppelt so hoch gebaut wie die an den Straßen liegenden Bauteile. Die Außenmauer des Zuschauerraums hat die Form eines Halbkreises, dessen Bogen sich nach Süden wölbt, wo er die Eingangshalle optisch überragt. Die nördlicher gelegene Studiobühne ist noch höher gebaut und hat kubische Form mit flachem Dach.
Die gesamte Konstruktion erinnert an einen klassischen Zentralbau mit von ihm dominierter Peripherie; das Bauvolumen ist bergförmig im Zentrum der Anlage konzentriert.
Baugeschichte mini|Trondhjems Teater 1816
Errichtung 1816