Besjana „Besi“ Guri (geb. 1987 oder 1988) ist eine albanische Umweltaktivistin. Bekannt wurde sie als Gesicht der Organisationen EcoAlbania und Save the Blue Heart of Europe, die sich für den Schutz des südalbanischen Flusses Vjosa einsetzten, als dieser im großen Maßstab zur Energiegewinnung genutzt werden sollte. Die Kampagne erreichte, dass die albanische Regierung 2023 den gesamten auf albanischem Staatsgebiet liegenden Teil des Stroms und einige Nebenflüsse zum Nationalpark Vjosa erklärte. Besjana Guri erhielt 2025 zusammen mit Olsi Nika den Goldman Environmental Prize.
Biographie mini|Das unverbaute Bett der Vjosa bei Tepelena mini|Die Vjosa östlich von Përmet mini|Satellitenaufnahme Südalbaniens mit der Vjosa Besjana Guri ist ausgebildete Sozialarbeiterin mit einem Master der Universität Tirana. Sie stieß früh zur 2014 vom Biologen und Gewässerökologen Olsi Nika gegründeten Umwelt-NGO EcoAlbania, die sich zum Ziel setzte, Albaniens natürliche Ökosysteme und Lebensräume zu schützen und gleichzeitig das Zusammenleben von Mensch und Natur zu stärken. Es kam bald zu einer sehr erfolgreichen Aufgabenteilung mit Nika als wissenschaftlichem Experten und Guri als Kommunikatorin und Gesicht der Kampagnen.
Schwerpunkt der Arbeit von EcoAlbania wurde bald der Schutz des Flusssystems der Vjosa im Süden Albaniens. Die Vjosa fließt ungehindert und ohne Staudämme durch Albanien (am Oberlauf auf griechischer Seite gibt es einen großen Staudamm); sie entspringt im Pindos-Gebirge Griechenland und mündet an der albanischen Adria-Küste. Mit seinen ebenfalls frei fließenden Nebenflüssen gibt es ein System von insgesamt über 400 Kilometern unberührter Flusskorridore.
Die meisten Flüsse Westeuropas sind durch den Bau von Staudämmen, die Urbanisierung und die Umweltverschmutzung erheblich beeinträchtigt: In Europa gibt es mehr als 1,2 Millionen Staudämme und andere Barrieren, die sich auf die Flusssysteme auswirken. In der Folge ist der Bestand an Süßwasser-Wanderfischarten seit den 1970er Jahren auf dem gesamten Kontinent um 94 % zurückgegangen. Während Jahrzehnten der Abgeschiedenheit und wirtschaftlichem Stillstand blieb die Vjosa-Region von der industriellen Entwicklung weitgehend verschont und so als eines von wenigen noch verbliebenen wilden Flusssysteme Europas mit hohem kulturellen und wirtschaftlichen Wert erhalten.
Die Vjosa-Region beherbergt eine bedeutende Artenvielfalt mit 1175 Pflanzen- und Tierarten, darunter 119, die nach albanischem Recht geschützt sind, und 39 als vom Aussterben bedroht identifizierte Arten. Zu ihnen gehört der Europäische Aal, der adriatische Stör, die Pindus-Bachschmerle, der Schmutzgeier und der eurasischen Fischotter, aber auch hier endemische Pflanzen wie der zu den Raublattgewächsen zählende Solenanthus albanicus.
In den letzten Jahren setzte auch in Albanien ein Wasserkraft-Boom ein. Heute werden 99 % der Energie Albaniens aus Wasserkraft gewonnen, und seit Anfang der 2010er Jahre planten albanische Regierungen, entlang der Vjosa und ihrer Nebenflüsse 45 Dämme zu bauen. Die Bevölkerung wurde dabei weder einbezogen oder auch nur informiert.
Guri und Olsi arbeiteten eng mit ihren internationalen Partnerorganisationen Euronatur und RiverWatch zusammen. 2014 starteten die Umweltschutzorganisation die öffentliche Kampagne „Rettet das blaue Herz Europas“. 2015 legten sie ihren Fokus auf die Vjosa und gründeten die Initiative „Friends of Vjosa“. Sie luden NGOs, Aktivisten, Künstler, Wissenschaftler und Bürger ein, sich daran zu beteiligen, die Schönheit und den Wert der Vjosa bekannt zu machen. Sie entwickelten ein umfassenderes Konzept zur Schaffung eines Nationalparks – genauer gesagt eines Wildfluss-Nationalparks –, um die Vjosa dauerhaft vor Bebauung zu schützen.
Wissenschaftler, Juristen, EU-Parlamentarier und Prominente wie Leonardo DiCaprio, aber auch kleine Initiativen wie die der „Mutigen Frauen von der Kruščica“, einem Nebenfluss der Lašva in Mittelbosnien, die 2019 für ihren Kampf zum Schutz ihrer Heimat mit dem EuroNatur-Preis ausgezeichnet wurden, unterstützten die Idee eines Wildfluss-Nationalparks.
2017 gewann die Kampagne im ersten Gerichtsverfahren zu einem Umweltprojekt in Albanien überhaupt gegen das Wasserkraftprojekt Poçem. 2023 wurde schließlich von der albanischen Regierung der Vjosa-Wildlflussnationalpark ausgewiesen. Kommerzielle Aktivitäten wurden in 75 % des Parks verboten, lediglich traditionelle Weidewirtschaft ist in den restlichen 25 % erlaubt. Auf albanischem Gebiet sind Staudämme an der Vjosa verboten. Olsi und Guri arbeiteten eng mit der Regierung zusammen, um den Managementplan für den Park fertigzustellen. Die albanische Regierung trat in Verhandlungen mit der griechischen Regierung ein, um einen grenzüberschreitenden Park mit dem höchsten Schutzniveau für die gesamte Vjosa von der Quelle bis zum Meer zu schaffen.
Besjana Guri ist Mutter einer Tochter.
Auszeichnungen 2025: Goldman Environmental Prize gemeinsam mit dem Gründer von EcoAlbania Olsi Nika
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