Niemica (deutsch Nemitz) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Golczewo (Gemeinde Gülzow) im Powiat Kamieński.

Geographische Lage Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, westlich am Bach Niemica, der aus dem Jezioro Okonie kommt und in Richtung des Zalew Kamieński abfließt, etwa 15 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Kamień Pomorski (Cammin in Pommern), sieben Kilometer nordwestlich der Ortschaft Golczewo und 3,5 Kilometer südlich des Dorfs Benice (Benz).

Geschichte mini|Dorfstraße (2008) Der Ort wurde 1364 als Steinwehrsches Lehen erwähnt.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 147. 1583 hatte Jacob Steinwehr zu Nemitz für Kriegsdienste vier Pferde zu stellen.Robert Klempin, Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 187 (Google Books). 1628 besaßen Jacob Steinwehrs Erben in Nemitz vier Hakenhufen und eine Kate.Robert Klempin, Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 267 (Google Books). Laut der Vasallentabelle von 1756 war der 55 Jahre alte Oberst Joachim Heinrich von Steinwehr in Morgow und Nemitz begütert.Robert Klempin, Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 378 (Google Books). Nach seinem Tod fiel ein Teil des Dorfs Nemitz als Steinwehrsches Lehen an seinen einzigen Bruder, den Hauptmann Caspar Friedrich, und nach dessen Ableben an dessen Söhne, Richard Joachim Erdmann und Heinrich Ehrenreich von Steinwehr. Als diese verstorben waren, überließen die nächsten Lehnsfolger diesen Teil des Guts am 17. November 1769 für 5000 Reichstaler ihrer Schwester, Friderica Sophia von Puttkamer, Ehegattin des Hauptmanns Lorenz Friedrich von Puttkamer, der bereits einen kleinen Teil dieses Guts als Puttkamersches Lehen besaß und einen weiteren Teil laut Vertrag vom 1. August 1777 für 3200 Reichstaler dem Hofrat Thomas Heinrich von Quickmann abkaufte.

Nachdem der Hauptmann von Puttkamer nunmehr das ganze Gut Nemitz besaß, einschließlich des Dorfs Nemitz, dessen vier Bauern und vier Kossäten auf dem Gut dienstpflichtig waren, ging er im Einvernehmen mit König Friedrich II. am 30. Januar 1778 einen Tauschhandel mit dem königlichen Domänenamt Gülzow ein, dahingehend, dass das Gut Nemitz in das Eigentum des Amts Gülzow überging und der Hauptmann als Ersatz dafür denjenigen Teil des Dorfs Zemlin in Besitz nahm, der zuvor zum Amt Gülzow gehört hatte.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 415–416 (Google Books). Eine 1779/80 unter Gilly und Brenkenhoff vorgenommene Melioration, die durch Trockenlegung der Brüche oberhalb der Wassermühle und Senkung des Wasserspiegels des Nemitzer Bachs und der Zemliner Seen um vier Fuß bewerkstelligt wurde, führte zur Neugewinnung zusätzlicher landwirtschaftlicher Nutzflächen.

Als Preußen nach dem Frieden von Tilsit Kriegskontributionen an Frankreich zu leisten hatte, musste auch das königliche Vorwerk Nemitz zum Verkauf gestellt werden. Es wurde 1811 von einem gewissen Braaz erworben, der 1819 starb und dessen Erben das Gut an den Kriegsrat Gustav Wißmann in Stettin verkauften. Anschließend fanden weitere Besitzerwechsel statt. In den Verzeichnissen der Pommerschen Ritterschaft vom 1. Januar 1862 wird Friedrich Kühl als Eigentümer des nur kreistagsfähigen Ritterguts Nemitz genannt, der es seit 1855 besaß.Robert Klempin, Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 574 (Google Books). 1884 gehörte das Rittergut Nemitz dem Gutsbesitzer v. Flemming auf Benz,P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich, Teil I: Das Königreich Preußen, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai, Berlin 1884, S. 108–109 (Google Books). 1892 dem Erblandmarschall Curd v. Flemming auf Benz, der es von einem Gutsverwalter bewirtschaften ließ.Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 12–13 (Google Books). Um 1900 saß Friedrich v. Flemming auf Nemitz.F. Sendke: Verzeichniss der evangelischen Pfarrstellen, Kirchen und Kapellen, der Kirchenpatrone, sowie der der im Amt befindlichen evangelischen Geistlichen, Druck von F. Hessenland, Settin 1900, S. 27, Ziffer 11 (Google Books).

Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 670,9 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Nemitz 65 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 80 Pferde, 318 Stück Rindvieh, 60 Schafe und 637 Stück Borstenvieh hielten; die Imker des Dorfs betrieben 44 Bienenstöcke. Zur gleichen Zeit wurden auf dem 369,4 Hektar umfassenden Gutsbezirk Nemitz 15 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 29 Pferde, 179 Stück Rindvieh, 76 Stück Borstenvieh und 31 Bienenstöcke hatten.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Stettin, 12. Kreis Cammin, S. 52–53, Ziffer 72 (Google Books), und S. 56–57, Ziffer 159 (Google Books).

Am 1. April 1927 hatte das Gut Nemitz eine Fläche von 369 Hektar und 35 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 166 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 393, Ziffer 53 (Google Books). Kurz nach 1927 wurde der Gutsbezirk Nemitz in die Landgemeinde Nemitz eingegliedert.Amtsbezirk Benz (Territorial.de)

Die Gemarkung der Landgemeinde Nemitz hatte um 1930 eine Fläche von 10,4 km². Im Gemeindegebiet standen insgesamt 62 bewohnte Wohnhäuser an zwei verschiedenen Wohnplätzen: Kopplin Nemitz

Um 1935 hatte Nemitz u. a. ein Reformgasthaus der Gemeinnützigen Gasthausverein GmbH und eine Stellmacherei.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1078 (Google Books). Das Gut Nemitz befand sich auch noch 1939 im Besitz der Familie v. Flemming.

Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Nemitz zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Nemitz war dem Amtsbezirk Benz zugeordnet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Infolge des Krieges kam der Ort an Polen und wurde in Niemica umbenannt.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – Feuerstellen (Haushaltungen)Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 1. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 27, Ziffer (5) (Google Books). 1818 180 königliches Dorf mit einer Mutterkirche und 129 Einwohnern sowie adliges Vorwerk mit 51 EinwohnernAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 258, Ziffer 408–409 (Google Books).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 162, Ziffer 7 (Google Books), und S. 166, Ziffer 2 (Google Books),. 1852 248 DorfKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 413 (Google Books). 1864 255 am 3. Dezember, davon 78 im Gutsbezirk und 177 im GemeindebezirkKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 5. Kreis Kammin. Berlin 1866, S. 18–15, Ziffer 129–130 (Google Books). 1867 278 am 3. Dezember, davon 192 im Gemeindebezirk und 86 im Gutsbezirk 1871 268 am 1. Dezember, davon 184 im Dorf (sämtlich Evangelische) und 86 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 62–63, Ziffer 70 (Google Books), und S. 66–67, Ziffer 174 (Google Books). 1885 333 am 1. Dezember, davon 229 in der Landgemeinde (sämtlich Evangelische) und 104 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern. Berlin 1888, S. 72–73, Ziffer 72 (Google Books), und S. 76–77, Ziffer 167 (Google Books). 1890 325 am 1. Dezember, davon 241 im Gemeindebezirk und 84 im GutsbezirkKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895. I. Regierungsbezirk Stettin. 11. Kreis Kammin, S. 29, Ziffer 72 (Google Books), und S. 31, Ziffer 165 (Google Books). 1895 343 am 2. Dezember, davon 226 im Gemeindebezirk (sämtlich Evangelische) und 117 im Gutsbezirk (sämtlich Evangelische)Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, IV. Provinz Pommern, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, S. 74–75, Ziffer 71 (Google Books), und S. 78–79, Ziffer 164 (Google Books). 1910 418 am 1. Dezember, davon 320 in der Landgemeinde und 98 im GutsbezirkNemitz, Dorf und Rittergut, westlich am Nemitzer Bach (zum Camminer Bodden), Kreis Cammin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Nemitz (meyersgaz.org). – U. Schubert (2022) 1925 500 darunter 407 Evangelische und 85 Katholiken(Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). 1933 467 1939 392 2011 168 Główny Urząd Statystyczny, Ludność - struktura według ekonomicznych grup wieku Stand vom 31. März 2011, abgerufen am 11. Dezember 2025

Kirche Dorfkirche mini|Dorfkirche, vollendet 1795, mit Holzturm von 1647 (Aufnahme 2011) mini|Dorfkirche von Südosten, um 1910 Die kleine Fachwerkkirche steht auf einer Anhöhe über dem Bach Niemica am Dorfausgang an der Chaussee in Richtung Golczewo, inmitten des Friedhofs, der zum Teil von einer alten Feldsteinmauer umgeben ist. Der verbretterte, schwarze Holzturm stammt noch von 1647, das Kirchenschiff mit verputzten, geweißten Ziegelfüllungen wurde 1795 nach Plänen des Landbaumeisters David Gilly neu errichtet. 1554 wurde erstmals ein Pfarrer in Nemitz erwähnt, 1594 ein Kirchenpatron v. Steinwehr und zwei Glocken im „Glockenhaus“. Patron der Pfarrkirche Nemitz war vor 1945 der Gutsbesitzer v. Flemming-Nemitz.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 258.

Das Kirchengebäude wurde nach 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.

Kirchspiel bis 1945 Die bis 1945 anwesenden Einwohner der Landgemeinde Nemitz waren mit seltenen Ausnahmen evangelischer Konfession und gehörten zum Kirchspiel Nemitz.