Wolfgang Flad (* 27. April 1942 in Stuttgart) ist ein deutscher Diplom-Chemiker und Schulfunktionär. Er war bis 2019/2020 Leiter der von seinem Vater Manfred Flad 1951 in Stuttgart gegründeten privaten Berufsfachschule, dem Chemischen Institut Dr. Flad (seit 1997 Institut Dr. Flad, Berufskolleg für Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Umwelt).

Leben und Wirken

Beruflicher Werdegang Wolfgang Flad wuchs in Stuttgart auf mit drei jüngeren Brüdern. Seine Vita ist eng mit der seines Vaters Manfred Flad verbunden, der das Interesse für Chemie in ihm weckte. Seine Neigung für die schönen Künste stammte von der Mutter. Wie sein Vater besuchte er das Karls-Gymnasium, welches er mit dem Abitur abschloss. Schon als Schüler und als Chemiestudent an der Technischen Hochschule Stuttgart (seit 1967 Universität Stuttgart) hatte er oft im Institut seines Vaters gearbeitet. Nach seinem Abschluss als Diplom-Chemiker nahm er dort mit 26 Jahren als Dozent seine Tätigkeit auf und stieg 1976 als Juniorchef mit in die Leitung der Schule ein, die sein Vater seit 1951 innehatte. Lange Jahre teilten sich Senior- und Juniorchef die Aufgaben.

Nach und nach prägte Wolfgang Flad die Geschicke des gemeinnützig ausgerichteten Instituts entscheidend mit und entwickelte die Ideen und Ansätze seines Vaters weiter. Auch Flads jüngerer Bruder, der promovierte Chemiker, Didaktiker und Erziehungswissenschaftler Jürgen Flad (* 1946), lehrte ab 1992 als Dozent am Institut.

Entwicklung des Instituts Die 1951 von Manfred Flad gegründete Berufsfachschule bot erstmals in Nord-Württemberg und Nord-Baden eine zweijährige Ausbildung zum Chemotechniker (heute chemisch-technischer Assistent) an und füllte damit eine berufliche Lücke zwischen einem Chemielaboranten (mit damals einjähriger Ausbildung) und einem Chemiker mit Hochschulstudium. Der praxisbetonte kompakte Ausbildungsgang stieß auf reges Interesse und wurde 1967 staatlich anerkannt. Ab 1972 konnte man am Institut auch die Fachhochschulreife erwerben. 1980 gab es die weltweit erste internationale Berufsschul-Abschlussprüfung am Institut, durchgeführt im Auftrag der International Schools Association (Genf).

Wolfgang Flad erhöhte die Ausbildungskapazität der Schule auf 350 Plätze und richtete nach und nach weitere Ausbildungsgänge ein: chemisch-technischer Assistent mit Schwerpunkt Umwelt (1991), pharmazeutisch-technischer Assistent (1997) und chemisch-technischer Assistent mit Schwerpunkt Biotechnologie (2001). Die Grundlagen dazu hatte schon sein Vater mit differenzierenden Ausbildungsprofilen ab 1977 gelegt. Auch die schon von Manfred Flad initiierten Stipendien für Absolventen mit guten Prüfungsabschlüssen wurden beibehalten und für weitere Abschlüsse erweitert. Als erste deutsche Chemieschule ließ sie sich zertifizieren nach DIN ISO 9000:20 000 und verlieh ihren Absolventen den europäischen Weiterbildungspass.

Neben der rein fachlichen Ausbildung gehörten zur Schulphilosophie auch Erziehungs- und Bildungsschwerpunkte im Geist des Humanismus auf christlichen Grundlagen. In diesem Sinne betrieben Leitung und Lehrkräfteteam die Schärfung des Schulprofils und vertieften die Eckpfeiler Internationalität, Schlüsselqualifikationen, Umwelterziehung und Nachhaltigkeit.

Die damit verbundenen Aktivitäten verstärkten die Kontakte zu den Partnerschulen in Frankreich und Tschechien. Sie führten zu verschiedenen Projekten wie beispielsweise den alle zwei Jahre stattfindenden Chemiewettbewerb Grand Prix Chimique (ab 1991), die Einrichtung einer Anbieterstelle des Internationalen Jugendprogramms am Institut (1994) und Flads Koordination des Umweltprojektes GLOBE (Global Learning and Observation to Benefit the Environment) in Deutschland mit Ausrichtung des lokalen Earth Days in Stuttgart 1995–1997.

Einige Projekte führten zu schulischen Prädikaten und Auszeichnungen. So wurde das Institut in den Kreis der „Schulen ohne Rassismus“ aufgenommen, die von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die Buber-Rosenzweig-Medaille erhielten (2001). Unter Wolfgang Flads Ägide wurde das Institut fünfmal als UNESCO-Projektschule ausgezeichnet, allein zwischen 2005 und 2010 dreimal in Folge für Nachhaltigkeit in Bildung und Erziehung.

Die Leitungstätigkeit am Institut übte Wolfgang Flad bis 2019/2020 aus. Danach übernahm diese Aufgabe seine älteste Tochter Ulrike Flad, promovierte Agrarbiologin und seit 2004 als Lehrkraft am Institut tätig. Ihr Ehemann Dominik Blosat, Diplom-Kaufmann, arbeitet seit einigen Jahren als Geschäftsführer im Familienbetrieb mit.

Wolfgang Flad ist verheiratet mit Inge, geb. Hübner, und lebt mit seiner Familie in Stuttgart.

Sonstige Aktivitäten Für die Entwicklung und Förderung des Chemieunterrichts an allgemeinen und beruflichen Schulen engagierte sich Flad ehrenamtlich in nationalen und internationalen Gremien und Verbänden zur beruflichen Bildung, beispielsweise als Vorsitzender der Europakommission Chemie oder als Vorsitzender des Ortsverbandes Nord-Württemberg der Gesellschaft Deutscher Chemiker. 24 Jahre lang (von 1980 bis 2004) war Flad Vorsitzender der Fachgruppe „Naturwissenschaftlich-technische Schulen“ des Verbandes Deutscher Privatschulen (VDP). Er ist Gründungsmitglied des selbstständigen baden-württembergischen Landesverbandes des VDP und war von 1999 bis 2014 im Vorstand vertreten.

Mit auf seine Initiative geht die Stiftung des Manfred-und-Wolfgang-Flad-Preises im Jahr 1987 zurück. Dieser Preis, verliehen von der Fachgruppe Chemieunterricht der Gesellschaft Deutscher Chemiker, zeichnet Personen aus, die Herausragendes zum experimentellen Chemieunterricht beigetragen haben.

Als Förderer von Kunst und Kultur gründete Flad den Förderkreis des Staatsorchesters, dessen Ehrenmitglied er ist. Seit vielen Jahren ist das Institut Fachberatungsstelle des Magischen Zirkels Stuttgart.

Ehrungen

1982: Ehrenmitgliedschaft im Verband Deutscher Chemotechniker und chemisch-technischer Assistenten.

1986: Manfred und Wolfgang Flad wurde der von der Firma Degussa gestiftete Heinrich-Roessler-Preis verliehen. Dieser Preis ehrt die Verdienste um die Förderung eines modernen, lebendigen Chemieunterrichtes und die Unterstützung öffentlicher Schulen durch vielfältige Unterrichtshilfen.

1991: Mérite Européen (Ehrenmedaille in Silber) für seine außergewöhnlichen Aktivitäten im europäischen Bildungswesen.

1992: Comenius-Medaille, verliehen von der tschechoslowakischen Bundesregierung für sein internationales pädagogisches Wirken und seine Hilfe für die ČSFR auf dem Weg zum europäischen Schulwesen.

2005: Ehrenmitglied im Trägerverein des Internationalen Jugendprogramms, ein Programm zur Selbstentwicklung junger Menschen

2009: Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Leistungen um das berufliche Schulwesen

2010: Carl-Duisberg-Plakette, verliehen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für seine Verdienste um die Förderung der Chemie, seine Beiträge zur Stärkung des Ansehens der Chemie in der Öffentlichkeit sowie sein Engagement für die Entwicklung des Chemieunterrichts im schulischen und beruflichen Bildungswesen.

Veröffentlichungen Quellen: Als Herausgeber mit Hans Voigt: Fachenglisch. Thieme Verlag, Stuttgart, New York 1983, ISBN 978-3-13648901-7.

Schulische Berufsausbildung am Beispiel des Chemischen Instituts Dr. Flad. In: Arbeit und Technik in der Schule. Band 9, 1998, S. 130–135. Dr. Wolfgang Widmaier - Apotheker aus Profession feiert 60. Geburtstag: stetig auf der wissenschaftlichen Suche. In: Deutsche Apotheker-Zeitung. Jg. 140, 2000, S. 133–134. Wege zur Chemie. In: Chemie in unserer Zeit. Band 50, Ausgabe 3, 2016, Seite 151.

Literatur

Kristina Schober-Wende: Wolfgang Flad. In: Stuttgarter Köpfe 100 Portraits. Hohenheim Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-89850-019-7. Mehr als nur Chemie – Spitzenposition als Anspruch. In: CLB Chemie in Labor und Biotechnik. Heft 08, 2006, S. 312–313. Rolf Kickut: Für sein Lebenswerk geehrt Wolfgang Flad erhält Carl-Duisberg-Plakette. In: CLB Chemie in Labor und Biotechnik. Heft 09, 2010, S. 414–415. Renate Hoer: Wolfgang Flad – Ein engagiertes Lebenswerk für die Chemie. In: idw-Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilung vom 29. Juni 2010.

Weblinks

Webauftritt des Berufskollegs Institut Dr. Flad Webauftritt der institutseigenen Zeitung „Der Benzolring“ und Benzolring-Archiv

Einzelnachweise

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