Das Boot ist voll ist eine Phrase, welche die Grenzen der Immigration beschreiben soll. Sie wurde erstmals vom Schweizer Bundesrat Eduard von Steiger am 30. August 1942 in einer Rede in Zürich gebraucht. Seither wird sie hauptsächlich von Gegnern einer unkontrollierten oder jedwelcher Immigration genutzt. mini|Eduard von Steiger
Historischer Kontext Nachdem die NSDAP 1933 in Deutschland an die Macht gekommen war, nahm der Druck auf die Juden zu, so wie es in ihrem Parteiprogramm angekündigt worden war. Nach den Novemberpogromen, der Zerschlagung der Tschechoslowakei und dem Anschluss Österreichs, alle 1938, wurde die Verfolgung der Juden intensiviert und führte zur Massenflucht der Juden in benachbarte Länder. Zunächst wurden die Flüchtlinge noch aufgenommen und versorgt, mit den steigenden Zahlen ließ die Bereitschaft dazu nach. In der Konferenz von Évian suchten 32 Staaten aufnahmewillige Länder, um den Druck auf die direkten Nachbarn Deutschlands zu mildern, ohne großen Erfolg.
Am 30. August hielt der damalige Justizminister Eduard von Steiger eine Rede vor der „Jungen Kirche“ in Zürich-Oerlikon. Es war das erste Mal, dass im Zusammenhang mit Flüchtlingen die Äußerung „Das Boot ist voll“ verwendet wurde. „Wer ein schon stark besetztes, kleines Rettungsboot mit beschränktem Fassungsvermögen und ebenso beschränkten Vorräten zu kommandieren hat, indessen Tausende von Opfern einer Schiffskatastrophe nach Rettung schreien, muss hart scheinen, wenn er nicht alle aufnehmen kann. Und doch ist er noch menschlich, wenn er beizeiten vor falschen Hoffnungen warnt und wenigstens die schon Aufgenommenen zu retten sucht“. Die Phrase „Das Boot ist voll“ kommt nicht wörtlich vor, fasst aber den Inhalt gut zusammen und wurde danach sprichwörtlich.
Kurz vorher, am 26. September 1942, sagte Heinrich Rothmund, Chef der eidgenössischen Immigrationsbehörde, während der Konferenz in Montreux „Hier und anderswo ist es nicht wünschenswert, dass die jüdische Bevölkerung eine gewisse Proportion übersteigt. Die Schweiz beabsichtigt nicht, sich von den Juden leiten zu lassen. Nicht mehr, als sie von einem anderen Ausländer geleitet werden möchte … Der Jude passt sich nicht leicht an … Auch darf man nicht vergessen, dass viele von ihnen eine Gefahr für unsere Institutionen sind. Sie sind sich Bedingungen gewohnt, in denen der Geschäftsinstinkt des Juden dazu tendiert, sich freien Lauf zu lassen.“
Dies führte dazu, dass die Schweiz keine flüchtenden Juden aus Deutschland mehr aufnahm und Juden, welche die Grenze unbefugt übertreten hatten, zurückschickte. Diese Maßnahmen waren in der Schweizer Bevölkerung umstritten und es kam zu Protesten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg In Deutschland tauchte die Phrase in den 1990er Jahren auf mit dem Aufstieg der rechten Parteien wie NPD, Republikaner oder AfD. Insbesondere als sich diese Parteien radikalisierten, wurde die Phrase in ihrer Wahlwerbung genutzt. Sie wurde aber auch in der Kritik an den rechten Parteien benutzt, z. B. satirisch in der Zeitschrift Titanic oder in der Werbung der Partei „Die Partei“. Mit dem Zustrom der Flüchtlinge über die sogenannte Mittelmeerroute nahm die Verwendung der Phrase allgemein weiter zu. mini|Boote gegen rechts - Hamburg September 2024 In der Schweiz wird die Phrase in der öffentlichen Diskussion nicht mehr benutzt. Die Zurückweisung der Juden im Zweiten Weltkrieg wird allgemein als schwerer Fehler betrachtet und selbst ausgewiesene Gegner der Zuwanderung berufen sich nicht darauf.
Historische Vorbilder Das Meer diente schon immer als bedrohliches Bild; das Gleichnis des besetzten Bootes ist alt, man findet es bereits in der Antike, z. B. bei Marcus Tullius Cicero in De republica oder Horaz in Carmina. Im Mittelalter findet man es bei Sebastian Brant Das Narrenschiff. Im 19. Jahrhundert taucht es z. B. in der Karikatur zur Entlassung Bismarcks mit dem Titel Der Lotse geht von Bord von John Tennet aus dem Jahre 1890 auf.
Literatur Alfred A. Häsler: Das Boot ist voll. Diogenes, Zürich 1989, ISBN 978-3-257-21699-8.
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