Das Grauen kommt um 10 (auch: Das Grauen kommt um zehn, Originaltitel: When a Stranger Calls) ist ein US-amerikanischer Psychothriller aus dem Jahr 1979 von Regisseur Fred Walton, der gemeinsam mit Steve Feke auch das Drehbuch schrieb. In den Hauptrollen sind Charles Durning und Tony Beckley in seiner letzten Filmrolle zu sehen. Er handelt von einem Geisteskranken, der eine Babysitterin am Telefon bedroht, ihre Schützlinge tötet, Jahre später aus der Psychiatrie entkommt und erneut Frauen terrorisiert, während ein Privatdetektiv ihn töten will. Die Geschichte basiert auf der modernen Sage The Babysitter and the Man Upstairs (sinnbildlich: Die Babysitterin und der Mann im Obergeschoss) und ist eine erweiterte Neuverfilmung des Kurzfilms The Sitter (1977), der ebenfalls von Walton und Feke inszeniert und geschrieben wurde und nur die ersten 23 Minuten dieses Films umfasst.
Handlung Jill Johnson passt auf die Kinder von Dr. Mandrakis auf. Die Kinder schlafen und sie erhält immer wieder Drohanrufe von einem Mann, der sie fragt, ob sie nach den Kindern gesehen hat. Sie ruft die Polizei, die den nächsten Anruf zurückverfolgt. Die Polizei teilt ihr mit, dass die Anrufe von einer Leitung im selben Haus kommen. Jill verlässt das Haus. Die Polizei trifft ein und muss feststellen, dass der Täter namens Curt Duncan die Kinder getötet hat. Er lässt Jill unverletzt und wird nach seinem Prozess in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.
Sieben Jahre später flieht Duncan aus der Einrichtung. Der Vater der getöteten Kinder, Dr. Mandrakis, beauftragt John Clifford, der die früheren Morde untersucht hat und heute Privatdetektiv ist, Duncan zu finden. Der obdachlose Duncan belästigt in einer Bar in Los Angeles eine Frau namens Tracy und wird verprügelt. Duncan folgt Tracy zu ihrer Wohnung und sie hat Mitleid mit ihm. Sie versucht, nett zu sein und drängt ihn gleichzeitig zum Gehen. Privatdetektiv Clifford ist zunehmend besessen und vertraut seinem Freund Lieutenant Garber an, Duncan töten zu wollen statt nur zu fassen. Garber, der damals am Tatort anwesend war, erklärt sich zur Zusammenarbeit bereit. Clifford erzählt Tracy von Duncans Mord an den Mandrakis-Kindern. Sie willigt ein, als Köder an der Bar zu fungieren, doch Duncan erscheint nicht. Nachdem Clifford gegangen ist, erscheint Duncan aus Tracys Schrank. Sie schreit und Clifford kehrt zurück. Er verfolgt Duncan, verliert jedoch die Spur.
Die ehemalige Babysitterin Jill ist inzwischen verheiratet und hat selbst zwei kleine Kinder. Eines Abends gehen sie und ihr Mann Stephen essen, während Sharon auf ihre Kinder aufpasst. Im Restaurant erhält Jill einen Anruf und hört Duncans Stimme erneut fragen: „Haben Sie nach den Kindern gesehen?“ Die Polizei bringt Jill und ihren Mann nach Hause, wo alles in Ordnung zu sein scheint. Als Lt. Garber von dem Vorfall erfährt, alarmiert er Clifford. Nachts hört Jill Duncans Stimme und versucht ihren Mann zu wecken, erkennt jedoch, dass der Mann neben ihr Duncan ist. Er versucht, sie zu töten, aber Clifford kommt rechtzeitig und erschießt ihn. Jills Ehemann Stephen wird bewusstlos, aber lebendig im Schrank gefunden; ihre Kinder sind in Sicherheit. Clifford tröstet die verstörte Jill.
Entstehung und Veröffentlichung Laut eigener Aussage hatte Regisseur Fred Walton keine besondere Neigung zu Horrorfilmen. Als jedoch Drehbuchautor Steve Feke ihm von einer angeblichen Begebenheit aus der Los Angeles Times berichtete, wonach 1972 in Brentwood, einem wohlhabenden Vorort von Los Angeles, ein Babysitter solche Anrufe erhalten habe, wollte Walton mit ihm unbedingt einen Film daraus drehen.
Der Film wurde am 28. September 1979 in den US-Kinos veröffentlicht.
Der Film war ein kommerzieller Erfolg. Bei einem Budget von 1,5 Millionen Dollar spielte an den Kinokassen ca. 25 Millionen Dollar ein.
Die Filmmusik von Dana Kaproff erschien erst 2012 auf CD beim Label Kritzerland.
Besetzung und Synchronisation
Rolle Darsteller Synchronsprecher John Clifford Charles Durning Horst Niendorf Jill Johnson Carol Kane Constanze Engelbrecht Tracy Fuller Colleen Dewhurst Karin Kernke Curt Duncan Tony Beckley Horst RaspeDr. MonkRachel RobertsLt. Charlie GarberRon O'NealStephenSteven Anderson Dr. Mandrakis Carmen Argenziano Eberhard MondryMrs. MandrakisRutanya Alda Kritik Die Kritiken fielen gemischt aus. Einhellig gelobt wurden die Eröffnungsszene, während der Fortgang der Handlung zuweilen als spannungslos kritisiert wurde. Andere sehen in dem Film einen typischen Thriller seiner Zeit im Stil von Rosemaries Baby, in dem explizite Darstellung von Gewalt nicht notwendig ist und das Grauen eher im Kopf des Zuschauers entsteht.
Das US-Unterhaltungsmagazin After Dark schrieb: „Zweifellos der furchterregendste Film, den ich je gesehen habe“
Der Filmdienst urteilte: „Vordergründiger Gruselfilm, der mit grellen Bild- und Musikeffekten arbeitet und menschliche Schwächen und Gebrechen für Nervenkitzel ausbeutet.“
Cinema lobte, dass der Film, obwohl er zunächst wie eine müde Mischung aus Mitternachtsspitzen, Halloween und Psycho II klinge, sich als raffinierter, dicht konstruierter Schocker mit psychologischer Tiefe entpuppe. Regisseur Walton spiele gekonnt mit Schockeffekten und lasse den Zuschauer bis zuletzt mitbangen.
Anlässlich der Veröffentlichung des Remakes 2006 befand Cinefacts, das Original schlage erzählerisch befremdliche Haken verteilt auf drei Abschnitte mit wechselnden Perspektiven, deren Wechsel teilweise merkwürdig wirkten, doch seien die ersten 20 Minuten unbestritten das Aufregendste des Films.
Die deutsche Website Thrill & Kill stellte 2010 zwei besonders starke Szenen heraus: zu Beginn, in als Jill erfährt, dass der Anrufer bei ihr im Haus ist; und im Finale, als sie ihren neben sich liegenden Mann wecken will, jedoch feststellt, dass es der Killer ist. Dazwischen nehme sich der Film etwas zu viel Zeit. Die potenzielle interessante Charakterstudie des Mörders passe weder zum Anfang noch zum Ende des Films und ziehe sich in die Länge.
Die Filmwebsite TV-Kult sprach 2014 von einem Filmjuwel, das es nie zur verdienten Anerkennung gebracht habe. Gelobt werden die spannenden ersten zwanzig Minuten Telefonterror, die eindrucksvollen Kamerabilder und die stimmungsvolle Filmmusik. Freunde von nervenaufreibenden 70-Jahre-Filmen sollten den Film unbedingt ansehen, während Splatter-Fans nicht auf ihre Kosten kämen.
Die Filmwebsite Nischenkino lobte 2019 den Film einerseits als Zitterpartie mit großartiger Atmosphäre, andererseits schwächle die Drei-Episoden-Struktur etwas in der Balance. Der subtile Horror und die Atmosphäre des Unwohlseins durchzögen zwar den gesamten Psychothriller, doch fehlten ihm echten Tiefen. Gleichwohl sei er ein früher Vertreter seines Genres, inspiriert von Vorbildern wie Carpenter, aber mit eigenem kreativen Ansatz. Handwerklich bleibe er konventionell und minimalistisch – wenige Locations, keine großen Effekte, kein Splatter, keine ausgefallene Kamera-Arbeit.
Anlässlich des 40. Filmjubiläums urteilte die Filmwebsite JoBlo, der Film gebe auch 2019 noch ein gemischtes Bild ab. Was auch nach heutigen Maßstäben sehr gut standhalte, seien der Anfang, das Ende und die schauspielerischen Leistungen. Was hingegen nach wie vor nicht funktioniere, sei der Mittelteil, der die Wirkung der stärksten Momente beinahe untergrabe. Insgesamt verdiene der Film noch immer seinen Ruf als eine der gruseligsten urbanen Legenden, die je auf Zelluloid gebannt wurden. Schauspiel, Regie und das Maß an markerschütternder Spannung seien nach wie vor zu stark, um einfach aufzulegen.
Nachwirkung Trotz der gemischten Kritiken hat der Film im Laufe der Zeit – nicht zuletzt aufgrund der ersten 23 Minuten, die als eine der gruseligsten Eröffnungen der Filmgeschichte gelten – eine Kult-Anhängerschaft entwickelt.
Die ersten 13 Minuten von Wes Cravens Scream (1996) sind eine Hommage an die Eröffnungsszene von Das Grauen kommt um 10.
Aufgrund der Ähnlichkeit des Films zu Jessy – Die Treppe in den Tod, welcher fünf Jahre zuvor spielt, werden beide seit Jahrzehnten miteinander verglichen und es gibt die Theorie, dass sich beide Filme denselben Killer teilen. Die Identität des Killers in Jessy – Die Treppe in den Tod wird nicht enthüllt und er wird nicht gefasst. Beide Filme sind Horrorfans gut bekannt, wobei letzterer als angesehener gilt. Im Kern beruhen beide auf alten Urban Legends über unheimliche Anrufe, die aus dem eigenen Haus kommen.
Fortsetzungen 1993 erschien mit Stimme der Dunkelheit (When a Stranger Calls Back) eine Fortsetzung, in der Carol Kane und Charles Durning ihre Rollen als Jill Johnson bzw. John Clifford wiederholen und wieder mit Regisseur Fred Walton zusammenkommen. Diese Produktion entstand für das Fernsehen.
2006 erschien mit Unbekannter Anrufer (When a Stranger Calls) eine Neuverfilmung von Regisseur Simon West mit Camilla Belle in der Hauptrolle als Babysitterin. Hierbei wurden die ersten 20 Minuten des Originals auf den gesamten Film ausgedehnt.
Weblinks Das Grauen kommt um 10 bei IMDb
Einzelnachweise
Kategorie:Thriller Kategorie:Horrorfilm Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Filmtitel 1979