Mari Luz Canaquiri Murayari (geb. 1968 oder 1969) ist eine peruanische Umweltschutz-Aktivistin. Sie und die von ihr geleitete Asociación de Mujeres Huaynakana Kamatahuara Kana setzen sich für den Schutz des Río Marañón ein. 2025 wurde sie mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet.
Biographie Mari Luz Canaquiri Murayari ist Angehörige des indigenen Kukama-Volkes, das an den Quellflüssen und dem Oberlauf des Amazonas lebt. Sie wuchs in der Gemeinde Shapajillaam Ufer des Río Marañón auf.
mini|Der Río Marañón in der Provinz Arancay
Der Marañón-Fluss entspringt am Gletscher Nevado de Yapura in den peruanischen Anden, zieht sich über mehr als 1.600 Kilometer durch Täler und Wälder und bildet schließlich gemeinsam mit dem Río Ucayali den Amazonas. Mit seinem 36 Millionen Hektar großen Becken sind der Río Marañón und seine Nebenflüsse die Lebensader der tropischen Regenwälder Perus und bilden 75 % der tropischen Feuchtgebiete des Landes. Er ist die Heimat von Rosadelfinen, Riesenottern, Seekühen, Schwarzen Kaimanen und 156 Fischarten. Die Wälder im Flussgebiet beherbergen Tausende von Pflanzenarten und sind Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Peruanischen Gelbschwanz-Wollaffen, Jaguare und Brillenbären.
mini|Der Peruanischer Wollaffe lebt im Gebiet der Kukama Für die Kukama ist der Fluss heilig, da nach ihrem Glauben ihre Vorfahren auf dem Grund des Flusses leben. Die Kukama gehören zu Dutzenden indigener Gruppen, die entlang des Río Marañón leben und als traditionelle Hüter des heiligen Flusses und seiner Regenwälder fungieren. Sie sind auf den Fluss angewiesen für Transport, Landwirtschaft, Wasserversorgung und Fischerei. Ihre Hauptnahrungsquelle ist der Fisch aus dem Fluss.
mini|Das Siedlungsgebiet der Kukama in Nordperu Der Río Marañón fließt auch durch Gebiete, die einige der größten Öl- und Gasreserven Perus beherbergen. In den 1970er Jahren begann die peruanische Regierung, Bohrkonzessionen in der Region zu vergeben, was zum Bau der riesigen Pipeline Oleoducto Norperuano durch den Ölkonzern Petroperú entlang des Flusses zu Küstenstädten und Häfen führte. Die neue Industrie veränderte die Landschaft entlang des Flusses grundlegend – und mit ihr die Ökosysteme, Lebensgrundlagen und die Gesundheit der Flussgemeinden. Bis 2014 machte die Region 40 % der peruanischen Ölproduktion aus.
Seit 1997 kam es entlang des Flusses zu mehr als 60 Ölverschmutzungen, einige davon mit katastrophalen Folgen. Neben den Auswirkungen auf die Tierwelt und die Lebensgrundlagen der Anwohner wie massiven Fischsterben nahmen auch die Gesundheitsprobleme zu; eine Studie aus dem Jahr 2021 ergab erhöhte Blei-, Quecksilber-, Arsen- und Cadmiumwerte im Blut von Mitgliedern der Flussgemeinden. 2010 kündigte die peruanische Regierung auch den Bau von 20 Wasserkraftwerken entlang des Marañón-Flusses an. Bis 2024 wurde eines davon fertiggestellt, zwei weitere Projekte wurden genehmigt.
Die Flussgemeinden sind besonders anfällig für Wasserverschmutzung, die Einwohner litten nach Ölverschmutzungen unter Fieber, Durchfall, Hautausschlägen und erhöhtem Auftreten von Fehlgeburten. Nach einer großen Ölkatastrophe auf dem Fluss im Jahr 2000 engagierte sich Mari Luz als Vertreterin ihrer Gemeinde. 2001 gründete sie die Asociación de Mujeres Huaynakana Kamatahuara Kana [Vereinigung hart arbeitender Frauen] (HKK), die sich sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen widmet.
Im Jahr 2010 fielen in der Nähe des Hafens von Saramuro fast 400 Barrel Öl von einem Lastkahn, wodurch Tausende Gallonen Rohöl in den Marañón liefen. Es kam zu einem massiven Fischsterben und schweren Gesundheitsproblemen für die Kukama, die gezwungen waren, kontaminiertes Flusswasser zu trinken. Mari Luz, die selbst nach dem Vorfall an Fieber und Hautausschlägen litt, reichte eine formelle Beschwerde bei den regionalen Behörden ein – und verlangte eine Reaktion. Sie positionierte die HKK als zentralen Akteurin in Umweltfragen und übernahm die Rolle der Sprecherin der Gemeinschaft.
Als die peruanische Regierung 2014 ein Projekt zur Flussausbaggerung ankündigte, nahm Mari Luz Kontakt zum Legal Defense Institute – einer peruanischen NGO – auf und begann, rechtliche Strategien zum Schutz des Marañón-Flusses zu erkunden. HKK verklagte die Regierung, um das Projekt aufgrund fehlender Konsultationen mit den lokalen Gemeinden zu stoppen. Das Baggerprojekt konnte schließlich gestoppt werden. Bis 2020 umfasste HKK bereits 29 Kukama-Gemeinden. Etwa zur gleichen Zeit erreichten mehrere erfolgreiche Klagen zum Schutz der Natur in Neuseeland und Kolumbien, dass Flüssen Rechtsfähigkeit zuerkannt wurde. Im September 2021 reichte HKK mit Unterstützung des Legal Defense Institute, von International Rivers und des Earth Law Center eine Klage ein, in der es die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit des Flusses Marañón forderte, um ihn vor Ölverschmutzungen und anderen Formen der Zerstörung zu schützen.
Während des Gerichtsverfahrens wurde Mari Luz zum öffentlichen Gesicht des Falls. Sie organisierte Gemeindeversammlungen, sprach auf Pressekonferenzen und war eine von wenigen Kukama-Frauen, die vor Gericht aussagten. Im weiteren Verlauf des Falls lenkten mehrere neue Ölverschmutzungen auf den Flüssen Marañón und Amazonas die Aufmerksamkeit auf das Problem. Als Reaktion darauf führte HKK Protestmärsche in der Provinzhauptstadt Iquitos an und erreichte ein großes Medienecho.
Im März 2024 entschied das Bundesgericht nach über zwei Jahren Rechtsstreit zugunsten der Flüsse Kukama und Marañón. Diese historische Entscheidung erkannte den inneren Wert und das unveräußerliche Recht des Flusses an, frei von Umweltverschmutzung zu sein und frei zu fließen. Dies war der erste Fluss in Peru, dem Rechtsansprüche zuerkannt wurden. Das Gericht stellte fest, dass die peruanische Regierung und ihr staatlicher Ölkonzern Petroperú gegen diese Rechte verstoßen haben. Die Behörden wurden angewiesen, die Ölverschmutzung unverzüglich zu beheben und einen Schutzplan für den Fluss und seine Nebenflüsse zu erstellen. Die Entscheidung bietet dem Fluss ein beispielloses Maß an Rechtsschutz und ermöglicht es den Kukama und anderen indigenen Gruppen, sich aktiv für den Schutz des Flusses einzusetzen.
Andere indigene Gemeinschaften haben seitdem ähnliche Klagen eingereicht, um weitere Flüsse in Peru zu schützen. Auch außerhalb Perus erregte der Fall große Medienaufmerksamkeit und stärkt die Dynamik der Naturrechtsbewegung in ganz Lateinamerika.
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Einzelnachweise
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