Walter Franz Delabar (* 17. Juni 1957 in Hochneukirch) ist ein deutscher Philologe, Publizist und Manager in der Windenergiebranche.
Leben Walter Delabar belegte ab 1976 an der RWTH Aachen ein Lehramtsstudium. Im Jahr 1982 absolvierte er das erste Staatsexamen für die Sekundarstufe II in Deutsch. Sein Heimatort war eine Zeitlang dafür vorgesehen, vom Braunkohletagebau abgebaggert zu werden.
1984 erschien im Verlag des Niederlandisten Bernd Kehren Delabars erste Buchveröffentlichung zum Thema Hexenverfolgung in Erkelenz um 1600, die für die Fachwelt eine wichtige Quelle darstellt. 1986 wurde er Mitbegründer des Magazins Juni im gleichnamigen Verlag. Ab 1990 erfolgte der Vertrieb über den Alano Verlag in Aachen. Nach einer kurzen Zeit im Berliner Weidler Verlag wechselte die Zeitschrift, weiterhin unter der Federführung Delabars, zum aisthesis Verlag in Bielefeld.
1987 wurde Delabar an der Gesamthochschule Essen mit einer Arbeit über Wolfram von Eschenbach promoviert. Er wandte in seiner Dissertation die strukturalen Methoden von Claude Lévi-Strauss auf einen mittelalterlichen Text an, wobei nach Helmut Brall Wolframs „Eigendynamik und Unverwechselbarkeit“ in den Hintergrund traten.
Finanziert aus Mitteln der Freien Universität Berlin übte er seit 1989 eine Tätigkeit als Redakteur des biographischen und bibliographischen Lexikons „Die Deutsche Literatur. Reihe VI von 1890 bis 1990“ aus. Die ersten Lieferungen umfassen 174 Autoren von Aab bis Ahlers, die zweiten 131 Autoren von Ahlers bis Alder, ein Sonderband behandelt Raoul Hausmann. Das Projekt wurde nicht fortgesetzt. Delabar lehrte von 1989 bis 2010 an der Freien Universität Berlin, von 2010 bis 2023 an der Leibniz Universität Hannover.
1998 wurde er mit einer Arbeit über beispielhafte Romane der Zwischenkriegszeit habilitiert. Er ist berechtigt, den Titel „außerplanmäßiger Professor“ zu führen. Er hat zahlreiche Sammelbände, Ausgaben des Magazins Juni und zudem zwei Monografien publiziert. Bereits kurz nach seiner Habilitation wechselte er in die Energiewirtschaft, um in verschiedenen Firmen, anfangs als Pressesprecher und Marketingmanager, nach 2005 als Vorstand und Geschäftsführer tätig zu sein.
Veröffentlichungen (Auswahl) Monographien Styna und Mergen. "Hexenglaube und Hexenwahn in Erkelenz" von Joseph Gaspers. Neu herausgegeben und kommentiert von Walter Delabar. Erkelenz: Bernd Kehren 1984 Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft: Studien zur Funktion des Verwand[t]schaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach "Parzival". Göppingen: Kümmerle 1990. (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 518) mit Anne Bentfeld: Perspektiven der Germanistik. Neueste Ansichten zu einem alten Problem. Opladen: Westdeutscher Verlag 1997 Was tun? Romane am Ende der Weimarer Republik. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999. Zweite korrigierte Auflage Berlin: Weidler Buchverlag 2004 Modernestudien. Beiträge zur literarischen Verarbeitung gesellschaftlicher Modernisierungen im frühen 20. Jahrhundert. Berlin: Weidler 2005 (= Modernestudien 1) Literaturwissenschaftliche Arbeitstechniken. Eine Einführung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009. Klassische Moderne. Deutschsprachige Literatur 1918-33. Berlin: Akademie Verlag 2010. Kollateralschäden der Gerechtigkeit. Inszenierungen von Recht und Gerechtigkeit im Krimi. Berlin: ebooknews press 2017 (= edition science & culture)
Herausgeberschaft Juni. Magazin für Kultur & Politik am Niederrhein, ab Heft 0/1986 (DNB) Kleine niederländische Reihe im Verlag Alano, Aachen, 1992–1994 Zusammen mit Walter Fähnders und Dieter Heimböckel: Studien zur Moderne im Weidler Buchverlag, Berlin, ab 2005, seit 2007 bei Aisthesis, Bielefeld Zusammen mit Christiane Caemmerer und Helga Meise (bis Bd. 8 mit Elke Ramm, bis Bd. 14 zusammen mit Marion Schulz): Inter-Lit. Studien zur Frauen-Literatur-Forschung. Bd. 1–3 Osnabrück: Zeller 1999ff. Bd. 4–8 Bern etc.: Lang 2002ff. Carl Hauptmann: Romane. I: Mathilde (1902). Einhart Lächler (1907). Bearbeitet von Walter Delabar unter Mitarbeit von Christiane Nowak und Ines Schubert. Stuttgart-Bad Cannstatt 2025 (= Carl Hauptmann: Sämtliche Werke. Hrsg. von Miroslawa Czarnecka und Hans-Gert Roloff, Band V,1) Zahlreiche Sammelbände, zuletzt: Fräuleinwunder. Zum literarischen Nachleben eines Labels. Hrsg. von Christiane Caemmerer, Walter Delabar und Helga Meise. Frankfurt/M.: Peter Lang Verlag 2017 (=Interlit 15).
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