mini|Demonstranten auf dem Universitätsplatz Golaniada (von rumänisch golan, „Strolch“, „Ganove“, „Rowdy“) bezeichnet eine Protestbewegung in Rumänien von April bis Juni 1990 auf dem Universitätsplatz in Bukarest. Die von Studierenden, Intellektuellen und zivilgesellschaftlichen Gruppen geführten Demonstrationen forderten die Abgrenzung von ehemaligen Funktionsträgern des kommunistischen Regimes und die Ausrichtung des neuen politischen Systems im Rahmen des politischen Transformationsprozesses nach 1989.

Hintergrund Nach der Rumänischen Revolution von 1989 übernahm das Consiliul Frontului Salvării Naționale (CFSN) unter der Führung von Ion Iliescu die politische Macht. Ursprünglich als Übergangsorgan konzipiert, beschloss der CFSN am 23. Januar 1990, sich in eine politische Partei umzuwandeln und an den Wahlen vom 20. Mai 1990 teilzunehmen. Die Studierenden, Intellektuellen und Teilen der städtischen Zivilgesellschaft forderten den Ausschluss ehemaliger kommunistischer Funktionäre von politischen Ämtern, wie er in der Proklamation von Timișoara formuliert worden war.

Verlauf und gewaltsames Ende mini|TR-85-Panzer in Bukarest im Frühjahr 1990 Die Proteste begannen Anfang April 1990 mit Sitzstreiks von Studierenden und Lehrenden der Universität Bukarest, die am 22. April 1990 mit mehreren zehntausend Teilnehmenden ihren Höhepunkt erreichten. Der Universitätsplatz wurde zu einem dauerhaften Protestort mit öffentlichen Diskussionen, Reden und kulturellen Veranstaltungen.

Präsident Ion Iliescu nannte die Demonstrierenden öffentlich „golani“ („Rowdys“). Diese Bezeichnung wurde von den Protestierenden als Selbstbezeichnung aufgegriffen, woraus sich schließlich der Name der Bewegung ableitete. Auch nach den Wahlen vom 20. Mai 1990 hielten die Proteste an. Teile der Bewegung forderten nun offen den Rücktritt der Regierung.

Die Proteste endeten während der sogenannten Mineriade im Juni 1990 vom 13. bis 15. Juni 1990. Im Vorfeld waren Bergarbeiter aus dem Schiltal nach Bukarest herbeigekommen, um gegen die Protestierenden vorzugehen. Infolgedessen kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Bergarbeitern. Nach offiziellen Angaben kamen mindestens sieben Menschen ums Leben und ca. tausend wurden verletzt. Unabhängige Untersuchungen gehen jedoch von höheren Opferzahlen aus.

Rezeption Die Golaniada-Proteste wurden von regierungsnahen Medien negativ dargestellt. Oppositionelle Gruppen und internationale Beobachter werteten sie als Ausdruck zivilgesellschaftlicher Mobilisierung. Im öffentlichen Diskurs wurde der der Universitätsplatz in Bukarest auch als „Kilometer 0 der rumänischen Demokratie“ bezeichnet. Die Golaniada beeinflusste nachhaltig die Debatte um Lustration, politische Verantwortung und Vergangenheitsbewältigung im postkommunistischen Rumänien.

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Einzelnachweise

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