mini|St. Peter am Poříčí mit freistehendem Glockenturm

Die Kirche St. Peter am Poříčí ist eine römisch-katholische Kirche im Prager Stadtviertel Neustadt in der Biskupská Straße, die dem Apostel Petrus geweiht ist. Sie wurde als romanische Basilika in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als eine Pfarrkirche der untergegangenen Siedlung Poříčí errichtet. Später erfuhr sie einige Umbauten; die heutige Gestaltung ist vorwiegend gotisch.

Geschichte Die romanische Basilika mini|Blick von Süden auf die Kirche mini|hochkant|Der gotische Glockenturm Aus der ursprünglichen romanischen Basilika aus der Zeit nach der Hälfte des 12. Jahrhunderts ist nur ein erheblich umgebautes Torso erhalten geblieben – die zweitürige Stirnseite und auch der Kern der Südseite des Hauptschiffes. Der Rest ihres Grundrisses wurde durch Archäologische Funde von V. Birnbaum beschrieben.

Die Basilika mit einer einheitlichen Wanddicke von 1 Meter wurde aus Pläner-Quadern gemauert, die sehr sorgfältig auf den Kalkmörtel mit durchgeritzten Fugen gelegt wurden. Ihr Hauptschiff öffnete sich jedes Mal zu den Seitenschiffen durch drei Arkaden, die von drei prismenartigen Pfeilern aus ungebleichten Pläner-Quadern getragen wurden. Die Pfeiler wuchsen aus breiteren Sockeln mit einem schiefen Gesims und sie fanden ihren Höhepunkt in analogen Simskapitellen. Zwei von den südlichen Arkadenpfeilern blieben bis heutig erhalten. Die Wände des romanischen Hauptschiffes öffneten sich ursprünglich durch drei halbkreisförmig abschließende Fenster, die ebenso an der Südseite erhalten geblieben sind. Engelsbüsten in Fensteraufschlägen dienen als Beweis dafür, dass bald nach den Abschlussarbeiten die Basilika reichlich mit Malereien ausgeschmückt war. Fragmente der Malereien finden sich den Aufschlägen von allen drei Fenstern. Die Spaletten der Fenster waren mit einem Ornament bedeckt, in Form einer Welle, im mittleren Feld überwiegt jedoch ein Schachbrettmuster. Bruchteile dieser Malereien wurden 1928 entdeckt und daraufhin von V. Číla konserviert.

Nach Birnbaum war das Hauptschiff nicht gewölbt, wobei es im Osten in das Presbyterium mündete, das aus einem fast quadratischen Chor und einer halbzylindrigen Apsis zusammengesetzt war. Über die Beleuchtung des Presbyteriums blieb keine Aufzeichnung erhalten.

Die Seitenschiffe waren gewölbt (der Abdruck der Gewölbestirn ist an der südlichen Wand erhalten) und im Osten wurden sie durch eine gerade Wand abgeschlossen. Die Tatsache, dass die Tribüne an der Verschalung des rippenlosen Kreuzgewölbes mit Kanten der Kappen unterwölbt war, die auf scharfen steinigen Kämmen aufgesetzt sind, erlaubt nicht anzunehmen, dass die Kirche vor der Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden ist, im Hinblick auf die Fortschrittlichkeit der Konstruktion des gegebenen Elements.

Der Raum unter der Tribüne, der zum Hauptschiff hin durch eine große halbkreisförmige Arkade geöffnet ist, diente gleichzeitig als ein Durchgang zum westlichen Eingangsportal, das nicht erhalten geblieben ist.

Auf der unteren Seite der Quaderarkade gibt es eine restaurierte gemalte geometrisch-ornamentale romanische Ausschmückung. In beiden anliegenden Untertürmen blieben die ursprünglichen romanischen Kreuzgewölbe erhalten. Die Untertürme öffneten sich halbkreisförmig durch abgeschlossene Arkaden, sowohl zu den anschließenden Seitenschiffen, als auch zu den Zwischentürmen mit einer Tribüne. 

Um das Jahr 1200 brachte der mährische Markgraf Vladislav Heinrich den Orden der deutschen Ritter hierher, der hier seinen Spital und gleichzeitig seinen Sitz gründete. Nach dem Tod seines Ehemannes, Ottokar I. Přemysl, entschied sich hier Konstanze von Ungarn ein Kloster der Zisterzienser zu gründen, weshalb sie die Kirche, das Spital und die umliegenden Ländereien erwarb. Der Orden der deutschen Ritter sollte zu der nahen Kirche des heiligen Benedikts umsiedeln. Am Ende jedoch gründete die Königin ein Kloster der Zisterzienser bei Tišnov. Die Kirche, zusammen mit weiterem von den deutschen Rittern abgekauftem Vermögen, schenkte sie dem Spital des heiligen Franziskus, das im selben Jahr ihre Tochter Agnes gründete. Aus der ursprünglichen Brüderschaft des Spitals wurde allmählich ein neuer böhmischer ritterlicher Kirchenorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern, der hier nach wie vor Gottesdienste hält. Nach der Flut im Jahre 1280 entstand an der Kirche ein Massengrab, auf dessen Stelle später ein regulärer Friedhof entstanden ist. Am Anfang des 14. Jahrhunderts wurde an der Kirche eine Pfarrschule gebaut.

Der gotische Umbau Im Jahr 1382 wurde der gotische Umbau und eine Erweiterung eingeleitet. Das nördliche romanische Schiff wurde niedergerissen und an seiner Stelle begann der Bau eines gotischen Doppelschiffes, wobei das südliche Schiff dieses Doppelschiffes den Grundriss des ursprünglichen romanischen Nordschiffes kopierte. Der Bau wurde im Jahr 1395 abgeschlossen. Zur neuen Konfiguration der Kirche passte logischerweise jedoch nicht auch das alte romanische Presbyterium, und aus diesem Grund begannen die Bauvorbereitungen einer neuen Kirche. Der Bau wurde im Jahr 1406 abgeschlossen. Das neue romanische Presbyterium war fünfseitig und doppelt so breit wie das ältere romanische, das abgerissen wurde, und es nahm das romanische Hauptschiff und das südliche gotische Seitenschiff ein. Trotzdem sah die Kirche eher untypisch aus, da das neue Presbyterium an das romanische Hauptschiff und auch an das südliche gotische Schiff anknüpfte. Deshalb wurde mit einem weiteren Umbau begonnen, bei dem das romanische Hauptschiff und auch das unlängst gebaute südliche gotische Schiff abgerissen wurden und an ihrer Stelle begann der Bau eines neuen massiven gotischen Schiffes. Das südliche romanische Schiff blieb erhalten. Der Umbau wurde gegen das Jahr 1411 abgeschlossen.

Das Hussitentum mini|hochkant|Portal der Kirche Im Jahr 1414 zur Zeit des Hussitentums führte hier der Pfarrer der Kreuzherren Nikolaus (Mikuláš) eine einzigartige Art der heiligen Kommunion ein, während deren außer der üblichen katholischen Kommunion am Hauptaltar auch eine Kelchkommunion an den Seitenaltären durchgeführt wurde. Im Jahr 1419, nach dem Kampf bei einer Kirmes, verjagten die Hussiten die Kreuzherren aus der Kirche, und der Pfarrer Nikolaus entkam nur knapp einer Steinigung. Die eigentliche Kirche wurde, wahrscheinlich wegen der vorangegangenen Kelchkommunion nicht zerstört. Im Jahr 1436 kehrten die Kreuzherren zurück, der König Georg von Podiebrad setzte dann wieder Priester des Kelchordens ein.Eduard Škoda: Pražské svatyně. Libri, 2002, ISBN 80-7277-098-5, S. 233–234.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verlief ein weiterer Umbau. Es wurde das südliche romanische Schiff abgerissen (zwei Säulen davon blieben bis heute erhalten) und man begann es durch ein neues, doppelt so breites gotisches Schiff zu ersetzen. Gotisiert wurden auch beide Türme – sie wurden erhöht und statt der vorhandenen romanischen kleinen Fenster wurden neue große gotische Fenster durchgebrochen. Manche Änderungen betrafen auch die Eingangsportale – das westliche wurde umgebaut und auch ein neues Portal an der Südseite wurde errichtet. Es entstand ebenfalls eine Kapelle zwischen dem nördlichen romanischen Turm und dem Nordschiff (heute als Beichtraum verwendet). Die Dächer waren mit Schiefer gedeckt. Die Kirche erhielt so eine neue Ausgestaltung, der Umbau endete um das Jahr 1500. Im Jahr 1598 wurde an die Kirche ein gotischer Glockenturm angebaut.

Der Dreißigjährige Krieg und weitere Katastrophen Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde aus der Kirche der letzte nicht katholische Priester vertrieben, der lutherischen Kirche angehörende Stephan, und der Neustädtische Rat pflegte weiterhin die Kirche.

1628 wurde die Kirche den Kreuzherren zurückgegeben. Im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1632, wurde die Stadt Prag kurz von den Sachsen kontrolliert und einstweilig wurde Stephan wieder zum Pfarrer der hiesigen Kirche. Im Jahr 1648 wurde die Kirche bei der Belagerung durch schwedische Truppen teilweise zerstört. Für die tapfere Verteidigung Prags nahm König Ferdinand II. die Kirche den Kreuzherren ab und gab sie dem Neustädtischen Rat.

1653 wurde die Kirche von einem umfassenden Brand heimgesucht. Auf Kosten des Neustädtischen Rates wurde sie rekonstruiert und der Boden neu verlegt. Im Jahr 1666 wurde durch einen Blitzeinschlag und folgenden Brand der Turm beschädigt und im Jahr 1680 gab es einen riesigen Brand in der Kirche und auch der Umgebung. Das Dach des Hauptschiffes und der kleinen Türme, die Friedhofskapelle, das Gebeinhaus, das Pfarrhaus und auch der Glockenturm, in der alle drei Glocken zusammenschmolzen, wurden durch den Brand stark beschädigt oder vernichtet. Die Kirche verfiel nach dem Brand, da der Neustädtische Rat kein Geld für die Rekonstruktion hatte. Deshalb unterzeichnete im Jahr 1686 der Rat einen Vertrag mit den Kreuzherren, durch welchen ihnen die Kirche zurückgegeben wurde. Es begann ihre lange Rekonstruktion, die von den Kreuzherren auch finanziert wurde (beträchtlich trug auch der Prager Erzbischof und Kreuzherr Johann Friedrich Reichsgraf von Waldstein bei). Es wurde ein neues Dach errichtet. Ein kleinerer Brand im Jahr 1689 befiel den Glockenturm. Bei der Rekonstruktion bekam das Dach des Glockenturms seine heutige charakteristische barocke Gestalt.

Im Jahr 1757 wurde die Kirche von den Preußen beschädigt. Gemeinsam mit der Rekonstruktion des beschädigten Teils fand auch eine teilweise Barockisierung des Interieurs statt. Umgebaut wurden auch die Chorempore und der gesamte Raum der Zwischentürme. Die Kirche wurde mit Marmorboden verlegt und die Wände bekamen einen barocken Verputz. Diese Bauarbeiten verliefen zwischen den Jahren 1760 und 1761. Im Jahr 1700 wurden neue Bänke aufgestellt (und sind bis heute erhalten geblieben). Im Jahr 1702 wurde der erneuerte Hauptaltar dem heiligen Petrus geweiht, auf dem später ein Bild von Václav Vavřinec Reiner hinzugefügt wurde. Ein Jahr darauf wurden die gerissenen Gewölbe repariert, die bereits seit dem Brand im Jahr 1680 drohten einzustürzen. Zu dieser Zeit gab es in der Kirche bereits 7 Altäre – neben dem Hauptaltar des heiligen Petrus ein Altar des heiligen Karl Borromäus, des heiligen Johannes von Nepomuk, der heiligen Anna, der heiligen Barbara, der Altar der Christuswunden und der Altar der Allerseelen. Bis zur Hälfte des 18. Jahrhunderts kamen noch weitere Altäre hinzu – der erneuerte Altar der heiligen Maria Magdalena, des heiligen Lazarus, des heiligen Florians und weitere zwei „private“ Altäre. Insgesamt gab es 12 Altäre in der Kirche. Im Jahr 1725 wurde wiederum auch das Hauptaltar des heiligen Petrus mit geschnitzten Engelstatuen aus der Werkstatt von Matthias Bernard Braun erneuert.

Neogotisierung und Neoromanisierung mini|Das 1894 abgerissene Schulgebäude auf eine Fotografie von 1890