mini|Lauterburg, Evangelische Kirche (2020) Die Evangelische Dorfkirche Lauterburg ist eine Renaissancekirche auf dem Albuch im Ortsteil Lauterburg der Gemeinde Essingen im Ostalbkreis in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Aalen und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Kirche wurde 1607 durch Georg Wolf von Woellwarth errichtet. Sie bildet zusammen mit der ehemals angrenzenden Lauterburg ein historisch und baulich eng verbundenes Ensemble.
Geschichte mini|Leichenpredigt des Georg Wolf von Woellwarth Vor der Reformation gehörte Lauterburg als Filiale zur Kirche „Unserer Lieben Frau“ in Lautern (Bistum Augsburg). Gottesdienste wurden bis ins 16. Jahrhundert in der in die mittelalterliche Burg eingebaute Nikolaus-Kapelle gefeiert. Die Reformation wurde im Herrschaftsbereich der Freiherren von Woellwarth um 1567–1569 eingeführt. Nach dem Abbruch der alten Burgkapelle ließ Georg Wolf von Woellwarth 1607 eine neue Kirche als freistehenden Bau an der Südseite der Burganlage errichten. Eine Steintafel über dem Südportal bezeugt noch heute den Stifter und seine Gattin Anna von Fleckenstein. Die Einweihung nahm der langjährige Pfarrer Johann Bogenritter vor.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Gemeinde schwerste Verluste. Dazu zählen der gewaltsame Tod von Magister Friedrich Weng, Pfarrer in Lauterburg und Bartholomä, der 1634 von kaiserlichen Soldaten erschossen wurde. Eine Gedenktafel in der Kirche erinnert an ihn.
Nach dem Verkauf Bartholomäs wurde Lauterburg bis 1722 Filiale der Pfarrei Essingen. Barbara Elisabeth von Woellwarth stiftete 1722 eine eigene Pfarrstelle mit 3000 Gulden Kapital und ließ ein neues Pfarrhaus errichten. Die reichsunmittelbare Herrschaft der Woellwarths endete 1806. Das Patronatsrecht bestand bis 1952 fort. Letzter Patronatspfarrer war Johannes Schmitt (1947–1954). Bis 2022 war Lauterburg eine eigenständige Pfarrstelle. Seit dieser Zeit ist Lauterburg wieder Filiale von Essingen.
Architektur Die Kirche ist ein rechteckiger Renaissancebau mit eingezogenem Chor und südlich angebautem Glockenturm. Der Turm ist unten quadratisch, oben achteckig und trägt eine geschweifte welsche Haube.
Die Kirche war integraler Bestandteil der Befestigungsanlage. Zwei Verbindungsgänge führten vom Schloss zur Kirche: ein unterer Wehrgang in das Kellergewölbe, ein oberer Gang zur herrschaftlichen Empore.
Diese Verbindung ist in Resten (heute: Gemeindesaal) erhalten. Im Turm befindet sich eine Türmerstube mit weitem Blick über den Albuch. mini|Kirchenraum Das Kirchenschiff besitzt eine flache hölzerne Kassettendecke. Im Chor mit 3/8-Schluss findet sich ein Kreuzrippengewölbe. Stuckaturen mit barocken Engelsköpfen wurden im 18. Jahrhundert ergänzt. Oberhalb der Orgel sind die Wappen der Stifterfamilien Woellwarth sowie Fleckenstein sowie eine Anfang des 20. Jahrhunderts vorgenommene Abschrift der Stiftertafel zu sehen.
Ein großes Ölgemälde zeigt die Verklärung Christi (Hauptszene). In der Predella sind dargestellt: Georg Wolf von Woellwarth, seine Frau Anna von Fleckenstein, und ihre zehn Kinder, davon drei mit Todessymbolen; im Hintergrund: Rittersaal des Schlosses und Chor der Kirche.
Eine reich geschnitzte Holzkanzel (1607) trägt die Initialen JWW = Jörg (Georg) Wolf von Woellwarth. Zwei Eisenringe am Fuß dienten früher der Befestigung von Vereinsfahnen anlässlich von Festgottesdiensten. mini|Bauzeichnung von 1922 Das fast lebensgroße Ton-Kruzifix stammt aus der Bauzeit. Er wurde 1922, nachdem er im 19. Jahrhundert aus der Kirche entfernt worden war, wieder aufgestellt.
Orgel 1756: Neubau durch Johann Georg Allgeyer (Hofen) 1907: Neubau durch Gebr. Link (Giengen), op. 466 – II/09 1992: Neubau Link, op. 1026 – II/14 (heutiges Instrument)
Glocken Die Kirche besitzt drei Glocken:
+ Glockengeläut Funktion Ton Inschrift Gewicht Gießer Gussjahr Betglocke gis′ Aus dem Feuer floß ich, M. Johann Miller zu Esslingen goß mich – Anno Domini 1605 570 kg Martin Miller, Esslingen 1605 Schiedglocke h′ „Alles was Odem hat, lobe den HERRN!“ 312,5 kg Heinrich Kurtz, Stuttgart 1922 Taufglocke cis″ „ER ist unser Friede“ 220 kg Grüninger, Straß 1949 mini|Abgenommene Betglocke anlässlich einer Glockenreparatur im Jahr 2014. Die nach dem Ersten Weltkrieg 1926 neugegossene „Osterglocke“ wurde während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen. 1949 kam die jetzige „Schiedglocke“ nach Lauterburg. Sie war vorher Teil des Geläuts der Aalener Stadtkirche.
Pfarrerinnen und Pfarrer Die Pfarrei Lauterburg wurde 1722 gegründet. Wichtige Pfarrer im Kontext des Kirchenbaus und der frühen Geschichte:
bis 1610: Johann Bogenritter, Einweihung der Kirche 1611–1634: Magister Friedrich Weng, im Krieg ermordet ab 1722: Johann Christoph Scholl, erster eigener Pfarrer
Bis 2022 war Lauterburg eigenständige Pfarrstelle; die letzten Pfarrpersonen waren: Pfarrer Gerhard Brünning (* 1951) Pfarrerin Gisela Fleisch‑Erhardt (* 1962)
Literatur 400 Jahre Evangelische Kirche Lauterburg 1607–2007. Festschrift. Heinz Bohn, Torsten Krannich, Hans Kolb: Kirche und Pfarrer im ehemals woellwarthschen Lauterburg. BoD, 2023. Evangelischer Kirchenbezirk Aalen (Hrsg.): Evangelische Kirchenbauten im Dekanat Aalen. 2016, S. 82–85.
Weblinks
Homepage der Evangelischen Kirchengemeinde Essingen-Lauterburg Kirchen und Kapellen Website der Gemeinde Essingen
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Ostalbkreis Dorfkirche Lauterburg Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Erbaut 1607 Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Kirchengebäude der Renaissance Kategorie:Renaissancebauwerk in Baden-Württemberg Kategorie:Geläut