mini|Bauernsturm in Töss im Juni 1525; Abschrift der Reformationschronik Bullingers Der Bauernsturm in Töss, auch als Tösserkrieg bezeichnet, fand am Pfingstmontag 1525 vor den Toren des Klosters Töss bei Winterthur statt. Er ist Teil der Reformationsgeschichte im Kanton Zürich.
Vorgeschichte Schon 1524 kam es in der Zürcher Landschaft und im Thurgau zu Unruhen durch die Untertanen, die im Zusammenhang der Reformation standen. Der Reformator Huldrych Zwingli und der Rat von Zürich standen von mehreren Seiten unter Druck. Denn sowohl die Altgläubigen wie ein radikaler Teil der Reformationsbewegung störten sich an der Art der Herrschaft der Stadt Zürich. Diese wiederum war nur zu kleinen Zugeständnissen bereit. Gerade die reformatorischen Forderungen nach Abschaffung der Leibeigenschaft und Abschaffung des Zehnt waren ein direkter Angriff auf die Staatlichkeit von Zürich.
Der Klostersturm von Ittingen am 18./19. Juli 1524 vergiftete das Klima in der Eidgenossenschaft. Dabei waren auch Männer aus der Region Winterthur beteiligt. Die Frage um das Kirchenvermögen führte im Zürcher Oberland zu einer Eskalation, die am 23./24. April 1525 zur Besetzung des Ritterhauses Bubikon und des Klosters Rüti führte. Die Besetzer erstellten einen Katalog an Forderungen an die Zürcher Herren, der auch von weiteren Gebieten unterstützt wurde. In der Folge wurde für den Pfingstmontag 1525 eine «Landsgemeinde» vor den Toren des Klosters Töss ausgerufen.
Bauernaufstand am Pfingstmontag 1525 Am 5. Juni 1525, einem Pfingstmontag, fand sich eine Menge von mehreren tausend Personen in Töss ein. Der Rat von Zürich entsendete eine hochrangige Delegation, der neben den beiden Bürgermeistern weitere Ratsherren angehörten. Dies zeigt, dass Zürich die Sache nicht auf die leichte Schulter nahm, auch wenn man nur zu kleinen Zugeständnissen bereit war. Nur wenige Namen der Anwesenden sind bekannt, wie auch wenig über die Vorgänge vor Ort bekannt ist. Erhalten sind nur zwei Überlieferungen, die die Ereignisse aus Zürcher Sicht wiedergeben. Der Beitrag in der Schweizer Chronik von Johannes Stumpf ist mit Vorsicht zu geniessen, da er vermutlich nicht vor Ort war. Der Bericht des Chronisten Laurenz Bosshard könnte die Ereignisse besser wiedergeben, da er als Chorherr auf dem Heiligberg nahe am Ort des Geschehens war.
So schrieb Laurenz Bosshard, dass ein gewesen sei, bis man sich auf eine neue Versammlung in Kloten einigte. Es gelang dem Kyburger Landrat Rudolf Lavater zusammen mit der Ratsabordnung, die Vernünftigen dazu zu bringen, nach Hause zu gehen. Ein anderer Teil war gewillt, das Kloster zu stürmen. Die Erstürmung konnte durch den Winterthurer Stadtschreiber Gebhart Heger verhindert werden. Er lud zusammen mit andern Ratsherren die Bauern in die Stadt zu Speis und Trank ein. Es sollen um die 1500 Männer gewesen sein, die so überzeugt werden konnten, vom Kloster abzuziehen. Dies kann aus den städtischen Aufzeichnungen geschlossen werden, die als «Ausgaben zum ‹Tösserkrieg›» abgebucht wurden.
Dass der Aufmarsch glimpflich ausging und nicht in einer blutigen Auseinandersetzung endete, war auch der Unsicherheit eines Erfolges geschuldet, da Leute aus den einflussreichen Zürichseegemeinden fehlten. Der letzte grosse Bauerntag führte Anfang Juni nochmals zu gewissen Unruhen. Insgesamt konnte der Rat von Zürich durch kleine Zugeständnisse und gutes Zureden das Ausbrechen einer gewalttätigen Auseinandersetzung verhindern. Die Unruhen verebbten im Kanton Zürich noch im Jahr 1525. In den Randregionen gingen diese nahtlos in die Täuferbewegung über.
Nachwirkungen Der Rat von Zürich war der klare Sieger der Konfrontation. Er bestand in den zentralen Anliegen darauf, dass er nicht in Rechte Dritter eingreifen werde. So blieben der Grossteil der Abgaben erhalten, und auch die kirchlichen Verhältnisse blieben unangetastet oder kamen unter städtische Kontrolle.
Heini Süsstrunk hingegen wurde zum Scharfmacher erklärt und in Form eines Exempels zum Tode verurteilt. Das Gericht entschied am 21. Februar 1526 auf Tod durch das Schwert, und er wurde sogleich hingerichtet. Dies erfolgte, weil er als Anführer der hartnäckigen Schar galt, die nicht der Einladung Winterthurs folgte. Süsstrunk stammte aus Gündlikon bei Wiesendangen und hatte 1508 zusammen mit seinen Brüdern den Spiesshof in Hünikon erworben.
Das Kloster Töss wurde nach dem Bauernsturm verstaatlicht. Aus den Einnahmen des Amts Töss wurden karitative Aktivitäten finanziert, Pfarrer besoldet und 1606 eine Schule gegründet.
Theaterstück Im Jahr 1924 schrieb Hans Kägi für die im Spätsommer stattfindende Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung in Winterthur das Theaterstück «Der Tösser Bauernsturm». Es wurde während der Ausstellung acht Mal vor insgesamt 15'000 Personen aufgeführt.
Literatur Hans Kläui: Aus der Geschichte der Kirchgemeinde Töss. Gedenkschrift zum 100-jährigen Bestehen der Kirche Töss. 1955, S. 15–16. Peter Niederhäuser: Von der Revolution zum Volkstheater: 500 Jahre Bauernsturm in Töss. In: Winterthurer Jahrbuch 2025. S. 166–171.
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte (Winterthur) Kategorie:Konflikt 1525 Kategorie:Reformation (Schweiz) Kategorie:Christentum im Kanton Zürich Kategorie:Bauernaufstand (Mittelalter)