Seelbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Villmar im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.
Geographie Seelbach grenzt mit seiner Gemarkung im Süden und im Osten an die Lahn und wird mit den nördlichen und östlichen Gemarkungsteilen der naturräumlichen Haupteinheit 312 des Weilburger Lahntalgebiets zugeordnet. Die südlichen Gemarkungsteile dagegen liegen in der Villmarer Bucht am Ostrand des Naturraumes 311, Limburger Becken. Der Ort liegt rund drei Kilometer nordöstlich von Villmar, rund zwölf Kilometer östlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn und etwa acht Kilometer südlich der Residenzstadt Weilburg an der Lahn. Die Lahn, die an dieser Stelle eine 90°-Kurve beschreibt, ist vom Ort selbst im Süden und im Osten jeweils rund einen Kilometer entfernt.
Die Seelbacher Gemarkung gehört zu den Ausläufern des Westerwaldes und grenzt im Lahntal an die Ausläufer des Hintertaunus. Die südlich und östlich gelegenen Lahnhänge und Lahntalabschnitte Seelbachs gehören zum europäischen FFH-Schutzgebiet „Lahntal und seine Hänge“ (Gebietsnummer 5515-303) im Natura 2000-Schutzgebietsnetz. beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Abgerufen am 16. Oktober 2011.
Die Gemarkung grenzt im Westen an den Runkeler Stadtteil Arfurt und in einigen kurzen Teilstücken an einen zur Kernstadt Runkel gehörenden Wald und im Norden an Wirbelau (ebenfalls Runkeler Stadtteil). Im Nordosten schließt sich Falkenbach an, im Südwesten Aumenau (beides Villmarer Ortsteile) und im Süden die Gemarkung des Hauptorts Villmar. An einem Punkt im Nordosten berührt die Seelbacher Gemarkung diejenige von Elkerhausen (Gemeinde Weinbach).
Der Ort besteht aus einem alten Ortskern und den daran vor allem südlich und südwestlich angeschlossenen Neubaugebiete. So ist ein entlang der Südwest-Nordost-Achse gestreckter Siedlungskörper entstanden. Auffällig sind die starken Höhenunterschiede innerhalb des Orts, die sich durch Straßen und Wege mit extremem Gefälle und zahlreiche hohe Stützmauern zur Terrassierung des Geländes ausdrücken. Die gesamte Gemarkung erstreckt sich über eine vergleichsweise ebene, nach Nordwesten ansteigende Fläche über der Lahn. Der Ort selbst befindet sich auf rund 200 Metern Höhe. Der höchste Punkt wird im nördlichsten Gemarkungsteil „Nauscheid“ nahe der L3020 („Alte Runkeler Straße“) und dem Hochbehälter des Wasserverbandes Georg-Joseph bei rund 305 Metern erreicht, der tiefste Punkt bei rund 125 Metern im südwestlichen Lahntal beim Bahnhof Arfurt.
Die Gemarkung wird von landwirtschaftlich genutzter Fläche beherrscht. Von den 714 Hektar der Gesamtgemarkungsfläche umfasst die landwirtschaftliche Nutzfläche 396 Hektar (Stand 1965).Armin Matthäus Kuhnigk: Villmar - Geschichte und Gestalt einer hessen-nassauischen Großgemeinde, Villmar 1. Auflage 1976, S. 98–102. Demgegenüber beträgt die Waldfläche 31 % der Gesamtfläche der Ortsteilgemarkung (Stand 1964). Bewaldet sind vor allem die Bereiche der östlichen und südlich gelegenen Lahnhänge. Nördlich der Ortsmitte beginnt entlang des oberen Seelbachtals ein Waldstreifen, der sich nach Norden hin verbreitert und übergeht in die Ausläufer des größeren Waldgebietes „Runkeler Wald“ entlang eines Höhenzuges, über den die historisch bedeutsame „Alte Runkeler Straße“ führt. Zwei kleinere Waldstücke befinden sich westlich des Ortes.
Seelbach selbst wird vom gleichnamigen Bach durchflossen, der aus Norden kommend der Lahn zustrebt. In etwa parallel verläuft am westlichen Gemarkungsrand der Linnebach, der in der Seelbacher Gemarkung entspringt und bei der Arfurter Kläranlage in die Lahn mündet. Im nördlich gelegenen Wiesental „Trieschstruth“ entspringt der Wirbelauer Bach, der nördlich zum Runkeler Stadtteil Wirbelau fließt und dann östlich davon gegenüber Gräveneck in die Lahn mündet.
Geschichte Urgeschichte Älteste archäologische Zeugnisse aus der Gemarkung sind ein im Jahr 1975 gefundenes Steinbeil aus Basalt aus der Zeit von 3500 bis 3200 v. Chr. und eine im Jahr 1983 gefundene, etwa 5000 Jahre alte Steinaxt aus Olivinbasalt mit unvollständiger Bohrung, die beide vom Landesamt für Denkmalpflege katalogisiert wurden und der Jungsteinzeit zugeordnet werden.Redaktionskreis "Heimatbuch" im Auftrag des Gemeindevorstandes des Marktfleckens Villmar aus Anlass des 850-jährigen Bestehens des Ortsteils Seelbach (Hrsg.): Seelbach 850 Jahre - 1154–2004, Villmar 2004, Seite 11–24.
Ersterwähnung Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Seelbach erfolgte unter dem Namen Selebach im Jahr 1154. Bereits im Jahr 1053 schenkte Kaiser Heinrich III. den Königshof Villmar an das Kloster Sankt Eucharius (später Sankt Matthias genannt) zu Trier. Erst in einem nachträglichen, ergänzenden Einschub auf einer Ausfertigung der Schenkungsurkunde jedoch sind Güter und Zehnten zu „Selebach“ erwähnt, weshalb erst die Bestätigungsurkunde aus dem 1154 als urkundliche Ersterwähnung angesehen werden kann.
Zum Zeitpunkt der Ersterwähnung waren die Herren von Isenburg als Vögte in Villmar auch die Herrscher über das Zentgericht Aumenau, zu dem auch Seelbach gehörte. Im Jahr 1366 fiel der Zentbereich an die Herren von Wied.
Mittelalter und frühe Neuzeit Ein bedeutendes Hofgut lag in den heute 'Ludwigsburger Feld' und 'Ludwigsburger Wiesen' genannten Gemarkungsteilen Seelbachs. Im Jahr 1307 wurde es erstmals als Hof Götzenboden (Getzimbudem) des Klosters Beselich urkundlich erwähnt, wurde als 'Hof Ludwigsburg' im Jahr 1578 an die Grafschaft Wied-Runkel eingetauscht, im 17. Jahrhundert als Sitz der Wied-Runkeler Gräfin Eleonore vorübergehend in 'Eleonorenburg' umbenannt und um 1840 als 'Ludwigsburger Hof' niedergelegt.Redaktionskreis "Heimatbuch" im Auftrag des Gemeindevorstandes des Marktfleckens Villmar aus Anlass des 850-jährigen Bestehens des Ortsteils Seelbach (Hrsg.): Seelbach 850 Jahre – 1154–2004, Villmar 2004, Seite 155–158.
Das älteste heute noch in einem guten Zustand befindliche Gebäude ist der Colonius-Hof von 1707, der die beiden großen Brände überstand.
Neuere und neueste Geschichte Im Jahr 1925 errichtete der Turnverein eine Turnhalle, die auch für Feste und andere Zusammenkünfte diente. 2004 wurde an ihrer Stelle die „Seelbachtalhalle“ als neue Gemeinschaftshalle fertiggestellt. Im Jahr 1947 entstand kurz nach dem Zusammenschluss von Turn- und Sportverein ein neuer Sportplatz, 1992 ein neues Sportlerheim. 1975 wurde ein Kindergarten gebaut, 1985 ein neues Feuerwehrhaus.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Villmar, Falkenbach, Langhecke und Seelbach zum 31. Dezember 1970 auf freiwillig zur neuen Gemeinde Villmar. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Seelbach angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft (seit 1791 Fürstentum) zu Wied-Runkel, Amt oder Herrschaft Runkel 1806–1813: Großherzogtum Berg,Infolge des Friedens von Tilsit. Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Runkel (ab 1811 Kanton Hadamar) 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Runkel ab 1816: Herzogtum Nassau,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Amt Runkel ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt LimburgAbtrennung der Justiz (Justizamt Runkel) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Runkel ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, OberlahnkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Runkel) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Oberlahnkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Oberlahnkreis ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Oberlahnkreis, Gemeinde VillmarAm 31. Dezember 1970 wurde Seelbach als Ortsteil der Gemeinde Villmar eingegliedert. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Villmar ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Villmar
Kirchengeschichte mini|hochkant|Kirche
Kirchlich war Seelbach im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Villmar zugeordnet. Im 14. Jahrhundert wurde eine Kapelle im Ort errichtet, so dass ein Teil der Seelsorge dort stattfinden konnte. 1489 erhielt Seelbach einen eigenen Kaplan. Zwischen den Jahren 1560 und 1570 wurde im Ort die Reformation eingeführt. 1624 wurde der Ort zum Mittelpunkt eines Kirchspiels, dem auch Aumenau und Falkenbach angehörte. In Seelbach wurde zudem eine Kirchspielschule eingerichtet. 1766 wurde die alte Kapelle abgerissen. Im folgenden Jahr zerstörte am 18. Oktober ein Brand das Pfarrhaus, 37 Wohnhäuser, 33 Scheunen und 39 Nebengebäude. Im Jahr 1772 wurde eine neue Kirche eingeweiht. Ein zweiter großer Brand am 30. August 1873 zerstörte Kirche, Pfarrhaus, Schule, 72 Wohnhäuser und 139 Nebengebäude. 1876 wurde die heute noch vorhandene Kirche eingeweiht, zwei Jahre später eine neue Schule. 1924 löste sich Aumenau aus dem Pfarrverband, 1957 auch Falkenbach. Im Jahr 1969 wurde die Volksschule aufgelöst. Die Seelbacher Kinder gehen in Villmar und Runkel zur Schule. Das ehemalige Schulgebäude befindet sich heute in Privatbesitz.
Wirtschaftsgeschichte Neben der Landwirtschaft war Seelbach wirtschaftlich vom Abbau kleinerer Vorkommen von Bodenschätzen in der Umgebung geprägt: Basalt, Eisenerz, Mangan, Schiefer, Kalkstein, Lahnmarmor, Ocker, Bruchsteine, Sand und Kies. Keiner dieser Rohstoffe wird heute mehr abgebaut. In der Lagerstättenkarte von 1885 waren noch zwölf Grubenfelder in Seelbach verzeichnet.Redaktionskreis "Heimatbuch" im Auftrag des Gemeindevorstandes des Marktfleckens Villmar aus Anlass des 850-jährigen Bestehens des Ortsteils Seelbach (Hrsg.): Seelbach 850 Jahre - 1154–2004, Villmar 2004, Seite 64–81.
In den Jahren 1894 und 1896 legte die 'Lahnkalkwerk Auerberg GmbH' zwei Kalköfen im Lahnhang in der Gemarkung Nieder-Auerberg an. Ein Nebengleis der Lahntalbahn zur Güterverladung war ebenfalls vorhanden. Die Initiative zur Einrichtung einer 'Personenhaltestelle Auerberg' an der Lahntalbahn und die weitgehende Finanzierung der Haltestelle gingen ebenfalls von dieser Firma aus. Die Personenhaltestelle erhielt den Namen 'Bahnhof Arfurt' und ist bis heute der einzige Wellblechbahnhof Deutschlands.
Bei „Heymanns Mühle“ im unteren Seelbachtal zwischen Seelbach und Arfurt führte um 1860 der junge Chemiker Fritz Muck, der später als Begründer der Steinkohlenchemie im Ruhrgebiet bekannt wurde, einen Ockerfarbenbetrieb.Paul Gerhard Lameck: Dr. Fritz Muck - Der Begründer der Steinkohlenchemie im Ruhrgebiet, Witten 1937, Seite 53 ff. Muck stellte dort aus vor Ort abgebautem Ocker Erdfarben in gelben, braunen, kreßfarbenen und auch grünen Farbtönen her, wobei besonders das so genannte „Arfurter Grün“ geschätzt wurde.. Abgerufen am 19. Oktober 2011.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Einwohnerstruktur 2011