mini|Ev. Stadtkirche Dornhan Die Stadtkirche in Dornhan, Landkreis Rottweil, Baden-Württemberg ist die evangelische Pfarrkirche für Dornhan und steht unter Denkmalschutz. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Rottweil der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte Um das Jahr 1000 stand vermutlich bereits eine Holzkirche am heutigen Standort der Kirche in Dornhan. Diese frühe Kirche entstand im Zuge der fränkischen Missionierung der alemannischen Bevölkerung und gehörte zu einem von Hansmartin Decker-Hauff nachgewiesenen System sogenannter „M-Zentren“ im Gebiet des ehemaligen Bistums Konstanz, in denen jeweils vier Kirchen den Patrozinien Martin, Michael, Mauritius und Maria gewidmet waren. Der ursprüngliche Name der Kirche war Marienkirche, wurde jedoch im Laufe der Zeit durch die gebräuchliche Bezeichnung Stadtkirche weitgehend verdrängt.

1273 wird die Pfarrkirche in Dornhan erwähnt, als sie dem Kloster Alpirsbach inkorporiert wurde. Sie trug das Patrozinium „Unserer lieben Frau“. Zu ihrem Sprengel gehörten auch die Orte Busenweiler, Betzweiler, Gundelshausen sowie bis ins 16. Jahrhundert auch Neunthausen und Niederdobel. Im Ort gab es außerdem eine Klause der Dominikaner-Terziarinnen (vor 1360/70 bis 1538/62).Klöster in Baden-Württemberg: Dominikanerinnenkloster Dornhan

Die ursprünglich romanische Westturmanlage der Dornhaner Kirche mit ihren großen Buckelquadersteinen am Turm, insbesondere an der Nordseite, sowie plastischen Skulpturen an Chor und Sakristei, hat einen spätgotischen Chor von 1510. In der Kirche befanden sich seit dem 15. Jahrhundert Altäre, die dem heiligen Nikolaus (1417), dem heiligen Antonius (1467) und den Heiligen Drei Königen (1467) geweiht waren.

Ein großer Stadtbrand machte 1510 einen Neubau der Kirche erforderlich, der im Stil der Spätgotik ausgeführt wurde. Eine am Chor angebrachte lateinische Inschrift besagt sinngemäß, dass dieser Chor erbaut und geweiht wurde, ohne jedoch eine vollständige Jahreszahl zu nennen. Erst die Entdeckung einer zweiten Inschrift mit arabischen Ziffern 1.5.1.0. lieferte den eindeutigen Beweis, dass Chor und Kirchenschiff im Jahr 1510 fertiggestellt wurden. Eine weitere, darunter angebrachte Jahreszahl verweist auf eine spätere Renovierung, möglicherweise im Jahr 1741.

1534/35 führte Württemberg in Dornhan und Alpirsbach die Reformation ein und übte seither das Patronatsrecht namens des Klosters aus.

Am 25. Juli 1718, dem Jakobustag, wurde Dornhan durch ein schweres Unwetter und einen daraus resultierenden Stadtbrand nahezu vollständig zerstört. Auch die Kirche wurde schwer beschädigt. Bereits 1719 wurde sie wieder aufgebaut und neu eingeweiht. Davon zeugen das barocke Eingangsportal an der Nordseite sowie die Sakristeitür mit der Jahreszahl 1719. Eine Gedenktafel im Kircheninneren erinnert an den Brand von 1718 und deutet ihn im theologischen Zusammenhang des Jakobustages.

Im 20. und 21. Jahrhundert fanden mehrere Renovierungen statt. 1964/65 wurde eine grundlegende Innenrenovierung durchgeführt, bei der die Kirche heller und freundlicher gestaltet wurde, die Kanzel näher an die Gemeinde rückte und die spätgotischen Malereien wieder freigelegt wurden. 1994 folgten der Einbau einer neuen Warmluft-Bodenheizung, eine neue Beleuchtung, neue Kirchenbänke, eine neue Liedanzeige sowie ein erneuter Deckenanstrich durch einen Restaurator. 1997 wurde der Kirchturm renoviert. 2013 erfolgte die Sanierung des Kirchendachs und der Außenfassade; ein während der Dacharbeiten entstandener Wasserschaden machte zusätzlich eine Renovierung der Decke, der Elektrik und der Innenwände erforderlich.

Architektur und Ausstattung Die Stadtkirche vereint romanische, gotische und barocke Bauelemente. Die Kirche ist geostet, mit dem Turm im Westen und dem Chor im Osten. Nachweislich erfolgte der ursprüngliche Zugang durch den Turm von Westen her.

Der 36 Meter hohe Turm mit seinen Rundfenstern, Buckelquadersteinen und erhaltenen Kleinskulpturen verweist auf den romanischen Ursprung. An Chor und Sakristei befinden sich mehrere romanische Skulpturen, darunter ein nach Osten blickendes Gesicht mit aufgeblasenen Backen, das böse Geister vertreiben sollte. Es erinnert in seiner Gestaltung an Figuren des Hirsauer „Eulenturms“ aus dem 11. Jahrhundert. Ein weiteres sogenanntes Eulengesicht unter dem Dachtrauf sowie ein romanischer Löwe auf dem Fenstersims der Sakristei sind als Schutz- und Wächterfiguren zu deuten. Unter dem Sakristeigesims befindet sich eine besonders alte Skulptur mit aufgeblasenen Backen, die ursprünglich vermutlich nicht als Wasserspeier gedacht war und als das älteste Kunstzeugnis Dornhans gilt.

Der gotische Neubau von 1510 zeigt sich besonders im Chor mit seinem Gewölbe, den schlanken Fenstern und den Wand- und Deckenmalereien. Diese Malereien aus spätgotischer Zeit zeigen Heilpflanzen wie Klee, Farn und Türkenbund und verweisen symbolisch auf Heil an Leib und Seele. Von den Schlusssteinen im Chorgewölbe ist nur derjenige mit dem Rad der heiligen Katharina von Alexandrien original erhalten. Die übrigen Schlusssteine wurden bei der Renovierung 1964/65 gestaltet und zeigen unter anderem drei Rosen als Marienzeichen, drei Goldklumpen in Erinnerung an die Nikolauslegende und drei Ringe als Symbol der Dreieinigkeit.

Das barocke Eingangsportal an der Nordseite stammt aus der Zeit der Wiedereinweihung 1719 und ist mit ornamentalen Verzierungen und Engelsfiguren versehen. Die Sakristeitür von 1719 zeigt in gebrannter Arbeit das Motiv des Lebensbaums und verweist auf das Wort Jesu „Ich bin die Tür“ .

Im Inneren befinden sich mehrere Grabtafeln, darunter eine stark abgetretene Platte des Ritters Johannes aus Alpirsbach aus dem 15. Jahrhundert, der Grabstein des 1417 gestorbenen Pfarrers Johannes Molitor sowie eine barocke Gedenktafel eines Vogts aus dem 18. Jahrhundert. An der Südwand erinnert eine Tafel an den Stadtbrand von 1718.

Der Taufstein und der Altar stammen von dem Künstler Albert Volz aus Altbulach. Der Taufstein zeigt auf einer Seite Menschen, die sich an diese Welt klammern und ins Verderben sinken, auf der anderen Seite das Aufsteigen zum neuen Leben durch die Taufe als Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus nach .

Chorfenster Die Chorfenster wurden in den Jahren 1950 und 1955 von Adolf Valentin Saile entworfen und ausgeführt. Sie zeigen links die Menschenschuld und deren Folgen durch Sündenfall, Brudermord, Sintflut und Turmbau zu Babel, in der Mitte das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi und rechts Visionen des Gerichts und der Vollendung der Welt aus der Offenbarung des Johannes.Ehrenfried Kluckert, Axel Zimmermann (Bearb.): Adolf V. Saile - Städtische Galerie Filderstadt, Kleines Kunst-Kabinett Bernhausen; vom 13.10.1985 - 6.11.1985. (Hrsg.) Städtische Galerie Filderstadt; Band 1: Ausstellungskatalog, Band 2: Werkverzeichnis; Filderstadt 1985 (Werkverzeichnis Nr. 1a/55/3). Ein Südfenster aus der Zeit um 1905 nach einem Entwurf von Rudolf Yelin dem Älteren zeigt die Begegnung des auferstandenen Christus mit Maria Magdalena (Noli me tangere). Es wurde in der Rottweiler Glasmalerei Ludwig Wilhelm (ab 1946: W. Derix) gefertigt. Das Tauffenster von 1995, entworfen von dem Ulmer Künstler Hermann Geyer, stellt unterhalb der Maßwerk-Symbole der Dreieinigkeit das „Wasser des Lebens“ in seinen wichtigsten Funktionen dar (von unten nach oben): die Reinigung (von Schuld: blutrote Kleidung wird weiß), die Lebensgrundlage für die Schöpfung (Fische, Säugetiere, Vögel) und die Abgrenzung (der Nil als Grenze zwischen Knechtschaft und Freiheit). Es wurde in der von 1946 bis 2003 existierenden Rottweiler Glaswerkstatt des Wilhelm Derix gefertigt.

Orgel 1894 errichtete die Orgelbaufirma Gebr. Link mit einer Spende von John Buehler an seine Heimatstadt auf der Empore eine Orgel mit 20 Registern auf zwei Manualen und Pedal. 1964 wurde sie durch eine Orgel mit einem Freipfeifenprospekt der Firma Walcker im Chorraum ersetzt. Teilweise wurden darin Pfeifen des Vorgängerinstruments weiterverwendet. 1994 und 2011 wurde die Orgel gereinigt und neu intoniert.

Kirchturm und Glocken Der Turm beherbergt das Türmerstübchen, das von Schülern der Realschule fantasievoll eingerichtet wurde, sowie das Uhrwerk, das 1992 durch ein funkgesteuertes elektronisches Uhrwerk ersetzt wurde.

Das Geläut besteht aus vier Glocken, die 1965 von der Glockengießerei Bachert als Ersatz für im Zweiten Weltkrieg als Metallspende eingeschmolzene Glocken gegossen wurden. Die kleinste Glocke ist die Taufglocke, dazu kommen die Vaterunserglocke, die 15-Uhr-Glocke und die Schiedglocke, die bei Todesfällen allein geläutet wird.

Weblinks

Website der Kirchengemeinde Datenbank Bauforschung/Restaurierung Baden-Württemberg: Ev. Kirche Dornhan

Einzelnachweise

Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Rottweil Stadtkirche Stadtkirche Kategorie:Marienkirche Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Gotisches Bauwerk im Landkreis Rottweil Kategorie:Ersterwähnung 1273 Kategorie:Erbaut 1510 Kategorie:Kirchengebäude in Europa