mini|Claude W. Sui präsentiert die Heliografie von Joseph Nicéphore Niépce (1826) im Rahmen der Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie“, 6. November 2012, in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Claude Wing Sui (* 1959 in Darmstadt) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Fotohistoriker und Kurator. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Geschichte und Theorie der Fotografie, insbesondere der frühen Fotografie des 19. Jahrhunderts, der fotografischen Archiv- und Sammlungsgeschichte sowie der deutschen Fotografie des 20. Jahrhunderts.Jos: „Kulturgestalter“ in Sachen Fotografie. In: Mannheimer Morgen, 7. Mai 2018.
Leben und Ausbildung
Claude Wing Sui wurde 1959 in Darmstadt geboren.Robert Häusser. Das photographische Werk 1940–2000. Edition Braus im Wachter Verlag, Heidelberg 2000, ISBN 3-926318-61-9, S. 586. Er ist der Sohn eines chinesischen Vaters und einer französischen Mutter.Julika Sandt: „Der Künstler als sensibler Seismograph. Claude Sui-Bellois: Auseinandersetzung mit Isolierung, Entfremdung und Einsamkeit“, Mainzer Zeitung, 23. September 1993, S. 11.
Sui absolvierte von 1980 bis 1983 eine Schauspielausbildung am Max Reinhardt Seminar in Wien, die er mit Diplom abschloss.Die Neue Theatersaison 1983/84. Neu verpflichtet am Oldenburgischen Staatstheater. „Nordwest-Zeitung“, Nummer 196, 24. August 1983, S. 2 Anschließend erhielt er Engagements am Staatstheater Oldenburg, am Schlosstheater CelleSpielzeit 85/86, Eine Saison vieler Stimmen und Stimmungen steht bevor. „Cellesche Zeitung“, 10. Augsut 1985, S. 40. sowie am Theater an der Ruhr in Mülheim an der Ruhr unter der Leitung von Roberto Ciulli.Astrid Hoyer: Marathon am Raffelberg: Dafür sind wir Schauspieler! "Neue Ruhr Zeitung", Nummer 225, 26. September 1987. Der Wunsch nach einer Veränderung und nach weiteren künstlerischen Ausdrucksformen führte ihn zur Kunst. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studierte Sui am Fachbereich Bildende Kunst im Studiengang Freie Bildende Kunst mit dem Fachgebiet Malerei. Die Diplomprüfung bestand er am 25. September 1992 mit der Gesamtnote „sehr gut“. Anschließend absolvierte er mit einem Förderstipendium der Johannes Gutenberg-Universität ein Vertiefungsstudium als Meisterschüler bei Klaus Jürgen-Fischer.„Zeitung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, JOGU“, Nummer 142, 22. Jahrgang, April 1994, S. 4
Bereits bei seinen Arbeiten im Bereich der Copy-Art verwendete Sui den Künstlernamen Claude Sui-Bellois, der sich aus dem Familiennamen seines Vaters Sui und dem Familiennamen seiner Mutter Bellois zusammensetzte. 1990 erhielt er den Rudi-Baerwind-Preis der Akademie der Künste Mannheim. Im Zusammenhang mit der Preisverleihung wurden seine Copy-Art-Arbeiten im Mannheimer Kunstverein (Foyer) ausgestellt. Seine Copy-Art-Serie Passionale Stationen: Gedankenskizzen zu einem Bilderzyklus wurde von Jutta Hülsewig-Johnen und Bernhard Holeczek mit Katalogtexten begleitet.Ausstellungskatalog: Claude Sui-Bellois "Passionale Stationen" Brausdruck GmbH, Heidelberg 1992 Die Arbeiten thematisierten Prozesse der Depersonalisierung und die Auflösung des Selbst. Die Ausstellung wurde vom 28. November 1991 bis zum 5. Januar 1992 in der Kunsthalle Bielefeld, vom 9. Mai bis zum 7. Juni 1992 im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein sowie im Augustiner-Museum, Schwarzes Kloster in Freiburg vom 23. September bis 27. Oktober 1992 gezeigt.
Zwischen 1990 und 1998 fanden weitere Ausstellungen seiner Malerei statt. Zu den Ausstellungsorten gehörten die Städtische Galerie Leinfelden-Echterdingen anlässlich einer Tagung der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL) (1992), die Städtische Galerie am Markt (28. Januar bis 13. März 1994), der Kunstverein Augsburg im Holbein-Haus (16. März bis 24. April 1994)Ausstellungskatalog: Claude Sui-Bellois "finale Stationen", Isabella Fehle (Hrsg.), Schwäbisch Hall, 1994, der Hospitalhof Stuttgart (17. März bis 16. April 1995)Ausstellungskatalog: Claude Sui-Bellois "Torsi und Exterminationen 1994", Helmut A. Müller (Hrsg.)sowie das Landesmuseum Mainz (1998). Zu mehreren Ausstellungen erschienen Kataloge. Neben dem Rudi-Baerwind-Preis erhielt Sui-Bellois 1990 den Daniel-Henry-Kahnweiler-Förderpreis für Malerei in Rockenhausen.Claude Sui-Bellois: Kartografische Chiffren 1990–1998. Ausstellungskatalog anlässlich der Verleihung des Paul-Strecker-Preises und der Ausstellung im Landesmuseum Mainz, 1998, S. 61. ISBN 3-932310-09-8 1998 wurde ihm der Paul-Strecker-Preis für Malerei in Mainz verliehen. Anlässlich der Preisverleihung und der Ausstellung im Landesmuseum Mainz erschien der Katalog Kartografische Chiffren 1990–1998 konzentrierte sich auf eine Schwarz-Weiß-Malerei, die von asiatischer Kalligrafie und Tuschemalerei beeinflusst war. Seine Arbeiten griffen unter anderem Motive und Vorlagen der europäischen Kunstgeschichte auf und setzten sich in semi-figurativer Weise mit existenziellen Themen wie der ausgesparte Mensch, Krieg und Zerstörung auseinander. Eine Werkgruppe mit dem Titel Extermination verband Motive von Palimpsesten und Luftbildern mit kartografisch anmutenden Bildräumen. Während des Studiums der Malerei beschäftigte sich Sui zunehmend mit Kunstgeschichte. Er studierte Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Mainz und Frankfurt am Main. 2001 wurde er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit einer Dissertation über das fotografische Werk von Robert Häusser zum Dr. phil. promoviert. Betreuer der Dissertation war Prof. Dr. Klaus Herding.Claude Wing Sui: „Bewusst sehen ist ein permanentes Abenteuer“. Studien zum fotografischen Werk von Robert Häusser 1940–2000. Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie im Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2001.
Beruflicher Werdegang Von 1996 bis 2001 war Sui künstlerischer Direktor und Ausstellungskurator des Deutsch-Französischen Forum d’art franco-allemand im Château de Vaudrémont in Vaudrémont bei Colombey-les-Deux-Églises (Haute-Marne, Grand Est). Von 2002 bis 2025 war er Leiter und Kurator des mit seinem Amtsantritt neu eingerichteten Forum Internationale Photographie (FIP), das er von Grund auf konzipierte und als neuen fotografischen Sammlungs- und Ausstellungsbereich aufbaute.Claude W. Sui: „Das Forum Internationale Photographie am Curt-Engelhorn-Zentrum der Reiss-Engelhorn-Museen feiert 2012 sein zehnjähriges Bestehen“. In: Mannheimer Geschichtsblätter, Ausgabe 25/2013, S. 145–147. In diesen Funktionen betreute er mehrere fotografische Archive und Sammlungen, darunter das Helmut-Gernsheim-Archiv, das Robert-Häusser-Archiv sowie die historische Reisefotografie der Geschwister Reiss aus dem 19. Jahrhundert. Ab 2014 war er zudem Abteilungsleiter für die Abteilung Kunst- und Kulturgeschichte an den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. mini|Claude W. Sui führt am Eröffnungsabend den Schirmherrn S.H. Sheikh Madschid bin Muhammad Al Maktum, Präsident der Dubai Culture & Arts Authority durch die Ausstellung To the Holy Lands. Pilgrimage Centres from Mecca and Medina to Jerusalem, 15. September 2008 im Dubai International Financial Centre (DIFC) in Dubai. 2006 präsentierte Sui aus den historischen Sammlungsbeständen der Geschwister Reiss die Ausstellung Ins Heilige Land. Pilgerstätten von Mekka und Medina bis Jerusalem. Photographien aus dem 19. Jahrhundert. Gezeigt wurden unter anderem frühe Aufnahmen von Pilgern an der Kaaba von Sadiq Bay sowie Fotografien des aus Mekka stammenden Arztes al-Sayyid Abd al-Ghaffar. Im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit dem Orientalisten Prof. Dr. Jan Just Witkam, Professor für Handschriftenkunde der islamischen Welt an der Universität Leiden und ausgewiesener Kenner des Snouck-Hurgronje-Archivs, konnte ein Schriftstück von Abd al-Ghaffar identifiziert werden. Daraus geht hervor, dass Abd al-Ghaffar im Auftrag von Christiaan Snouck Hurgronje in die fotografische Technik eingewiesen wurde und als erster Mekkaner mit dieser neuen Technik in Berührung kam. Auf dieser Grundlage ordnete Sui Abd al-Ghaffar als den ersten bekannten Fotografen aus Mekka in der Forschung zur arabischen Fotografie ein. Durch die Analyse der einzelnen Aufnahmen erkannte Sui zudem, dass drei Fotografien als zusammengehörige Bildfolge eines Panoramas aufgenommen worden waren. Er fügte die drei Einzelaufnahmen digital zu einem Panoramabild des Pilgerlagers am Berg Arafat zusammen und rekonstruierte damit die ursprüngliche Bildwirkung.Claude W. Sui: „Al-Sayyid al-Ghaffar und seine Stellung in der arabischen Photographie“. In: Ins Heilige Land. Pilgerstätten von Mekka und Medina bis Jerusalem. Photographien aus dem 19. Jahrhundert aus den Sammlungen der Reiss-Engelhorn-Museen, 2008, S. 56–61. ISBN 978-3-89904-339-6.
Die Ausstellung wurde vom 15. September bis 4. Oktober 2008 im Dubai International Financial Centre (DIFC), Lobby V, Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, in einer überarbeiteten Konzeption unter dem Titel To the Holy Lands. Pilgrimage Centres from Mecca and Medina to Jerusalem. A Photographic Exhibition of the Late 19th Century präsentiert. Sie war im selben Jahr konzipiert worden, in dem im März 2008 die Dubai Culture & Arts Authority (DCAA) gegründet wurde. Die Eröffnung fand im Beisein von S.H. Sheikh Madschid bin Muhammad Al Maktum, Präsident der DCAA, statt. Die Ausstellung präsentierte im Gründungsjahr der DCAA erstmals die Anfänge der arabischen Fotografie in diesem institutionellen Rahmen.Claude W. Sui, Michael Tellenbach, Tobias Wüstenbecker: „Die Ausstellung ,To the Holy Lands. Pilgrimage Centres from Mecca and Medina to Jerusalem“. In: Mannheimer Geschichtsblätter, remmagazin 16/2008, S. 162–165. ISBN 978-3-89735-571-2. Sui war 2010 Vorsitzender der Jury des Hasselblad Award. Der Jury gehörten außerdem Ariella Aïsha Azoulay, Vladimír Birgus, Sérgio Mah und Mette Sandbye an. Preisträgerin des Hasselblad Award 2010 wurde Sophie Calle.Sophie Calle Hasselblad Award Winner 2010 https://www.hasselbladfoundation.org/en/sophie-calle-2/
Im Jahr 2012 kuratierte Sui anlässlich des 100. Geburtstags von Helmut Gernsheim die Ausstellung Die Geburtsstunde der Fotografie – Meilensteine der Gernsheim-Collection. Darin wurde die als älteste erhaltene dauerhafte fotografische Aufnahme geltende Heliografie von Joseph Nicéphore Niépce erstmals außerhalb des Harry Ransom Center der University of Texas at Austin und erstmals in Europa präsentiert. Die Heliografie war seit der Übernahme der Historischen Gernsheim-Sammlung durch das Harry Ransom Center im Jahr 1962 nicht an eine andere Institution ausgeliehen worden. In Kooperation mit dem Harry Ransom Center wurden Teile der Historischen Gernsheim-Sammlung, darunter Niépces Heliografie, erstmals gemeinsam mit der Zeitgenössischen Gernsheim-Sammlung des Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen gezeigt. Die Ausstellung war vom 9. September 2012 bis zum 6. Januar 2013 zu sehen und verband die Anfänge der Fototechnik mit der Entwicklung unterschiedlicher fotografischer Richtungen vom 19. bis zum 20. Jahrhundert.Langer, Freddy: „Der Urknall der Fotografie“, FAZ, 6. November 2012.Landmann, Antje: „Mr. Photography. Eine Sensation hat Claude W. Sui der Region beschert“, Die Rheinpfalz, 20. November 2020.Claude W. Sui: „Die Geburtsstunde der Fotografie. Meilensteine der Gernsheim Collection“. In: Mannheimer Geschichtsblätter, Ausgabe 25/2013, S. 149–150.