mini|hochkant|Anna Mehlig (1892)
Anna Mehlig (später verheiratete Falk-Mehlig, * 11. Juni 1846 in Stuttgart; † 20. Juli 1928 in Berlin) war eine deutsche Pianistin.
Leben Anna Mehlig wurde am 11. Juni 1864 als Tochter von Heinrich Mehlig und Emilie Mehlig (geb. List) in Stuttgart als erstes von fünf Kindern geboren. Ihr Vater war als Chorist am Hoftheater Stuttgart angestellt. Von ihm erhielt sie ersten musikalischen Unterricht in der Kindheit. Bald wurde ihr Talent von Sigmund Lebert entdeckt, der zu diesem Zeitpunkt die Gründung einer Musikhochschule in Stuttgart plante. Da Anna Mehligs Eltern nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügten, die dafür nötigen Ausbildungskosten zu tragen, übernahm das Konservatorium diese während der gesamten Ausbildung.
Schon bald galt Anna Mehlig als eine der besten Schülerinnen des Konservatoriums. Im Alter von 12 Jahren trat sie das erste Mal öffentlich im Rahmen der Prüfungskonzerte der Lehranstalt auf. Zur gleichen Zeit (1860) wurde ihre jüngere Schwester Bertha Mehlig geboren, die ebenfalls Pianistin werden sollte. Mit 15 Jahren, also im Jahr 1861, spielte sie das erste Mal im Abonnementskonzert der Stuttgarter Hofkapelle. Ab 1862 erhielt sie zusätzlichen Unterricht bei Dionys Pruckner.
1864 unternahm sie ihre erste Konzertreise, die sie nach Augsburg, München, Nürnberg und später nach Leipzig führte. Hier spielte sie Ignaz Moscheles vor, der ihre von Sigmund Lebert unterrichtete Anschlagsweise kritisierte.
Diese von Moscheles geäußerte Kritik an ihrem Spiel hielt aber die Professoren der Stuttgarter Musikschule nicht davon ab, sie schon als Schülerin als ebenbürtige Kammermusikpartnerin für ihre eigenen Musikveranstaltungen zu sehen. So engagierte sie der Stuttgarter Violin-Professor Edmund Singer für seine "Quartett-Soiréen" quasi jedes Jahr, um mit ihm und seinem Streichquartett Kammermusikwerke – hauptsächlich von Robert Schumann und Ludwig van Beethoven- aufzuführen.
1866 wurde sie zur Hofpianistin von Weimar und Württemberg ernannt. Im selben Jahr gastierte sie auch das erste Mal in London, wo sie für ihr Klavierspiel gefeiert wurde. Am 11. Juli 1866 spielte sie unter der Leitung von Arthur Sullivan Ignaz Moscheles "Recollections of Ireland". Letztgenannter war bei der Aufführung in der St. James Hall im Saal anwesend. Die englische Presse war so begeistert von ihr, dass sie von da an jedes Jahr im Frühling in die englische Hauptstadt reiste. Dort trat sie unter anderem bei den Popular Concerts im Crystal Palace auf.
Im Herbst verbrachte sie zusammen dem Cellisten David Popper zwei Wochen in Friedrichshafen als Gäste des württembergischen Königspaars (Kloster Hofen). Anschließend konnte sie bei einem Konzert in Karlsruhe mit der Pauline Viardot-Garcia auftreten, bei dem sie die Sängerin bei Vortrag eigener Kompositionen auf dem Klavier begleitete.
Im Frühling des Jahres 1869 hielt sie sich mehrere Monate in Weimar auf, wo sie bei Franz Liszt ihr Klavierspiel weiter verfeinerte. Zur selben Zeit waren auch Anton Rubinstein und Franz Servais dort, mit denen sie sich anfreundete. Über die Unterrichtsmethoden von Franz Liszt zu dieser Zeit berichtete die amerikanische Pianistin Amy Fay in ihrem Buch "Music-Study in Germany: From the Home Correspondence of Amy Fay", das 1880 erschien und in dem Anna Mehlig für Vergleiche mit anderen Pianisten beschrieben wird.
Von November 1869 bis Juni 1873 reiste sie auf Einladung von Steinway durch die Vereinigten Staaten, wo sie das zeitgenössische Klavierrepertoire (hauptsächlich Liszt, Schumann, Chopin) bekannt machte. 1870 ernannte sie die New York Philharmonic Society zum Ehrenmitglied. Während ihrer Amerikatournee wurde sie meist von Theodore Thomas und seinem Orchester begleitet. Während dieser Zeit hörte sie auch der amerikanische Schriftsteller Henry Wadsworth Longfellow in einem Konzert, was er in seinem Tagebuch festhielt. Im November 1871 fuhr Anna Mehlig wieder kurz nach Deutschland, um an einer Konzertreihe des Konzertunternehmers Ullmann teilzunehmen. Sie ersetzte den Pianisten Alfred Jaëll, der auf Grund eines Vertrags mit dem Klavierhersteller Sébastien Érard während des Deutsch-Französischen Kriegs nicht in Deutschland auftreten konnte. Anfang des Jahres 1872 fuhr sie wieder in die Vereinigten Staaten, wo sie in Boston, New York, St. Louis, San Francisco, Portland, Chicago, Baltimore, Philadelphia und Worcester auftrat. Neben Theodore Thomas zählten die beiden Sängerinnen Clara Louise Kellogg (Sopran) und Antoinette Sterling (Alt) in New York zu ihren bevorzugten Musikerinnen, mit denen sie regelmäßig auftrat. Clara Louise Kellogg kannte sie seit gemeinsamen Auftritten im Mai 1868 in London, bei denen sie unter anderem Beethovens Chorfantasie aufführten.
1874 reiste sie durch Ostpreußen. Ein Jahr später, 1875, konzertierte sie in Wien bei den Wiener Philharmonikern, in Prag und Budapest. Sie gab dabei auch selbst organisierte Konzerte zusammen mit Sophie Menter und David.
Im März spielte sie in Mailand. Danach gab sie in Florenz ein Konzert. Im Oktober desselben Jahres gastierte sie in London, Glasgow und Brüssel und trat mit August Wilhelmj, Sir Julius Benedict, Arthur Sullivan, Wilma Neruda, Annette Essipoff und Sophie Löwe auf. 1876 reiste sie zusammen mit Friedrich Grützmacher und Edmund Singer über Basel nach Mailand, wo man ihr zu Ehren als „Mehlig-Concerts“ bezeichnete Kammermusikabende veranstaltete. Danach spielte sie in Rotterdam, London, Dublin, Brüssel und Manchester. Im Sommer war sie zu Gast bei den ersten Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth.
Im November 1876 trat sie in Brüssel, London und Manchester auf, wo sie unter anderem mit Jenny Lind und Marie Krebs auf der Bühne stand. Im Frühling des Jahres 1877 spielte sie wieder in London und Manchester. Ihre Auftritte in der St. James's Hall mit Pablo de Sarasate am 11. April 1878 sowie am 18. April 1878 zählten zu den Höhepunkten der Konzertsaison. Nach weiteren Reisen auf die Insel gastierte sie im Oktober 1878 im Baltikum, namentlich in Riga und Reval (Tallinn). Im Januar 1879 spielte sie Konzerte in Prag. Danach reiste sie wieder für die Frühlings-Konzerte nach Brüssel, Antwerpen, London und Oxford. Im Herbst spielte sie in London, Manchester und Den Haag. 1880 gab sie ihre letzte große Tournee, die sie nach Den Haag, Amsterdam, Utrecht, Rotterdam, London und Manchester führte.
Im Sommer 1880 heiratete sie den Antwerpener Kaufmann Rudolf Falk. Die Hochzeitsfeier fand in der Stuttgarter Hofkirche und im Hotel Marquardt statt. 1882 wurde in Antwerpen ihr gemeinsamer Sohn Oscar geboren. 1883 folgte ihr zweiter Sohn Franz. Als Franz Liszt 1885 auf der Durchreise nach London in Antwerpen Station machte und von den örtlichen Musikern gefeiert wurde, stellte Anna Falk-Mehligs Auftritt mit ihrer Interpretation seines ersten Klavierkonzerts den Höhepunkt der Festspiele dar.
Zu ihren Kammermusikpartnern in Antwerpen gehörten die Pianistin und Sängerin Amanda Schnitzler-Selb und die Sängerin Maria Soetens-Flament. Des Weiteren zählten Professor Eduard Jacobs, der am Brüsseler Konservatorium Violoncello unterrichtete, sowie der Geiger Jean-Baptist Colyns zu ihren regelmäßigen Konzertpartnern, mit denen sie im Saal Rummel und der Harmonie auftrat.
Im Dezember 1889 war sie an einem Benefizkonzert in Antwerpen zum Wohle des Bonner Beethoven-Hauses. beteiligt. 1890 wirkte sie beim ersten Kammermusikfest des Vereins Beethoven-Haus unter der Leitung von Joseph Jochim mit. 1896 verliehen ihr die Königshäuser von Sigmaringen und Württemberg jeweils Ehrenmedaillen für ihr Lebenswerk („Große goldene Medaille: Bene Merenti“ der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und die "Große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Friedrichsordens").
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs zogen Anna Falk-Mehlig und Rudolf Falk nach Berlin, wo sie bis zu ihrem Tod lebten. Sie starb am 20. Juli 1928 und wurde in Baden-Baden beerdigt.
Ihre Enkelin war die belgisch-niederländische Musikwissenschaftlerin Marguerite Falk (Antwerpen 1910- ), die in der Zeit von 1950 bis 1970 Beiträge für die Berliner Rundfunkanstalt SFB sowie für niederländische und belgische Radiostationen geschrieben hat. 1960 erhielt sie dafür den französischen Orden ‘Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres’ ausgezeichnet wurde.
Ehrungen Im Frühjahr des Jahres 1866 wird sie zur Hofpianistin des Hofes von Weimar ernannt. Im Herbst 1866 erfolgt ihre Ernennung in gleicher Position am Hofe zu Württemberg. 1870 wird sie Ehrenmitglied der New Yorker Philharmonic Society. 1884 ist sie Ehrengast des Stuttgarter Tonkünstlervereins. Im Jahr 1891 wird ihr in einem Festkonzert eine silberne Lyra vom Stuttgarter Hofjuwelier überreicht, um ihren Einsatz für die württembergischen Witwen und Waisen zu würdigen. 1907 ist sie Ehrengast des Stuttgarter Musikfests. Sie war Trägerin der Großen Goldenen Medaille Bene Merenti und der Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Friedrichsordens. Die Haarlemer Bachvereinigung ernannte sie zu ihrem Ehrenmitglied.
Weblinks
Mehlig, Anna (Caroline Emilie), verh. Falk, Falk-Mehlig bei Sophie Drinker Instituts, Bremen Silke Wenzel: Anna Mehlig. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung Vorster, Christiane: Die Pianistin Anna Mehlig – Rekonstruktion einer Karriere https://performance.musiconn.de/project/id/35/ bei musiconn performance, SLUB Dresden
Einzelnachweise
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