Der Helsingforser Platz ist ein Stadtplatz im Berliner Ortsteil Friedrichshain, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die Anlage des Platzes geht auf Hobrechtsche Bebauungspläne zurück. Die Anlage trägt ihren Namen nach Helsingfors (finnisch Helsinki), dem schwedischen Namen von Finnlands zweisprachiger Hauptstadt.
Lage Der Helsingforser Platz gehört zum Postleitzahlengebiet 10243. Der dreieckige Platz mit einer Gesamtfläche von 6700 Quadratmetern liegt westlich der Warschauer Straße in der Nähe der Warschauer Brücke im ehemaligen Ostberlin. Er wird begrenzt von der Marchlewskistraße und der geradlinigen Verlängerung der Helsingforser Straße, die beide auf die Warschauer Straße stoßen. Der eigentliche Verlauf der Helsingforser Straße mündet ebenso in den Platz wie die Revaler Straße von der gegenüberliegenden Seite.
Im Südwesten grenzt der Platz an das Gelände der ehemaligen Gleisanlagen des Wriezener Bahnhofs, das heute als Grünanlage genutzt wird.
Geschichte Der Platz entstand im Rahmen des Hobrecht-Plans und blieb lange unbenannt. Am 28. Juni 1907 erhielt die bis dahin namenlose Verkehrsfläche in Abteilung XIV des Hobrechtschen Bebauungsplans ihren heutigen Namen nach der finnischen Hauptstadt. Die Benennung folgte dem Straßenlagenentwurf des Viertels, das sich an Städten im östlichen Ostseeraum orientierte, darunter Reval, Memel, Pillau und Libau.
Finnlands Hauptstadt hat zwei amtliche Namensformen. Heute wird im Deutschen üblicherweise der finnische Name Helsinki verwendet. Allerdings war zur Zeit der Benennung Helsingfors die im Deutschen gebräuchliche Bezeichnung. Dieser Name wurde auch noch später verwendet, wie das Beispiel der 1951 in Helsingforser Straße umbenannten Bromberger Straße zeigt.
Charakter Noch heute ist erkennbar, dass der Platz weniger Ergebnis konsequenter Stadtplanung als vielmehr einer geometrischen Notwendigkeit ist. Die Helsingforser Straße verläuft entlang des Eisenbahngeländes und bildet mit der Marchlewskistraße einen so spitzen Winkel, dass eine Bebauung dort nicht möglich war. Bereits im Hobrecht-Plan von 1866 war vorgesehen, die Spitze abzuschneiden und als unbebauten Platz zu belassen.
Rund 130 Jahre lang, von etwa 1735 bis 1865, bildete das Gebiet die östliche Stadtgrenze Berlins. Entlang der heutigen Marchlewskistraße verlief eine Mauer bis kurz vor das damalige Frankfurter Tor an der heutigen Straße der Pariser Kommune. Die Marchlewskistraße hieß bis 1950 Memeler Straße und zuvor, da sie das Stralauer Tor mit dem Frankfurter Tor verband, Frankfurter Communication.
Der Platz wurde mit typischen Wohnhäusern der späten Gründerzeit bebaut, repräsentativ zur Straße hin, mit dunklen Hinterhöfen. Die Seite zum Bahngelände blieb unbebaut und war durch eine Ziegelmauer begrenzt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Gebäude im spitzen Winkel zwischen Helsingforser Straße und Memeler Straße zerstört.
Komplex Marchlewskistraße mini|Graffiti an einem Plattenbau der Wohnungsbauserie 70 am Helsingforser Platz, 2014
Die spitzwinklige, durch Kriegszerstörungen entstandene Freifläche am Helsingforser Platz blieb nach dem Abriss der Ruinen über Jahrzehnte unbebaut. Eine Neubebauung galt lange als schwierig, da sich die ab dem Ende der 1950er Jahre verfügbaren industriell vorgefertigten Wohnbauten nur schwer in das bestehende Straßenraster einfügen ließen.
Zu Beginn der 1980er Jahre wurde der Block zwischen Helsingforser Straße, Marchlewskistraße und Helsingforser Platz als Standort für Wohnungsneubau im Fünfjahresplan 1981 bis 1985 festgelegt und hier mit dem Projekt Komplex Marchlewskistraße ein neuer Ansatz erprobt. Vorgesehen war die Errichtung von Plattenbauten der Wohnungsbauserie 70, die sich stärker an den vorhandenen Häuserfluchten und Traufhöhen orientierten. In den Jahren 1983 und 1984 entstanden insgesamt 262 familiengerechte Wohnungen. Charakteristisch für die Neubauten waren geneigte und farblich gestaltete Drempelgeschosse, in denen unter anderem Entwässerungs- und Abluftsysteme untergebracht waren und die eine Annäherung an die Dachformen der Altbauten ermöglichten.
Zwar kam es nicht zu vollständig harmonischen Übergängen, doch wirkten die Neubauten weniger kontrastreich als frühere Wohnblöcke in vergleichbaren Situationen. Erstmals wurden in industrieller Bauweise auch die für Berlin typischen Berliner Ecken verwirklicht. Zudem kamen nicht-quadratische Boden- und Deckenplatten zum Einsatz. Das Projekt gilt als wichtiger Entwicklungsschritt innerhalb der Architektur der DDR, da es neue Möglichkeiten zur städtebaulichen Integration industriell gefertigter Wohnbauten in kriegsbedingte Baulücken aufzeigte.
Finnische Schärenlandschaft mini|Südöstliche Ecke des Helsingforser Platzes in Richtung Bahnanlagen nach der Neugestaltung, 2014
Bis in die 2000er Jahre wurde der Platz von der Wendeschleife der Straßenbahnlinie M13 dominiert. Die jüngste Umgestaltung des Helsingforser Platzes und der südlichen Marchlewskistraße erfolgte im Rahmen des Sanierungsgebiets Warschauer Straße. Die Bauarbeiten begannen 2012, der Platz wurde im November 2013 wieder nutzbar gemacht und das Projekt 2014 abgeschlossen. Dabei entstand aus dem vorher verkehrsdominierten Bereich ein stadträumlich gefasster Platz mit Aufenthaltsflächen, Vorrang für Fuß- und Radverkehr, neuer Beleuchtung, barrierefreien Haltestellen sowie 49 Robinien.
Nach einem konkurrierenden Auswahlverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb war 2010 das Landschaftsplanungsbüro Fugmann & Janotta mit der Neugestaltung beauftragt worden. Deren Entwurf überträgt Motive der südfinnischen Landschaft um Helsinki – mit vorgelagerten Schären, verwitterten Steinen und karger Vegetation – auf den Platz. Zentrales Gestaltungselement sind Vegetationsinseln aus Schotter, Findlingen, Gräsern und Birken, die von linear geführten, unregelmäßig breiten Plattenbahnen umgeben sind.
Bei der Einweihung am 24. Juli 2014 waren Vertreter der Finnischen Botschaft in Berlin anwesend.
Propagandafilm
mini|Briefmarke der DDR (1965) mit einer Filmszene vom Helsingforser Platz zur Gründung der SED
Der DEFA-Regisseur Kurt Maetzig wählte den Helsingforser Platz 1946 als Kulisse für einen Propagandafilm zur Inszenierung eines Ereignisses aus der Gründungszeit der SED. Zwei Demonstrationszüge aus der damaligen Bromberger Straße (heute Helsingforser Straße) und der Memeler Straße (heute Marchlewskistraße), die symbolisch die SPD und die KPD repräsentierten, wurden gefilmt, wie sie sich vor den Ruinen der kriegszerstörten Gebäude zu einem gemeinsamen Zug der neu gegründeten SED vereinigten.
Obwohl der Aufmarsch inszeniert war, wurde ein Foto aus dem Film bis zum Ende der DDR vielfach verwendet, insbesondere in Schulbüchern, als bildlicher Beleg für die propagierte Einheit der Arbeiterklasse.
Fotogalerie Friedrichshain
mini|Helsingforser Straße 1 mit der Fotogalerie Friedrichshain, 2017
Am 28. August 1985 wurde in der Helsingforser Straße 1 die Fotogalerie Friedrichshain eröffnet. Sie gilt als älteste kommunale Fotogalerie Berlins und wird heute vom Verein Kulturring in Berlin e. V. betrieben. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf sozialdokumentarischer und gesellschaftlich engagierter Fotografie.
Verkehr Der Helsingforser Platz liegt im Tarifbereich A des Berliner Nahverkehrs. Er wird von den Straßenbahnlinien M10 und M13 sowie den Buslinien 240 und 347 bedient. Die U-Bahn-Linien U1 und U3 sowie die S-Bahn-Linien S5, S7 und S75 sind über den nahegelegenen Bahnhof Warschauer Straße erreichbar.
Siehe auch Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Friedrichshain
Weblinks
Dirk Moldt: Doppelt Nordisch. In: Friedrichshainer ZeitZeiger Sonja Lindhauer: Plattenbau lesen. Ge/Schichten eines Hauses in Friedrichshain. In: fhxb-museum.de
Einzelnachweise
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