mini|Juridicum mini|Juridicum mini|Baustelle im Jahr 1978|alternativtext= mini|Schriftzug an einem Eingang zum Juridicum
Das Juridicum ist ein Gebäude der Universität Wien, welches den größten Teil der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien beherbergt. Der Bau erstreckte sich von 1968 (Planung und Erwerbung des Grundstücks) bis 1984.
Baugeschichte Vorgängerbebauung Historisch liegt das Areal im Bereich der ehemaligen Wiener Stadtbefestigung: Entlang der heutigen Schottenbastei verlief ursprünglich ein Abschnitt der Wiener Stadtmauer bzw. Bastionsanlagen, die im 19. Jahrhundert abgetragen wurden.
Zu den Vorgängerbauten am Standort zählte unter anderem ein Wohn- und Geschäftshaus der Allgemeinen Österreichischen Baugesellschaft (1872–1874, nach Plänen von Emil von Förster) an der Adresse Hohenstaufengasse 11–13 / Schottenbastei 16 / Helferstorferstraße 15, das später zerstört bzw. abgetragen wurde.
Daa Areal war bis in die späten 1960er Jahre von einem größeren Altbaukomplex geprägt. Dieser Gebäudebestand (teils als „Semperit-Komplex“ bezeichnet) lag zwischen der Helferstorferstraße und der Schottenbastei (Schottenbastei 10–16) und wurde 1968 vom Unterrichtsministerium von der Reifenfirma Semperit erworben. Nach der Entscheidung für einen Neubau wurden die baufälligen Altbauten (rund 11.000 m²) ab 1970 abgebrochen.
Ausführung Untergebracht war die juristische Fakultät zunächst in verschiedenen Gebäuden der Alten Universität im Stubenviertel, ab 1884 im Hauptgebäude am Franzensring (heute Universitätsring). Der starke Anstieg der Studentenzahlen und die damit verbundene Vermehrung von Lehrstühlen in den 1960er Jahren ließen den Ruf nach einem eigenen Gebäude für die Fakultät laut werden; zum Baubeauftragten wurde der Staatsrechtler Günther Winkler bestellt, dem es gelang, den genannten Baugrund in der Innenstadt (Schottenbastei 10–16) für die Fakultät zu sichern.
1970 wurde der Architekt Ernst Hiesmayr mit der Planung des Juridicums beauftragt. Nach etwa einem Jahr vergeblicher Versuche, auf dem begrenzten Grundstück eine Lösung zu finden, die das Raumbedürfnis der Fakultät befriedigen konnte, entschied er sich schließlich für eine „Brückenkonstruktion“: Es wurden vier, jeweils paarige, Türme errichtet (in denen u. a. auch Lift, Toiletten und Versorgungsanlagen untergebracht sind), über welche eine Fachwerkskonstruktion aus Stahl gebaut wurde. Von dieser Konstruktion wurden alle Geschoße abgehängt. Die einzelnen Stockwerksböden sind nicht von unten hochgebaut, sondern hängen von oben herab. Damit erreichte man, auf gleichem Raum mehr Stockwerke unterzubringen und gleichzeitig ein sehr freies Erdgeschoß (ohne Säulen und Träger) bauen zu können. Die hängenden Säulen werden von warmem Wasser durchlaufen und erwärmen somit das Gebäude.
Der spätmoderneDehio Wien Innere Stadt 2003, S. 830/831 Bau wurde 1974 begonnen und 1984 fertiggestellt, sodass die Fakultät nach exakt hundert Jahren im Haus am Ring übersiedeln konnte.
Nutzung Allerdings konnte das Juridicum schon zu Beginn nicht die gesamte Fakultät aufnehmen. Derzeit beherbergt es die Institute für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung, für Rechts- und Verfassungsgeschichte, für Staats- und Verwaltungsrecht, für Unternehmens- und Wirtschaftsrechts sowie für Zivilrecht, weiters den größten Teil der Fachbereichsbibliothek Rechtswissenschaften.
Die Institute für Arbeits- und Sozialrecht, für Finanzrecht, für Rechtsphilosophie einschließlich Religions- und Kulturrecht, für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte und für Zivilverfahrensrecht befinden sich seit 2006 in einem aus der Gründerzeit stammenden Gebäude in der Schenkenstraße 8–10 unweit des Juridicums, ebenfalls ist dort das Institut für Innovation und Digitalisierung im Recht angesiedelt. Das Institut für Strafrecht und Kriminologie übersiedelte 2014 von der Schenkenstraße 8–10 in die Schenkenstraße 4. Das Dekanat und das StudienServiceCenter übersiedelten 2018 in die Renngasse 6–8.
Das Juridicum steht im Eigentum der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG).
Weblinks
Einzelnachweise
Rechtswissenschaftliche Fakultat Kategorie:Institutsgebäude Kategorie:Erbaut in den 1980er Jahren Kategorie:Moderne in Österreich