Lambert Löffelmann und Silvester Aaser ist ein Kinderbuch des österreichischen Pädagogen und Autors Josef Pazelt, das im Jahr 1931 mit Illustrationen von Hans Lang beim Deutschen Verlag für Jugend und Volk veröffentlicht wurde.

Inhalt Der Hase Lambert Löffelmann verliert bei einer Jagd in der Nähe der Pulkau sämtliche Mitglieder seiner Familie. Auch die Angehörigen des Raben Silvester Aaser sind allesamt verendet, als sie vergiftete Mäusekadaver gefressen haben. Die beiden beschließen daraufhin, gemeinsam in eine Gegend zu ziehen, die frei von grausamen Menschen ist.

Gleich in der ersten Nacht stoßen die beiden auf den Mondzauberer Kolomann Engelwirt, der ihnen eröffnet, dass die beiden nicht immer Tiere gewesen seien. Als Lambert und Silvester dem Zauberer ihre Absicht erzählen, zeigt ihnen dieser eine magische Landkarte einer menschenleeren Wüste sowie eine von Niederösterreich. Letztere gefällt den beiden trotz der dort ansässigen Menschen doch besser und so entscheiden sie, stattdessen quer durch Niederösterreich zu reisen und mit dem Waldviertel zu beginnen, da dort viele Bäume sind. Kolomann Engelwirt gibt ihnen für ihr Unterfangen zwei Zaubersprüche mit, die es ihnen ermöglichen, sich in zwei Buben bzw. wieder zurück in einen Hasen und einen Raben zu verwandeln. Und er fordert die beiden auf, nach ihrer Reise wieder zu ihm zurückzukehren, auf dass er ihnen dann ihre frühere Vergangenheit enthüllen werde.

Die nun beginnende lange Reise führt die beiden durch das ganze Bundesland, in dem sie immer wieder auf Menschen treffen, die gar nicht so grausam sind, wie sie sie zuvor wahrgenommen haben. Unter anderem begegnen sie in Tiergestalt dem kleinen Mädchen Grete Wagner, das sehr traurig ist, weil ihre beiden Brüder eines Tages verschwunden sind und trotz intensiver Suche seither nicht aufgefunden werden konnten. Lambert Löffelmann und Silvester Aaser versprechen Grete, sich an der Suche nach ihren Brüdern zu beteiligen. Zu diesem Zweck trennen sich die beiden gelegentlich, sind aber immer froh, wenn sie wieder zu zweit unterwegs sein können.

Lambert und Silvester kommen auf ihrer Reise abwechselnd in Menschen- und Tiergestalt in viele Orte und Städte, lernen die Flüsse Niederösterreichs kennen und erfahren Wissenswertes über die Geschichte des Landes. Die antropomorphisierten Flüsse geraten nach einem Gewitter in einen veritablen Streit, der schließlich von der Mutter aller Flüsse, der Donau, mit den Worten ‚Liebe tötet nicht‘ geschlichtet wird. Lambert und Silvester nehmen sich diesen Hinweis zu Herzen, genauso wie die Inschrift ‚Dienet in Liebe den Brüdern!‘ auf einem Kriegerdenkmal im Friedhof von Wiener Neustadt.

Beim Ötscher treffen die beiden auf einen Streckenwärter, dem sie einen Streich spielen, indem sie sich von Tier zu Mensch und wieder zurück verwandeln. Später stellt sich heraus, dass der Mann sein Leben dafür geopfert hat, um einen Zug vor einer losen Schiene in einem Tunnel zu warnen. Auch der Tod von über 20 Bergleuten bei einem Grubenunglück in einem Braunkohlebergwerk in Hart bei Gloggnitz geht den beiden sehr nahe.

Neben jeder Menge Menschen begegnen Lambert und Silvester auch bekannten Märchengestalten wie der Hexe aus Hänsel und Gretel oder den Sieben Zwergen aus Schneewittchen. Diese prophezeien ihnen, dass die beiden Brüder von Grete Wagner wieder nach Hause kommen werden, wenn sie Gefallen an dem Land und Leuten gefunden hätten und den Pfad der Liebe gingen.

Ihr Weg führt die beiden schließlich nach Wien, wo sie über die riesigen Bauten wie das Rathaus oder das Parlament staunen und vom Prater nach Floridsdorf gelangen. Dort hören sie aus einem Gartenhäuschen ein Radio, in dem gerade die Nachricht verkündet wird, dass die zwei vermissten Brüder Grete Wagners am Ötscher bzw. in Wiener Neustadt gesichtet worden seien. Ihre Beschreibung trifft ganz genau auf Lamberts und Silvesters Menschengestalt zu.

Als es Herbst geworden ist, kehren die beiden schließlich über das Weinviertel zur Höhle des Mondzauberers zurück. Auf ihrer langen Reise haben sie die Schönheit Niederösterreichs und seine Bewohner kennen und schätzen gelernt, weshalb ihnen Kolomann Engelwirt wie versprochen ihre frühere Vergangenheit offenbart: Die zwei sind die vermissten Brüder Grete Wagners, die der Zauberer in Hase und Rabe verwandelt hat, weil ihnen ihre Heimat missfallen hatte und sie häufig Tiere gequält hatten. Die mittlerweile geläuterten Buben werden daraufhin von ihrem Zauberbann befreit und sie kehren zu ihrer Schwester und ihren Eltern in Pulkau zurück, wo die Freude über ihr Auftauchen riesengroß ist.

Rezeption Ernst Seibert schreibt in seinem Artikel über den Gattungswandel österreichischer Tierbücher: „Noch vor dem Umbruch 1933, der Wende zum Austrofaschismus und dem Verbot der Sozialdemokratie, erschien das höchst originelle Heimatbuch des niederösterreichischen Pädagogen und sozialdemokratischen Schulpolitikers Josef Pazelt, Lambert Löffelmann und Silvester Aaser (1931), das in Anlehnung an Selma Lagerlöf zwei Buben auftreten lässt, die sich als Hase und Rabe verwandelt durch ihr Heimatland bewegen und es so erschließen. Das sehr verbreitete Buch erschien erneut noch nach 1945 und zeichnet sich auch durch den Gedanken des Umweltschutzes bzw. die Thematisierung der Schuld des unachtsamen, natur- und tierfeindlichen Menschen aus.“ Andrea Dee schreibt in ihrem Katalog zur Sonderausstellung 2022 des Kunst & Natur Museum Kirchstetten: „Spannend und mit viel Poesie lässt Pazelt den Hasen und den Raben alle Landschaften des Bundeslands durchreisen – den jungen Lesern wird so nicht nur die Liebe zur Natur und den Menschen nähergebracht, sie erfahren auch viel über Land und Leute. Selbst die ‚großen‘ menschlichen Themen wie das Leiden an Krieg und Zerstörung werden nicht ausgespart, sondern altersgerecht vermittelt.“

Anmerkungen Das Buch war als Lesestoff für Volksschulen zugelassen und war bis in die 1970er Jahre Schullektüre in Niederösterreich und Wien (damals noch Niederösterreichs Hauptstadt). Andrea Dee vermutet in ihrer Abhandlung über Lambert Löffelmann und Silvester Aaser, dass eine Seite, in der ein Abgeordneter die Demokratie erklärt, nach 1933 ab der Zeit des Austrofaschismus (und wohl auch nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland) überklebt wurde, damit Schulkinder nichts mehr über diese vom Volk ausgehende Herrschaftsform lesen würden.

Die fantastische Geschichte von Lambert und Silvester wird vom Falter, der in seinem Webshop eine Neuauflage des mittlerweile vergriffenen Buchs (in einem Sammelband zusammen mit Zizibe, einem Märchen von Pazelt) anbietet, ab einem Alter von acht Jahren empfohlen.

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Kategorie:Kinderliteratur Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Hase in Kunst und Literatur Kategorie:Rabe in der Kultur