Der Begriff Landschaftswasserhaushalt steht für die Prozesse der Verteilung und Speicherung von Wasser in der Landschaft. Verteilungsräume sind dabei Böden, Pflanzen, Flüsse, Bäche, Seen sowie die Atmosphäre. Er umfasst alle Komponenten des Wasserkreislaufs wie Niederschlag, Verdunstung, Schneeschmelze, Infiltration, Bodenfeuchte, Grundwasserneubildung, Abfluss über Flüsse und Bäche sowie Wasserentnahmen.

Beim Grundwasser erfolgt eine begriffliche Überschneidung mit dem Fachgebiet der Hydrogeologie.

Rahmenbedingungen Der Landschaftswasserhaushalt eines Gebiets wird in hohem Maße durch die von der Natur vorgegebenen Rahmenbedingungen geprägt. Die Menge des Niederschlags, Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind, aber auch die Versickerungseigenschaften des Bodens und das Relief sind alles Faktoren, die den Wasserhaushalt in der Landschaft beeinflussen.

Landschaftswasserhaushalt und Klimaveränderung Ein intakter Landschaftswasserhaushalt puffert klimatische Extreme ab, unterstützt die Biodiversität und dient als natürlicher Schutz vor Hochwasser und Dürre. Er ist daher wichtig für die Klimaresilienz von Ökosystemen. Schadensereignisse durch klimabedingte hydrologische Extreme (Hochwasser, Dürren, kombinierte Ereignisse) werden durch einen naturnahen Landschaftswasserhaushalt in ihrer Auswirkung minimiert. Naturnah ist er dann, wenn er mit seinen charakteristischen Wasserbilanzgrößen dem von natürlichen Referenzgebieten entspricht. Ein natürlicher Landschaftswasserhaushalt ist der zentrale Baustein der Klimaanpassung.

Landschaftswasserhaushalt und Europäische Wasserrahmenrichtlinie Die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert einen guten ökologischen Zustand der Gewässer. Nur 10 % aller Gewässer in Deutschland entsprechen diesem Anspruch. Ursachen dafür sind vielfältige Belastungen wie Stoffeinträge aus diffusen Quellen (v. a. Landwirtschaft), Punktquellen (z. B. Kläranlagen und Industrie), Wasserentnahmen und morphologische Veränderungen. Besonders die Gewässerdurchgängigkeit ist stark beeinträchtigt, da in Deutschland im Durchschnitt alle zwei Kilometer ein Querbauwerk vorhanden ist. Der Wasserhaushalt ist in Artikel 1 der WRRL als übergeordnetes Umweltziel verankert. Eine Verbesserung kann nur über eine Änderung der Landnutzung von Flächen erreicht werden. Um alle Gewässer in einen guten Zustand zu bringen, wären etwa 2 % der Landesfläche erforderlich.

Nationale Wasserstrategie Menschliche Tätigkeiten (Entwässerung, fehlende Wasserrückhaltung, Gewässerausbau, Monokulturen, Bodenversiegelung, Bodenverdichtung) stören den natürlichen Landschaftswasserhaushalt erheblich. Das hat oftmals zur Folge, dass zu viel oder zu wenig Wasser zur Verfügung steht – beides kann fatale Folgen haben. Aus diesem Grund ist eine größere Wasserspeicherung in der Landschaft und eine langsame Abgabe an die Umwelt ein zentraler Punkt. In der Nationalen Wasserstrategie stellt das Bundesumweltministerium diese Visionen vor:

Trinkwasserversorgung sichern – überall, jederzeit und bezahlbar auch im Jahre 2050 Wasser speichern – auf dem Land und in der Stadt Naturnahe Wasserhaushalte wiederherstellen – mit der Natur gegen Hochwasser schützen Ein Kernstück der Nationalen Wasserstrategie ist das Aktionsprogramm Wasser. Es enthält 78 Einzelmaßnahmen ("Aktionen"), mit deren Umsetzung bis 2030 schrittweise begonnen wird. Einige dieser Maßnahmen sind:

Prognosefähigkeit der Wasserhaushaltsanalysen verbessern Leitbilder für den regionalen, naturnahen Wasserhaushalt Moorschutz stärken Flächenbedarfe für Auenentwicklung und Gewässerentwicklungskorridore ermitteln und planerisch verankern

Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes Diese bestehen vor allem in der Rücknahme von Maßnahmen, die den Wasserhaushalt in seiner natürlichen Funktion beeinträchtigen. Ältere Maßnahmen und Strategien, die heute nicht mehr benötigt oder gewünscht werden, kann man vorrangig zurücknehmen. Da der Landschaftswasserhaushalt viele Funktionsbereiche umfasst, gibt es zahllose Ansatzpunkte. Hier nur einige Beispiele für die Beeinträchtigung des Landschaftswasserhaushaltes, die zurückgenommen oder optimiert werden können:

Bodenversiegelung (Ermöglichen von Versickerung des Niederschlagswassers im Siedlungsbau) Bodenverdichtung in Land- und Forstwirtschaft (Verbesserung der Versickerungsleistung und der Speicherfähigkeit des Bodens für Wasser) Drainage von Feuchtgebieten (Wiedervernässung) Uferverbauungen (Ermöglichen der Gewässerdynamik) Quer- und Sohlenverbauungen an Fließgewässern (Ermöglichen der Gewässerdynamik) Unkontrollierte Wasserentnahme durch Landwirtschaft und Industrie (Einführung eines Monitorings und des Wasserentnahmeentgelts, Wassercent) Belastung von Grundwasser, stehenden Gewässern und Fließgewässern mit verschiedenen chemischen Substanzen wie Düngemitteln, Haushaltsabwasser (Phosphat, Medikamentenrückstände), industriellem Abwasser (z. B. PFAS), aber auch mit Feinsedimenten (weitere Optimierung der Kläranlagen, Vermeidung von Einträgen aus der Landwirtschaft) Beimischung von winterkahlen Laubbäumen (insbesondere Buche) in Nadelbaumbestände; dies erhöht sowohl die Infiltration von Wasser in den Waldboden als auch den organischem Kohlenstoff im Mineralboden, was wiederum den Wasserhaushalt des Bodens verbessert.

Einzelnachweise

Kategorie:Hydrologie Kategorie:Hydrogeologie Kategorie:Klimatologie