Das Institut für Bienenschutz (BS) ist ein Fachinstitut des Julius Kühn-Instituts (JKI). Es nahm im April 2016 seine Arbeit auf und ist am JKI-Standort Braunschweig angesiedelt. Das Institut bearbeitet wissenschaftliche Fragestellungen zum Schutz von Honig- und Wildbienen und wirkt im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben des JKI an der Bewertung von Pflanzenschutzmitteln mit.

Geschichte Am JKI bestand bereits vor 2016 eine Arbeitsgruppe für Bienenschutz. Vor dem Hintergrund eines gestiegenen Beratungs- und Forschungsbedarfs wurde diese am Standort Braunschweig zu einem eigenständigen Fachinstitut ausgebaut. Die feierliche Einweihung erfolgte im Juni 2016 in Berlin.

Vorgeschichte und Entwicklung der Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen (UBieV) Die Wurzeln der heutigen Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen reichen bis in die frühen staatlichen Prüfungen von Pflanzenschutzmitteln zurück. Bereits in den 1920er Jahren wurden in der damaligen Biologischen Reichsanstalt (BRA) Wirkungen chemischer Mittel auf Honigbienen untersucht und methodisch beschrieben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR eigenständige Bienenschutzregelungen. In Westdeutschland wurde in Celle eine Untersuchungsstelle aufgebaut, in der erstmals rückstandsanalytische Verfahren zum Nachweis von Pflanzenschutzmitteln in toten Bienen etabliert wurden. In den 1970er Jahren wurde der Arbeitsbereich Bienenschutz an die Biologische Bundesanstalt (BBA) nach Braunschweig verlagert.

Mit der Novellierung des Pflanzenschutzrechts in den 1980er Jahren wurden Untersuchungen von Bienenvergiftungen als gesetzliche Aufgabe der Bundesforschung festgeschrieben. Als prägendes Ereignis der jüngeren Geschichte gilt die Aufklärung umfangreicher Bienenschäden im Jahr 2008 in Baden-Württemberg infolge clothianidinhaltiger Stäube bei der Aussaat von gebeiztem Maissaatgut, die zu weitreichenden regulatorischen Konsequenzen führte.

Im April 2016 wurde die Untersuchungsstelle einschließlich der chemischen Analytik in das neu gegründete Institut für Bienenschutz integriert.

Aufgaben Zu den Aufgaben des Instituts gehören Forschung und wissenschaftliche Bewertungen zum Schutz von Bestäubern, insbesondere an der Schnittstelle zwischen Bienen und Landwirtschaft. Das Institut untersucht mögliche Risiken für Honig- und Wildbienen im landwirtschaftlichen und urbanen Raum und entwickelt Schutz- und Fördermaßnahmen. Diese Aufgaben und Zielsetzungen werden auch in der institutionellen Bewertung des JKI durch den Wissenschaftsrat hervorgehoben.

Aufgabenfelder Die Arbeiten des Instituts gliedern sich insbesondere in drei zentrale Aufgabenfelder:

Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Bienen

Ökotoxikologische Forschung zu potenziellen Risiken durch Pflanzenschutzmittel, einschließlich systemischer Wirkstoffe und Blütenspritzungen, sowie Weiterentwicklung und internationale Harmonisierung von Prüf- und Bewertungsmethoden.

Pflanzenschutzmittel- und Wirkstoffbewertung (Bienengefährlichkeit)

Fachliche Mitwirkung im nationalen und zonalen Zulassungsverfahren sowie in der EU-Wirkstoffprüfung. Das Institut bewertet eingereichte Studien, leitet Risiken für Honigbienen und andere relevante Bestäuber ab und empfiehlt Risikominderungsmaßnahmen an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Bienenförderung und Agrarökologie

Forschung zu Wechselwirkungen zwischen Bestäubern und ihrer Umwelt auf Populationsebene mit dem Ziel, bienenfreundliche Lebensräume in Agrarlandschaften und im urbanen Raum zu entwickeln und zu bewerten.

Gesetzliche Grundlagen und behördliche Mitwirkung Die Aufgaben des Julius Kühn-Instituts sind im Pflanzenschutzgesetz festgelegt. Das JKI wird im Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beteiligt (§ 34 PflSchG). Darüber hinaus ist dem JKI die Untersuchung von Bienen auf Schäden durch Pflanzenschutzmittel gesetzlich zugewiesen (§ 57 Abs. 2 Nr. 11 PflSchG).

Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen Am Institut ist die Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen (UBieV) angesiedelt. Sie nimmt Einsendungen zu Verdachtsfällen von Bienenschäden entgegen und führt biologische sowie chemische Untersuchungen durch. Die Untersuchungen sind für betroffene Imker kostenlos. Erkenntnisse aus den Untersuchungen fließen in die Bewertung der Bienengefährlichkeit von Pflanzenschutzmitteln im Zulassungsverfahren ein.

Bienenschutzverordnung Die Anwendung bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel ist in Deutschland durch die Bienenschutzverordnung geregelt.

Organisation und Standorte Das Institut ist organisatorisch am JKI-Standort Braunschweig angesiedelt. Die chemische Rückstandsanalytik der UBieV wird traditionell am Standort Berlin durchgeführt. Institutsleiter ist Jens Pistorius.

Siehe auch Institut für Bienenkunde Celle

Literatur

Weblinks Institut für Bienenschutz (JKI) Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen

Einzelnachweise

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