Der Pfälzerwald-Verein e. V. – Kurzbezeichnung PWV – ist ein Wanderverein in der ehemals bayrischen Pfalz, die im Südteil von Rheinland-Pfalz und dem saarländischen Saarpfalz-Kreis lag. Ende 2018 umfasste er rund 200 Ortsgruppen mit über 25.000 Mitgliedern. Er ist unter dem Aktenzeichen VR 40706 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Ludwigshafen am Rhein eingetragen.
Geschichte mini|hochkant|Wanderführer 1936, Titelseite gestaltet von August Croissant Gründung und erste Jahre Im Zuge der seinerzeit einsetzenden Wanderbewegung wurde bei einem Treffen in Ludwigshafen am Rhein am 14. Oktober 1902 die Gründung eines Wandervereins besprochen, der den Namen „Touristenclub Pfalz“ tragen sollte. Am 27. November des Jahres wurde daraufhin der „Pfälzerwald-Verein“ mit seiner ersten Ortsgruppe in Ludwigshafen gegründet; der Name kam auf Vorschlag von Heinrich Kohl zustande. Eines der Gründungsmitglieder des auf Initiative des Ludwigshafener Bahnbeamten Otto Link ins Leben gerufenen Pfälzerwald-Vereins war der pfälzische Kunstmaler Heinrich Strieffler. Vor allem der Autor und Geistliche Fritz Claus, der ebenfalls Mitglied wurde, setzte sich intensiv dafür ein, die Mittelgebirgslandschaft, die bis dahin hauptsächlich als nördlicher Teil der Vogesen wahrgenommen worden war, fortan als „Pfälzerwald“ zu bezeichnen.Winfried Lang: Der Luitpoldturm und sein Panorama. Plöger Medien GmbH, Annweiler 2009, S. 75. Erstmals dokumentiert wurde dieser Begriff 1843 auf einer Tagung im Forsthaus Johanniskreuz. Der erste Vorsitzende wurde der Fabrikant Anton Fasig. Dieser Teil der Mittelgebirgslandschaft wurde durch den Verein seither infrastrukturell maßgeblich erschlossen.
Am 4. Februar 1903 legte Otto Volker den Entwurf für das erste gültige Vereinsabzeichen – Eichenblatt und Traubenkombination – vor. Am 15. März des Jahres wurde die seit 1900 bestehende als „Wochenzeitschrift für Touristen-, Radfahrer- und Fremdenverkehr in der Pfalz und Umgebung“ beworbene und bislang als „Organ des pfälzischen Verschönerungsvereins, des Gräfensteiner und Zweibrücker Verschönerungsvereins sowie vieler Lokalvereine“ firmierende Zeitschrift „Der Pfälzerwald“ offiziell Organ des Pfälzerwald-Vereins. Am 1. November erstellte Justizrat Grill die erste Vereinssatzung, die in wesentlichen Teilen seither gültig ist: Zudem folgte die Aufteilung der Vereinsstruktur in Hauptvorstand und Ortsgruppen. Nachdem sich im folgenden Jahr weitere Ortsgruppen gebildet hatten, wurde im November 1903 der Dachverband gegründet. Zum Vorsitzenden des Dachverbandes wurde im Januar 1904 Regierungsdirektor Karl Albrecht von Ritter gewählt.
Am 26. September 1904 wurde mit der neun Meter hohen Stabenbergwarte das erste Bauwerk des Vereins eingeweiht. Ein Jahr später vermaß Kommerzienrat Kohl mit Jobs Blum zur Schaffung einer Wanderkarte im Maßstab von 1 : 50.000 – „Kohl’sche Karte“ genannt – die Wanderwege, Wanderziele und Stützpunkte im Pfälzerwald. Außerdem erstellte die Ortsgruppe Frankenthal auf dem Rahnfels die erste Blockhütte. 1907 kam eine weitere beim Lambertskreuz hinzu. Am 26. April 1908 folgte auf der Kalmit mit der „Ludwigshafener Hütte“ die Einweihung der ersten bewirtschafteten Hütte.
Weitere Entwicklung mini|Der 1909 eingeweihte Luitpoldturm auf dem Weißenberg mini|Ritterstein am Kohlplatz in der Nähe von Edenkoben
Am 26. Mai 1909 wurde auf dem Weißenberg beim Hermersbergerhof in Anwesenheit von Prinzregent Luitpold der 35 Meter hohe Luitpoldturm eingeweiht und 1910 das Hellerplatzhaus als erste Hütte mit Übernachtungsmöglichkeiten. 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs eröffnete der Pfälzerwald-Verein im Gasthaus „Zum Schiff“ in Neustadt die erste Jugendherberge der Pfalz mit 20 Betten.
Auf Anregung von Daniel Häberle brachte der Verein von 1910 bis 1914 mehr als 200 Steinmarken an Plätzen von geschichtlicher oder naturkundlicher Bedeutung an. Dazu wurden an eigens dafür aufgestellten Sandsteinblöcken sowie teilweise Felswänden, Gebäuden und Mauern Texte eingraviert. Da Karl Albrecht von Ritter dieses Projekt maßgeblich vorantrieb, erhielten die Steine auf Beschluss der Mitgliederversammlung im Januar 1912 die offizielle Bezeichnung „Rittersteine“.
Zwischen 1935 und 1945 gab es keine Aktivitäten. 1957 wurde beim Forsthaus Taubensuhl das erste Jugendheim des Vereins eröffnet. Zehn Jahre später entstand in Zusammenarbeit mit dem Landesvermessungsamt (LVermGeo) in Kartenwerk 1 : 50.000 des gesamten Vereinsgebietes, ebenso begann die Herausgabe von Wanderkarten im Format 1 : 25.000.
Von 1980 bis 2009 war der Pfälzerwald-Verein an der Unterhaltung des Westpfalz-Wanderwegs beteiligt. Am 3. Juni 1993 beschloss der Hauptvorstand, keine neue Markierungsbefugnis mehr zu erteilen, weil es zu viele Wanderweg-Markierungen gebe. Am 5. Juli 1994 entschied der Vorstand, keine weiteren Rittersteine auszuweisen. 1998 folgte beim Deutschen Patent- und Markenamt die Eintragung der durchgehenden PWV-Markierungslinien als „Marke“.
21. Jahrhundert Von November 2002 bis April 2003 feierte der Verein sein hundertjähriges Jubiläum. Am 11. April 2003 beteiligten sich 120 Ortsgruppen des Pfälzerwald-Vereins am Hermersbergerhof bei der Pflanzung eines PWV-Hains. Am 25. März 2006 reduzierte das LVermGeo auf Wunsch des PWV seine Wanderkarten für die Pfalz im Sinne der Nutzfreundlichkeit von fast 20 auf acht Blätter. Zehn Jahre später musste wegen Auflagen des Rechnungshofes die Schaffung von weiteren Wanderkarten eingestellt werden. In der Folgezeit engagierte sich der Verein gegen die Errichtung von Windkraftanlagen im Pfälzerwald.Pfälzerwald-Verein: Energiewende - Ja!!! Aber nicht SO!!! (PDF; 53 kB). Abgerufen am 2. Juli 2013.
Der bislang letzte Ritterstein wurde 2022 im erwähnten Hain aufgestellt.
Organisation Vorsitzende seit 1902 Amtszeit Name 1902–1904 Anton Fasig 1904–1912Karl Albrecht von Ritter 1912–1929Lorenz Wappes 1929–1935Otto Erb 1948–1949Emil Haupt 1950–1966 Friedrich Hauck 1967–1973Hugo Lendle 1973–1975Walter Hauck 1975–1985Hans Keller 1985–1988Werner Dexheimer 1988–1991 Klaus von Stetten 1992–2005Rainer Rund 2005–2018 Klaus Weichel seit 2018Martin Brandl Die Hauptgeschäftsstelle des Pfälzerwald-Vereins befindet sich in Neustadt an der Weinstraße; Hauptvorsitzender ist seit 2018 Martin Brandl und stellvertretende Hauptvorsitzende seit 2024 Ute Wilking. Hauptgeschäftsführer ist seit Juli 2025 Valentin Heyl, er übernahm die Geschäftsführung von Florian Bilic. Neben dem Hauptvorstand ist er in neun Bezirke untergliedert. Zudem unterhält er eine Stiftung, die Projekte des Naturschutzes und der Denkmalpflege unterstützt, und ist Sitz des entsprechenden Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Das Mitteilungsorgan des Vereins ist seit 1902 die Vierteljahresschrift Pfälzerwald. Seine Jugendgruppen sind der Deutschen Wanderjugend angeschlossen.
Aufgaben und Selbstverständnis Der Verein unterhält rund 100 Wanderhütten in der Pfalz und der Saarpfalz. Sie werden zum Teil ausschließlich an Wochenenden bewirtschaftet, 17 sind Wanderheime mit Übernachtungsmöglichkeiten für Wandergruppen.PWV.de: Hüttenverzeichnis des Pfälzerwald-Vereins Eine der Hauptaufgaben des Vereins, der eine mitanerkannte Bundesnaturschutzorganisation in Rheinland-Pfalz ist, ist die Wegemarkierung von 12.000 Kilometer Wanderwege im Pfälzerwald als Besucherlenkung sowie etwa 15.000 jährliche Wander- und Freizeitangebote für alle Altersstufen zu unterhalten. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die Pfälzerwaldhütten-Kultur im Jahr 2021 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.Pfälzerwaldhütten-Kultur im bundesweiten Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission. mini|Hellerhütte
Auszeichnungen Die folgenden Ortsgruppen des Pfälzerwald-Vereins erhielten die Eichendorff-Plakette:mini|146x146px|Verdienste um Wandern, Heimat und Umwelt 2006 Ortsgruppe Gimmeldingen 2006 Ortsgruppe Weidenthal/Frankenstein 2008 Ortsgruppe Lemberg 2010 Ortsgruppe Kirkel-Neuhäusel 2010 Ortsgruppe Otterberg 2010 Ortsgruppe Winnweiler 2011 Ortsgruppe Starkenbrunnenhttp://www.pwv-starkenbrunnen.de/aktuell/2/ 2014 Ortsgruppe Hauenstein
Literatur
Weblinks
mini|106x106px|Wegweiser des Pfälzerwald-VereinsHomepage
1. PWV-Schorlewanderung mit Gringo Mayer in Deidesheim Ehrenamt im PWV - Die Wegewarte Ehrenamt im PWV - Der Hüttendienst Die Rittersteine des PWV - steinerne Zeitzeugen und ein Stück Kultur im Pfälzerwald
Einzelnachweise
Kategorie:Wanderverein (Deutschland) Kategorie:Mitgliedsverein im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine Kategorie:Verein (Neustadt an der Weinstraße) Kategorie:Organisation (Pfälzerwald) Kategorie:Träger der Eichendorff-Plakette Kategorie:Vereinsgründung 1903