Metrische Taktlosigkeiten ist eine 2017 erschienene Textsammlung der österreichischen Kabarettistin, Poetry-Slammerin und Romanautorin Lisa Eckhart. Kurzbeschreibung Diese Einführung ins politische Korrektum, so der Untertitel des Buches, vereint 17 Bühnentexte. Wo Eckhart „nicht in Versen schreibt, führt sie uns gedanklich schon mal in ihre Themen ein“, so die Einleitung durch Michael Niavarani: Jedem der fünf Teile des Bandes sind in Prosa verfasste essayistische Stellungnahmen zu Zeitfragen vorangestellt. Inhalt Prolog Der Prolog erfolgt in Form eines auf Hochdeutsch verfassten Gedichts und schildert beispielsweise als Karriereziel einer selbstbewussten Dichterin: „Ich wollt zu Erden solch Applaus, / dass Goethe mit geballtem Faust / voll Neid mit seinem Herrgott ficht, / dass Heinrich weine, Bertolt bricht.“Lisa Eckhart: Metrische Taktlosigkeiten. Eine Einführung ins politische Korrektum (= Theater-Edition Schultz & Schirm, Band 6). 2., korrigierte Auflage. Schultz & Schirm Bühnenverlag, Wien 2017. ISBN 978-3-9503907-6-6. S. 15. I: Tu Felix Austria Ein einleitendes Essay mutmaßt unter anderem, dass nichts Österreich besser beschreiben könne „als drei psychoanalytische Symptome“, denen die Österreicher zur Größe und die den Österreichern „zu Wahnsinn verhalfen“, nämlich Analcharakter, Todestrieb und Nostalgie, über die es heißt: „Einer der Gründe, warum uns der Tod so herzlich wuascht ist, mag darin liegen, dass wir uns viel weniger um die Zukunft sorgen denn um die Vergangenheit trauern.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 19. In dem folgenden ersten, teils hochdeutsch, teils im Dialekt verfassten Gedicht Schöne Tage, im Titel an Franz Innerhofers gleichnamigen Roman erinnernd, dekonstruiert Eckhart vermeintliche ländliche Idylle: „I kum vum Lond, aus tiefstem Loch“,Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 21. dessen deprimierende Düsternis den Bewohnern jedoch Identität stifte: Sie „teiln hoit net gern“ ihr „wunschloses Unglück.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 22. Der zweite Text, Bundeshymne, ist ein Satiregedicht auf die Österreichische Bundeshymne, verändert deren Eingangszeilen „Land der Berge, Land am Strome, / Land der Äcker, Land der Dome“ zu „Land der Berge, Land der Dome, / schwimmst du auch gerne mit dem Strome“,Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 25. wechselt kurz vor Schluss zu einer Jeanny-Persiflage: „Doch sie werden uns nicht finden, / niemand wird uns finden! / Weil wir, wir san am Oasch da Wöt, / drum sog i vom höchsten Himmelszöt / und wenn Ihr wuits, a gonz allan: / I bin gern im Oasch daham“,Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 26. womit das Gedicht-Ende beispielsweise an Bei mir sads alle im Orsch daham von Helmut Qualtinger und André Heller gemahnt. Das letzte Gedicht dieses Ersten Teils ist eine Ode an die Freudianer, in der ein dialektsprechender Herr Österreich sich selbst aufgrund seiner Charaktereigenschaften (vegan, politisch links, feministisch und katholisch) eine Schizophrenie diagnostiziert, was der hochdeutsch sprechende „Doktor“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 27. im letzten Abschnitt des Gedichts mit Blick auf sein Wartezimmer verneint: Dort sitzen „voll Schuldgefühle“ Griechenland, „mit Verfolgungswahn“ Deutschland und „irr wie nie“ Frankreich.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 31. II: Mythen des Alltags Dieser Teil beschäftigt sich mit den „Entstehungsgeschichten“ und der „Klärung der Identitäten“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 34. diverser fiktiver Charaktere, gibt aber in dem einleitenden Essay zu, hierbei „kläglich“ an der Zahnfee, der Zahnfleischfee, dem Sandmann gescheitert zu sein sowie dem „mühseligen Verwandten“ von letzterem, dem Strandsandmann.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 38. Im ersten Gedicht, Das Christkind, wird zunächst einmal dem Weihnachtsmann unterstellt, dass er Geschenke dank Inderkinder-Ausbeutung verpacke und von Tantiemen der Coca-Cola-Industrie lebe. „In Österreich, da ist das anders / in Österreich, da herrscht noch Anstand, / in Österreich, da kommt das Christkind, / das die Geschenke von der List bringt.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 39. Beim Christkind handle es sich um das von Jesus dank Restalkohol mit Maria Magdalena gezeugte „Kind mit güldnem Haar, / von dem niemand jemals wusste, / ob’s Knabe oder Mägdlein war“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 41. und das aus Rache an dem „Drecksvota“, der die Mutter sitzen gelassen habe, beschenkte „nur die Kinder, nicht die Alten, / die sich stets wie Sau verhalten.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 42. Das folgende, gleichfalls nur spärlich in Dialektform verfasste Gedicht Der Osterhase berichtet, wie der auf einem Gutshof lebende Hase Hansi sich, nachdem er reichlich in Kürbisse onaniert hat, in ein Huhn namens Hertha verliebt, was letztlich sogar für Nachwuchs sorgt: „ein gutes Dutzend“ Eier,Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 44. von denen Hertha jedoch das erste vernichtet, nachdem sich die Hase-Huhn-Chimäre als unansehnlich erweist. Hansi rettet die restlichen Eier, versteckt sie vor Hertha, womit dank Nachahmern der Osterbrauch in die Welt kam. In dem letzten, rein hochdeutschen Gedicht dieses Zweiten Teils, Disneyland Reunion, feiern diverse Disney-Figuren ihr Wiedersehen: Schneewittchen, Quasimodo, Pocahontas, Cinderellas verkrüppelte Schwestern, außerdem die nach einer Vergewaltigung durch einen Delphin vom meeresköniglichen Vater verstoßene Arielle, der zum ewigen Ministranten gewordene ewig junge Peter Pan, Dumbo (inzwischen US-Drohne), Aladdin (inzwischen Flüchtlingsschlepper), Mogli (inzwischen Wilderer) und Bambi, inzwischen Wildgulasch, das bei dem Fest verzehrt wird. Nach der Feier schändet man ein Denkmal von Walt Disney. „Und darunter, da stand in frakturener Schrift: / ‚Du versprachst uns einst Träume, und gabst uns nur Gift. / Drum, Walt, pass auf, du elendiger Wixer. / Disney ist tot und lang lebe Pixar.‘“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 50. III: Herzkammerspiele In diesem Teil geht es um die Liebe: „Eine an sich großartige Sache, welche jedoch manchmal das Schlimmste aus einem Menschen hervorkehrt.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 51. Die Ich-Erzählerin nimmt in diesem Essay unter anderem zur Polyamorie Stellung: Eine „Pestbeule der Postmoderne“ wäre Polyamorie,Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 52. ein „romantisches ADHS und eine wahre Bedrohung für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Denn offene Beziehungen zerstören die Grundpfeiler unserer Kultur und das großartigste Geschenk der Evolution, das uns überhaupt erst zu Menschen macht: Nämlich unsere Gabe, schamlos zu lügen und zu betrügen“, um eine Affäre zu verheimlichen.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 53. Im ersten Gedicht, Der letzte Abendgemahl, macht sich die Ich-Erzählerin daran, ihren „Bräutigam“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 57. zu verspeisen: „Rache wird gern kalt serviert, / doch da’s mich nicht nach Rache giert , / genieß ich dich warmblütiger. / Ein Festmahl ist’s mir nicht allein, / auch jedem Analytiker. / Der mag’s als krank und irr verschrein“.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 55. Ebenfalls in Ich-Form verfasst ist das zweite Gedicht Farce Amatoria, in dem die Ich-Erzählerin einem Verehrer nicht nur eine Abweisung gibt, sondern sogar mehrfach Schläge: „Ihr ahnt, mein Sinn für die Romantik / beschränkt sich auf die Verssemantik. / Ansonsten bleib ich gern verschont / von dem, was Euch im Herzen wohnt. / Die Liebe ist nach dem Faschismus / der Menschheit größter Idiotismus.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 62. Das letzte Gedicht dieses Dritten Teils, Galatea, spinnt den Pygmalion-Mythos nach der Vereinigung von Pygmalion und Galatea fort. Denn, so die Prosa-Einleitung zu dem Gedicht, „wir können uns vorstellen, wie lange diese Beziehung gut ging“, da „alles Begehren […] bekanntlich mit dem Besitz“ erlischt.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 67. Pygmalion hält daher Galatea gegenüber einen Reim-Monolog, während er sie mit Elfenbein, Zement und Mörtel ihrem Urzustand wieder nahekommen lässt: „Denn Amor bricht Schwüre, die Marmor nur hält“.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 68. IV: FPÖ (Faux-Pas Österreich) Dieser vorletzte Teil von Metrische Taktlosigkeiten beschäftigt sich mit einigen „heillos Verwirrten“, die sich „zu einem tapferen Bund“ zusammentaten.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 72. „Dabei handelt es sich jedoch weniger um eine politische Partei, denn um eine religiöse Gemeinschaft“ mit einem gerüttelt Maß an Widersprüchlichkeit beispielsweise in Kleidungs- und Kopftuch-Fragen: „Wir sind stolz auf unsere Freiheit, dass Frauen hierzulande tragen dürfen, was sie wollen. Und als Ausdruck dieser Freiheit verbieten wir wiederum anderen, zu tragen, was die wollen. Und am besten trägt frau ja immer noch nichts. Wie die Weiberleit in der Kronenzeitung auf Seite 3.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 71–72. Im teils auf Hochdeutsch, teils im Dialekt verfassten ersten Gedicht, Hatsche Stratsche Luftballon, tritt Hatsche Stratsche als rettender Heißluftballon-Führer mit Herr-der-Ringe-Tonfall auf, um Österreich zu retten: „Ein Mann sie zu knechten, / ein Mann für die Rechten, / ein Mann sie zu finden, / die Dunklen zu treiben, / dass alle verschwinden.“Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 77. Im zweiten Gedicht, Arche Stratsche, ist der Heißluftballon abgestürzt, und Stratsche schildert seinem Begleiter Norbert sein nächstes Vorhaben: „Doch mia is wuascht, i bin boid furt. / Denn ich studierte mit heißem Bemühn, / das Evangelium Jörgs und da steht geschriebn: / Zieht Dunkel herauf und die Sintflut der Fremden, / erbau dir ein Schiff, aus eigenen Händen“.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 83. Stratsche nimm „zwei Kärntner, zwei Steirer, zwei Wiener“ und so weiter,Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 82. doch versinkt seine Arche im Sturm auf dem Wörthersee. Im dritten Gedicht, Faustria – Der Tragödie dritter Teil, trifft Mephisthoferles auf den Doktor, zwischen denen es zu einer verbalen Auseinandersetzung kommt. „Und mitten im Tumult, dem Strudel, / bemerkt niemand den kleinen Pudel. / Der steht daneben, ganz alleine, / trägt um den Hals gar keine Leine, / der Pudel hat auch keinen Herrn, / stattdessen hat er einen Kern. / Und des Pudels Kern grinst. / Denn wenn sich zwei streiten, da freut sich ein Dritter / tritt auf als Streitschlichter und als Vermittler“.Eckhart, Metrische Taktlosigkeiten, S. 92. V: Glaubensfragen
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