Radawka (deutsch Raddack) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Kamień Pomorski (Cammin) im Powiat Kamieński (Camminer Kreis).
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, östlich des Jezorio Wrzosowo, der mit dem Zalew Kamieński zusammenhängt, etwa acht Kilometer nordnordöstlich der Stadt Kamień Pomorski (Cammin in Pommern) und zwei Kilometer nordöstlich des Dorfs Wrzosowo (Fritzow).
Zwei Kilometer nördlich des Dorfkerns befindet sich der Ostseestrand mit zwanzig Meter hohen Dünen und einem Kiefernwald.
Geschichte mini|Höhenaussicht auf Dorf und Umgebung (2021) Die pommerschen Herzöge sollen die zusammengehörigen Rittergüter Fritzow und Raddack schon im 12. Jahrhundert dem Domstifts Cammin geschenkt haben.Einige Notizen über das Geschlecht derer v. Vemern, in: Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, Achtzehnter Jahrgang, Stettin 1904, S. 49–56 (Google Books). Im Jahr 1308 befand sich das Domkapitel Cammin im Besitz von undecim mansi (elf Hofstellen) in villa Radauke, und im Jahr 1321 wurden Vritsowe und Radauke unter den Besitzungen des Domstifts Cammin aufgelistet.Fritz Curschmann: Die Landeseinteilung Pommerns im Mittelalter und die Verwaltungseinteilung der Neuzeit, in: Pommersche Jahrbücher, Band 12, Greifswald 1911, S. 158–337, insbesondere S. 252–253 (Google Books). Zu einem unbekannten Zeitpunkt (möglicherweise schon vor 1321) waren die Güter (zwei in Fritzow, eines in Raddack) vom Domstift Cammin an die Familie Vemern als Lehen gegeben worden, die sie dreihundert Jahre lang in Besitz hatte und 1593 mit Lucas v. Vemern als Letztem des Mannesstammes erlosch.George Adalbert von Mülverstedt: Ausgestorbener Preussischer Adel: Provinz Pommern, Bauer und Raspe, Nürnberg 1894, S. 104(Google Books). Laut der Vasallen-Tabelle des Stifts Cammin vom 8. April 1565 war der verstorbene Lorentz v. Vemern (ein Vetter des Lucas) bis zu seinem Tod im Besitz von Radauke gewesen und anschließend Jacob von Puttkamer dessen Lehnsnachfolger geworden, der gewählter Dekan der Kirchen zu Cammin und Landvogt zu Greifenberg war.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 210 (Google Books).Georg Franz August Strecker: Lorenz von Vemern, in: Monatsblätter der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, Neunzehnter Jahrgang, Stettin 1905, S. 25–26 (Google Books). Als nach ihm George Christian von Puttkammer in den Besitz von Fritzow und des adligen Ackerwerks Raddack gekommen war, verteilte dieser den Zubehör des Ackerwerks an die hiesigen Landwirte, so dass Raddack um 1780 nunmehr aus einem Freischulzenhof, neun Vollbauern, drei Halbbauern, acht Kossäten und einem Pfarrbauern bestand.
In der Vasallen-Tabelle von 1804 wird Heinrich Gottlob Wenzislaw v. d. Gablentz als Besitzer von Fritzow und Raddack genannt.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 465 (Google Books). Nachdem das Domstift Cammin durch das Edikt vom 10. Oktober 1811 des Königs von Preußen aufgehoben worden war, wurden dessen Liegenschaften vom königlichen Domänenfiskus eingezogen. 1823 wurde ein Teil des Bezirks des Freischulzenguts in Raddack parzelliert und für 1547 Taler an zehn Parzellisten veräußert.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 285 (Google Books), und S. 423 (Google Books). 1870, nach 1819 erfolgter Gemeinheitsteilung, hatte das Dorf Raddack vierzig Grundbesitzer und eine 558 Hektar umfassende Gemarkungsfläche.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Kartet des Kreisgebiets von 1936), S. 152.
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 570,1 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Raddack 39 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 50 Pderde, 236 Stück Rindvieh, 173 Schafe und 418 Stück Borstenvieh hielten; die Imker des Dorfs betrieben 33 Bienenstöcke.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Stettin, 12. Kreis Cammin, S. 52–53, Ziffer 78 (Google Books).
Die Gemarkung der Landgemeinde Raddack hatte um 1930 eine Fläche von 5,7 km². Im Gemeindegebiet, in dem Raddack die einzige Wohnstätte war, standen insgesamt vierzig bewohnte Wohnhäuser. Um 1935 hatte Raddack u. a. einen Gemischtwarenladen, eine Mühle und eine Schmiede.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1096 (Google Books).
Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Raddack zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Raddack war Sitz des Amtsbezirks Raddack.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Infolge des Krieges kam der Ort an Polen und wurde in Radawka umbenannt.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – zum Gutsbezirk Fritzow, einem Puttkamersches Afterlehen des Camminer Domkapitels, gehöriges Dorf, mit einer Windmühle, einem unter der Gerichtsbarkeit des Camminer Domkapitels stehenden Freischulzenhof, neun Vollbauern, drei Halbbauern, acht Kossäten, einem Pfarrbauern und 35 Feuerstellen (Haushaltungen), eingepfarrt zu Fritzow in der Camminer Synode und als Lehn im Besitz des Landrats George Christian von Puttkammer befindlichLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 1. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 41, Ziffer 31 (Google Books). 1818 212 Dorf und Windmühle, adlige Besitzung, eingepfarrt zu FritzowAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 103, Ziffer 88 (Google Books).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 165, Ziffer 59 (Google Books). 1852 267 DorfKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 493 (Google Books). 1864 281 am 3. Dezember, GemeindebezirkKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 5. Kreis Kammin. Berlin 1866, S. 18–25, Ziffer 145 (Google Books). 1867 276 am 3. Dezember 1871 283 am 1. Dezember, sämtlich EvangelischeKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 62–63, Ziffer 76 (Google Books). 1885 244 am 1. Dezember, sämtlich EvangelischeKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern. Berlin 1888, S. 72–73, Ziffer 78 (Google Books). 1890 247 am 1. DezemberKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895. II. Regierungsbezirk Stettin. 11. Kreis Kammin, S. 29, Ziffer 26 (Google Books). 1895 255 am 2. Dezember, sämtlich EvangelischeGemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, IV. Provinz Pommern, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, S. 74–75, Ziffer 77 (Google Books). 1910 236 am 1. DezemberRaddack, Dorf, Kreis Cammin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Raddack (meyersgaz.org).Landkreis Cammin (Gemeindeverzeichnis.de) – U. Schubert (2022) 1925 229 darunter 202 Evangelische, aber keine Person katholischer oder jüdischer Konfession (Religionszugehörigkeit der restlichen 27 Einwohner unbekannt)Die Gemeinde Raddack im ehemaligen Kreis Cammin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). 1933 239 1939 225 2011 62 Główny Urząd Statystyczny, Ludność - struktura według ekonomicznych grup wieku Stand vom 31. März 2011, abgerufen am 11. Dezember 2025
Kirchspiel bis 1945 Die bis 1945 anwesenden evangelischen Bewohner der Gemeinde Raddack gehörten zum Kirchspiel Fritzow der Camminer Synode, zu dem außer Fritzow noch die Ortschaften Granzow, Lüchenthin, Ramsberg, Stresow, Walddievenow sowie die aus den Ortschaften Berg Dievenow und Ost-Dievenow bestehende Filialgemeinde gehörten.
Das katholische Kirchspiel war in Cammin i. Pom. Das Standesamt befand sich in Fritzow.
Trivia Im 19. Jahrhundert wurden in der Kiefernheide am Ostseestrand nördlich des Dorfs zur Herbstzeit Dohnen an den Bäumen angebracht, um viele Wacholderdrosseln für den Verzehr zu fangen.
Weblinks
Amtsbezirk Raddack (Territorial.de) Die Gemeinde Raddack im ehemaligen Kreis Cammin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Westpommern Kategorie:Ort in Pommern Kategorie:Gmina Kamień Pomorski