Das Richard Wagner Museum befindet sich an der ehemaligen Wohnstätte von Richard Wagner auf der Landzunge Tribschen in Luzern. Das Gebäude und die Sammlung sind auf der Liste der Kulturgüter in der Kategorie A als national bedeutend vermerkt.

Museum Im Erdgeschoss ist eine Ausstellung über das Leben und das Werk von Richard Wagner auf Tribschen eingerichtet. In den ehemaligen Wohnräumen befinden sich seine Originalmöbel. Diese sind vermischt mit restaurierten Sitzgelegenheiten, welche zur Benützung vorgesehen sind. Dabei kann über Audioguide die Geschichte von Wagner während seiner Luzerner Zeit von April 1866 bis 1872 gehört werden. Das obere Stockwerk steht für Sonderausstellungen zu Themen im Zusammenhang mit Richard Wagner zur Verfügung.

Das Museum ist jeweils vom 1. April bis 30. November zu besichtigen, da es eine Winterpause hat. Auf dem Vorplatz ist bei günstiger Witterung das «Sommercafé» offen.

Sammlung mini|Der Klavierraum mit dem Érard-Flügel Im Besitz der Stadt Luzern – welche Trägerin des Museums ist – befinden sich ca. 1'600 Objekte im Zusammenhang mit Richard Wagner. Da nur ein kleiner Teil ausgestellt werden kann, wird aktuell eine Online-Sammlung eingerichtet.

Das Herzstück der Schau ist Wagners Érard-Flügel von 1858 aus Paris. Dieser wird bei öffentlichen Führungen gespielt.

Geschichte des Gebäudes Das würfelförmige Herrenhaus wurde bereits im Spätmittelalter gebaut und zuerst von den «Herren zu Tripschen» bewohnt. Im Jahr 1623 entstand die Grundform des Gebäudes. Um 1800 wurde es von der Luzerner Patrizierfamilie «am Rhyn» erworben und in die heutige Form umgebaut. In den Jahren 1866 bis 1872 entstand für die Pfauen von Cosima Wagner ein Pfauenhaus. Wahrscheinlich entstand das zum Landsitz gehörige Bootshaus Anfangs des 20. Jahrhunderts. 1931 erwarb die Stadt Luzern das Gebäude mit dem 30'000 m2 umfassenden Park.

Neben dem Landhaus und der Sammlung des Richard-Wagner-Museums sind auch das Pfauen- und das Bootshaus auf der Kulturgüterliste als national bedeutend geführt.

Geschichte des Museums 1932 wurde das Richard-Wagner-Museum eröffnet. Zur Saison 2023 wurde die Dauerausstellung modernisiert, zum dritten Mal seit Bestehen des Museums. Dabei wurden die alten Vitrinen entfernt und das neue Audioguide-System eingeführt.

Von 1943 bis 2009 befand sich im ersten Obergeschoss die städtische historische Musikinstrumentensammlung aus dem Nachlass von Heinrich Schumacher (1858–1923). Diese wurde 2010 mit einer anderen Sammlung zur Musikinstrumentensammlung Willisau zusammengelegt, welche seit 2023 als «Haus der Instrumente» in Kriens beheimatet ist.

Wagners Asyl im Landhaus mini|Richard Wagner (um 1868) Nach unsteten Reisejahren wurde das Haus das «Asyl» Richard Wagners, in dem er vorerst zur Ruhe kam. Oberst Walter Ludwig am Rhyn-Schumacher vermietete den Landsitz von 1866 bis 1872 an Richard Wagner. Ehrenhalber verlieh ihm am Rhyn ein Diplom, das dem Komponisten das Recht erteilte, fortan das Wappen der ausgestorbenen Familie Tribschen zu führen. Wagner liess es im Haus Wahnfried anbringen.

Er wohnte in Tribschen gemeinsam mit Cosima und ihren Kindern. Hier vollendete er die Komposition der Meistersinger von Nürnberg und arbeitete weiter an seinem Ring des Nibelungen. Die Tochter des Eigentümers des Landhauses, Angelique am Rhyn, gibt in ihren Erinnerungen einen Einblick in das Leben Wagners und zeichnet ein amüsantes Bild des «Mieters» in Tribschen:

Friedrich Nietzsche im Landhaus Nach seiner Berufung zum Professor nach Basel kam der junge Friedrich Nietzsche am 17. Mai 1869 erstmals nach Tribschen und freundete sich mit den Wagners an. Für diesen frühen Nietzsche war Wagner ein «Abbild» des grossen Aischylos. Nietzsche schrieb an seinen Freund Erwin Rohde:

Nietzsche besuchte die Wagners über 20 Mal in Tribschen, bewohnte ein eigenes Gästezimmer und verliebte sich wohl in Cosima, die er später als seine «heimlich geliebte Ariadne» bezeichnete. Später, als er in verschiedenen Schriften bilanzierte (z. B. Nietzsche contra Wagner), bezeichnete er seine Zeit in Tribschen als seine Allerglücklichste.

«Siegfried-Idyll» In Tribschen wurden Wagners Kinder Eva und Siegfried geboren. Für Cosimas 33. Geburtstag schrieb Wagner zur Erinnerung an die Geburt seines einzigen Sohnes heimlich das Siegfried-Idyll und liess es am 25. Dezember 1870 in Tribschen mit einem kleinen Kammerorchester (u. a. Richter, Ruhoff, Rauchenecker und Kahl) aufführen. Cosima Wagner notierte in ihrem Tagebuch:

Im Jahre 1938 fand vor dem Haus unter der Leitung von Arturo Toscanini der Auftakt zu den Luzerner Musikfestwochen statt. Vor 1200 Zuhörern stand unter anderem das Siegfried-Idyll auf dem Programm. Seit 1956 besteht die Schweizerische Richard-Wagner-Gesellschaft. Auch im Gedenkjahr 1983 (Wagner starb 1883) fand im Beisein der Wagner-Enkelinnen eine Matinee mit Werken und Texten Richard Wagners statt.

Literatur Cosima Wagner: Die Tagebücher. München 1976 Friedrich Nietzsche: Sämtliche Schriften. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin 1967 und 1988.

Weblinks

Offizielle Homepage des Richard Wagner Museums Richard Wagner Museum auf der Website Kantons Luzern Homepage «Sommercafé» Landhaus Tribschen, Richard-Wagner-Museum. Kanton Luzern, Kantonales Denkmalverzeichnis und Bauinventar

Einzelnachweise

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