Mùqī () war ein chinesischer Zen-Mönch und Maler, der im 13. Jahrhundert lebte. Das Geburts- und das Todesdatum sind unbekannt. Heute gilt er als einer der größten Zen-Maler aller Zeiten. Ihm zugeschriebene Tuschezeichnungen wie das Triptychon Guanyin, Kranich und Gibbon und die Sechs Kakifrüchte werden als essenzielle Beispiele der Zen-Malerei angesehen. Er beeinflusste stark die japanischen Malermönche in den folgenden Jahrhunderten.
Sein Name im Mönchssystem war Fǎcháng (法常). Muqi war sein Künstlername, weitere Schreibweisen dafür sind Muxi, Mu-hsi und Mu’Chi. In Japan wird sein Name etwa Mokkei ausgesprochen.
Leben Von Mùqīs Leben ist wenig bekannt und so gut wie nichts belegt. Er wurde, wahrscheinlich zwischen 1200 und 1220, in Sichuan geboren. Möglicherweise war er Schüler des ebenfalls aus Sichuan stammenden Zen-Meister, Malers und Kalligrafen Wúzhǔn Shīfàn (無準師範, 1177–1249). Die Ausbildung könnte in einem Tempel am Berg Qingcheng in Sichuan stattgefunden haben. In seiner zweiten Lebenshälfte soll er sich in der Nähe der damaligen Hauptstadt Hangzhou aufgehalten und im am Westsee gelegenen Kloster Liu-Tong eine aktive Rolle gespielt haben. Die Angaben darüber variieren, mal heißt es, er habe es gegründet, mal, er habe es wieder aufgebaut oder reformiert. Doch auch dazu gibt es keine sicheren Quellen. Er starb zwischen 1264 und 1294, wahrscheinlich in Hangzhou. Er soll ein exzentrischer Charakter gewesen sein, der seine Inspiration gern im Wein suchte und auch im angetrunkenen Zustand dichtete und malte.In dieser Beziehung war er nicht der einzige, auch sein älterer Malerfreund Liang Kai hatte diesen Ruf. Siehe Jan Fontein, Rose Hempel: China, Korea, Japan. In: Propyläen Kunstgeschichte. Band 20, Propyläen Verlag, Berlin o. J., S. 193 f.
Werk Äußerlich ist Mùqīs Malweise nicht von der sogenannten Literatenmalerei seiner Zeit zu unterscheiden, zumal eine Abgrenzung zwischen dieser und der Zen-Malerei schwierig ist.Jan Fontein, Rose Hempel: China, Korea, Japan. In: Propyläen Kunstgeschichte. Band 20, Propyläen Verlag Berlin o. J., S. 55. Sie ist dem „knochenlosen Stil“ zuzuordnen, der ohne akzentuierte Umrisse auskommt.
Obwohl Muqi während seiner Zeit am Westsee durchaus im Mittelpunkt von Künstlern stand und in bestimmten Kreisen Bewunderung genoss, wurde in China seine Kunst zu seinen Lebzeiten und mehr noch nach seinem Tod als unelegant und regelwidrig verurteilt und schließlich vergessen. Dazu trugen auch die politischen Umbrüche der Yüan-Zeit bei. Heute lässt sich diese Ablehnung nicht mehr nachvollziehen, denn in der Tat erreichte Muqis Stil, im Gegensatz zur akademischen Kunst seiner Zeit
Den ästhetischen Auffassungen der Japaner aber entsprachen seine Werke und daher gerieten fast alle, die ihm zugeschrieben wurden, durch Ankäufe reisender japanischer Zen-Mönche in japanische Klöster und Sammlungen, sodass sie erhalten blieben. Insbesondere der Shogun Ashikaga kaufte sie an und verbreitete sie. In China ohne nachhaltigen Einfluss, war Mùqīs Wirkung in Japan überwältigend. Er gilt dort als Begründer der Zen-Malerei, der folgenden Generationen den Weg wies. Zu seinen Nachfolgern zählen beispielsweise Mokuan ReienJan Fontein, Rose Hempel: China, Korea, Japan. In: Propyläen Kunstgeschichte. Band 20, Propyläen Verlag Berlin o. J., S. 120 und 271. und Hasegawa Tohaku.Jan Fontein, Rose Hempel: China, Korea, Japan. In: Propyläen Kunstgeschichte. Band 20, Propyläen Verlag Berlin o. J., S. 125.
Mùqī zugeschriebene Werke Ein Verzeichnis der wichtigsten Werke Mùqīs zu erstellen, ist nicht unproblematisch. Jahrhundertelang galt er als Urheber einer Reihe von Tuschebildern, die aufgrund ihrer Qualität seinen Ruf begründeten. Bei Untersuchungen durch die moderne Kunstwissenschaft ergab sich jedoch, dass Signaturen oder sonstige eindeutige Belege fast immer fehlen. So gehen die Meinungen der Fachleute über ihre Authentizität auseinander. Dennoch gibt es gute Gründe, die bekanntesten hier zu erwähnen: In älterer Literatur und teils heute noch werden sie ohne Wenn und Aber als von Mùqī stammend bezeichnetBeispielsweise: Otto Fischer, Chinesische Landschaftsmalerei, Paul Neff Verlag Berlin/Wien, 1943, S. 75;Ernst Grosse, Die Ostasiatische Tuschmalerei, Bruno Cassirer Verlag, Berlin, 1923, S. 39–52. und einige von ihnen wurden in Japan zum Nationalschatz und zum wichtigen Kulturgut deklariert. Sie sind damit Teil des kulturellen Gedächtnisses Japans und der Grund für den Ruhm dieses Malers, von dem man fast nichts weiß und der dennoch zur Legende wurde.
Sechs Kakifrüchte mini|Sechs Kakifrüchte Die Sechs Kakifrüchte gelten als eines der Hauptwerke Mùqīs und als eines der bedeutendsten Werke der Tuschmalerei überhaupt, auch wenn eine Signatur fehlt und manche Kunstwissenschaftler dessen Urheberschaft stark bezweifeln.
Nichts ist über das Bild bekannt, bevor es 1606 zum Ryoko-in, einem Tempel des Daitoku-ji in Kyoto kam. Da in diesem Gebäude häufig Teezeremonien stattfanden, wird es vor allem mit diesen in Verbindung gebracht. Am gleichen Ort werden zwei weitere Darstellungen von Pflanzen aufbewahrt, die von den Proportionen und der Bildaufteilung ähnlich sind, eines zeigt Hibiskusblüten, das andere einen Kastanienzweig. Buddhisten gelten die Sechs Kakifrüchte als Inbegriff der Zen-Philosophie. Die scheinbare Simplizität lässt vielfältige Deutungsmöglichkeiten zu, die beispielsweise an die Symbolik der Zahl Sechs und die der Kakifrucht anknüpfen. Weitere Bedeutungen erschließen sich bei genauer Beobachtung der Anordnung und der Form- und Farbunterschiede. So sieht Will Heinrich, horizontal gelesen, eine Abfolge von Freiheit, Verstrickung und wieder Freiheit darin.Will Heinrich: A Rare Appearance for ‘Six Persimmons,’ a 13th-Century Masterpiece. An 800-year-old ink painting, regarded as the “Zen Mona Lisa,” has made a once-in-a-lifetime trip to the United States. In: The New York Times. 21. November 2023. Dietrich Seckel weist darauf hin, dass die Transparenz der Farbflächen die buddhistische Vorstellung der universalen Durchdringung sichtbar macht.Dietrich Seckel: Mu-hsi: Sechs Kaki-Früchte. In: Nachrichten der Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. 77, 1955, S. 52.
Für den Kunsthistoriker Laurence Sickman verdeutlicht das Bild die fundamentale Buddha-Natur. Arthur Waley, der englische Orientalist und Sinologe, der zur Übersetzung chinesischer und japanischer Dichtung ins Englische beitrug, beschrieb es als eine Malerei, die „Leidenschaft … zu einer wundersamen Ruhe gerinnen lässt.“
Durch zahlreiche Reproduktionen wurden die Sechs Kakifrüchte über Japan hinaus bekannt und trugen zur weltweiten Verbreitung des Zen-Buddhismus und seiner Malerei bei.
Guanyin, Kranich und Gibbon Auch das Triptychon Guanyin, Kranich und Gibbons, bestehend aus drei vertikalen Seidenrollen, wird als ein ikonisches Werk Mùqīs betrachtet. Es wird wie die Sechs Kakifrüchte im Kloster Daikoji-in in Kyoto aufbewahrt.Guanyin, Gibbons, and Crane (觀音猿鶴圖), Abbildung, China Online Museum, abgerufen am 24. Januar 2026
Die weißgekleidete Guanyin in der Mitte ist aus einer Dreiviertel-Perspektive zu sehen. Sie sitzt vor einem Felsen, die Hände und Beine sind von locker fallendem Stoff bedeckt. Um ihre Stellung als Boddhisattva zu unterstreichen, trägt sie einen prächtigen Kopfputz und Juwelen. Links hinter ihr ist ein Weidenzweig zu erkennen. Mùqīs Signatur (蜀僧法常, der Mönch Fachang aus Sichuan) befindet sich zusammen mit seinem Siegel in der unteren linken Ecke des Bildes, sodass zumindest diese Zuschreibung als gesichert gelten kann. Auf dem linken Teil des Triptychons schreitet ein Kranich nach rechts. Der Kopf ist erhoben, der Hals gestreckt und er scheint laut zu rufen. Rechts ist eine Gibbon-Mutter mit ihrem Jungen auf einem welken Ast abgebildet. Sie hält es mit der rechten Hand, während die linke den Ast ergreift. Sowohl Kranich als auch Gibbon tragen symbolische Bedeutung.
Es ist nicht überliefert, wann die drei Rollen in Japan ankamen. Erstmals wurden sie 1466 in den täglichen Aufzeichnungen der Ereignisse im Inryoken Pavillon erwähnt. In der Folge wurden sie dem Daitokuji geschenkt. Ob das Triptychon vom Anfang als solches gedacht war, ist zweifelhaft, denn auf dem Bild der Guanyin befindet sich ein vierzeiliges Gedicht Wúzhǔns, des Lehrers Mùqīs, wo aber an Tieren nur der Gibbon erwähnt ist. Auch ist diese mittlere Rolle stärker beschädigt als die beiden anderen.
Die Diptychen mit Tiger und Drache Auch diese beiden Tiere spielen in der chinesischen Kultur eine wichtige Rolle, wobei der Tiger Yin und der Drache Yang zugeordnet wird. Zwei Hängerollen-Paare mit dieser Thematik werden Muqi zugeschrieben: eine befindet sich ebenfalls im Daikoji-in, eine weitere im Cleveland Museum of Art. Ein drittes und viertes Paar, die heute im Besitz des Metropolitan Museums in New York sind, erwiesen sich als Arbeiten aus späteren Jahrhunderten, die den Exemplaren in Cleveland nachempfunden waren.
Die Acht Ansichten von XiaoXiang mini|Abendrot über einem Fischerdorf, aus: Die Acht Ansichten von Xiao Xiang Xiao und Xiang sind zwei Flüsse in Hunan, die in den Dongting-See münden. Sie waren bereits vor Mùqīs Zeit ein beliebtes Landschaftsmotiv. Was im 15. Jahrhundert nach Japan gelangte und ihm dann zugeschrieben wurde (oder in umgekehrter Reihenfolge), waren zwei Querrollen mit je vier Ansichten. Shogun Ashikaga Yoshimitsu ließ sie auseinanderschneiden und zu sehr breiten Hängerollen umarbeiten, die er verdienten Persönlichkeiten weitergab. Von diesen befinden sich fünf heute in öffentlichen Sammlungen: Abendgeläute aus einem fernen Tempel, Hatakeyama Memorial Museum, Tokyo. Herbstmond über dem Dongting-See, Tokugawa Museum of Art, Nagoya Sonnenuntergang über einem Fischerdorf, Nezu-Museum, Tokyo Heimkehrende Boote, Nationalmuseum Kyoto Wildgänse auf dem Ufersand, Idemitsu-Kunstmuseum, Tokyo
Luohan Weniger Zweifel an Mùqīs Autorschaft als die Acht Ansichten ruft die Hängerolle eines Luohan oder Arhats hervor, die Mùqīs Siegel zeigt und sich im Seikado Bunko Museum, Tokyo, befindet. Um den anscheinend Meditierenden ringelt sich eine Schlange, die ihn anzischt.
Vögel mit Pflanzen mini|Weide und Elster, Cleveland Museum of Art Ähnlich minimalistisch wie die Sechs Kakifrüchte sind einige Tuschbilder mit Vögeln, die von Mùqī stammen könnten oder in seiner Manier gemalt wurden: Lotus und Schwalbe. Cleveland Museum of Art clevelandart.org Weide und Elster. Cleveland Museum of Art clevelandart.org Bambus und Spatz. Nezu-Museum, Tokyo Weide und Schwalbe. Tokugawa Kunstmuseum, Nagoya
Literatur Allgemein Jan Fontein, Rose Hempel: China, Korea, Japan. In: Propyläen Kunstgeschichte. Band 20, Propyläen Verlag Berlin o. J.
Speziell zu den Sechs Kakifrüchten Dietrich Seckel: Mu-hsi: Sechs Kaki-Früchte. In: Nachrichten der Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. 77, 1955, S. 44–55. oag.uni-hamburg.de Will Heinrich: A Rare Appearance for ‘Six Persimmons,’ a 13th-Century Masterpiece. An 800-year-old ink painting, regarded as the “Zen Mona Lisa,” has made a once-in-a-lifetime trip to the United States. In: The New York Times. 21. November 2023 (nytimes.com).
Weblinks
Laura W. Allen, Beth Harris: Attributed to Muqi, Six Persimmons. 15. März 2024 smarthistory.org The Beginning of the Chan Painting and Muqi: youtube.com Muqi’s Six Persimmons and Chan (Zen) Buddhism in the 13th century: youtube.com
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (China) Kategorie:Person des Zen-Buddhismus Kategorie:Chinese Kategorie:Geboren im 12. oder 13. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 13. Jahrhundert Kategorie:Mann