mini|hochkant|Wappen derer von Herda in Siebmachers Wappenbuch (Horst Appuhn, 1989), Abteilung sächsische Ritterschaft Herda (auch Herden, Hörden, Hörda, Hörda zu Brandenburg o. ö.) ist der Name eines altritterlichenMülverstedt (1884), S. 59. thüringischen Adelsgeschlechts, das im Jahr 1892 im Mannesstamm erlosch.
Geschichte Die von Herda gehörten zum thüringischen Uradel und nannten sich nach ihrem Stammsitz Schloss Herda in Herda im heutigen Wartburgkreis. Einzelne Mitglieder des Geschlechts waren in Sachsen begütert und in Preußen bedienstet. Ansonsten saßen sie zumeist im Sachsen-Hildburghausischen, Hennebergischen und Hessen sowie im Stift Naumburg und in Franken. Besitz hatte die Familie u. a. in Ettenhausen an der Nesse, Hastrungsfeld, Hausbreitenbach, Lauchröden, Lengsfeld, Markgrafenstein, Oepfershausen und Unterellen.Hefner/Gritzner/Mülverstedt (1878), S. 166.Mülverstedt (1884), S. 69.Ledebur (1855), S. 345
Die Herren von Herda waren anzunehmender Weise abhängige Territorialherren und gehörten gleichzeitig zum Ministerialadel. Das Geschlecht ist mit Dietrich von Herda im Jahr 1244 erstmals im Zusammenhang mit einem Abt des Klosters Hersfeld urkundlich nachweisbar. Die urkundlich ununterbrochene Stammreihe beginnt um 1360 mit Heinrich von Herda. 1387 waren Ritter Heinrich von Herda und seine Brüder Lehensleute des Landgrafen von Thüringen.Clemens von Hausen: Vasallen-Geschlechter der Markgrafen zu Meissen, Landgrafen zu Thüringen und Herzoge zu Sachsen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Auf Grund des im Königl. Haupt-Staatsarchiv zu Dresden befindlichen Urkundenmaterials zusammengestellt, Berlin 1892, S. 153 f. Im Jahr 1415 kamen die Herren von Herda in Besitz der Ost- bzw. Oberburg der Brandenburg in Lauchröden und blieben es bis zu ihrem Erlöschen Ende des 19. Jahrhunderts.Rabich (2006), S. 39–41.
In der Landgrafschaft Hessen hatten Persönlichkeiten der Familie hochrangige Positionen inne: Philipp der Ältere von Herda (belegt 1443–1484) war zunächst fuldischer, dann hessischer Marschall. Zuletzt ist er mit dem Titel eines hessischen Küchenmeisters urkundlich. Sein jüngerer Bruder Philipp (belegt 1485–1491) war hessischer Rat sowie Landdrost zu Westfalen. Die Söhne Philipps des Älteren waren der Amtmann Mangold von Herda (belegt 1490–1516) und Rabe [eigentlich Raban] von Herda (belegt 1462–1504), der hessischer Marschall und Rat, sowie Statthalter Landgraf Wilhelms II. in Kassel war. Bei wichtigen Streitfällen war er Schiedsmann. Des Letzteren Schwiegersohn war Ludwig I. von Boyneburg zu Lengsfeld (* 1466 in Gerstungen; † 1537 in Felsberg), der unter den Landgrafen Wilhelm II. und Philipp I. von Hessen verschiedene hohe und höchste Staatsämter innehatte: Rat, Landvogt an der Werra, Statthalter an der Lahn, Hofrichter, Landhofmeister und Vormundschaftsregent, und der über seine Ehefrau (⚭ 1490) Mathilde (Mechthildis) von Herda aus dem Haus Brandenburg (* um 1469 † nach 1508) 1523 auch den größten Teil der Stamm- und fuldischen Lehngüter derer von Herda, die Herrschaft Lengsfeld, erwarb. Der Ehe mit Mathilde von Herda entstammte der hessisch-sächsische Diplomat Georg von Boyneburg-Lengsfeld.
Auch im Baltikum erscheint die Familie. Curd von Herda war 1421 im Stift Ösel.Gritzner (1901), S. 65. 1562 war Sebastian von Herda kursächsischer Rat. 1641 war Rüdiger von Herda Komtur des Deutschen Ordens zu Griefstedt.Mülverstedt (1884), S. 59. 1714 war ein von Herda sachsen-eisenacher Hofmarschall: Friedrich Wilhelm von Herda (* um 1650/1660; † 1714 in Eisenach), war unter Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach (regierte 1698–1729) einer der ranghöchsten Beamten. Als Wirklicher Hofmarschall leitete er die gesamte Hofhaltung; als Geheimer Rat gehörte er dem engsten Beraterkreis des Herzogs (Geheimes Consilium) an.Georg Voss (1915), S. 189–191. Carl Christian von Herda von und zu Brandenburg (* 1728; † 1802) avancierte 1776 zum Präsidenten der sachsen-eisenachischen Kammer und 1781 zum Geheimen Rat und Direktor der Landschaftskasse.W. Daniel Wilson: Unterirdische Gänge. Goethe, Freimaurerei und Politik, 1999, S. 266.
Therese von Herda zu Brandenburg (* 1819; † 1880), Tochter des königlich württembergischen Bergratspräsidenten Ludwig Ernst ConstantinDer deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- u. Familienkunde, Band 23, Berlin 1892, S. 145 f. von Herda zu Brandenburg, heiratete am 16. November 1842 den hessischen Erbmarschall, Standesherrn und Abgeordneten, Freiherr Georg Riedesel zu Eisenbach.Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Band 21, 1871, S. 555. Das Geschlecht erlosch im Mannesstamm mit ihrem Bruder, dem am 18. Juni 1892 verstorbenen sachsen-weimarischen Kammerherren und Oberstallmeister Constantin von und zu Herda zu Brandenburg,Geschichte des Geschlechtes von Tümpling, Band 3, 1894, S. 295. der im Alter von 77 Jahren reich begütert (u. a. nebst enormem Barvermögen, drei großen Rittergütern zu Lauchröden, Unterellen und Herda, sowie einem Waldkomplex) zu Lauchröden verstarb. Als seine Haupterben bedachte er zuletzt seinen Rentmeister Wölbing zu Herda und dessen Ehefrau, sowie seine Haushälterin, die nur eine relativ geringe Summe (60.000 Mark) an die drei verheirateten Schwestern (Freifrauen Riedesel zu Eisenbach, von Fritsch und von Heym) bzw. deren Söhne auszuzahlen sollten. Diese nahen Seitenverwandten kündigten an, das Testament anfechten zu wollen. Die letzte Angehörige des Geschlechts war seine Schwester Sopie Freifrau von Fritsch, geb. von Herda zur Brandenburg (* am 4. Nov. 1822 in Stuttgart; † am 25. März 1903 in Weimar), Witwe (zweite Gemahlin) des großherzoglich sächsischen Kammerherren und Oberforstmeisters Georg August Freiherr von Fritsch (* 1807; † 1866), Herrn auf Groß- und Klein-Goddula.Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Band 83, 1933, S. 135. Die dritte Schwester war Friederike Luise Henriette von Herda zu Brandenburg. Sie wurde am 23. November 1819 in Ludwigsburg geboren und verstarb am 24. August 1891 in Weimar.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil A. Uradel. 6. Jahrgang, Gotha 1905, S. 310. Sie war ebenfalls Tochter des württembergischen Bergratspräsidenten Ludwig von Herda zu Brandenburg (1775–1857) und dessen Ehefrau Dorothea geb. von Behr (1780–1856).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil A. Uradel. 5. Jahrgang, Gotha 1904, S. 336. und heiratete am 26. September 1843 in Stuttgart den großherzoglich sachsen-weimarischen Kammerherrn und Major a. D. Friedrich August von Heym (* 13. Juli 1805 in Gotha; † 2. März 1888 in Weimar), der dem alten thüringisch-sächsischen Adelsgeschlecht von Heym angehörte. Das Ehepaar von Heym-von Herda lebte anschließend in Weimar, wo beide auch verstarben.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil A. Uradel. 6. Jahrgang, Gotha 1905, S. 310.
Nach erfolgreichem Ausgang des Rechtsstreits um das Herda-Erbe, nahm ihr gemeinsamer Sohn, der sachsen-weimarische Hauptmann und Kammerherr Ludwig von Heym (* 14. Juli 1847 in Weimar), die drei Rittergüter seines Onkels, des kinderlosen Oberstallmeisters Constantin von Herda zu Brandenburg († 1892), in Besitz. Ludwig von Heym hatte bereits im Jahr vor dem Tod seines Onkels, 1891, die Genehmigung zur Namens- und Wappenvereinigung als von Heym-Herda erwirkt und trat schließlich das Erbe der Güter Lauchröden, Unterellen und Herda an. Doch zuvor hatte es nach dem Tod Constantins von Herda gerichtliche Auseinandersetzungen um dessen Nachlass gegeben, da dieser sein Vermögen testamentarisch seinem Rentmeister Friedrich Wölbing und dessen Ehefrau sowie seiner eigenen Haushälterin, Fräulein Heß, vermacht hatte.Vgl. zur Erbstreitigkeit: Jenaische Zeitung, Nr. 147 vom 24. Juni 1892, Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Nr. 182 vom 30. Juni 1892, S. 3125, sowie Juristische Wochenschrift, 1894, S. 452 ff. Die adeligen Neffen Constantins von Herda, Söhne seiner drei Schwestern Friederike von Heym, Wilhelmine Riedesel von Eisenbach und Auguste von Fritsch, allen voran Ludwig von Heym (ab 1891 von Heym-Herda), klagten gegen die bürgerlichen Erben. Die Neffen warfen dem Rentmeister vor, Constantin von Herda in dessen letzten Lebensjahren isoliert und beeinflusst zu haben, plädierten also auf Testierunfähigkeit des Onkels. Dieser Prozess zog sich über Jahre durch die Instanzen (u. a. Oberlandesgericht Jena) und endete in einem Vergleich, bei dem ein Großteil des Vermögens an die adligen Verwandten zurückfiel.Mitteilungen aus der thüringischen Rechtspflege, in: Zeitschrift für das Privat- und öffentliche Recht der Gegenwart, herausgegeben von Karl Samuel Grünhut, Band 20 (1893), S. 608–610. Juristische Wochenschrift, 1892, S. 468.
Wappen Blasonierung des durch die Schreibvariante „Hörda“ in Bezug mit den überdimensionierten Ohren redenden Wappens: In Rot ein schwarzgekleideter Mannsrumpf mit silbernen Aufschlägen und Eselsohren (Midaskopf).Curt O. von Querfurth: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. C. H. Becksche Buchhandlung, Nördlingen 1872, S. 89. Auf dem Helm mit rot-schwarzen Helmdecken die Schildfigur wiederholt.
Ernst Heinrich Kneschke beschreibt die Tingierung des Schildes abweichend als „blau“.Kneschke (1863), S. 399. Auch in Gold wird der Schild dargestellt, beispielsweise am Epitaph für Hermann VI. Riedesel († 1560) in der Stadtkirche in Lauterbach (Hessen).
Das Wappen derer von Herda findet sich auch an bzw. in verschiedenen Gebäuden und Kirchen:
Literatur Johann Friedrich Schannat: Fuldischer Lehnhof. Frankfurt a. M., 1726. Wappenabbildung S. 99 (digitale-sammlungen.de) und Artikel zum Adelsgeschlecht Herda bzw. Herda zu Brandenburg S. 106–108 (digitale-sammlungen.de; Latein) Constantin Kronfeld: Landeskunde des Grossherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach, Teil 2: Topographie des Landes. Weimar 1879, S. 363 f. Georg Voß (Hrsg.): Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, Band 3: Verwaltungsbezirk Eisenach. Amtsgerichtsbezirke Gerstungen und Eisenach (Landorte). (= Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, Band 40). Jena 1915. Zum Adelsgeschlecht von Herda und dessen Beziehung zu Thüringen (insbesondere Sachsen-Eisenach) in diesem Band: Lauchröden (mit der Brandenburg): Die detaillierte Geschichte der Familie von Herda im Zusammenhang mit ihrem Stammsitz auf der Brandenburg wird auf den Seiten 222–242 abgehandelt. Herda (Ort): Die Beschreibung des namensgebenden Ortes und der dortigen Kirche (mit herdischen Grabmälern) auf den Seiten 183–193. (Vorschau in Google-Books) Adalbert Rabich: Das adlige Geschlecht derer von Herda und seine Beziehung zu Thüringen, insbesondere zur Region und Bevölkerung des Werrabogens und um das Dorf Herda. Grin-Verlag, München/Ravensburg 2006. (Leseprobe auf Grin.com) Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 4: Graffen – Kalau v. Kalheim. Leipzig 1863, S. 399 (Google Bücher). Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Band 2: G – L. Regensburg 1863. S. 142. (digitale Sammlungen) Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 1: A–K, Berlin 1855, S. 345 (digitale-sammlungen.de). Siebmachers Wappenbuch Johann Siebmacher: New Wappenbuch, Band 1. Nürnberg 1605. S. 170 (books.google.de) Tfl. 170. (books.google.de) Magdalena Esther Weigel (Hrsg.): Christoph Weigel: Weigelisches Wappenbuchs, Teil 3. Nürnberg 1772. Tfl. 171 (uni-goettingen.de). Adolf Matthias Hildebrandt: Der Adel des Königreichs Sachsen. Nürnberg 1857, S. 32 (uni-heidelberg.de) u. Tfl. 35 (uni-heidelberg.de). Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt, Adolf Matthias Hildebrandt: Der blühende Adel des Königreichs Preußen (Edelleute A–L). Nürnberg 1878, S. 166 (uni-goettingen.de) und Tfl. 214 (uni-goettingen.de).