Fusobacteriati ist ein 2024 aufgestelltes Bakterien-Reich als offizielle Bezeichnung des 2012 von Luketa vorgeschlagenen Superphylums „Fusobacterida“. Es umfasst mit stand 18. Januar 2026 einzig („monotypisch“) nur das 2021 von Garrity und Holt offiziell aufgestellte Phylum Fusobacteriota. Es handelt sich dabei um obligat anaerobe, nicht sporenbildende gramnegative stäbchenförmige Bakterien (Fusobakterien).

Forschungsgeschichte Seit den ersten Berichten über Mitglieder der heutigen Fusobacteriota im späten 19. Jahrhundert wurden diesen Organismen verschiedene Namen gegeben, und so hat die Vielfalt der Art­namen zu einiger Verwirrung besonders innerhalb der Gattungen Fusobacterium und Leptotrichia geführt. Änderungen in der Nomenklatur lagen teilweise Versuche zugrunde, zwischen Arten zu unterscheiden, die als pathogen, kommensal oder beides eingestuft wurden. Seit langem bekannt ist die Beteiligung von Fusobacteriota an einem breiten Spektrum von Infektionen beim Men­schen, die zu Gewebenekrose und Septikämie führen; in jüngerer Zeit wurde insbesondere über ihre Bedeutung bei intraamniotischen Infektionen (Fruchtwasserinfektionen), Frühgeburten und tropischen Geschwüren berichtet. Aufgrund ihrer asaccharolytischen Natur und des all­ge­meinen seltenen Nach­weises in routine­mäßigen bio­chemischen Tests war die Identifizierung der Fusobakterien im Labor lange Zeit schwierig. Erst durch die Anwendung neuartiger molekular­biologischer Techniken in der Taxonomie konnten fortgeschrittene Identifizierungs­methoden entwickelt und eine Reihe neuer Arten inklusive Fuso­bacterium necro­phorum und F. nucleatum identifiziert werden. Zu den neu beschriebenen Arten gehören mehrere Arten aus der Mundhöhle sowie das 1988 erstbeschriebene Fuso­bacterium ulcerans aus tropischen Geschwüren. Zudem war eine Unterteilung der wichtigen Arten F. necrophorum und F. nucleatum in Unterarten möglich. Die neuen Untersuchungs­methoden haben so zu einem besseren Verständnis der Taxonomie geführt. Es ist wahr­schein­lich, dass die Taxonomie der Fusobacteriota in Zukunft noch weiter­entwickelt wird.

Systematik Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der (LPSN) und dem (NCBI), ergänzt um Einträge aus der (GTDB), Stand 13. Januar 2026:

Reich Fusobacteriati 2024(L,N)

Phylum Fusobacteriota 2021(L) bzw. Klasse Fusobacteriia 2012(L,N) Ordnung Fusobacteriales 2012(L,N) Familie Fusobacteriaceae 2012(L,N) <br />– mit Fusobacterium, Ilyobacter Familie Haliovirgaceae et al. 2023(L,N) Familie Leptotrichiaceae 2012(L,N)<br />– mit Leptotrichia, Sneathia nicht näher klassifizierte Fusobacteriales(N) Spezies Fusobacteriales bacterium Spezies Fusobacteriales bacterium nicht näher klassifizierte Fusobacteriia(N) Spezies Fusobacteriia bacterium 4572_132(N) Spezies Fusobacteriia bacterium 4572_74(N) Spezies Fusobacteriia bacterium UBA1095(N) Spezies Fusobacteriia bacterium UBA1674(N) Spezies Fusobacteriia bacterium UBA1975(N) Spezies Fusobacteriia bacterium UBA6774(N) Spezies Fusobacteriia bacterium UBA816(N) nicht näher klassifizierte Fusobacteriota(N) Spezies Fusobacteria bacterium Ko711(N) Spezies Fusobacteria bacterium ZRK30(N) Spezies Fusobacteria bacterium oral taxon 210(N) Spezies Fusobacteria bacterium oral taxon 220(N) Spezies Fusobacteria bacterium oral taxon A71(N) Spezies Fusobacteria bacterium srb1u(N) Spezies cf. Propionigenium sp. MGP-13AN(N) Spezies Fusobacteria bacterium enrichment culture clone 4.17a Bac band 2(N) Spezies Fusobacteria bacterium enrichment culture clone 4.17b Bac band 8(N) Spezies Leptotrichia-like sp. oral clone BB002(N) Spezies Leptotrichia-like sp. oral clone BB135(N)

L – (LPSN) N – Taxonomie des (NCBI) G – (GTDB)

Phylogenie 16S-rRNA-basiert:The All-Species Living Tree Project LTP_10_2024 Basierend auf 120 Markerproteinen:Genome Taxonomy Database (GTDB) 10-RS226

Humanpathogene Vertreter Seit 2011 gibt es neue Hinweise darauf, dass einige dieser Bakterien beim Menschen Darmkrebs verursachen können oder zumindest damit in Zusammenhang stehen könnten. 2011/2012 berichteten Kostic et al. über das Vorkommen von Fusobacteriota in Darmkrebsgewebe, und eine 2017 erschienene multizentrische Studie liefert Hinweise darauf, dass einige Fälle – insbesondere rechtsseitige – durch eine Infektion mit Fusobacteriota verursacht sein könnten.

Etymologie Der Name des Bakterien-Reichs, Fu­so­bac­te­ri­a­ti, ist neu und setzt sich zusammen aus dem Namen der Typusgattung Fusobacterium, versehen mit dem Suffix für Prokaryoten-Reiche. Fusobacteriati bedeutet also das Reich der Gattung Fusobacterium. Analog besteht der Name des Phylums, Fu­so­bac­te­ri­o­ta, aus dem Namen der Typusgattung und der Phyla (Stämme, Abteilungen) von Prokaryoten kennzeichnenden Endung . Der Name der Typusgattung Fu­so­bac­te­ri­um selbst kommt von und neulat. , ‚Bakterium‘, verweist somit auf ein spindelförmiges Bakterium.

Anmerkungen

Einzelnachweise LPSN: Kingdom Fusobacteriati Battistuzzi and Hedges 2024. NCBI Taxonomy Browser: Fusobacteriati, Details: Fusobacteriati Battistuzzi and Hedges 2024, heterotypic synonym: "Fusobacterida" Luketa 2012. Graphisch: Fusobacteriati, auf: Lifemap. GTDB: Bacteria. Genome Taxonomy Database (GTDB) Release 10-RS220

The All-Species Living Tree Project LTP_all_10_2024

Susan Bullman, Chandra S. Pedamallu, Ewa Sicinska, Thomas E. Clancy, Xiaoyang Zhang, Diana Cai, Donna Neuberg, Katherine Huang, Fatima Guevara, Timothy Nelson, Otari Chipashvili, Timothy Hagan, Mark Walker, Aruna Ramachandran, Begoña Diosdado, Garazi Serna, Nuria Mulet, Stefania Landolfi, Santiago Ramon y Cajal, Roberta Fasani, Andrew J. Aguirre, Kimmie Ng, Elena Élez, Shuji Ogino, Josep Tabernero, Charles S. Fuchs, William C. Hahn, Paolo Nuciforo, Matthew Meyerson: Analysis of Fusobacterium persistence and antibiotic response in colorectal cancer. In: Science, Band 358, Nr. 6369, 23. November 2017, S. 1443​–1448; , , PMID 29170280, ().

Aleksandar D. Kostic, Dirk Gevers, Chandra Sekhar Pedamallu, Monia Michaud, Fujiko Duke, Ashlee M. Earl, Akinyemi I. Ojesina, Joonil Jung, Adam J. Bass, Josep Tabernero, José Baselga, Chen Liu, Ramesh A. Shivdasani, Shuji Ogino, Bruce W. Birren, Curtis Huttenhower, Wendy S. Garrett, Matthew Meyerson: Genomic analysis identifies association of Fusobacterium with colorectal carcinoma. In: Genome Research, Band 22, Nr. 2, , Februar 2012, S. 292–298; , , PMID PDF (genome.cshlp.org), Epub 18. Oktober 2011 (). Stefan Luketa: New views on the megaclassification of life. In: Protistology, Band 7, Nr. 4, Januar 2012, S. 218–237; ResearchGate:250308890 ().

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