Marcel Zentner ist ein Schweizer Psychologe und Hochschullehrer. Er ist Professor für Persönlichkeitspsychologie, Differentielle Psychologie und Diagnostik an der Universität Innsbruck und bekannt für seine Beiträge zur Musikpsychologie, insbesondere für die Entwicklung der Geneva Emotional Music Scale (GEMS) und des Profile of Music Perception Skills (PROMS).

Leben

Ausbildung Zentner studierte von 1986 bis 1992 Psychologie, klinische Kinderpsychologie und Philosophie an der Universität Zürich und an der Harvard University. 1992 erwarb er das Lizentiat in Psychologie an der Universität Zürich. 1996 wurde er an der Universität Zürich in Psychologie, Psychopathologie und Philosophie promoviert. Im Jahr 2004 habilitierte er sich an der Universität Freiburg in der Schweiz.

Akademische Laufbahn Nach seiner Promotion arbeitete Zentner von 1994 bis 1996 als Postdoc am Department of Psychology der Harvard University. Von 1996 bis 2001 war er als Maître-Assistant in der Geneva Emotion Research Group an der Universität Genf tätig. Von 2001 bis 2007 hatte er eine SNF-Förderprofessur an der Universität Genf inne. 2003 war er als Visiting Scholar an der University of California, Berkeley tätig. Von 2008 bis 2013 war er Senior Lecturer (Associate Professor) am Department of Psychology der University of York. Seit 2014 ist er Professor für Persönlichkeitspsychologie, Differentielle Psychologie und Diagnostik an der Universität Innsbruck, wo er das Music Emotion Assessment and Personality Lab (MUSEMAP) leitet.

Forschungsschwerpunkte

Musikpsychologie Zentners Forschung konzentriert sich auf mehrere Bereiche der Psychologie, wobei die Musikpsychologie einen besonderen Schwerpunkt bildet.

Geneva Emotional Music Scale (GEMS) Gemeinsam mit Didier Grandjean und Klaus R. Scherer entwickelte Zentner die Geneva Emotional Music Scale (GEMS), die erste Selbstbeurteilungsskala zur Messung von durch Musik ausgelösten Emotionen. Die GEMS wurde ursprünglich als 45-Item-Inventar auf Basis eines Neun-Faktoren-Modells musikinduzierter Emotionen konzipiert. Später wurden auch 25-Item- und 9-Item-Versionen entwickelt. Die Originalveröffentlichung zur GEMS war zwischen 2009 und 2023 der am zweithäufigsten zitierte Artikel der Zeitschrift Emotion.

Profile of Music Perception Skills (PROMS) 2012 entwickelte Zentner gemeinsam mit Lily Law das Profile of Music Perception Skills (PROMS), einen objektiven Test zur Messung musikalischer Fähigkeiten. 2017 wurden verkürzte Versionen (Short-PROMS und Mini-PROMS) publiziert. 2024 folgte der Micro-PROMS für eine schnelle Online-Erfassung musikalischer Fähigkeiten.

Emotion-to-Music Mapping Atlas (EMMA) 2024 entwickelte Zentner mit Kollegen den Emotion-to-Music Mapping Atlas (EMMA), eine Datenbank von Musikstücken, die mittels der GEMS akademisch bewertet wurden.

Musikalische Entwicklung bei Kindern Gemeinsam mit Jerome Kagan zeigte Zentner, dass Säuglinge im vorsprachlichen Alter konsonante Melodien gegenüber dissonanten bevorzugen. Mit Tuomas Eerola wies er nach, dass Säuglinge eine frühzeitige Fähigkeit besitzen, sich rhythmisch zur Musik und anderen regelmäßigen akustischen Reizen zu bewegen.

Persönlichkeitspsychologie und Temperament Zentner hat bedeutende Beiträge zur Temperamentsforschung geleistet. Gemeinsam mit Rebecca L. Shiner veröffentlichte er 2012 das Handbook of Temperament, ein Standardwerk zur Entwicklung von Temperament und Persönlichkeit. Er entwickelte zudem das Integrative Child Temperament Inventory (ICTI) zur Erfassung kindlichen Temperaments.

Partnerwahl und Geschlechterunterschiede Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Einfluss von Geschlechtergleichstellung auf Partnerwahlpräferenzen. Zentner konnte zeigen, dass in Ländern mit höherer Geschlechtergleichstellung die Geschlechterunterschiede bei Partnerwahlpräferenzen geringer sind.

Andere Tätigkeiten Von 2014 bis 2019 war Zentner Editor-in-Chief der Zeitschrift Frontiers in Personality and Social Psychology. Von 2011 bis 2013 war er Associate Editor bei Frontiers in Personality Science and Individual Differences. Seit 2008 ist er Mitglied des Editorial Boards des International Journal of Developmental Science.

2021 hielt er einen TEDx-Vortrag in Innsbruck zum Thema „9 great composers explained in 9 emotions“.

Weblinks Profil auf musemap.org Profil an der Universität Innsbruck

Einzelnachweise

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