Der Sonnenstuhlturm ist ein Aussichtsturm in der Nähe von Randersacker, einer Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg. Auf der Spitze des Hohenrotbergs liegt er umgeben von der Weinlage „Randersacker Sonnenstuhl“, welche auch seit 1972 für den heutigen Namen verantwortlich ist. Im Volksmund ist er jedoch auch als „Kartoffelturm“ bekannt. Von der Aussichtsplattform aus kann man in südlicher Richtung die A3 und einen großen Teil des Ochsenfurter Gaus überblicken. In nördlicher Richtung sieht man das Maintal Richtung Würzburg und sogar die Festung Marienberg.
Lage Der Sonnenstuhlturm befindet sich südlich des Ortskerns von Randersacker auf der Kuppe des Hohenrotbergs im Maintal. Das Flurstück gehört mit der Nummer 3065 zur Flurlage „Auf dem hohen Roth“. Der Turm ist über einige Wanderwege, sowie die Straße „Am Rodberg“ zu erreichen. Durch seine offene Hanglage sind die Panoramarouten besonders bei Weininteressierten beliebt.
Geschichte In den 1920er Jahren galt der Hohenrotberg als beliebtes Ausflugsziel bei einigen Jugendgruppen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Spitze des Bergs nur von einem Holzkreuz geziert. Ende der 1920er Jahre wurde dann aus Gründen des Heimatunterrichts von Schülern an diesem Ort eine steinerne Aussichtsplattform zusammengetragen.
1933 begann dann durch eine initiative der NSDAP-Ortsgruppe Randersacker der Bau eines Turms zu Ehren von Adolf Hitler. Dieser wurde aus Muschelkalk-Gestein aus den umliegenden Steinbrüchen errichtet. Der „Adolf-Hitler-Turm“ sollte sowohl Propagandazwecken dienen als auch dem Volkskanzler selbst den perfekten Ausblick über das Maintal bieten. Der Turm erhielt in seiner Mitte einen Fahnenmast, sowie 2,25 m hohe Hakenkreuze in der Fassade, die als Verzierung dienen sollten. Da jedoch nie Treppenstufen in die Rampe eingebaut wurden, wurde das Bauwerk auch nie offiziell eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der ursprüngliche Name bewusst nicht mehr verwendet, und es setzten sich stattdessen Namen wie „Rotbergturm“, „Riedbergturm“ und der im Volksmund bis heute gebräuchliche Name „Kartoffelturm“ durch. Da die Hakenkreuze entfernt wurden, entstanden einige Löcher in der Fassade. Diese gefährdeten die Sicherheit der Personen. Der Gemeinderat beauftragte später die Sanierung und verwarf die Idee, den Turm abzureißen.
Im Rahmen der Flurbereinigung wurde das Bauwerk 1972 nach der umliegenden Weinlage offiziell in Sonnenstuhlturm umbenannt. 1989 erfolgte die Aufnahme in die Liste der Baudenkmäler in Randersacker, wodurch der Turm unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Architektur Der Sonnenstuhlturm ist ein runder Bruchsteinturm aus Muschelkalk-Gestein aus der Umgebung. Charakteristisch ist der konisch zulaufende Unterbau. Die Rampe auf der südöstlichen Seite führt auf den Turm hinauf. Dort lassen sich mittig noch die Stahlträger des ehemaligen Fahnenmasts entdecken. +Genaue Baudaten:Durchmesser untere Plattform 27,5 mDurchmesser obere Plattform18,5 mTurmdurchmesser unten12,5 mTurmdurchmesser oben8,0 mTurmhöhe7,5 mTurmhöhe inklusive Plattformen10,3 mTurmvolumen600 m³
Heutige Nutzung Heute ist der Sonnenstuhlturm Teil des Projekts terroir-f, welches geologische und weinbauliche Besonderheiten Frankens vermittelt. Zu dem Gelände wurden eine neue Steinbank zum Ausruhen für Besucher sowie Informationstafeln zur regionalen Weinbaugeschichte hinzugefügt. Der Standort gilt heute mit seinem weitreichenden Ausblick als beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt und wird oft in (Wein-)Wanderungen einbezogen.
Literatur Herbert Haas: Der Sonnenstuhlturm, seine braune Vergangenheit und wechselvolle Geschichte. Eigenverlag, Randersacker 2003.
Einzelnachweise
Kategorie:Aussichtsturm in Bayern Kategorie:Bauwerk im Landkreis Würzburg Kategorie:Baudenkmal in Randersacker Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Aussichtsturm in Europa Kategorie:Rundturm