mini|Die Gaststätte Fürstenkeller über den Gewölben 1841, links eine Ecke des Rentamtes Als sogenannter Fürstenkeller werden zwei tonnenartige Gewölbe bezeichnet, die sich in Jena unter der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek an der Adresse Bibliotheksplatz 2 befinden.
Bau und Lage Die Anlage besteht aus zwei parallel laufenden Gewölben in Nord-Süd-Richtung, die mit einem Gang verbunden sind. Das große Gewölbe besitzt eine Scheitelhöhe von zehn Metern, eine Länge von 55 Metern und eine Breite von zwölf Metern, was einer Grundfläche von 660 Quadratmetern entspricht. Das kleine Gewölbe erreicht bei einer Breite von neun Metern eine Länge von 33 Metern. Die Anlage wurde mit Drainagesystem und Wasserrinnen ausgerüstet und besitzt eine gefasste Quelle zur Wasserversorgung. Er wurde in der Zwetzener Vorstadt im Nordwesten des damaligen Stadtschlosses am Fürstengraben erbaut.Website von Jena Kultur
Geschichte mini|Neues Bibliotheksgebäude in Jena (Bildmitte, davor rechts das alte Rentamt) Die Keller wurden unter Kurfürst Johann Friedrich I. zwischen 1532 und 1537 errichtet und dienten zunächst der Lagerung des der Landesherrschaft als Abgabe zustehenden Weines. Das größte Weinfass soll laut Angabe im Jahr 1618 ein Fassungsvermögen von 234 Eimern gehabt haben. Angeblich konnte auch in die Keller ein Fuhrmann mit 4 Pferden hinein, unten herum und wieder hinaus fahren. Teile der Gewölbe waren mit einem massiven Kornspeicher, der auch das sogenannte Rentamt (noch erhalten) enthielt, überbaut. Auch befand sich über den Gewölben zu der Zeit der sogenannte Fürstengarten. Im Jahr 1640 erhielt auf Initiative des Professors Paul Marquard Schlegel der Medizin und Botanik an der Universität Jena, seine Fakultät Teile des Gartens zur Nutzung als Botanischen Gartens. 1663 ist dieser Garten zum Fürstlichen Lustgarten umgewandelt worden.Adrian Beier: Architectus Jenensis, Abbildung der Jenischen Gebäuden, das ist / Die F. S. Residentzstadt Jena, nach ihren Umbfange / Mauren / Graben / Fischteichen / Zwingern ... etc. Samuel Adolph Müller, Jena 1681, S. 309ff.
Im Jahre 1668 ließ Herzog Bernhard von Sachsen-Jena über dem Fürstenkeller ein Gasthaus errichten. Hinter dem Gasthaus wurde gleichzeitig ein Schießhaus errichtet (was kurz danach wieder abgerissen wurde), in dem die Jenaer Studenten mit der Armbrust schießen konnten.Johann August Christian von Hellfeld: Geschichte der erloschenen herzoglich Jenaischen Linie Herzog Bernhards II. zu Sachsen-Jena, und dessen Sohn Johann Wilhelm : sammt einer kurzen Biographie der einzigen Prinzessin Herzog Bernhards, Charlotte Maria. Hellfeld, Jena 1828, S. 26. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Teile des Gasthauses von Burschenschaften genutzt, etwa von der 1840 bis 1846 bestehenden Burschenschaft auf dem Fürstenkeller.
In den Jahren 1852 bis 1858 wurde nach Abriss des Gasthauses auf dem Geländes des Fürstengartens ein Bibliotheksgebäude der Universität im Stil der italienischen Frührenaissance vom Architekten Carl Heinrich Ferdinand Streichhan erbaut, welches im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Ab 1996 wurde dort das neue Bibliothekshauptgebäude durch die Stuttgarter Architektenpartnerschaft Heckmann. Kristel. Jung erbaut.
Der Fürstenkeller soll laut einer Machbarkeitsstudie aus 2006 in Zukunft saniert werden.Website des Architekturführers Thüringen
Literatur Michael Platen: Der Fürstenkeller in Jena. In: Reichtümer und Raritäten. Denkmale, Sammlungen, Akten und Handschriften. Jena 1990, S. 8–13.
Weblinks
Artikel über den Fürstenkeller auf www.db-thueringen.de Bilder des Fürstenkellers auf der Website der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Jena