Jürg Brüesch (* 7. Mai 1957 in Chur; † 31. Dezember 1988 in Pragg/Jenaz) war ein Schweizer Komponist, Geiger und Musikpädagoge.

Leben Jürg Brüesch war Sohn eines Volksmusik-Kontrabassisten. Er begann schon früh, sich musikalisch auszudrücken. Erste Förderung erhielt er am Lehrerseminar bei Gion Antoni Derungs. Nach einer Drogistenlehre studierte er Violine und Komposition am Konservatorium Zürich bei Andrej Lütschg und Hans Ulrich Lehmann. Dort beschäftigte er sich intensiv mit der Klanglichkeit und zeitgenössischen Spieltechniken der Instrumente. Weitere Studien führten ihn zu Paul Glass und Witold Lutosławski, die sein kompositorisches Denken nachhaltig beeinflussten.

Immer stärker wandte er sich von einer experimentellen Avantgarde ab und fand zu rhythmisch bewegten emotionalen Stimmungsbildern. Seine Kammermusikwerke wurden von namhaften Solisten wie Hansheinz Schneeberger, Elmar Schmid, Wolfgang Mehlhorn oder Hans Rudolf Stalder uraufgeführt. 1984 zog er nach Pragg-Jenaz im Bündner Prättigau, um mit pädagogischem Impetus das ganze Musikleben einer ganzen Talschaft zu prägen: Gleichzeitig wirkte er als Musikschulleiter im Prättigau, unterrichtete an der Evangelischen Mittelschule in Schiers, leitete verschiedene Ensembles, einen Chor und eine Big Band, schrieb Konzertkritiken für die Bündner Zeitung und engagierte sich kulturpolitisch als Vorstandsmitglied der SP Graubünden wie als Präsident des Kantonalverbandes Sing- und Musikschulen Graubünden.

1987 erfolgte der Auftrag für ein Festspiel zum 100-jährigen Jubiläum der Rhätischen Bahn, das er nicht mehr vollenden konnte und das postum uraufgeführt wurde. Ein Auftrag des Bayerischen Rundfunks, seine Orgel-Passacaglia von 1982 für grosses Sinfonieorchester zu orchestrieren, blieb Fragment. Aufgrund des Particells instrumentierte der Musikwissenschaftler Thomas Gartmann das Werk 1991, das in der Folge an verschiedenen Musikfestivals aufgeführt wurde. Brüesch starb 1988 im Alter von 31 Jahren an einem Herzversagen.Bündner Tagblatt, 5. Januar 1989: Nachruf auf Jürg Brüesch Sein musikalischer Nachlass wurde 1991 dem Staatsarchiv Graubünden übergeben.Die Südostschweiz, 12. Juni 1991: Übergabe des Nachlasses ans Staatsarchiv

Auszeichnungen 1981 gewann Brüesch einen Kompositionswettbewerb zum 175‑Jahre‑Jubiläum des Musikhauses Hug, der einen Kompositionsauftrag nach sich zog.Bündner Tagblatt, 24. November 1981: Rezension der Uraufführung der Geistlichen Gesänge 1982 erhielt er den Förderpreis des Kantons GraubündenBündner Zeitung, 26. Juni 1982: Bericht über die Preisverleihung des Kantons Graubünden 1983 wurde ihm der Studienpreis der Kiefer Hablitzel Stiftung verliehen.

Werke (Auswahl) Streichquartett Nr. 2 (1976, Zweitfassung 1981) „Am Strand der Toten liessen wir uns nieder“ nach Texten von Hesekiel, den Psalmen und von Chris Hassler für Sopran und Streichquartett. Episode pour violon seul (1981) „So weit der Atem reicht“ (1981) für Bassklarinette solo Geistliche Gesänge (1981) – Zyklus für Mezzosopran und drei Klarinetten, nach Texten von Kurt Marti und Hans Georg Nägeli, : Hug 1982. Passacaglia (1982) für Orgel Passacaglia, orchestriert für Orchester (1991) durch Thomas Gartmann. Sordino ediziuns musicala, Disentis/Mustér 2003. Sisyphus in C-Dur (1984) für einen Cellisten Musik und Gesang zum Festspiel „Tal im Wandel der Zeit“, Bühnenstück in 3 Bildern (1987/1988)

Diskographie Sisyphus in C-Dur (1984) für einen Cellisten, Wolfgang Mehlhorn, in: Bündner Komponisten des 20. Jahrhunderts (Ex Libris, Musikszene Schweiz, EL 16 994, 1985). Passacaglia, orchestriert von Thomas Gartmann, Rumänische Staatsphilharmonie Oradea, Dirigent Simon Camartin, Fonoteca nazionale, Archivnummer CD 37241 (2004).

Literatur Thomas Gartmann: Werkverzeichnis Jürg Brüesch. SUISA/Schweizerisches Musikarchiv, Zürich 1994.

Weblinks Literatur von und über Jürg Brüesch im Katalog der Schweizerischen Nationalbibliothek Nachlassverzeichnis Jürg Brüesch (PDF; 0,2 MB) im Staatsarchiv Graubünden

Einzelnachweise

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